Eniwetok oder Enewetak ist ein Atoll im Pazifischen Ozean, das zu den Marshallinseln gehört. Es besteht aus mehr als 40 kleinen Inseln und liegt rund 540 km nordwestlich von Kwajalein, rund 970 km südwestlich von Wake und rund 4400 km südwestlich von Honolulu. Eniwetok war nach Ende des Zweiten Weltkrieges Ort zahlreicher Atombombentests durch die Vereinigten Staaten. In den Jahren 1977 bis 1980 wurde auf der Insel Runit ein Atommüll-Lager errichtet. Auf Kwajalein und auf Eniwetok waren LORAN-Funkfeuer installiert.
Die Landmasse aller zugehörigen Inseln umfasst 5,85 km². Die umschlossene Lagune ist 1004,89 km² groß und hat einen Durchmesser von etwa 37 km. Früher lebten ca. 1000 Bewohner auf den Inseln. Die größten Inseln sind Eniwetok (), Engebi (auch Arthur genannt, ), Parry (), Muty () und Igurin ().
Pazifikkrieg mini|links|Eroberung durch die USA 1944 Während des Pazifikkriegs bauten die Japaner im November 1942 einen Militärflugplatz auf Eniwetok, um von hier aus die Karolinen- und Marshallinseln kontrollieren zu können. Am 19. Februar 1944 eroberten die Amerikaner die Insel in ihrer Operation Catchpole. Das komplette Atoll war am 23. Februar unter ihrer Kontrolle. Auf Eniwetok verloren 34 amerikanische Soldaten ihr Leben, 94 wurden verwundet und drei sind bis heute vermisst. Auf Seite der japanischen Armee fielen 700 Soldaten und 25 kamen in amerikanische Gefangenschaft. Nach der Übernahme durch die Amerikaner wurde die vorhandene Landebahn ausgebaut und auf über 2000 m verlängert. Die Bezeichnung war Eniwetok Auxiliary Airfield.
Kernwaffentests mini|Video von drei Atomwaffentests Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörten die Inseln zum Treuhandgebiet Pazifische Inseln. Zudem beschloss die UNO, dass der Gebrauch von Gebieten der Marshallinseln für die Sicherheitsbedürfnisse der USA keinerlei Beschränkungen unterliegt. Die Inseln wurden von den USA als Gebiet für Atomwaffentests ausgewählt. Die Bewohner wurden vor Beginn der Versuche evakuiert. Besonders stark wurde Eniwetok am 31. Oktober 1952 in Mitleidenschaft gezogen, als die USA dort den Versuch Ivy Mike mit einer Sprengkraft von 10 Megatonnen durchführten; die Insel Elugelab verschwand durch diese Explosion vollständig.Kenneth W. Ford: Building the H Bomb – A Personal History. Singapur: World Scientific 2015, ISBN 978-981-4632-07-2, Seite 177 Weitere 43 Kernwaffenexplosionen folgten, sodass die verbleibenden Inseln stark radioaktiv verstrahlt wurden. Während der Atombombentests waren rund 11.000 US-Techniker, Wissenschaftler und Militärs auf Eniwetok stationiert. Zur Untersuchung der Explosionswolken der Bombentests wurden 1957/58 auch einige Raketen (überwiegend von Rockoons) gestartet.
Übersicht der wichtigsten Tests Operation Sandstone mini|Sandstone Event X-Ray Detonation am 14. April 1948
Versuch Datum Ort Sprengkraft X-Ray 14. April 1948 (GMT) 18:17 Insel Engebi 37 kT Yoke 30. April 1948 (GMT) 18:09 Insel Aomon 49 kT Zebra 14. Mai 1948 (GMT) 18:04 Insel Runit 18 kT
Operation Greenhouse mini|Greenhouse-George 20 ms nach der Zündung
Versuch Datum Ort Sprengkraft Dog 7. April 1951 (GMT) 18:34 Insel Runit 81 kT Easy 20. April 1951 (GMT) 18:26 Insel Enjebi 47 kT George 8. Mai 1951 (GMT) 21:30 Insel Eberiru 225 kT Item 24. Mai 1951 (GMT) 18:17 Insel Enjebi 45,5 kT
Operation Ivy mini|Ivy Mike (Eniwetok-Atoll – 31. Oktober 1952) mini|Ivy-King, Luftaufnahme der Pilzwolke
Versuch Datum Ort Sprengkraft Mike 31. Oktober 1952 (GMT) 19:14:59.4 Insel Elugelab 10,4 MT King 15. November 1952 (GMT) 23:30 Insel Runit 500 kT
Operation Redwing mini|Redwing-Seminole kurz nach der Zündung mini|Redwing-Seminole – Fallout
Versuch Datum Ort Sprengkraft Lacrosse 4. Mai 1956 (GMT) 18:25 Insel Runit 40 kT Yuma 27. Mai 1956 (GMT) 19:56 Insel Aomon 0,19 kT Erie 30. Mai 1956 (GMT) 18:15 Insel Runit 14,9 kT Seminole 6. Juni 1956 (GMT) 00:55 Insel Bogon 13,7 kT Blackfoot 11. Juni 1956 (GMT) 18:26 Insel Runit 8 kT Kickapoo 13. Juni 1956 (GMT) 23:26 Insel Aomon 1,49 kT Osage 16. Juni 1956 (GMT) 01:14 Insel Runit 1,7 kT Inca 21. Juni 1956 (GMT) 21:26 Insel Rujoru 15,2 kT Mohawk 2. Juli 1956 (GMT) 18:06 Insel Eberiru 360 kT Apache 8. Juli 1956 (GMT) 18:06 Krater von Ivy Mike 1,85 MT Huron 21. Juli 1956 (GMT) 18:12 vor Insel Flora 250 kT
Operation Hardtack I mini|Hardtack-Umbrella, Unterwasserzündung
Versuch Datum Ort Sprengkraft Yucca 28. April 1958 (GMT) 18:15 157 km NO von Eniwetok-Atoll 1,7 kT Cactus 5. Mai 1958 (GMT) 18:15 Insel Runit 18 kT Fir 11. Mai 1958 (GMT) 17:50 Eniwetok-Atoll 1360 kT Butternut 11. Mai 1958 (GMT) 18:15 Eniwetok-Atoll 81 kT Koa 12. Mai 1958 (GMT) 18:30 Eniwetok-Atoll 1370 kT Wahoo 16. Mai 1958 (GMT) 01:30 Eniwetok-Atoll 9 kT Holly 20. Mai 1958 (GMT) 18:30 Eniwetok-Atoll 5,9 kT Yellowwood 26. Mai 1958 (GMT) 02:00 Eniwetok-Lagune 330 kT Magnolia 26. Mai 1958 (GMT) 18:00 Eniwetok-Atoll 57 kT Tobacco 30. Mai 1958 (GMT) 02:50 Eniwetok-Atoll 11,6 kT Rose 2. Juni 1958 (GMT) 18:45 Eniwetok-Atoll 15 kT Umbrella 8. Juni 1958 (GMT) 23:15 Eniwetok-Lagune 8 kT Walnut 14. Juni 1958 (GMT) 18:30 Eniwetok-Atoll 1,45 kT Linden 18. Juni 1958 (GMT) 03:00 Eniwetok-Atoll 11 kT Elder 27. Juni 1958 (GMT) 18:30 Eniwetok-Atoll 880 kT Oak 28. Juni 1958 (GMT) 19:30 Eniwetok Lagune 8,9 MT Sequoia 1. Juli 1958 (GMT) 18:30 Eniwetok-Atoll 5,2 kT Dogwood 5. Juli 1958 (GMT) 18:30 Eniwetok-Atoll 397 kT Scaevola 14. Juli 1958 (GMT) 04:00 Eniwetok-Atoll 0 kT Pisonia 17. Juli 1958 (GMT) 23:00 Eniwetok-Atoll 255 kT Olive 22. Juli 1958 (GMT) 18:15 Eniwetok-Atoll 202 kT Pine 26. Juli 1958 (GMT) 20:30 Eniwetok-Atoll 2000 kT Quince 6. August 1958 (GMT) 02:15 Eniwetok-Atoll 0 kT Fig 18. August 1958 (GMT) 04:00 Eniwetok-Atoll 0,02 kT
Eniwetok heute In den Jahren 1977 bis 1980 wurden drei Inseln vom übrig gebliebenen Atommüll gesäubert. Die verstrahlte Erde wurde großflächig abgetragen und zusammen mit dem eingesammelten Müll mit Portlandzement vermischt und anschließend in einen Explosionskrater geschüttet. Der Krater entstand am 5. Mai 1958 bei der Cactus-Explosion auf der Insel Runit. Der Durchmesser des Kraters beträgt 107 Meter, die Tiefe neun Meter. Der Krater wurde anschließend mit 358 Betonplatten von je 46 cm Dicke verschlossen, die Kosten beliefen sich auf 239 Millionen US-Dollar. Bis heute ist noch ionisierende Strahlung zu messen, die hauptsächlich durch Plutonium verursacht wird. Runit ist Sperrzone und wird wegen der langen Lebenszeit der radioaktiven Spaltprodukte (Halbwertszeiten von bis zu 24.000 Jahren) nach menschlichem Ermessen dauerhaft unbewohnt bleiben müssen. Die südlichen und westlichen Inseln wurden von den USA für bewohnbar erklärt und die Menschen durften dorthin zurückkehren. Die heutige Bevölkerung besteht (Stand 2021) aus 296 Einwohnern.
Ein US-finanziertes Landwirtschaftsprogramm sollte traditionelle Pflanzen wieder einführen, war aber nicht erfolgreich. Bei den drei gereinigten Inseln hinterließ das Abtragen des Bodens nur wenige Zentimeter fruchtbarer Erde, was zu karg für Ackerbau ist. Die Einwohner sind auf die Zahlungen des US-Treuhandfonds zur Kompensation für die Atomtests angewiesen, aber die überwiesenen Beträge werden inzwischen immer kleiner.
Im Rahmen des Marshall Islands Dose Assessment & Radioecology Program entstand 2013 ein umfassender Bericht über den Betondeckel, der den Explosionskrater mit Atommüll abdeckt. Dieser Bericht zeigt neben einer akribischen Dokumentation jedes einzelnen Betonplattensegments mit einem Foto einige Hinweise auf, die auf Probleme mit dieser Art der Lagerung hindeuten.
In seiner Dokumentation Schatzinseln im Pazifik berichtet Johannes Hano über die durch den Klimawandel drohende Überflutung dieses Lagers und über das Leben der Bewohner. Noch heute müssen sie sich aus eingeflogenen Konserven ernähren, da alles, was sie auf der Insel anbauen, wegen der radioaktiven Belastung nicht verzehrt werden darf.
Namen und Codenamen Alternative Namen, die auf Karten zu finden sind, lauten: Arthur Insel Brown Gruppe Brown Inseln Brown’s Range Enüwetok Enywetok Parry Insel
Codenamen der US-Marine während des Pazifikkriegs, beziehungsweise der Atomtestzeit: Begrudge für das ganze Eniwetok-Atoll Downside für Eniwetok Fragile für die Engebi-Insel Heartstrings für die Parry-Insel Outgeneral für die Engebi-Insel Overbuild für die Parry-Insel Privilege für Eniwetok
Siehe auch Bikini-Atoll – analoge Atomwaffen-Testserie Atombombe | Fallout | Strahlenkrankheit
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Einzelnachweise
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