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mini|300px|Blick auf Grafenau
Ensembles
Ensemble Ortskern Großarmschlag Das Ensemble Großarmschlag umfasst ein um 1300 auf einer Hochfläche angelegtes Angerdorf. Es stellt ein Musterbeispiel für ein planmäßig angelegtes Angerdorf dar, einmalig durch die Weitläufigkeit wie die Unverdorbenheit seiner Anlage, da die übrigen gleichartigen Rodungsdörfer des Grafenauer Gebietes bereits verbaut sind. Der Rodungsschlag eines Armo erfolgte auf einer Hochfläche mit einer sanften Senke nach Westen. Die 20 Höfe wurden in zwei Ost-West-Reihen zu je zehn Anwesen angeordnet, wobei der breite Anger und die östliche und westliche Flanke frei blieben. In die Mitte wurden der Weiher gelegt und in ebenfalls zwei Reihen am Angerrand die Brunnen gegraben. Zwischen der Giebelseite der Häuser und den Brunnen verlief beidseits der Fahrweg. Die Flureinteilung ist zwar nicht mehr ungestört, es lassen sich aber noch die Streifen hinter jedem Hof erkennen, zunächst als Garten bis zur Ettergrenze, darüber hinaus als Hofäcker; rechtwinklig dazu lagen nach Osten und Westen plangerecht die übrigen Flurstreifen für die damals neu eingeführte Methode der Dreifelderwirtschaft. Nach dem letzten Ortsbrand 1914 wurde unter Beiziehung italienischer Bauleute nach der alten Form wieder aufgebaut: Die meist zweigeschossigen Wohn- und Austragshäuser mit vorragenden Satteldächern stehen fast ausnahmslos giebelseitig zum Anger und ergeben ein sehr einheitliches Dorfbild, das seit 1800 auch eine kleine Dorfkapelle besitzt, die 1869 in eine Steinkapelle, 1929 in die Form der jetzigen Schulkirche verwandelt wurde. Die Lage der 20 Anwesen weicht heute nur am Südwesteck und am Nordosteck von der ursprünglichen Situation ab, hat sich also beharrlich gehalten. Einen undörflichen, störenden Charakter hat der am Nordostrand des Ensembles errichtete Eckhaus-Neubau.
Aktennummer: E-2-72-120-2
Ensemble Stadtplatz Das Ensemble umfasst die den Stadtplatz umgebenden Bauten. Der Stadtplatz mit seiner klaren Rechteckanlage aus dem 13. Jahrhundert ist Kern einer wohl im 11. Jahrhundert durch die Grafen von Formbach am rechten Uferhang der Kleinen Ohe gegründeten, im 13. Jahrhundert durch die Edlen von Hals (als Inhabern des bayerisch-wittelsbachischen Amtes Bärnstein) mit dem Marktrecht ausgestatteten und 1376 durch Kaiser Karl IV. zur Stadt erhobenen Siedlung. Die Reste einer Befestigungsmauer zeigen, dass der Kaiser in einem grenzüberschreitenden Verkehrskonzept die Salzlieferung in sein salzloses Erbland Böhmen unter Westumgehung des Hochstifts Passau sichern wollte. Auf der Route („Gulden Straß“) zwischen dem Donauübergang Vilshofen und dem böhmischen Zielort Bergreichenstein, welcher von Karl IV. ebenfalls mit besonderen Rechten und der neuerbauten Burg Karlstein geschützt wurde, lag Grafenau auf halber Strecke, von beiden eine Tagreise entfernt.
Trotz des Verfalls der Mauer seit 1790 ist die alte Stadtanlage innerhalb der ovalförmigen Umfriedung noch deutlich erkennbar: die mittelachsiale Hauptstraße mit beidseitigen Parallelgassen (Scharrer- und Schusterbeck-Straße) sowie verbindenden Quergässchen ergab das altbayerische „Leitersystem“. Die Kirche mit dem Friedhof bildete durch eine eigene Mauer eine Insel an der höchsten Geländestelle. Sie reicht daher noch heute mit ihrem Kirchturm als fernwirksamer Gegenpol zum Dachreiter des ehemaligen Rathauses in das Ensemble herein. Außer diesem Kirchturm ist aufgehendes Mauerwerk des Mittelalters oder des Barocks kaum mehr zu finden; abgesehen von vier zerstörerischen Bränden des 16. Jahrhunderts (und weiteren von 1639, 1676, 1742, 1832, 1844, 1850, 1882) fiel die Stadt im 17. Jahrhundert in große Armut, nachdem 1608 ein Vertrag zwischen Bayern und Passau den „Salzkrieg“ beendet und Bayern nunmehr auf das Handelsmonopol über Vilshofen-Grafenau verzichtet hatte.
Die meist zweigeschossigen Satteldachhäuser des 19. Jahrhunderts teilen sich in zwei Gruppen, eine bodenständige mit flachen Vorschussgiebeln etwa in der Umrissform des alten Waldlerhauses und eine auf die Inn-Salzach-Städte verweisende mit dem Gestaltungsprinzip der waagrechten Vorschussmauern. Dominierend sind das zinnenbekrönte neugotische Rathaus, die Blendfassade von Haus Nummer 14, welche in stolzen Neurenaissanceformen das älteste Gasthaus am Platze einkleidet, und die allerdings ungünstig überdimensionierte „Eder-Villa“, welche um die Jahrhundertwende die Symmetrie der ursprünglich vier Vorschussgiebel-Eckbauten auflöste. Leider trat nach 1920 durch Wegnahme der Fensterläden, teilweises Aufsetzen von Mittel- und Eckzinnen und Anbringen neuer Fensterumfassungen eine Verödung und Verhärtung an den charakteristischen Giebelfronten ein, ebenso stellen die großen Schaufenstereinbauten an zahlreichen Stellen eine Störung des Ensembles dar.
Aktennummer: E-2-72-120-1
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Siehe auch Liste der Bodendenkmäler in Grafenau (Niederbayern)
Anmerkungen
Literatur
Weblinks
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