Bully & Rick war eine deutsche Comedyserie von und mit Michael „Bully“ Herbig und Richard Horatio „Rick“ Kavanian. Sie wurde am 13. September 2004 mit über 4 Millionen Zuschauern erstmals auf ProSieben ausgestrahlt. Zwischen 2004 und 2006 wurden zwei Staffeln gesendet, beide sind mittlerweile auf DVD erschienen. Herbig sagte in einem Interview, dass es wohl keine weitere Staffel geben wird.
Konzept Jede Folge besteht aus einer Rahmenhandlung, in der sich zwei Personen begegnen. Ursprünglich waren dies fast immer völlig unterschiedliche Charaktere, die sich noch nie vorher getroffen hatten; in der 2. Staffel sind die Hauptfiguren aber auch des Öfteren Ehepaare, Chef & Angestellter, Arbeitskollegen usw. In die Rahmenhandlung werden Sketche eingebaut, beispielsweise, wenn ein Charakter irgendeinen Verwandten oder ein Ereignis erwähnt. Die Serie als Sketchshow zu bezeichnen ist daher eigentlich nicht richtig. Ein direkter Zusammenhang zwischen der Handlung und den Sketchen ist meistens nicht vorhanden. Die Sketche wurden auch vor der Rahmenhandlung geschrieben, damit mehr Freiheiten beim Schreiben vorhanden waren. Neben Bully und Rick fungierte Alfons Biedermann als Autor, der bereits bei der Bullyparade und allen Kinofilmen Bullys mitschrieb.
Ein weiteres Markenzeichen der Sendung ist, dass bis auf die Statistenrollen (und auch da gibt es Ausnahmen) alle Charaktere von Bully oder Rick gespielt werden, auch, wenn mehr als zwei handelnde Charaktere in der Szene sind. Das erfordert meist entweder den Split-Screen-Effekt oder den Gebrauch von Doubles, die die zusätzlichen Charaktere im Gegenschnitt von hinten darstellen, wenn deren eigentlicher Darsteller bereits in der Einstellung zu sehen ist. Bullys Double ist Schauspieler Oliver Engl, der in der Serie zusätzlich auch einige Statistenrollen übernahm. Dies alles stellt einen weiteren Unterschied zu vielen anderen Sendungen mit Sketchen dar, wo oft auch trotz eines eigentlich begrenzten Maincasts auf weitere Darsteller, wenn notwendig, nicht verzichtet wird (z. B. Die Dreisten Drei: 3 Hauptdarsteller und in Szenen mit mehr als drei Personen, obwohl man technisch problemlos darauf verzichten könnte, weitere Schauspieler).
Die Folgen der ersten Staffel wurden im Kino einem Publikum vorgeführt und aufgezeichnet. Als Eröffnung trugen Bully und Rick immer die Biographien der beiden Hauptcharaktere vor. Dieser Studioteil wurde kurzfristig eingeführt, da die einzelnen Filme nur 13–16 Minuten lang waren und ProSieben eine halbstündige Sendung (inkl. Werbung) haben wollte. Die Episoden der 2. Staffel sind etwas länger und haben keinen Studioteil mehr (es ist auch kein Publikumsgelächter zu hören).
Episoden und Staffeln Staffel 1 (2004), 13 Episoden 01: Im Flugzeug 02: Kreativspot 03: Hotel 04: Einbahnstraße 05: Vorstellungsgespräch 06: Fashion Show 07: Plattenladen 08: Überfallunfall 09: Am Strand 10: Doppelbruch 11: Verhandlung 12: 24 Minuten 13: Das VerhörStaffel 2 (2006), 13 Episoden 14: Eheberatung 15: Passbildautomat 16: Late Night 17: Call Center 18: Elternsprechstunde 19: Am Pool 20: Beim Doktor 21: Gefängnis 22: Hand Ihrer Tochter 23: Kommissar Sigi 24: Schuhgeschäft 25: Waschsalon 26: Hotelaufzug
Charaktere Im Laufe der Serie haben Herbig und Kavanian insgesamt etwa 450 verschiedene Charaktere gespielt bzw. gesprochen, wovon ca. 125 in mehr als einer Folge vorkamen. Einige der am häufigsten auftretenden werden hier näher beschrieben.
Brad und Pitt Brad und Pitt (Bully und Rick) sind zwei Discogänger. Ihr erstes Auftreten bei „Bully & Rick“ hatten sie in der zweiten Folge der ersten Staffel (Kreativspot), in der Brad und Pitt in einem Setting auftreten, das der Szene von Brad Pitts bzw. Tyler Durdens Regelerläuterung im Film „Fight Club“ ähnelt. In weiteren Folgen haben sie bis auf das Aussehen und die Namen nichts mehr mit Brad Pitts eigentlichem Erscheinen zu tun. Vermutlich stellen sie dauerhaft eine Andeutung auf die Dissoziative Identitätsstörung aus „Fight Club“ dar. Jedes Mal, wenn sich Brad und Pitt begegnen, haben sie sich entweder schon eine lange Zeit nicht mehr gesehen, tauschen Worte ohne erfassbaren Sinngehalt oder reden über Brads Probleme, die ebenfalls grotesk scheinen. Das besondere Merkmal ihrer Dialoge besteht darin, dass die beiden immer den Namen des jeweils anderen in ihren Sätzen wieder aufgreifen, sodass dabei häufig der Name des bereits erwähnten Schauspielers zu hören ist. Die Figuren treten stets zusammen auf; lediglich in einer kurzen Szene in der Folge Das Verhör ist Brad ohne Pitt beim Billardspielen zu sehen.
Brad und Pitt sind zwei der wenigen Figuren, die bereits in der Bullyparade erschienen sind, wo die Namen allerdings vertauscht waren.
Burkhard Figg-Windel Burkhard Figg-Windel (Rick) war eine der beiden Hauptfiguren in der allerersten Episode und ist seitdem mehrmals wieder aufgetaucht. Bei seinem ersten Auftritt sitzt er im Flugzeug neben dem extrem reinlichen und peniblen Journalisten Fred Pitt (Bully) und nervt diesen durch seine penetrante übertrieben fröhliche Art. Sich selbst beschreibt er sehr treffend mit dem Satz „Ich muss einfach immer über alles lachen – ich bin ’ne Frohnatur!“. So amüsiert er sich köstlich über das für Pitt ebenfalls sehr fragwürdige Verhalten der Angestellten der Fluggesellschaft, lacht lautstark über den Bordfilm oder bittet die Stewardess (Bully) ihm ein Buch mit den von ihm favorisierten Fischwitzen zu besorgen. Generell scheint er sehr extrovertiert zu sein, er nascht ohne zu fragen vom mitgebrachten Essen seines Nebensitzers und erzählt ihm Geschichten aus seinem Leben, an denen Pitt nicht sonderlich interessiert zu sein scheint. Dabei stellt sich sein Leben überraschenderweise als so gar nicht erfreulich heraus, so wurde er beispielsweise bei der Bundeswehr abgelehnt, vermutlich wegen seines Übergewichts, was er mit „Wozu brauch ich ’n Sixpack, wenn ich mir auch ’n ganzes Fass leisten kann?“ quittiert. Beruflich verkauft er momentan Farben an nur zwei Kunden, einen „durchgeknallten Surrealisten“ (Bully) und den Hamburger Autolackierer Rudi (Bully). All diese Missstände spielt er allerdings einfach herunter, so dass der Eindruck entsteht, er kompensiere seinen Frust und seine Depressionen durch übertriebene (Schein-)Fröhlichkeit.
In der zweiten Staffel wird dieser Eindruck noch dadurch verstärkt, dass das einzige, was man im weitesten Sinne als Geschlechtsverkehr bezeichnen könnte, für ihn der Sturz von einem Sprungturm im Freibad direkt auf Frau M. Pfang (Rick) gewesen sei, wodurch er sie versehentlich schwängerte. Das eindeutigste Anzeichen für eine im Innern zutiefst tragische Persönlichkeit findet sich jedoch in der Folge Beim Doktor. In dieser lädt er sich einen Komiker (Bully) nach Hause ein. Wie sich herausstellt, tat er dies jedoch nur, um Ablenkung vom Tod seiner Frau (Rick), deren Leiche noch immer in der Wohnung liegt, zu bekommen. In dieser Szene weist er auch alkoholabhängiges Verhalten auf. In bullytypischer Manier endet der Sketch allerdings damit, dass Frau Figg-Windel ohne nähere Erklärung wieder erwacht und Burkhard in sein altbekanntes Verhaltensmuster zurückfällt. In seiner Freizeit kegelt Burkhard und imitiert mit seiner Blockflöte Handyklingeltöne, um Passanten mit Mobiltelefonen zu verwirren.
In der Bullyparade gab es bereits eine von Bully dargestellte Figur gleichen Vornamens, deren Leben ebenfalls stets höchst tragisch verlief.
Erwin Falthauser Erwin Falthauser (Bully) ist ein bairisch sprechender, leicht übergewichtiger 48-jähriger Herr, der ziemlich schüchtern und naiv ist und immer versucht, so freundlich wie möglich zu sein, auch, wenn er gerade versucht, ein altes Ehepaar auf der Straße zu überfallen. Er ist Parteimitglied der CSU und oft zusammen mit dem Ministerpräsidenten Karl Ranzinger (Rick) zu sehen, der ihn für seine Verdienste für die Partei (z. B. das Bedienen des Aufnahmegerätes mit dem Applaus, der während Ranzingers Reden benötigt wird oder das Werben für neue Parteimitglieder) mit den Worten „Bravo, Falthauser! So werden wir wieder die Nummer Eins in der Welt!“ lobt. Falthauser war schon in verschiedenen Berufen zu sehen, beispielsweise als Schuhverkäufer, UN-Waffeninspekteur oder – am wohl bekanntesten – Richter. Im Film Lissi und der wilde Kaiser trat Falthauser in animierter Form (mit der Stimme von Bully) als Diener des Königs von Bayern auf.
Giagl Giagl (Rick) ist ein harleyfahrender, gitarrespielender Rocker mit langem schwarzen Haar und Sonnenbrille, der zwar generell ziemlich hart und aggressiv in Erscheinung tritt, aber im Grunde ein sehr sensibler Mensch ist. In den neueren Episoden ist er oft zusammen mit Kommissar Sigi (Bully) in der Sendung „Sigi-Knigge – Die Sendung mit Stil“ zu sehen, in der Sigi immer eine problematische Situation beschreibt und Giagl erklären muss, wie man sich in selbiger zu verhalten hat. Jedes Mal gibt er eine vollkommen absurde Antwort, die von Sigi allerdings immer als korrekt bezeichnet wird (Beispiel: „Sie sitzen mit einer attraktiven Dame beim Candlelightdinner. Nach dem Hauptgang bemerken Sie, dass sie gar kein Geld dabei haben. Was tun Sie?“ – „Ich simuliere eine Herzattacke.“ – „Und dann?“ – „Und dann lass ich mir im Krankenhaus ein Dessert bringen.“ – „Richtig.“). Sein Leitmotiv ist das Lied Back in Black der Band AC/DC, das bei fast allen seiner Auftritte angespielt wird. In mehreren Folgen tritt er als Taxifahrer auf.
Mit insgesamt achtzehn Auftritten ist Giagl die am häufigsten auftretende Figur. In der zweiten Staffel ist er sogar in zwölf von dreizehn Folgen zu sehen. Genau wie Falthauser ist auch er (von Kavanian synchronisiert) im Lissi-Film zu sehen, wo er als König Bussi von Bayern sozusagen eine Parodie auf König Ludwig darstellt.
Mit der gleichen Stimmlage und der ebenso schroffen Art, trat Giagl bereits in der Bullyparade in der Rubrik „Rucksack TV“ auf – hier allerdings mit völlig anderem Erscheinungsbild.
Hakan Hakan (Bully) ist in der Serie das klassische Abbild eines modernen Hip-Hoppers. Er trägt eine dichte Sportjacke, eine Sonnenbrille trotz trüben Wetters, Sportschuhe und eine blaue Basecap verkehrtherum mit der hohlen Seite nach oben. Die Figur hat stets einen Lutscher im Mund und spricht im Straßenjargon. In Folge 12 der zweiten Staffel meldet er sich am Handy zu Beginn eines Anrufs an Eminem mit seinem Kosenamen „60 Cents“. Dieser parodiert den Künstlernamen des Hip-Hoppers 50 Cent.
Hans Hans (Bully) stellt den typischen Stubenhocker und Muttersohn dar. Die Figur trägt ungepflegte blaue Jeans, die bis zum Bauch hochgezogen sind und in denen ein lila Hemd steckt, eine dicke Hornbrille, ungepflegtes lockiges Haar und überdimensionierte Zähne. Trotz dieses Erscheinungsbild hält er sich für einen absoluten Frauenschwarm und beweist in Folge 3 der ersten Staffel (Hotel) während eines Castings Temperament und tänzerisches Können. In der zweiten Staffel ist er fast regelmäßig in kleinen Clips zu sehen, in denen er meist Vanilleeis schleckend an einem Strand in Gedanken über seine derzeitigen Gefühle und Gedanken redet.
Horatio