August Hermann Ewerbeck (* 12. November 1816 in DanzigFamilySearch.org „AUGUST HERRMANN EWERBECK, Father: CHRISTIAN GOTTL. EWERBECK, Mother: CHRISTIANA CONCORDIA POBOWSKA; Birth: 12 NOV 1816; Christening: 5 JAN 1817 Sankt Trinitatis, Danzig Stadt, Westpreussen, Preussen“. (Batch No.: C998461 Source Call No.: 0742675 Type: Film 1180628); † 4. November 1860 in Paris) war ein deutsch-französischer Schriftsteller, Übersetzer sowie Arzt und Kommunist. Seine Pseudonyme waren Dr. Wendel Hippler„er übersetzte unter dem Kriegsnamen Wendel-Hippler die ‚Ikaria‘“ (Friedrich Herman Semmig, S. 869) und Hermann Mitras.Emil Weller: Index pseudonymorum
Leben Hermann Ewerbeck wurde als jüngstes von vier Kindern in Danzig geboren. Sein Vater Christian Gottfried Ewerbeck (* 15. Januar 1761; † 27. Dezember 1837) war Professor für Mathematik, Philosophie und deutsche Sprache am akademischen Athenäum-Gymnasium und zuletzt dessen Direktor.François Melis (2007), S. 92Alt preußische Biographie. Hrsg. von Christian Krollmann. Bd. 1, Marburg / Lahn 1974, S. 171 und Georg Christoph Hamburger, Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland oder Lexicon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. 2. Bd. 5. verm. u. verb. Aufl., Lemgo 1796, S. 266 Seine Mutter war Christiane Concordia Augusta Pobowski († 1849). Im Frühjahr 1835 legte Ewerbeck auf dem akademischen Gymnasium seiner Heimatstadt das Abitur mit rite ab. Im Mai 1835 immatrikulierte er sich an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin im Fach Medizin. Das nach den Medizinalvorschriften vorgeschriebene Semester in Philosophie legte er vorzeitig ab. Er hörte Vorlesungen über Logik bei Friedrich Adolf Trendelenburg, Geschichte bei Leopold von Ranke und Chemie bei Eilhard Mitscherlich. Ende 1836 wechselte er zur medizinischen Fakultät über. Hier besuchte er Vorlesungen u. a. bei Johannes von Müller, Friedrich Schlemm, Emil Osann u. a. Ab Oktober 1838 leistete er als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst in dem Kaiser-Alexander-Regiment ab.De phaenomenis opticis subjectivis, S. 48 Am 16. August 1839 wurde er promoviert mit einer Arbeit über De phaenomenis opticis subjectivis (Die subjektive Wahrnehmung der Optik).De phaenomenis opticis subjectivis, S. 54
Im junghegelianischen Denken sah er eine Perspektive.L’Allemagne et les Allemands, S. 583 Im Frühjahr 1840 verließ er Berlin, wie er Arnold Ruge am 3. Januar 1841 schrieb: „Überdrüssig, daheim wortlos und thatenlos sitzen zu müssen gegenüber dem was dort geschah und nicht geschah, verließ ich aus freien Stücken das Land.“Martin Hundt: Am Vorabend der Entscheidung vom Herbst 1841, S. 91 Zuerst reiste er durch Schweden, Dänemark, England, die Schweiz und Italien. An der Universität Utrecht beantragte er eine Zusatzausbildung zum Chirurgen am 15. Oktober 1840. Danach eröffnete er kurzzeitig eine Praxis in Amsterdam, die er aber bald wieder aufgab. Am 21. Juli 1841 teilt er Ruge aus Paris mit: in der „Hauptstadt der Neu[en] Welt, wo seit einem halben Jahrhundert die Märtyrer ihr bestes Blut des Leibes und des Geistes jubelnd […] ausgegossen haben […] hier verlerne ich allmählich […] woran unser Volk sieche wie an erblicher Krankheit.“Martin Hundt: Am Vorabend der Entscheidung vom Herbst 1841, S. 99
In Paris Wie aus Ewerbecks Briefen an Arnold Ruge hervorgeht, traf er spätestens im Juni 1841 in Paris ein.François Melis (2007), S. 93 Da Wilhelm Weitling und andere bereits im Mai 1841 Paris verlassen hatten,Waltraud Seidel-Höppner: Wilhelm Weitling – eine optimistische Tragödie. In: Wilhelm Weitling. Ein deutscher Arbeiterkommunist. Hrsg. von Lothar Knatz, Hans-Arthur Marsike. Hamburg 1989 (Materialien der internationalen Arbeitstagung Wilhelm Weitling, Geschichte – Theorie – Perspektive vom 27. bis 29. September 1988 in Hamburg), S. 39 wurde Ewerbeck bald in die „Volkshalle“ des Bundes der Gerechtigkeit aufgenommen. Er half mit, den Geheimbundcharakter abzustreifen und er war es, der Ende 1842 oder 1843 die Statuten des Bundes der Gerechten entwarf.François Melis (2007), S. 95; Der Bund der Kommunisten. Dokumente und Materialien (1836–1849), Bd. 1, Berlin 1970, S. 153 f. Ende 1843 lernte er Karl Marx in Paris kennen, den er 1846 als „den Aristoteles des 19. Jahrhunderts“ bezeichnete.Ewerbeck an Marx 15. Mai 1846. Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III. Bd. 2, S. 202 In einem Artikel für die „Trier’sche Zeitung“ vom 29. Juni 1846 schrieb er über Marx: „Die kritisch-juristisch- und nationalökonomischen Werke eines Carl Marx wären wahrscheinlich eine der größten und schönsten Gaben, die Deutschlands Genius dem französischen seit langem dargebracht.“Zitiert nach François Melis (2007), S. 120 f. Neben Marx lernte er auch Heinrich Heine und vor allem German Mäurer kennen, mit dem ihn eine lange Freundschaft verband. Hermann Ewerbeck führte einen Briefwechsel mit Wilhelm Weitling und half den Druck der „Garantien der Harmonie und der Freiheit“ zu finanzieren.
Ewerbeck war es auch, der 1844/45 einen Katechismus des Bundes entwarf, der als Fragment bei Carl Bühring 1847 von der Polizei beschlagnahmt wurde.Martin Hundt: Programmatische Bemühungen im Bund der Gerechten. Zu Marx’ Einfluß auf ein neuentdecktes Katechismus-Fragment von 1844/45. Schon in seinen Briefen hat Ewerbeck Étienne Cabet eine besondere Rolle bei der Propagierung des Kommunismus zugesprochen. Unter dem Namen „Dr. Wendel Hippler“ übersetzte er mehrere Werke Cabets ins Deutsche. Er ließ sich gleichzeitig von Moses Heß, Karl Grün, Weitling und Marx beeinflussen.Wolfgang Mönke (1970), S. 123 In den Auseinandersetzungen 1846 um den „wahren Sozialismus“ stand er auf der Seite von Marx und Engels. Für Pierre-Joseph Proudhon übersetzte er mehrere Schriften von Ludwig Feuerbach und anderen ins Französische.Karl Marx. Das Elende der Philosophie. Neu hrsg. von Hans Pelger. Berlin/Bonn 1979, S. LIX ff.
In Paris lernte Ewerbeck auch die späteren Angeklagten im Kölner Kommunistenprozess Roland Daniels und Wilhelm Joseph Reiff kennen.Karl Bittel: Der Kommunistenprozess zu Köln 1852 im Spiegel der zeitgenössischen Presse. Hrsg. u. eingel. Berlin 1955, S. 64, 81, 97, 113 und 165 Er wurde auch im Berliner „Hochverratsprozess gegen den Schneider Tietz“ als Kommunist benannt.Hitzig’s Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege. Neue Folge. Hrsg. Hermann Theodor Schletter. Bd. 34, Leipzig 1853, S. 281
Am 19. April 1848 nahm Ewerbeck die französische Staatsbürgerschaft an.Wochenblatt für den Königlich-Bayerischen Gerichtsbezirk Zweibrücken. Nr. 21 vom 20. Februar 1849
Während der Revolution 1848/49 war Ewerbeck Leiter der Pariser Gemeinde des Bundes der Kommunisten und Korrespondent der Kölner Neuen Rheinischen Zeitung 1848 bis 1849. Als französischer Delegierter war er auf dem zweiten demokratischen Kongress vom 26. bis 30. Oktober 1848 in Berlin.Tagblatt für Landshut und Umgegend. Nr. 229 vom 30. Oktober 1848, S. 938 Für die Neue Rheinische Zeitung berichtete er überwiegend über die revolutionären Ereignisse in Paris.
Zur Übersetzung der Reise nach Ikarien In seinem „Vorwort des Uebersetzers“ schrieb Ewerbeck: „Es ist wahrhaftig hohe Zeit daß dies merkwürdige Buch endlich den Deutschen aller Klassen zugänglich werde. […] Die Arbeiterfrauen lesen es eben so fleißig wie die Männer“. […] „Die Revolution des vorigen Jahrhunderts hatte einige Jahre lang dem arbeitenden Volkstheile versprochen, für die Sicherung seines leiblichen wie seines geistigen Lebens und Lebensunterhalts zu sorgen In den ewig denkwürdigen Weltjahren 93 und 94 hatte die Jabokinerparthei oder Bergparthei, durch die Proletarier gestützt, die Regierung des Landes zu Gunsten eben dieser Proletarier geleitet. Das war eine eiserne Herrschaft der Arbeiter geworden, denn sie mußten das kalte Eisen gebrauchen um die aufgestiegene Mittelklasse niederzuhalten und ihr Respekt einzuflößen. “ […] „Die paar schlimmen Jahre 92, 93 und 94 verstrichen, und hierauf schwang sie [die junge Bürgerschaft] sich an die Spitze, wo sie noch heute steht und stehern muß. So will es der natürliche Verlauf der Entwickelung. Keine Klasse kann eher an’s Herrschen kommenm, als bis sie dazu geistig wie materiell reif geworden.“[…] „Nichts wäre der guten Sache gefährlicher, als eine Emeute, die man kommunistisch nenne, und mit Kartätschen niederblasen könnte; Tags drauf würde dann eine Preßbeschränkung, eine Verschärfung der Septembergesetze, von den Kammer dekretirt werden, die allerdings dem stillen Herzenswunsche Manches entspräche. Aber solange Cabet wacht, wird dies nicht geschehen.“Étienne Cabet: Reise nach Ikarien, S. I, II, III und XVIII
Zur Übersetzung des Kommunistischen Manifests Am 26. Februar 1849 berichtete Ewerbeck an Marx: „Ich habe Monsieur PayaJ.-B.-Charles Paya […] die f[ranzö]sische Übertragung Deines kommunistischen Manifests geendigt. Sie ist ausnehmend gelungen. Er ist begeistert über dies Manifest und wird selbiges sobald wie möglich in einem kleinen Bändchen, groß gedruckt, nebst einem Vorwort an Dich und Notizen über Dich, erscheinen lassen. Auf dem Titel ist nur er, nicht ich genannt.“Ewerbeck an Marx 26. Februar 1849 Und in der Neuen Rheinischen Zeitung schrieb Ewerbeck: „Das […] Manifest der kommunistischen Partei […] erscheint zu Paris alsbald in französischer Uebersetzung des Bürgers Paya“.Das ‚kommunistische Manifest‘ - Charles Paya
Letzte Jahre Am 25. Februar 1850 beschreibt Ewerbeck, dass er an dem Buch L’Allemagne et les Allemands seit „fünf Jahren“ schreibt. „Ich bin durch diese Arbeit und Schreiben für einige Journale so ungemein in Anspruch genommen, daß ich mich nicht mit B[undes]angelegenheiten abgeben kann, und vorläufig, einige Monate lang, nicht abgeben können werde. [] im Kreise hieselbst Spaltung ausgebrochen ist und eigentlich ausbrechen mußte […]“Ewerbeck an Marx 25. Januar 1850 In der Bundesansprache vom Juni 1850 kommentierten Marx und Engels Ewerbecks Brief: „In Paris hat das Bundesmitglied, das seither an der Spitze der dortigen Gemeinden stand, Ewerbeck, seinen Austritt aus dem Bunde erklärt, da er seine literarische Tätigkeit für wichtiger hält. Die Verbindung ist daher momentan unterbrochen, und ihre Wiederanknüpfung muß mit um so mehr Vorsicht geschehen, als die Pariser eine Anzahl Leute aufgenommen haben, die gänzlich unbrauchbar sind und sogar früher in directer Feindschaft gegen den Bund gestanden haben.“Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung I. Bd. 10, S. 341 und
In dem 1850 erschienenen Band Qu’est-ce que la Bible übersetzte Ewerbeck auch die Rezension von Karl Marx’ Zur Judenfrage. Diese Übersetzung ist aber „stellenweise eine freie Bearbeitung des Originals“.„Qu’est-ce que la Bible“, S. 629–660; Bert Andréas, S. 23 f. In seinem Brief an Marx vom 9. Oktober 1851 bat er Marx um die notwendigen Notizen „über Dein Leben und Wirken“.Ewerbeck an Marx 9. Oktober 1851 Qu’est-ce que la Bible wurde 1857 durch die römisch-katholische Glaubenskongregation auf den Index gesetzt.Ewerbeck, August Hermann. In: Jesús Martínez de Bujanda, Marcella Richter: Index des livres interdits: Index librorum prohibitorum 1600–1966. Médiaspaul, Montréal 2002, ISBN 2-89420-522-8, S. 331 (französisch, ).