Die Geschichte Naurus umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Nauru von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Die Republik Nauru im Westpazifik gehört als Insel zu den kleinsten Staaten der Welt. Die Insel, die den Europäern erst seit rund zweihundert Jahren bekannt ist, hat jedoch eine wechselvolle Geschichte durchlebt: Zunächst im Besitz wechselnder Kolonialmächte, stieg der Inselstaat nach Erlangung der Unabhängigkeit 1968 dank seiner umfangreichen Phosphatvorkommen zu einem der reichsten Staaten der Welt auf. Heute jedoch hat Nauru starke finanzielle Probleme und gilt als Entwicklungsland.

Frühgeschichte Die Herkunft des nauruischen Volkes ist bis heute nicht endgültig geklärt. Sie kann möglicherweise aus der letzten malayo-pazifischen Völkerwanderung (etwa um 1200 v. Chr.) erklärt werden, als wahrscheinlich polynesische und melanesische Seefahrer oder Schiffbrüchige von Neuguinea aus die Insel besiedelten; eine Urbevölkerung gab es nicht, obgleich die erste Ethnie auf Nauru wohl Mikronesier waren, wobei die Mikronesier im Westpazifik mit den Melanesiern teilweise vermischt sind.

Als erste Europäer, die Nauru erreichten, gelten die Seefahrer an Bord des Handelsschiffes Hunter unter dem britischen Kapitän John Fearn, die am 8. November 1798 ankamen. Weil die Einwohner sie freundlich begrüßten und sie mit Kokosnüssen und Früchten beschenkten, gaben sie ihr den Namen Pleasure Island. Diesen Namen behielt sie für die nächsten neunzig Jahre, in welchen Großbritannien die Insel in Besitz hatte. Im 19. Jahrhundert war Nauru ein berüchtigter Stützpunkt ausländischer See- und Strandpiraten.

In Nauru lebten damals zwölf Stämme: die Deiboe, Eamwidamit, Eamwidara, Eamwit, Eamgum, Eano, Emeo, Eoraru, Irutsi, Iruwa, Iwi und Ranibok. Jeder dieser Stämme hatte seine eigene Abstammungsgeschichte. Vor 1888 gab es auch kein gemeinsames Oberhaupt über alle Stämme. Sie sind heute im zwölfzackigen Stern der Staatsflagge verewigt, ihre Nachkommen leben noch immer auf Nauru, ordnen sich aber nicht mehr dem Stamm, sondern dem Distrikt zu, in dem sie wohnen. Eine Besonderheit ist der Stamm Iruwa, dessen Vorfahren erst in jüngerer Zeit von den Gilbertinseln einwanderten. Weitere Ausnahmen bilden die Stämme Irutsi und Iwi, von denen es keine Nachkommen gibt. Sie sind vermutlich während der Besetzung Naurus durch Japan in Chuuk ausgestorben. Dass dabei ausgerechnet diese zwei Stämme ausstarben, ist Zufall.

Kolonialzeit Vor dem Ersten Weltkrieg mini|Karte von Nauru (Ānā́ọĕṙọ)(Oktober 1910) mini|Deutsche Kolonialkarte von Nauru (1890/1914) mini|links|Rüstung eines nauruischen Kriegers im Stammeskrieg Die ab 1830 einsetzende europäische Einwanderung, vorwiegend durch britische Emigranten, blieb nicht ohne Folgen für die einheimische Bevölkerung: Bis dahin unbekannte Krankheiten wie Masern und Influenza brachten vielen Nauruern den Tod. 1878 kam es außerdem zum nauruischen Stammeskrieg, bei dem es mehrfach zu kriegerischen Auseinandersetzungen verfeindeter Clans kam. Dieser Krieg reduzierte die damalige Bevölkerung um ein Drittel.

mini|Deutsche Annexionszeremonie in Nauru; in der Mitte König Auweyida mini|Auweyida und Eigamoiya inmitten ihrer Untertanen Im April 1886 unterzeichneten das Deutsche Reich und Großbritannien in Berlin zwei Abkommen, die die Aufteilung der Interessensphären im Westpazifik regelten und wechselseitigen Freihandel garantierten. Nach diesen Abkommen gehörte Nauru zum Interessengebiet Deutschlands.Überblick über die Geschichte Mikronesiens, Dirk Spennemann, Charles Sturt University, Albury, AustralienWortlaut beider Abkommen in Deutsch und Englisch. In: Fabricius, Wilhelm: . Dargestellt anhand von Aktenstücken der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts aus den Beständen des Deutschen Zentralarchivs in Potsdam. Übersetzt und herausgegeben von Dymphna Clark und Stewart Firth, publiziert von: Division of Pacific and Asian History, Research School of Pacific Studies, Australian National University, Canberra 1992. ISBN 0-7315-1367-3, S. 130 ff. Daraufhin wurde Nauru am 16. April 1888 von Truppen des Deutschen Reiches besetzt, die den Stammeskrieg beendeten und am 2. Oktober 1888 zum deutschen Protektorat der Marshallinseln annektiert. Die Flaggenhissung erfolgte durch den Kommandanten in Vertretung des Schiffes Eber Leutnant zur See Emsmann. Deutschland erwarb Nauru vor allem aus strategischen Gründen, um seinen Kolonialbesitz im Pazifik zu festigen. Die Eroberung wurde von der Jaluit-Gesellschaft mitfinanziert, der im Gegenzug weitreichende ökonomische Vorrechte eingeräumt wurden, darunter auch das Monopol der Guanogewinnung auf Nauru und den Marshallinseln. Bis zur Entdeckung der Phosphatvorkommen blieb dies jedoch bedeutungslos. Sie übernahm bis 1906 auch die Verwaltung der Insel. Der deutsche Kommissar setzte als Vertreter des Kaisers den Häuptling von Boe, Auweyida, und dessen Gemahlin Eigamoiya als Inselregenten (König) ein. Letzter Stationsleiter war bis zur Besetzung Naurus Wilhelm Wostrack.Rainer Buschmann: Wilhelm Wostrack: Colonial Officer at the Namatanai Station in central New Ireland. Homepage Michael Hamson Oceanic Art. Link. Abgerufen am 11. Dezember 2025.

Am 14. Juli 1908 wurde ein deutsches Postamt eröffnet. Es verwendete ausschließlich Briefmarken von den Marshallinseln. Diese wurden in Jaluit (Marshallinseln) bis zum 29. September 1914 (Tag der Besetzung durch japanische Truppen) benutzt, auf Nauru bis zum 6. November 1914 (Tag der Besetzung durch australische Truppen).

1900 wurden auf Nauru fluorhaltige Phosphatvorkommen (etwa 1,9 % Fluor) entdeckt und auf etwa 42 Millionen Tonnen geschätzt, wobei diese Schätzung wohl weit untertrieben war. Entstanden durch Ablagerung von Guano (Vogelkot) fand es sich in Form von dünnen, harten und spröden Rinden auf dem Dolomit der Korallen, aber auch auf gewöhnlichem Phosphat und wurde unter der Bezeichnung „Nauruit“ als Dünger in alle Welt exportiert.Die Zeit - Von der Südsee-Idylle zur Mondlandschaft Später wurde das Nauruit als eine Varietät dem Gestein Phosphorit zugeordnet. (PDF, engl., S. 12; 806 kB) Das Nauruit ist heute fast vollständig abgebaut und es gibt nur noch geringe Vorkommen.

1905 wurde in deutsch-britischer Zusammenarbeit die Pacific Phosphate Company gegründet, die seit 1906 mit den Abbau der Phosphatvorkommen kontrollierte. Hierfür wurden ausländische Arbeiter aus China und den Gilbertinseln angeworben.

1907 fanden die ersten Phosphatverschiffungen statt. Die Pacific Phosphate Company baute neben den Anlagen für den Phosphatabbau auch ein Krankenhaus, eine Kanalisationsanlage, eine Kondensationsanlage zur Süßwassergewinnung in Trockenzeiten und eine Sodawasserfabrik sowie auch Eismaschinen und Kühlräume; auch elektrisches Licht konnte erzeugt werden. Außerdem wurden breite, wohlgepflegte Wege angelegt, die die sauber gehaltenen Siedlungen verbanden. 1913 wurden 46 Schiffe abgefertigt, die insgesamt 138.725 Tonnen Phosphat geladen hatten.

Die protestantische Mission Boston sandte 1899 als Unterstützung für den seit 1887 tätigen gilbertinischen Missionar den Deutschamerikaner Philip Delaporte nach Nauru; ab 1908 wurden einige evangelische Missionarstellen zur Christianisierung der Insel errichtet, sodass Deutsch die Schulsprache wurde; auch die katholische Kirche gründete 1902 ihre erste Missionarstation in Nauru. Die bis dahin gestattete Vielehe wurde durch die christliche Ehe ersetzt. Um 1920 wurden erstmals Spuren von Totemismus nachgewiesen. Von den ursprünglich 168 Dörfern existierten damals noch 110.

Im November 1912 begann die deutsche Firma Telefunken mit der Errichtung einer Funkstation auf Nauru. Die Bauarbeiten wurden durch Unfälle und Unwetter behindert. Ein Lastauto fiel beim Transport vom Schiff an Land zweimal ins Wasser, da das eine Mal die Krankette brach und das andere Mal der Haken des Schiffskrans entzweisprang. Die Insulaner Naurus wurden durch die deutsche Verwaltung zum Teil unter Strafandrohung zur Arbeit an der Funkstation gedrängt. Am 1. Dezember 1913 wurde die Station, parallel mit einer ähnlichen Anlage auf den Yap-Inseln, eröffnet. Sie war mit einer schirmförmigen Antenne ausgerüstet, die von einem 120 Meter hohen eisernen Gitterturm getragen wurde. Die Reichweite betrug etwa 3400 Kilometer bis Yap. Für den Verkehr mit Schiffen im Nahbereich bestanden Zusatzstationen mit T-förmigen Luftleitern.Reinhard Klein-Arendt: "Kamina ruft Nauen!" Die Funkstellen in den deutschen Kolonien 1904–1918. Köln: Wilhelm Herbst Verlag, 1995, S. 229 ff., ISBN 3-923925-58-1

Nauru während des Ersten Weltkrieges

mini|Hissung der britischen Fahne auf Nauru, 7. November 1914 mini|Provisorische britische Briefmarke mit dem Porträt von König Georg V. aus dem Jahr 1916

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Nauru wie die anderen deutschen Kolonien im Pazifik kampflos aufgegeben und Nauru von australischen Truppen erst am 6. November 1914 besetzt; Australien verwaltete Nauru nach dem Krieg ab dem 17. Dezember 1920 im Auftrag Großbritanniens und Neuseelands als MandatsgebietMandate for Nauru (Nauru-Mandat), 1921 - Wortlaut als PDF-Datei in der Unesco-Weltbibliothek und sicherte sich die Rechte am Abbau der 1900 entdeckten Phosphatvorkommen. Die Pacific Phosphate Company wurde in British Phosphate Corporation umbenannt. Deutsches Recht blieb bis zum 23. September 1922 in Kraft und wurde dann durch Gesetze des Australischen Bundes, des Bundesstaates Queensland und Britisch-Neuguineas ersetzt.Albert Hahl: Deutsch-Neuguinea, Berlin 1936, S. 38. 1927 wurde mit dem „Rat der Stammeshäuptlinge“ die erste nauruische politische Instanz gebildet.

1919 wurde der Angam Day verkündet, der Tag, an dem die nauruische Bevölkerung 1500 Personen umfasst hatte. Es wurde verkündet, dass mindestens 1500 Nauruer leben müssten, um die nauruische Bevölkerung von der Angst des Aussterbens zu befreien. 1932 wurde der Angam Day gefeiert.

Naoero während des Zweiten Weltkrieges mini|Abbildung der zerschossenen Verladestation am 27. Dezember 1940

Im Zweiten Weltkrieg wurde Nauru am 27. Dezember 1940 von einem deutschen Kriegsschiff, dem Hilfskreuzer Komet beschossen; die Phosphatförderanlagen waren darauf für 10 Wochen lahmgelegt. Bereits vom 6. bis 8. Dezember hatten die Hilfskreuzer Orion und die Komet Phosphat-Transportschiffe vor Nauru versenkt. Die Angriffe auf Nauru führten zu einer Verknappung der Düngemittel in Australien und Neuseeland mit der Folge von Ernteausfällen. Ferner wurden anschließend Handelsschiffe durch Kriegsschiffe eskortiert, Patrouillen durchgeführt und eine kleine Garnison stationiert. Diese Angriffe gelten als der größte Erfolg der im Pazifischen Ozean operierenden deutschen Hilfskreuzer während des Zweiten Weltkriegs.

Am 8. Dezember 1941 kam die Nachricht über den japanischen Angriff auf Pearl Harbor an. Während der vorangegangenen Woche bombardierte ein japanisches Flugzeug die Telegrammstation der Insel. Man hörte in Nauru, dass die Japaner schneller vorankämen als erwartet, auf Grund ihrer Besetzung der benachbarten Gilbertinseln. Viele ausländische Bewohner Naurus begannen, sich unsicher zu fühlen.

Die Britische Phosphatgesellschaft entschied, es wäre das Beste, die Insel zu evakuieren. Das französische Kampfschiff Le Triomphant fuhr von den Neuen Hebriden nach Nauru und nahm 61 Europäer, 391 Chinesen und 49 Mitglieder der Militärgarnison an Bord. Die übrigen 191 Europäer blieben zurück in der Hoffnung, später ebenfalls evakuiert zu werden.

Am 26. August 1942 landeten 300 Soldaten der Armee des mit dem Deutschen Reich verbündeten japanischen Kaiserreiches im Rahmen der Operation RY auf Nauru. Sie nahmen umgehend die verbliebenen Europäer fest. Die etwa 1850 gebürtigen Nauruer mussten Hilfsdienste für die Invasoren leisten. Eine Anzahl Artilleriestellungen wurde an der Küste errichtet, dazu viele Bunker entlang der Küste und an strategisch wichtigen Punkten im Inselinneren sowie ein unterirdisches Krankenhaus.