Geestemünde () ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Süd der Stadtgemeinde Bremerhaven im Land Bremen.
Geografie Lage Geestemünde liegt südlich der Mündung des namensgebenden Flusses Geeste in die Weser, unweit deren Mündung in die Nordsee. Der zentral gelegene Stadtteil grenzt im Norden an die Stadtteile Mitte und Lehe. Im Osten befindet sich Schiffdorferdamm, im Südosten Surheide und im Süden Wulsdorf und der Fischereihafen.
Gliederung Ortsteile km² Einwohner Bürgerpark 4,03 5.308 Geestemünde-Nord 1,93 6.347 Geestemünde-Süd 0,66 2.962 Geestendorf 1,17 11.888 Grünhöfe 3,19 6.349 (Stand: 31. Dezember 2018)
Geschichte Geestendorf 1139 wurde im Verzeichnis des Ritters Trutbert das Kirchdorf Gestenthorpe und andere Siedlungen erwähnt. 1614 wurde Geestendorf erneut erwähnt, als es gegenüber Lehe Rechte an der Geeste und Weser geltend machte.
Geestendorf gehörte früher zum Vieland, einem Amts- und Gerichtsbezirk, dem auch Bramel, Schiffdorf und Wulsdorf angehörten. Später bestand eine Zugehörigkeit zum Amt Stotel-Vieland, während der Bremer Franzosenzeit zur Kommune Wulsdorf sowie später zum Amt Lehe und dann zum Kreis Geestemünde.
Das Gebiet mit dem Dorf war im Mittelalter Teil des Erzstifts Bremen, als es ab dem 11. Jahrhundert den Erzbischöfen von Bremen gelang, ein von ihnen beherrschtes Territorium um Bremen zu schaffen.
Eine Kirche soll 1139 erstmals genannt worden sein. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ist eine kleine Marienkapelle als Filiale von Wulsdorf von den Bauern errichtet worden. 1420 wird eine Capella in Gesztendorppe erwähnt, die 1436 als Ruine bezeichnet wird und danach als einschiffige Marienkirche neu errichtet und 1872/75 umgebaut wurde.
mini|Kampf um die Schanze am 2. August 1657 mit der Marienkirche und umliegenden Häusern von Geestendorf
Der Feldherr Tilly baute 1628 im Dreißigjährigen Krieg eine Befestigung am Standort der Geestendorfer Schanze (auch Leher Schanze genannt) an der Geestemündung. Der bremische Erzbischof Friedrich, später König von Dänemark und Norwegen, legte 1639 eine zweite Befestigung in Geestendorf an.
1648 kam auf Grund des Westfälischen Friedens das Erzbistum Bremen – so auch Geestendorf – unter schwedische Hoheit als Teil des schwedischen Herzogtums Bremen.
1712 gelangte Geestendorf mit dem Herzogtum Bremen an Dänemark und wurde 1715 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg verkauft. Geestendorf teilte fortan die Geschichte des Landes Hannover und ab 1866 der preußischen Provinz Hannover.
1728 stritten sich Geestendorf und Lehe um Fährrechte. 1751 wurde dann eine Geestebrücke, die spätere Franzosenbrücke, gebaut. 1774 gab es wiederum Streit um die Gerichtsbarkeit bei der Geestebrücke, die durch Gerichtsentscheid zu Lehe kam.
1834 gründete Rickmer Clasen Rickmers in Geestemünde die Rickmers Werft. 1852 entstand der Neubau für die Kirchschule bei der Marienkirche, später als Marienschule bezeichnet. 1858 bildete sich die Freiwillige Feuerwehr Geestendorf. 1860 wurde die Schiffdorfer Chaussee ausgebaut. 1861 gründete sich der Männerturnverein Geestendorf und schloss sich 1866 mit dem Turnverein Geestemünde zusammen. 1863 begann die Paschschule als zweite Volksschule mit dem Unterricht in der Schillerstraße 14.
Die Einwohnerzahl belief sich 1813 auf 491, stieg 1850 auf 1.071 und 1885, kurz vor Vereinigung mit Geestemünde, auf 9.404 Einwohner.
Der Gemeindevorsteher von Geestendorf Carl August Lenthe ersuchte 1886 den Oberpräsidenten der Provinz Hannover, zur Vermeidung von Partikularismus Geestendorf und Geestemünde zu vereinigen. Durch ein Gesetz von 1888 wurden die beiden Gemeinden Geestemünde und Geestendorf am 1. April 1889 zu Geestemünde vereinigt. Die Zollschranken fielen zwischen Geestemünde, Lehe und Bremerhaven.
Geestemünde mini|Südliche Geestekaje (1890)
1827 erwarb die Freie Hansestadt Bremen ein Gelände nördlich der Geestemündung und legte dort einen Seehafen und die Stadt Bremerhaven an.
Das Königreich Hannover hatte bis dahin eigene Hafenbaupläne in Lehe abgelehnt und nur halbherzig einige Anlegestellen in der Geeste bauen lassen. Dies änderte sich 1844 mit der Genehmigung von Plänen des Baurats Oppermann für einen Hafenbau, der eine Konkurrenz für Bremerhaven werden sollte. Damit begann 1845 der Aufstieg Geestemündes mit dem Hafenbau am südlichen Ufer der Geeste, verbunden mit einer Baulandausweisung auf dem Gebiet der Geestendorfer Nurthe. Der neu entstandene Hafenort bekam 1847 den Namen Geestemünde und wurde Freihafen.
1848 wohnen nur 59 Bürger im Ort und die 15 Häuser beherbergten vorwiegend Schankwirtschaften. 1852 war dann schon eine erste Volksschule in angemieteten Räumen erforderlich. 1853 nimmt die Werft Joh. C. Tecklenborg am linken Geesteufer den Betrieb auf. Ein Hauptzollamt entstand 1854 an der Chaussee zwischen Geestendorf und Lehe. 1855 wurden von der Tecklenborgwerft und der Geestemünder Dockcompanie Docks erstellt. 1856 wurde die Geesthelle von Lehe nach Geestemünde umgemeindet und die Rickmerswerft eröffnet 1857 hier ihren Betrieb. Von 1857 bis 1969 bestand in der Elbestraße die Maschinenbaufirma M. Achgelis Söhne GmbH (1918 AG, später bei Stinnes, 1964 bei Krupp).
Von 1857 bis 1874 (1. Erweiterung bis 1863, Petroleumhafenerweiterung 1874, heute überbaut) erhielt Geestemünde den Handelshafen mit Haupt- und Querkanal sowie der 23 Meter breiten Kammerschleuse. Das Hafenbecken war 550 Meter lang, 100 Meter breit und 7 Meter tief. 1861 wurde die noch bestehende Drehbrücke über den Geestemünder Hauptkanal (Borriesstraße/Klußmannstraße) fertiggestellt. 1862 erschloss die Geestebahn den Hafen, als Umschlagplatz für Holz, Reis und Petroleum. 1866 fuhren 466 Schiffe in den Hafen.
1858 wurde die Geestemünder-Geestendorfer Sparcasse – Vorläufer der Städtischen Sparkasse Bremerhaven – und 1859 die Rickmers-Reederei gegründet. 1860 erfolgte der Ausbau der Georgstraße, der Geestemünder Friedhof an der Feldstraße entstand, 1863 die Wasserleitung und 1864 die erste Straßenbeleuchtung in der Borriesstraße.
1858 gründete Frau Backhaus eine private Mädchenschule an der Ecke Köper-/Marktstraße (heute Verdener Straße) in einem Wohnhaus, die ab 1870 Herr Ordemann und ab 1880 Frau Ordemann leitete. 1898 wurde daraus das städtische Lyzeum mit 90 Schülerinnen. In der Schulstraße entsteht 1864 eine Schule, ab 1889 Altgeestemünder Volksschule, mit zunächst sechs Klassen. 1911 zieht die Mädchenschule in das Gebäude ein.
1864 wurde die Provinzial-Zeitung in Geestemünde statt in Lehe herausgegeben. 1865 erhielt Geestemünde ein Amtsgericht; der Neubau war 1870 fertig.
Bei Preußen mini|Geestemünder Häfen (1900) Ab 1866 war Geestemünde nach dem Deutschen Krieg Teil der preußischen Provinz Hannover. 1871 gründete sich die Geestemünder Bank. 1877 eröffnete der neue Holzhafen. Das Gaswerk an der Schulstraße nahm 1879 den Betrieb auf. 1883 entstand das Wasserwerk an der Wulsdorfer Chaussee.
1879 nahm die neue preußische Navigationsschule auf der Deichkrone bei der Einfahrt zum Handelshafen unter Leitung von Kapitän Jungclaus in Geestemünde ihren Unterricht auf. 1916 wurde sie zur Seefahrtschule Bremerhaven. 1944 brannte das Gebäude ab. 1952 konnte ein neues Gebäude am selben Standort eingeweiht werden. Daraus entwickelte sich 1975 die Hochschule Bremerhaven.
Vereinigung von Geestendorf und Geestemünde mini|Morgenstern-Museum in der Kaistraße 1867 wurde die Handelskammer zu Geestemünde für die preußische Region gegründet.
Auf Initiative des Gemeindevorstehers von Geestendorf Carl August Lenthe von 1886 beim Oberpräsidenten der Provinz Hannover entstand im Dreikaiserjahr ein Gesetz, wonach am 1. April 1889 die beiden Gemeinden Geestemünde und Geestendorf zu Geestemünde mit 15.426 Einwohnern vereinigt wurden. Hermann Bleßmann war von 1889 bis 1899 der erste Bürgermeister. Die Zollschranken fielen zwischen Geestemünde, Lehe und Bremerhaven.
Die gemeinsame Gemeindeverwaltung verblieb zunächst in einem Gebäude in der Georgstraße Nr. 77 (bis 1860 Bremer Landstraße), in dem die Verwaltung für Geestemünde schon seit 1878 residierte. Bis 1944 waren hier Teile der Gemeindeverwaltung untergebracht. Von 1890 bis 1894 erfolgte der Neubau des dreigeschossigen, rotsteinsichtigen Rathauses nach Plänen von Hubert Stier in der damaligen Bahnhofsallee (heute: Klußmannstraße) im Stil der Neorenaissance. Ein fünfgeschossiger Turm im Historismus prägte das Erscheinungsbild des Rathauses, das 1944 zerbombt wurde. Neben dem Rathaus entstand bis 1898 das vom Postbaurat Schäffer entworfene Reichspostamt Geestemünde. 1933 wurde ein neues Postamt neben dem Hauptbahnhof gebaut und die Stadt Wesermünde kaufte für seine Verwaltung das Gebäude an der Klußmannstraße, in dem heute die Polizei untergebracht ist.
Von 1852 bis 1885 gehörte die Landgemeinde noch zum Amt Lehe. Nach der Neueinteilung in Kreise wurde Geestemünde 1885 schließlich Verwaltungssitz des Kreises Geestemünde mit dem Kreishaus an der Borriesstraße; bis 1977 war hier der Verwaltungssitz des späteren Landkreises Wesermünde. mini|Geestemünde um 1901 1900 entstand die genossenschaftliche Molkerei in der Mühlenstraße (heute An der Mühle). 1902 wurde ein Elektrizitätswerk an der Leher Chaussee (heute Rheinstraße) gebaut. Das Morgensternmuseum siedelte sich 1902 in Geestemünde am Hohenzollernring (heute Friedrich-Ebert-Straße) an und vergrößerte sich 1909 im Neubau der Handelskammer. Die Handelsbank gründete sich 1904 und auch der Geestemünder Sportclub (GSC). 1904 gründeten Emma und Bernhard Hirsch das Kaufhaus Hirsch (später Kaufhaus Schocken). Seit 1905 stand das Krankenhaus an der Hartwigstraße. 2.965 Schiffe liefen 2005 den Geestemünder Hafen an und löschten 635.744 Tonnen Ware. Von 1907 bis 1908 wurde durch den Waldverein von 1899 der Bürgerpark nach Plänen von Gartenarchitekt Hoff angelegt. 1908 wurde das Geestemünder Schauspielhaus an der Ecke Georg-/Keilstraße (heute Grashoffstraße) gegründet. Hier war später das Kino Metropol. Die SPD gründete 1908 einen Ortsverein. Ein Schlachthof entstand 1910 an der Wiesenstraße, der 1921 aufgegeben wurde. 1911 wurde die katholische Herz-Jesu-Kirche in Neugotik zwischen Bucht- und Grashoffstraße geweiht. Die Weserschiffahrtsgesellschaft, seit 1921 Weserfähre GmbH Geestemünde, nahm 1911 mit der Preußen (1911) und der Oldenburg den Fährverkehr nach Blexen auf.
Erinnerung Im südlichen Bogen der Friedrich-Ebert-Straße erinnern die Nebenstraßen an den Deutsch-Französischen Krieg und das danach entstandene Reichsland Elsaß-Lothringen: Elsässer Str. – Elsass Forbacher Str. – Forbach (Moselle) Lothringer Str. – Lothringen Metzer Straße – Metz, Belagerung von Metz Spichernstr. – Spicheren, Schlacht bei Spichern Straßburger Platz – Straßburg Weißenburger Str. – Wissembourg, Schlacht bei Weißenburg (1870) Wörther Str. – Wœrth, Schlacht bei WörthDie kleine Wohnstraße hinter der Westseite des Bahnhofsvorplatzes war schon 1906 als Wörthstraße im Bebauungsplan, wurde aber erst 1951 ausgebaut. Vorher war dort Gartengelände.
Bauherren der Gebäudekomplexe an der südlichen Friedrich-Ebert-Straße waren, zum größten Teil, der Geestemünder Bauverein sowie, in deutlich geringerem Umfang, die Niedersächsische Wohnungsgesellschaft. Architekt der Blöcke östlich der Friedrich-Ebert-Straße und der Metzer Straße war Gustav Claas (1876–1932). Für die westlich gelegenen Gebäude waren auswärtige Architekten verantwortlich.Auskunft Uwe Jürgensen, Stadtarchiv Bremerhaven.Das neue Bauen und seine Architekten (WoGe)
Fischfang mini|links|Aktie der Norddeutschen Hochseefischerei AG aus Geestemünde vom 23. Juli 1907 mini|Gedenkstätte Johannes Krüss auf dem Geestemünder Friedhof