Franz Josef Wilhelm Leo Maria Moufang (* 19. April 1893 in Heidelberg, Großherzogtum Baden, Deutsches Kaiserreich; † 29. Mai 1984 in Heidelberg, Baden-Württemberg, Bundesrepublik Deutschland) war ein deutscher Jurist, Stadtoberrechtsrat, Leiter des Kulturreferats Heidelberg, Leiter des Friedensgerichts, Kunstsammler und Träger des Ordens vom Zähringer Löwen.Stadtarchiv Heidelberg, Dr. Franz Moufang Amtsleiter.

Familie miniatur|Julie Moufang mit ihren Söhnen links stehend der älteste Sohn Nicola, rechts vom Bildrand überschnitten der zweitälteste Eugen, der früh verstorbene Fritz links unten im Bild und Franz auf dem Schoß der Mutter mini|Franz Christoph Ignaz Moufang, Großonkel der Heidelberger Moufang Brüder, Diözesanadministrator des Bistums Mainz, von 1851–1890 Regens des 1805 neu gegründeten Mainzer Priesterseminares miniatur|Grabstätte der Eltern von Franz Moufang, errichtet im Jahr 1906 anlässlich des Todes ihres früh verstorbenen Sohnes Fritz Moufang (1887–1906). Hier wurden 1938 seine Mutter Julie Philippine Moufang, geb. Stutzmann und 1942 sein Vater Wilhelm Moufang beigesetzt. Nicola Moufang, der älteste der Moufang Brüder fand 1967 in diesem Familiengrab seine letzte Ruhe. Nach 40-jähriger Totenruhe von Nicola Moufang wurde die Grabanlage 2007 von seinen Erben aufgelassen. Sie wurde als Kulturgut unter Denkmalschutz gestellt und wird seit 2009 in Patenschaft unterhalten und gepflegt. Heidelberger Bergfriedhof (Abt.D) Franz Moufang war der zweitjüngste Sohn von Wilhelm Moufang, promovierter Jurist und Rechtsanwalt in Heidelberg, (* 6. Januar 1852 in Mainz; † 30. Januar 1942 in Heidelberg) und seiner Ehefrau Julie Moufang, geb. Stutzmann (* 14. Februar 1857 in Wiesbaden-Biebrich; † 29. September 1938 in Heidelberg). Wilhelm Moufang seniors Schwester, Wilhelmine Katharina Moufang, war vermählt mit Nicola Racke.

Franz Moufang hatte vier Brüder, Nicola Moufang (* 30. Mai 1886 in Heidelberg; † 11. April 1967 ebenda), Fritz Moufang (* 5. Oktober 1887 in Heidelberg; † 10. März 1906 ebenda), Eugen Moufang (* 7. Januar 1889 in Heidelberg; † 15. April 1967 ebenda) und Wilhelm Moufang (* 4. Oktober 1895 in Heidelberg; † 21. Januar 1989 in NeckargemündBeleg Todesanzeige in der Rhein-Neckar-Zeitung am 28. Januar 1989 veröffentlicht, von der Witwe Minnie Moufang und ihrer Tochter Barbara Kempe inseriert, Beleg Stadtarchiv Heidelberg, ZGS 2 155.). Zu Moufangs bedeutenden Mainzer Vorfahren gehören Friedrich Lennig, Adam Franz Lennig, Christoph Moufang und der Religionshistoriker und Indologe Edmund Hardy.Hardy, Edmund Georg Nicolaus in NDB Deutsche Biographie

Franz Moufang war in erster Ehe verheiratet mit der Konzertpianistin Margret Moufang, geb. Joeres (* 28. August 1902 in Dortmund; † 28. August 1965 in Heidelberg), der Schwester der Schauspielerin Charlotte Joeres. In zweiter Ehe war Moufang mit der Pianistin Margarethe Deta Moufang, geb. Schwanfeldt, verw. Stange, (* 26. August 1900 in Kurland; † 5. Mai 1998 in Hamburg), verheiratet.Landschafts- und Forstamt der Stadt Heidelberg, Bergfriedhof (Heidelberg) Steigerweg. Seine zweite Frau überlebte ihn um 14 Jahre. Aus Franz Moufangs erster Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Zu seinen Enkeln zählen Alexis Grammatidis, promovierter Zahnarzt und Kieferorthopäde,Stadtarchiv Heidelberg, Familienunterlagen Franz Moufang. der Komponist und Klangkünstler David MoufangStadtarchiv Heidelberg, Familienunterlagen Franz Moufang und Familienverband Feuerlein, Stamm Conradi und Gabriel Grammatidis, diplomierter Kaufmann, Systementwickler und internationaler Referent.

Leben Ausbildung Franz Moufang besuchte wie seine Brüder, Nicola, Fritz, Eugen und Wilhelm das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg. Franz Moufang wurde 1903 als Sextaner dort eingeschult. Alle vier Brüder, auch der damals noch lebende fünfte Bruder Fritz, legten ihr Abitur an diesem Gymnasium mit sehr guten Noten ab.

Die vier Brüder studierten dem Wunsch ihres Vaters entsprechend Rechtswissenschaften. Franz Moufang studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, während seiner Freiburger Studienzeit lebte er dort im Haus seiner Tante Anna Maria Probst, geb. Moufang, einer Schwester seines Vaters Wilhelm Moufang senior. Anschließend studierte er einige Semester an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Danach kehrte Moufang an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zurück und legte dort seine juristischen Examina ab. Alle vier Brüder absolvierten beide Examina an der Ruprecht-Karls-Universität und wurden von deren Juristischer Fakultät zum Dr. jur. promoviert.

Nachdem am 1. August des Jahres 1914 der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, musste Franz Moufang sein Jurastudium, das er 1912 aufgenommen hatte, nach den ersten Semestern, für die nächsten vier Jahre, bis zum Kriegsende 1918 unterbrechen.

Zeit des Ersten Weltkrieges 1914, mit 21 Jahren, meldete sich Franz Moufang als Kriegsfreiwilliger zum Einsatz an die Front. Er rückte als Kavallerist, bei dem 1. Badischen Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20 in Karlsruhe ein. Dem Familienkodex gehorchend, hatten sich auch sein 28-jähriger Bruder Nicola, sein 25-jähriger Bruder Eugen und sein 19-jähriger Bruder Wilhelm als Freiwillige zu den Waffen gemeldet.

Wilhelm Moufang rückte ebenfalls bei dem 1. Badischen Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20 in Karlsruhe ein. Er kehrte als schwer verwundeter Kavallerist, hoch dekoriert, aus der Schlacht an der Westfront zurück in die Heimat.

Wie die meisten deutschen Soldaten zogen die vier Moufang Brüder 1914 in dem Glauben in den Krieg, zu Weihnachten selbigen Jahres wieder in der Heimat zu sein. Das Deutsche Volk glaubte an einen kurzen Kampf und einen schnellen Sieg.

Franz Moufang kämpfte seine erste Schlacht mit dem Leib-Dragoner-Regiment an der Westfront. Anschließend nahm er mit seiner Einheit am Kampfgeschehen an der Ostfront teil. Moufang wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und dem Orden vom Zähringer Löwen II. Klasse mit Schwertern dekoriert. Er verließ den Heeresdienst nach Kriegsende 1918 als Leutnant der Reserve.RNZ. Ausgabe vom Freitag, 19. April 1968. Feuilleton. Dr. Franz Moufang 75 Jahre alt. Verfasser Josef von Golitschek, Abschnitt I. Weltkrieg. Franz Moufang hatte vier Jahre im Ersten Weltkrieg im Fronteinsatz gekämpft.

Weimarer Republik Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges setzte Franz Moufang sein Jurastudium an den oben genannten Universitäten fort. 1923 konnte er sein 2. Staatsexamen an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ablegen und mit einer Dissertation zu der Thematik Das Alter der Volljährigkeit in Deutschland, seine Promotion zum Dr. jur. von der dortigen Juristischen Fakultät erhalten.

Franz Moufang ließ sich als Rechtsanwalt nieder. Er wurde Syndikus der Deutschen Werkstätten Hellerau, trat als Sozius der Heidelberger Anwaltspraxis seines Vaters bei und arbeitete als niedergelassener Rechtsanwalt in der väterlichen Kanzlei bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.Dr. jur. Franz Moufang Sozietät, Lebenslauf, Stadtarchiv Heidelberg.

Zeit des Zweiten Weltkrieges Im Jahr 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, bekam Franz Moufang, Leutnant der Reserve, einen Marschbefehl. Dieses Mal hatte Moufang den Gang an die Front nicht freiwillig gewählt. Zurück ließ er seine Frau, die das erste gemeinsame Kind erwartete. Moufang nahm an einem Gefecht im Westfeldzug teil. Anschließend kämpfte Moufang unter Generalfeldmarschall Rommel im Afrikafeldzug in der ersten und der zweiten Schlacht von El Alamein bis zur Kapitulation der Wehrmacht in Nordafrika im Jahr 1943.

Danach wurde Moufang mit seiner Einheit an die Ostfront verlegt. Er kämpfte in Norwegen und schließlich im Winter 1944/1945 in der Ukraine in der Heeresgruppe Südukraine, im Zeichen des "Russlandfeldzuges 1941", der mittlerweile zum Deutsch-Sowjetischen Krieg ausgeufert war, bis zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 7. Mai 1945. Er verließ den Heeresdienst nach Kriegsende 1945 als Major der Reserve.RNZ. Ausgabe vom Freitag, 19. April 1968. Feuilleton. Dr. Franz Moufang 75 Jahre alt. Verfasser Josef von Golitschek, Abschnitt II. Weltkrieg. Moufang hatte im Zweiten Weltkrieg sechs Jahre an der Front gekämpft.

Nach der Kapitulation erfolgte der Rückzug über Ungarn, die Tschechoslowakei, und Österreich. In den Tauern geriet Franz Moufang als Kriegsgefangener des Zweiten Weltkrieges in Amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Juni 1945 wurde Franz Moufang aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und "kehrte in einem Augenblick nach Heidelberg zurück, indem es galt, Ordnung im Chaos zu schaffen."Zitat: Josef von Golitschek. "Die Amerikaner chauffierten die freigelassenen Heidelberger Soldaten bis zum Karlstor, ließen sie von den LKWs absteigen, und von dort liefen die Heimkehrer dann nach Hause."Zitat: Hasso Gehrmann.

Heidelberg war von der Bombardierung durch die alliierten Großmächte verschont geblieben. Moufangs Frau Margret hatte, mit den mittlerweile zwei gemeinsamen kleinen Kindern, vor den schweren Luftangriffen auf die etwa 15 Kilometer von Heidelberg entfernt, in der Rheinebene gelegenen Industriestädte Mannheim und Ludwigshafen am Rhein, so oft sie konnte, Zuflucht auf dem Heidelberger Kohlhof gesucht. Hier lebte in diesen Jahren Igor von Jakimow, ein enger Freund der Familie.Die Gästebücher des Nicola Moufang Auch Wolfgang Fortner machte in jenen Jahren schon häufig Quartier auf dem Kohlhof.

Treuhänder der amerikanischen Besatzungsmacht und Kulturreferent der Stadt Heidelberg Franz Moufang wurde im Juni 1945, direkt nach seiner Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft, von Ernst Walz, damals Präsident von Württemberg-Baden, als Verkehrsreferent in dessen Regierung berufen. Als Verkehrsreferent war Moufang auch Treuhänder für das ehemalige Reichsvermögen des Deutschen Reiches 1933 bis 1945 in der Besatzungszone der amerikanischen Besatzungsmacht.

Ende 1945 gab Franz Moufang seine Ämter in der Württemberg-Badischen Regierung auf und wurde noch im gleichen Jahr beamteter Jurist der Stadt Heidelberg, berufsmäßiger Stadtrat, und zum Leiter des Kulturreferates der Stadt Heidelberg ernannt.

Das Amt des Kulturreferenten bekleidete Moufang für sechs Jahre.Stadtarchiv Heidelberg Unterlagen Amtsleiter Dr. Franz Moufng. Dank der intensiven Unterstützung von Franz Moufang gelang es mit Dr. Fritz Henn, Musikdirektor von 1945 bis 1947, die ersten 21 Musiker nach dem Zweiten Weltkrieg für das im Jahr 1889 gegründete Orchester unter dem Namen "Städtisches Orchester" Heidelberg, heute Philharmonisches Orchester der Stadt Heidelberg, zusammenzuführen und zu verpflichten.

Nachdem wieder Konzertveranstaltungen möglich waren und auch die Oper wieder ein Repertoire einstudieren konnte, widmete sich Moufang dem Wiederaufbau der Städtischen Bühne Heidelberg und des Balletts. Er erreichte binnen eines Jahres, ein funktionsfähiges Ensemble auf die Beine zu stellen.

Parallel zu diesen Engagements organisierte Franz Moufang die erste Ausstellung moderner Kunst, der so genannten entarteten Künstler nach dem Ende der Nazidiktatur im Heidelberger Amerika-Haus, dem DAI. Unter den damaligen Exponaten waren auch Arbeiten des Malers Josef Scharl aus Moufangs Privatbesitz sowie viele weitere bedeutende Leihgaben zu sehen.Hanna Grisebach Artikel Die Sammlung Dr. Franz Moufang. Verfasser Hanna Griesebach. in Das Kunstwerk. Weihnachts-Doppelheft November/Dezember 1957.

Leiter des Friedensgerichts und stellvertretender Leiter des Heidelberger Kunstvereins