Der Liebenberger See ist ein 51 Hektar umfassender See westlich von Kienbaum, einem Ortsteil der brandenburgischen Gemeinde Grünheide im Landkreis Oder-Spree.

Der See liegt im Südteil der glazialen Buckower Rinne (auch: Löcknitz-Stobber-Rinne) zwischen den Hochflächen Barnim und Lebuser Land. In dieser Rinne bildet er das nördlichste Glied einer vierteiligen Seenkette und entwässert die gesamte Kette über seinen Abfluss Mühlenfließ in die Löcknitz, einen Zufluss der Spree. 2004 charakterisierte der Steckbrief nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) den maximal acht Meter tiefen Liebenberger See als kalkreichen, ungeschichteten See mit relativ großem Einzugsgebiet und stufte seinen ökologischen und chemischen Gesamtzustand als gut (Stufe zwei von fünf) ein. An seinem südöstlichen Ufer befindet sich das Bundesleistungszentrum Kienbaum des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Das am See gelegene namengebende und im Nachbarort Kienbaum aufgegangene Dorf Liebenberg hatte im Mittelalter durch seine Lage an einem Pass der Handelsstraße Berlin – Frankfurt/Oder eine vergleichsweise hohe Bedeutung.

Lage und Geomorphologie

Das Gewässer liegt im Südteil einer glazialen Schmelzwasserrinne, die sich in den letzten beiden Phasen der Weichsel-Eiszeit zwischen dem von Toteis gefüllten Oderbruch und dem Berliner Urstromtal (heutiges Spreetal) herausgebildet hat und die Barnimplatte von der Lebuser Platte trennt. Diese rund 30 Kilometer lange und zwei bis sechs Kilometer breite Buckower Rinne (auch: Löcknitz-Stöbber-Rinne) entwässert vom Niedermoor- und Quellgebiet Rotes Luch über den Stöbber nach Nordosten zur Oder und über Stöbberbach/Löcknitz nach Südwesten zur Spree.Claus Dalchow, Joachim Kiesel: (PDF; 2,9 MB) In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, Hrsg.: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, Kleinmachnow Heft 1/2 2005, S. 81, .Naturraum Märkische Schweiz. LAG Märkische Schweiz e. V. Westlich des Löcknitzlaufs sind in der Schmelzwasserrinne zwei Seenketten von Nordost nach Südwest aufgereiht. Die südliche Kette aus Möllensee, Peetzsee und Werlsee entwässert nach Süden über die Neue Löcknitz in die Löcknitz. Die obere vierteilige Kette, bestehend aus Elsensee, Baberowsee und Bauernsee und dem Liebenberger See liegt im Unterlauf des Lichtenower Mühlenfließes. Annähernd gegenläufig zu den übrigen Fließrichtungen strömt das Wasser hier ostwärts und macht erst nach dem Verlassen des Liebenberger Sees einen kurzen Haken nach Süden in die Löcknitz – die wiederum nach Südwesten fließt.

Die Löcknitz entsteht in einem kleinen länglichen Tümpel beim Forsthaus Bienenwerder und strömt dann durch den Maxsee. Die rund 30 Kilometer lange Löcknitz strömt von Kienbaum bis zum Grünheider Ortsteil Fangschleuse frei mäandrierend und hat auf mehr als 20 Kilometern, insbesondere im Naturschutzgebiet Löcknitztal, natürliche Uferstrukturen behalten.Jörg Gelbrecht, Gerhard Ziebarth: Das NSG „Löcknitztal“. … Im Dämeritzsee mündet sie in die Spree, sodass sie über die Havel und Elbe in die Nordsee entwässert.

Topographie und Hydrologie Morphometrische, ökologische und chemische Daten Nach einer Bestandsaufnahme im Jahr 2017 gibt der Steckbrief nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) für den Liebenberger See (Wasserkörper-Nr. 8000158278479) eine Fläche von 51 ha und ein Einzugsgebiet von 97 km² an. Das Seevolumen beträgt 3 Millionen m³. Die maximale Tiefe liegt bei 8 Metern, die größte Länge des von Nordost nach Südwest gestreckten Gewässers bei 1684 und die größte Breite bei 400 Metern. Der ökologische wie auch der chemische Zustand werden auf einer fünfstufigen Skala jeweils mit 3 (= Umweltziel der WRRL wird knapp verfehlt (mäßiger Zustand)) angegeben, wobei der ökologische Zustand im Jahr 2009 noch mit 1 (= Umweltziel „sehr guter Zustand“ der WRRL wird erreicht) bewertet worden war. Auch die Qualitätskomponente Phytoplankton erhält eine 3. Für die beiden Qualitätskomponenten Makrophyten und Diatomeen werden keine Werte angegeben. Der LAWA-Trophieindex betrug 3,6 (polytroph). Das Gewässer wird als kalkreicher, ungeschichteter See mit relativ großem Einzugsgebiet (Verweilzeit > 30d) charakterisiert. (Hinweis zum Trophiesystem: Der Trophieindex nach LAWA (1999) fasst vier Trophie-Parameter (TP während der Frühjahrsvollzirkulation sowie die Vegetationsmittel von Chlorophyll a, Sichttiefe und TP) in einer Zahl zusammen. Dabei gehen die einzelnen Parameter in unterschiedlicher Gewichtung ein.Jacqueline Rücker: (PDF; 883 kB) Brandenburgische Technische Universität Cottbus, BTU Aktuelle Reihe 3/2004, S. 11)

Seeabfluss mini|Fischpass von 2010 am Seeabfluss mini|Europäischer Wels, laut Roter Liste in Brandenburg zurückgehende Vorkommen

Hydrologische Messungen zeigten, dass der Liebenberger See mit dem Stobberbach den größten Beitrag zum Abfluss der Löcknitz bei Kienbaum beiträgt. Im Jahresmittel 1979 bis 1994 ergaben sich folgende Beiträge der drei Löcknitz-„Quellen“:

Mühlenfließ, Pegel Abfluss Liebenberger See: 0,17 m³/s (Siehe hierzu auch: Lichtenower Mühlenfließ) Stobberbach, Pegel Heidekrug: 0,17 m³/s (Heidekrug ist ein südwestlich der Stadt gelegener Teil von Müncheberg) Mühlenfließ, Abfluss des Maxsees, Pegel Neue Mühle: 0,15 m³/s.Eva Driescher: Die Löcknitz und ihr Einzugsgebiet … , S. 12.

Der Liebenberger See und insbesondere der Maxsee tragen große Mengen Phytoplankton beziehungsweise planktonbürtiges Seston in die Löcknitz ein (Seston definiert als partikuläres organisches Material der Wassersäule). Allerdings ist das eingetragene Phytoplankton nach 1,8 Kilometer Fließstrecke bereits wirkungsvoll eliminiert. So nahm die Seston-Konzentration 1994 während der Wochen der dichten und vitalen Makrophytenbesiedlung um 89 % ab; in den Monaten vor dem Wachstum der Makrophyten beziehungsweise nach dem Niedergang der Makrophyten während der Hitzeperiode lag der Sestonrückhalt auf dieser Fließstrecke bei rund 50 %.Michael Böhme: Sauerstoffhaushalt, Sestonrückhalt und […], S. 60, 66

Fischpass und Fische In den 1990er-Jahren wurde am Abfluss des Liebenberger Sees eine Fischtreppe gebaut, um den Zugang zu der Seenkette für wandernde Fischarten wieder passierbar zu machen. Diese Treppe führte durch das Verwaltungsgebäude des Bundesleistungszentrums Kienbaum. Im Zuge des Neubaus des Gebäudes errichtete der Wasser- und Landschaftspflegeverband 2010 eine neue Fischtreppe, die am Gebäude vorbeiführt. Die neue Anlage verfügt teilweise über Sohlgleiten und je dreizehn Wasserbecken und Stufen, an denen die Fische je zehn Zentimeter überwinden. Während der Bauzeit sollen die Fische im Tosbecken gewissermaßen „Schlange gestanden“ haben, um in den See zu gelangen. Parallel zur Fischtreppe verläuft eine Hochwasserentlastungsanlage. Das Rohr mit einem Durchmesser von einem Meter war eine Forderung der Oberen Wasserbehörde. Steigt der Pegel im Liebenberger See, wird es zusätzlich geöffnet. Die Fischtreppe stellte die Untere Naturschutzbehörde als Bedingung für den Neubau des Gebäudes.Manja Wilde: Im See kommen die laut Roter Liste in Brandenburg zurückgehenden Aale, Zander und Welse vor.Gesamtartenliste und Rote Liste der Fische und Neunaugen (Pisces et Cyclostomata) von Berlin: S. 87–S. 91 in Fische in Berlin - Bilanz der Artenvielfalt", herausgegeben vom Fischereiamt Berlin Im Jahr 2006 wurden am Fischaufstieg zum See zudem folgende Fischarten nachgewiesen: Plötze, Blei, Hasel, Schleie, Kaulbarsch, Ukelei, Hecht, Güster, Döbel und Giebel.Frank Friedrich: (PDF; 5,7 MB) Lebus, April 2011.

Fast die Hälfte des südöstlichen Uferbereichs nimmt das Bundesleistungszentrum ein. Die übrigen Uferbereiche bestimmen Wald-, Wiesen- und landwirtschaftliche Nutzflächen.

Geschichte Der See steht heute vollständig unter der Verwaltung der BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, ein Unternehmen der Bundesrepublik Deutschland für die Verwaltung, Verpachtung und den Verkauf von land- und forstwirtschaftlichen Flächen auf dem Gebiet der neuen Bundesländer.Landtag Brandenburg, Drucksache 5/3497 (PDF; 371 kB) 5. Wahlperiode. Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage Nr. 10 der Fraktion der FDP, Drucksache 5/2832, Fischerei und Fischzucht in Brandenburg. Juli 2011. In der Deutschen Ostsiedlung prägte das am Nordostufer gelegene Liebenberg die Geschichte am See – laut Darstellung der Gemeinde Grünheide ist die alte Stadt Liebenberg […] jedoch im Dunkel der Geschichte versunken. Gemeinde Grünheide

Ersterwähnungen und Etymologie Der See wurde, soweit bekannt, erstmals 1471 im Landbuch des Zisterzienser Klosters Zinna mit dem Eintrag auf dem Lyvenberchschen sehe schriftlich erwähnt.Brandenburgisches Namenbuch. Teil 10. Die Gewässernamen Brandenburgs. Begründet von Gerhard Schlimpert, bearbeitet von Reinhard E. Fischer. Herausgegeben von K. Gutschmidt, H. Schmidt, T. Witkowski. Berliner Beiträge zur Namenforschung im Auftrag des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1996, ISBN 3-7400-1001-0, S. 168 Liebenberg (zu dieser Zeit allerdings sehr wahrscheinlich bereits wüst) ist schon 1247 als Oppidum Levenberch im Regestenverzeichnis des Klosters Lehnin urkundlich vermerkt.Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542. Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Bd. 12.1. Freie Universität Berlin, Diss. 1999. Lukas, Berlin 2000, ISBN 3-931836-45-2, S. 337, 399 In dem Eintrag bezeugt der Lehniner Abt Siger als Zeuge in Spandau, dass die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann I. und Otto III. die Besitzungen um das Städtchen Liebenberg dem Kloster Zinna übertragen haben.Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542. Regestenverzeichnis. Bd 12.2., ISBN 3-931836-46-0, Eintrag Nr. 91 In einer weiteren Urkunde aus dieser Zeit werden als Eigenthum Barnem (Barnim) des Klosters unter anderem Closterstorp, Levenberg und Revelde (Klosterdorf, Liebenberg, Rehfelde) vermerkt.Märkische Schweiz: Chronik Klosterdorf. Das Landbuch Karls IV. verzeichnet 1375 bereits den Namen Liebenberg. Ähnlich den vielen Namen mit dem Bestimmungswort -schön war die Namenswahl typisch für die Deutsche Ostsiedlung. Laut Reinhard E. Fischer sollte Dorf an einem lieben Berg etwas Schönes ausdrücken, um Siedler für die neuen Gebiete der 1157 gegründeten Mark Brandenburg zu gewinnen.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 104, . Der See und die umliegenden Dörfer blieben bis zur Säkularisation in der Mitte des 16. Jahrhunderts im Besitz des Zinnaer Klosters.

Liebenberg mini|hochkant|Informationsschild zu Liebenberg vor Ort. Der Stobberbach ist mit seinem alten Namen Köpernitz verzeichnet.

Die Zisterziensermönche trugen mit ihren großräumigen wasserwirtschaftlichen und wasserbaulichen Maßnahmen, die den Bau zahlreicher Wassermühlen an den Fließen und Seeabläufen einschlossen, erheblich zur Entwicklung der Region bei. Für ihre gleichfalls 1247 erwähnte Molendinum in Lyebenberg, die alte Mühle in Liebenberg, legten sie sehr wahrscheinlich den Abfluss des Sees, das Mühlenfließ, an.Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e. V., Mitteilungen Nr. 15, September 2010, S. 38f (PDF; 9,9 MB) Im Landbuch Karls IV. ist 1375 eine weitere Mühle erwähnt, die an der Löcknitz lag. Auf dem heutigen Wohngrundstück wurden Mauerreste vom Mühlgraben gefunden.Infotafel vor Ort von 2004