Die Bahnstrecke Dolní Lipka–Štíty ist eine regionale Eisenbahnverbindung in Tschechien, die ursprünglich durch den österreichischen Staat als Lokalbahn Mährisch Schildberg–Grulich erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Dolní Lipka (Nieder Lipka) von der Bahnstrecke Šternberk–Lichkov ab und führt im Tal der Březná über Králíky (Grulich) nach Štíty (Mährisch Schildberg).

Nach einem Erlass der tschechischen Regierung ist die Strecke seit dem 20. Dezember 1995 als regionale Bahn („regionální dráha“) klassifiziert.

Geschichte

Eröffnet wurde die Strecke am 30. Dezember 1899. Den Betrieb führten die k.k. Staatsbahnen (kkStB).

Im Jahr 1912 wies der Fahrplan der Lokalbahn insgesamt fünf gemischte Zugpaare aus. Sie benötigten für die 19 Kilometer lange Gesamtstrecke zwischen 57 Minuten und einer Stunde 17 Minuten. Weitere Züge verkehrten nur zwischen Grulich und Grulich Stadt.Fahrplan 1912 der kkStB – gültig ab 1. Mai 1912 mini|links|Bahnhof Dolní Lipka (2010) mini|links|Haltestelle Dolní Orlice (2014) Nach dem für Österreich-Ungarn verlorenen Ersten Weltkrieg gelangte die Strecke ins Eigentum der neu begründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD). Ende der 1920er Jahre kam es zu einer signifikanten Verdichtung des Fahrplanes. Der Einsatz moderner Motorzüge führte zu einer Verkürzung der Fahrzeiten auf etwa 40 Minuten. Der Winterfahrplan von 1937/38 verzeichnete insgesamt sechs Zugpaare über die Gesamtstrecke, vier weitere bedienten Teilstrecken.Winterfahrplan 1937/38 der ČSD – gültig ab 3. Oktober 1937

Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Breslau. Im Reichskursbuch war die Verbindung als Kursbuchstrecke 154 m Nieder Lipka–Mährisch Schildberg enthalten.Deutsches Kursbuch Jahresfahrplan 1944/45 – gültig vom 3. Juli 1944 bis auf weiteres Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Strecke wieder vollständig zu den ČSD.

Am 1. Januar 1993 ging die Strecke im Zuge der Auflösung der Tschechoslowakei an die neu gegründeten České dráhy (ČD) über. Seit 2003 gehört sie zum Netz des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa železniční dopravní cesty (SŽDC).

Anfang des Jahres 2011 plante die Gesellschaft OREDO im Auftrag des zuständigen Aufgabenträgers Pardubický kraj die Abbestellung des Reiseverkehrs zwischen Lichkov und Štíty und den Ersatz durch eine Buslinie. Eventuell sollten werktags auch weiterhin Züge zwischen Lichkov und Moravský Karlov verkehren. Bei einer Realisierung dieses Planes wäre Králíky eine der größten tschechischen Städte ohne Bahnanbindung gewesen. Gegen dieses Vorhaben protestierte die örtliche Bevölkerung mit einer Petition, die über 2000 Bürger unterschrieben.Proti rušení lokálek bojuje petice, podepsaly ji dva tisíce lidí idnes.cz, 30. April 2011.

Nach weiteren Verhandlungen mit den Anliegergemeinden änderte der Pardubický kraj im Mai 2011 seine Pläne. Zwischen Lichkov und Moravský Karlov sollte nun das bisherige tägliche Verkehrsangebot erhalten bleiben, während an der Einstellung des Verkehrs im Abschnitt Moravský Karlov–Štíty festgehalten wurde.Další vlaky z malých tratí zmizí. I přes protesty starostů idnes.cz, 21. Mai 2011. Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 bestellte OREDO schließlich die Verkehrsleistungen im Abschnitt Moravský Karlov–Bezirksgrenze zum Olomoucký kraj ab. Als Reaktion darauf bestellte auch der Olomoucký kraj keine Verkehrsleistungen auf der restlichen Strecke bis Štíty mehr., České dráhy, tiskové zprávy, 7. Dezember 2011 Am Abend des 11. Dezember 2011 verließ der letzte planmäßige Reisezug den Bahnhof Štíty.Jiří K. Růžička: Lidé spílali drahám, kapela hrála. Zrušenou tratí projel poslední vlak, iDnes.cz, 12. Dezember 2011

Im Jahresfahrplan 2012 wurde der Streckenabschnitt Dolní Lipka–Moravský Karlov von insgesamt acht täglichen Personenzugpaaren bedient, die sämtlich von und nach Lichkov bzw. Letohrad durchgebunden wurden. Ein weiteres verkehrte werktags von und nach Králíky.Jahresfahrplan 2012 der ČD – gültig vom 11. Dezember 2011 Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 verkehrten an den Wochenenden wieder drei Personenzugpaare bis Mlýnický Dvůr.Jahresfahrplan 2014 der ČD – gültig vom 15. Dezember 2013 Bis 9. Juni 2018 verkehrten sowohl am Wochenende als auch werktags einige wenige Züge bis zum Endpunkt der Strecke in Štíty, so dass wieder die gesamte Strecke befahren wurdeJahresfahrplan 2017 der ČD – gültig vom 11. Dezember 2016, seit dem 10. Juni 2018 wird nur noch der Streckenabschnitt bis Mlýnický Dvůr bedient.Petr Krňávek: V Mlýnickém Dvoře bude opět konečná. Orlický deník, 8. Juni 2018.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 soll der planmäßige Reisezugverkehr bis Moravský Karlov zurückgezogen werden. Hintergrund ist die Einführung der Fernverkehrslinie R23 von Prag über Lichkov nach Gdynia in Polen. Aufgrund der notwendigen fahrplanmäßigen Kreuzung mit diesen Zügen in Jablonné nad Orlicí kommt es zu einer Fahrtzeitverlängerung in beiden Richtungen, sodass die Wendezeit in Mlýnický Dvůr nicht mehr ausreicht.„Pardubický kraj ruší vlaky do Mlýnického Dvora, posílí provoz do Hanušovic“ auf zdopravy.cz

Die Elektrifizierung der Teilstrecke Dolní Lipka–Králíky ist im Rahmen der Dekarbonisierung des Eisenbahnbetriebs bis 2032 vorgesehen.„Koncepce rozvoje elektrické Trakce v České republice“ auf zdopravy.cz (PDF; 2,7 MB) Eine entsprechende Ausschreibung gewann die Firma Sudop Brno, die mit 31 Millionen Kronen das günstigste Angebot zur Elektrifizierung der Relation Lichkov–Moravský Karlov abgegeben hatte. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „einfache Elektrifizierung“ ohne umfassende Erneuerung von Gleisen und Anlagen.„Další prostá elektrizace. Projekt na úpravu trati kolem Tiché Orlice připraví Sudop Brno“ auf zdopravy.cz

Literatur Stanislav Pavlíček: Naše Lokálky, Dokořán 2025, ISBN 978-80-7675-234-4

Weblinks

KBS 024: Ústí nad Orlicí – Lichkov – Štíty/Międzylesie auf www.zelpage.cz

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Tschechien