Das Mulvany Berufskolleg Herne (bis 2. Februar 2015: Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung) ist eine berufsbildende Schule für das Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung in Herne. Es werden etwa 2000 Schüler von rund 100 Lehrkräften in acht vollzeitschulischen, vierzehn teilzeitschulischen Bildungsgängen sowie zwei Bildungsgängen der beruflichen Weiterbildung unterrichtet.
Geschichte Am 1. September 1901 stimmte der Magistrat der Stadt Herne der Bitte des Vereins zur Wahrung geschäftlicher Interessen – einer Interessenvertretung der Herner Kaufmannschaft – um logistische und finanzielle Unterstützung bei der Gründung einer Kaufmännischen Fortbildungsschule zu. Ab 1902 wurden zunächst 66 Schüler an vier Abenden pro Woche von sechs Lehrern in Deutsch, kaufmännischem Rechnen, einfacher und doppelter Buchführung sowie Stenographie unterwiesen. Zwar hatte es zuvor schon Versuche zur Initiierung kaufmännischer Schulbildung gegeben, allerdings wurde erst mit diesem Schritt eine bis heute dauernde kontinuierliche Entwicklung begründet.
Im Jahr 1908 wird in Wanne eine kaufmännische Fortbildungsschule für Jungen eingerichtet (zwei Klassen). Die Stadt Herne übernimmt 1911 die bis dahin privat organisierte Kaufmännische Fortbildungsschule und machte deren Besuch für alle männlichen kaufmännischen Lehrlinge aus Kontor und Verkauf zur Pflicht. Die gewerbliche und die kaufmännische Fortbildungsschulen werden 1920 vereinigt. Aufgrund eines Ministerialerlasses wird die Fortbildungsschule in Herne in 1921 „Kaufmännische Berufsschule“ umbenannt, weil „sie die Schüler in einen neuen, um den Mittelpunkt des Berufes gelagerten Bildungskreis einführt“. Zugleich setzt sich in der Öffentlichkeit ein Eindruck „von der Bedeutung der beruflichen Bildungsidee und vom Werte einer geordneten Berufserziehung“ durch.
Am 1. April 1926 werden erstmals weibliche Verkaufslehrlinge aus Einzelhandelsbetrieben eingeschult. Grund für diese Maßnahme ist die vier Jahre zuvor gewonnene Erkenntnis, dass man „auch diesen jungen Menschen die Möglichkeit geben müsse, ihre berufliche Bildung in Ergänzung der praktischen Lehre zu vertiefen“. 1928 werden in sieben Jungenklassen wurden 197 Schüler, in 18 Mädchenklassen 399 Schülerinnen unterrichtet. Dabei erfolgte der Unterricht zunehmend nach Geschäftszweigen differenziert.
Nach Überwindung der Wirtschaftskrise erholen sich die Schülerzahlen in den 1930er Jahren allmählich. Zugleich hieß die Devise „Leistungssteigerung durch planvolle Berufserziehung“. Dieses Ziel soll vor allem erreicht werden durch die Bildung weiterer Fachklassen und die Einführung der Koedukation, der gemeinsamen Beschulung von Mädchen und Jungen.
In den Kriegsjahren 1939–1945 leidet der Schulbetrieb kriegsbedingten Unterbrechungen, ehe er 1945 ganz eingestellt werden muss. In Wanne-Eickel arbeiten die nach der Stadtgründung vereinigten Berufsschulen bis zum September 1944; die Berufsfachschulen werden bereits ein Jahr zuvor nach Stolp in Pommern (heute Polen) evakuiert.
Im Januar 1946 wird in Herne der Unterricht mit 191 Jungen und 441 Mädchen in 19 Klassen wieder aufgenommen. Raum- und Personalmangel zwingen zu Kompromissen: Immerhin vermag der seit 1946 amtierende Berufsschuldirektor Adolf Henn der Stadt das Volksschulgebäude an der Gräffstraße zu entringen. In Wanne-Eickel verläuft die Entwicklung ähnlich: Im August 1945 beginnen die Vorarbeiten zur Wiedereröffnung der Berufs- und Berufsfachschulen, im Frühjahr 1946 kann der Schulbetrieb eingeschränkt wieder aufgenommen werden. Verfügbar sind zunächst – und das lediglich in den späten Nachmittagsstunden – die Josef-, die Melanchthon- und die Kirchschule, im Verlauf des Jahres kommt die Hildegardisschule hinzu, die dann ab Januar 1947 ganztägig genutzt werden.
Am Westring in Herne entstehen 1954 nacheinander vier Schulneubauten. Der vierte Gebäudetrakt beheimatet die kaufmännischen Berufsschulen. In Wanne-Eickel beziehen die Berufsschulen den eigens errichteten Gebäudekomplex in der Steinstraße, der mit seinen Unterrichts- und Übungsräumen, seinen Küchen, Labors und Demonstrationswerkstätten zu jener Zeit zu den modernsten im Ruhrgebiet zählt. Mit dem Zusammengehen von Herne und Wanne-Eickel zieht später der gesamte kaufmännische Bereich an den Westring. Die Gebäude an der Steinstraße gehören seitdem zum Emschertal-Berufskolleg der Stadt Herne.
Die Personalsituation ist 1966 so angespannt, der damit verbundene Unterrichtsausfall so dramatisch, dass die Ruhr-Nachrichten am 1. Februar einen Artikel überschreiben: „Nur alle zwei Wochen 45 Minuten Rechnen: Die Berufsschule treibt in eine Katastrophe“. In dieser Situation wird die bis dahin bestehende Bündelschule aufgespalten in eine kaufmännische und eine gewerblich-technische und hauswirtschaftliche Schule: Es entstehen die Kaufmännischen Schulen der Stadt Herne. Diese wird Ausbildungsschule des Studienseminars Dortmund, was die Personalsituation entspannt.
1972 wird der notwendig gewordene Erweiterungsbau (E-Trakt) fertiggestellt. Mit der Einrichtung eines gymnasialen Zweigs der Höheren Handelsschule wird 1982 erstmals die Möglichkeit geschaffen, an den Kaufmännischen Schulen das Vollabitur zu erhalten. Der erste Durchgang wird von 19 Schülern erfolgreich abgeschlossen.
Gemeinsam mit der Gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft der Stadt Herne wurde beim Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen die Errichtung eines Kooperativen Aus- und Weiterbildungszentrums in räumlicher Anbindung an die Kaufmännischen Schulen beantragt. Die Grundsteinlegung erfolgt 1998, ein Jahr später wird Richtfest gefeiert, und im Dezember 2000 wird das Kooperative Weiterbildungszentrum am Westring offiziell eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben.
Die informationstechnologische Wende erreicht 1985 die berufsbildenden Schulen. Die Kaufmännischen Schulen gehören zu den drei berufsbildenden Schulen im Regierungsbezirk Arnsberg, die im Zuge von Lehrerfortbildungsmaßnahmen dazu beitragen, nach Erwerb grundlegender Kenntnisse in den Bereichen Datenverarbeitung und Informatik den Unterricht noch praxisnäher zu gestalten.
Heribert Gathmann wird 1990 nach Manfred Albrecht Schulleiter der Kaufmännischen Schulen. Zeitgleich wurde als Folge der Kommunalreform die kaufmännische Abteilung der Bündelschule in Wanne-Eickel in die Kaufmännischen Schulen der Stadt Herne integriert. Die Neufassung der der Arbeit an berufsbildenden Schulen zugrunde liegenden gesetzlichen Regelungen haben 1998 zur Folge, dass aus den Kaufmännischen Schulen der Stadt Herne das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne mit gymnasialer Oberstufe wird. Durch die Einrichtung des Bildungsganges Kaufmännische Assistenten/Fremdsprachen wird es möglich ist, einen Schulabschluss (Fachhochschulreife) in Verbindung mit einem Berufsabschluss nach Landesrecht zu erreichen.
Das Weiterbildungszentrum (W-Gebäude) am Westring wird im Jahre 2000 eingeweiht. Das BeKoSch-Projekt wurde begründet: Die „Entwicklung beruflicher Kompetenzen für Schausteller“ ist das Ziel einer Mischung aus Blockunterricht und computerunterstütztem Fernlernen. Das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung ist gemeinsam mit dem Emschertal-Berufskolleg federführend an Konzeption und Durchführung beteiligt. Im Dezember legt das Berufskolleg sein Schulprogramm vor, das Konzepte und Zielvorstellungen der weiteren Schulentwicklung in curricularer, pädagogischer, organisatorischer und personeller Hinsicht präsentiert.
Die Europäische Kommission genehmigt 2007 den Antrag für ein E-Learning-Projekt (Lernen mit elektronischen Medien). Projektpartner – u. a. auch die Bezirksregierung Arnsberg – aus fünf europäischen Ländern (Niederlande, Belgien, Dänemark, Bulgarien und Deutschland) werden zukünftig, in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Schaustellerverbänden DSB und BSM, ein Blended-Learning-Konzept entwickeln. Unter dem Kürzel ELVET (Electronic Learning for Vocational Education of Travellers/Elektronisches Lernen zur beruflichen Bildung Reisender) soll u. a. ein Lernkonzept für das Internet entwickelt werden.
Das Berufskolleg erhält im Februar 2008 als erste Herner Schule den Titel „Europaschule in NRW“. Am 4. September wird das Berufskolleg im Rahmen des Schulentwicklungspreises „Gute gesunde Schule 2008“ mit der Höchstprämie in Höhe von 12.000 € und am 8. September mit dem Gütesiegel „Individuelle Förderung“ ausgezeichnet. 2009 erfolgt eine weitere Auszeichnung mit dem „Berufswahl-Siegel“.
Ende Januar 2010 wird der langjährige Direktor Heribert Gathmann in den Ruhestand verabschiedet. Am 1. Juni nimmt Elke Vormfenne ihre Tätigkeit als Schulleiterin des Berufskollegs auf. Der Bildungsgang „Fachoberschule 13 (FOS 13)“ wurde eingerichtet. Die Bildungsgänge FOS 12B und Fachschule für Wirtschaft mit den Ausrichtungen Personalwirtschaft und Fremdsprachen werden 2010 ins Bildungsangebot aufgenommen. Im Rahmen des Bundesprojekts wird dem Berufskolleg für WuV eine Sozialarbeiterin/-pädagogin zur Verfügung gestellt.
Das Berufskolleg für WuV gehört zu den 20 nominierten Schulen für den Deutschen Schulpreis 2011. Der Bildungsgang „Fachoberschule 12 (FOS 12)“ wird genehmigt.
Das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung wird 2015 in Mulvany Berufskolleg Herne umbenannt. Namensgeber ist der irische Ingenieur William Thomas Mulvany (1806–1885), der im Ruhrgebiet die Bergwerktechnik modernisierte und als Unternehmer tätig war (Zeche Erin in Castrop-Rauxel)., abgerufen am 6. Dezember 2015
Bildungsgänge Teilzeitschulische Bildungsgänge Berufsschule (duales System) Im Bereich der Berufsschule werden Schüler in folgenden Bildungsgängen unterrichtet: Bankkauffrau/-mann Bürokauffrau/-mann Kauffrau/-mann für Bürokommunikation Fachlageristen/Fachkräfte für Lagerlogistik Industriekauffrau/-mann Kauffrau/-mann im Groß- und Außenhandel Kauffrau/-mann im Einzelhandel/Verkäufer/in Pharmazeutisch-kaufmännische/r Angestellte/r Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r
Klassen für Schüler ohne Ausbildungsverhältnis Schüler, die keinen Ausbildungsvertrag haben, können in folgenden Bildungsgängen berufliche Erfahrungen sammeln und ggf. ihren Hauptschulabschluss nachholen:
Berufliche Qualifizierung durch Dualisierung Die Schüler dieses Bildungsgangs arbeiten an drei Tagen in der Woche in einem Praktikumsbetrieb und an zwei Tagen nehmen sie am Schulunterricht teil. Im Fach Berufsbezogene Theorie/Fachpraxis entsprechen die Themen den Inhalten des ersten Ausbildungsjahres des Berufes Kaufmann/-frau im Einzelhandel.
In den Bildungsgang BQD kann aufgenommen werden, wer die Vollzeitschulpflicht erfüllt hat. Im Laufe des Schuljahres findet für alle Schüler eine Prüfung der Qualifikationsbausteine I bis IV statt. Wenn die Leistungen in diesen Prüfungen mindestens ausreichend sind, erkennt die IHK diese Qualifikationsbausteine an. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit, eine anschließende Ausbildungszeit zu verkürzen. Am Ende des Schuljahrs wird ein Abschlusszeugnis erworben, wenn in allen Fächern mindestens ausreichende Leistungen bzw. nur in einem Fach eine mangelhafte Leistung vorgewiesen werden kann.
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen Berufseinsteigern und -wiedereinsteigern werden Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen angeboten.
Berufliche Kompetenzen für Schausteller