Der Stöbber, auch Stobber, ist das zentrale Fließgewässer der Brandenburger Märkischen Schweiz. Der Bach entspringt auf der Nordsee-Ostsee-Wasserscheide, sodass er zwei Fließrichtungen und Mündungen hat. Sein Scheitelbereich mit der Pseudobifurkation liegt in im Niedermoorgebiet Rotes Luch.

Verlauf Der Stöbber durchfließt die glaziale Buckower Rinne, in deren Scheitelbereich das Niedermoor Rotes Luch entstanden ist.

Der 25,8 Kilometer lange nordöstliche Hauptteil fließt vom Roten Luch durch Buckow, den Hauptort der Märkischen Schweiz, zum Oderbruch. Er mündet hinter Altfriedland in die Alte Oder, die oberhalb der Stöbbermündung auch Quappendorfer Kanal genannt wird, unterhalb auch Friedländer Strom. Über die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und die Oder gelangt ihr Wasser schließlich ins Stettiner Haff der Ostsee.

Das Quellgebiet und der gesamte nordöstliche Teil des Stöbbers befinden sich im Naturpark Märkische Schweiz. Auf rund 13 Kilometern seines Laufs ist zudem das Naturschutzgebiet Stobbertal ausgewiesen. Für die Artenvielfalt der Schutzgebiete spielt der weitgehend naturnahe und renaturierte Bach, der in seinem 25,8 Kilometer langen Lauf 43 Meter an Höhe verliert, eine wichtige Rolle. Auch das Wappentier des Naturparks, die in Deutschland stark gefährdete Gemeine Keiljungfer, findet im sauerstoffreichen und bewegten Wasser des Stöbbers einen idealen Lebensraum.

Der kürzere südwestliche Teil wird Stöbberbach genannt und mündet nach rund zehn Kilometern in die Löcknitz, die in den Dämeritzsee der Spree fließt und damit über die Havel und Elbe in die Nordsee entwässert. Bis in das 19. Jahrhundert hieß dieser Wasserlauf Köpernitz.

Name In der Literatur und auf Karten finden sich verschiedene Schreibweisen: Stöbber, Stobber, StobberowReise- und Verkehrskarte der DDR 1:200.000, Blatt 5, 1979: Stobberow und Stobbergraben. Alle amtlichen Karten und die ökologischen Informationen des Landesumweltamtes verwenden die Schreibung mit ö. Das slawische Wort Stobberow steht für ‚Gitter‘, ‚Lattenzäune‘.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 164, ISBN 3-937233-30-X, Noch bis 1801 hieß Julianenhof (Ortsteil von Märkische Höhe; ehemaliges Vorwerk von Reichenberg) nach dem Fluss Stobberow. Laut Deutschem GewässernamenbuchGreule, Albrecht, Deutsches Gewässernamenbuch, De Gruyter, 2014, gebunden, ISBN 978-3-11-019039-7, PDF ISBN 978-3-11-033859-1 ist Stobberow feminin, Stöbber und Stobber maskulin.

Die erste bekannte Erwähnung des Flusses stammt aus dem Jahr 1245 als fluuium qui Stoborov nuncupatur. 1253 findet sich die Bezeichnung super Stobravam, 1305 der Eintrag Stobero und 1472 die große Stobberow. In seiner Statistisch-topographischen Beschreibung der Kurmark Brandenburg (Band 1) von 1788 führt August Heinrich von Borgstede die Bezeichnung Stobberow-Fließ an. Auch 1843 verzeichnet das Urmesstischblatt des Königreichs Preußen noch die Bezeichnung Stobberow. Auch 1952 ist der Name noch in einer amtlichen topografischen Karte zu finden Eintragungen im Roten Luch sowie südöstlich von Alt Friedland. Entsprechend wird die heutige Bezeichnung Stobber oder Stöbber als jüngere Katasterform eingeordnet.

Die ursprüngliche Namensform Stobberow wird der altpolabischen Grundform Stoborov- zu stobor = Gitter, Gartenzaun zugeordnet (vgl. altpolnisch steber und serbisch-kirchenslawisch stoborž = Säule). Reinhard E. Fischer merkt an, dass das Appellativum stobor heute nur noch im Südslawischen vertreten sei, es aber im Polnischen Vergleichsnamen wie den Gewässernamen Stobierna oder den Ortsnamen Stobrawa gebe. Der Beleg aus dem Jahr 1253 könne auch auf eine altpolabische Grundform Stobrava hinweisen; das Suffix -ava komme vor allem in alten Gewässernamen vor.Bis auf die Einträge von Borgstede und aus dem Urmeßtischblatt stammen die Erwähnungen aus Urkunden oder Dokumenten, die in den Bänden XII und XX des Codex diplomaticus Brandenburgensis enthalten sind. Sämtliche Angaben aus: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 10. Die Gewässernamen Brandenburgs. Begründet von Gerhard Schlimpert, bearbeitet von Reinhard E. Fischer. Herausgegeben von K. Gutschmidt, H. Schmidt, T. Witkowski. Berliner Beiträge zur Namenforschung im Auftrag des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1996, S. 276, ISBN 3-7400-1001-0

Flussabschnitte und Fischtreppen mini|Ehemalige Seifertsche Mühle mini|Fischpass an der ehemaligen Stadtmühle in Buckow Aufgrund des starken Gefälles des Flusses, der auf 25 Kilometern 43 Meter an Höhe verliert, bestanden am nordöstlichen Stobber zahlreiche Wassermühlen. Im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen wurden in den 1990er-Jahren acht Stauanlagen der Mühlen für wandernde Fischarten wieder passierbar gemacht.Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Land Brandenburg (Hrsg.): Naturpark Märkische Schweiz. Abschnitt: Treppen für Fische. August 2010 (Flyer).

Vom Roten Luch über Waldsieversdorf nach Buckow Am Nordostausgang des Roten Luchs berührt der Stöbber die Südostecke des artenreichen Naturschutzgebietes Tiergarten, eines Biotops mit naturnahen Waldgesellschaften eines Niederungsgebiets, und fließt weiter nach Waldsieversdorf. Im Dorf strömt der Bach zwischen den Fischteichen hindurch und hat hier auf einer Höhe von rund 38 Metern bereits 10 Höhenmeter verloren. An der ehemaligen Priestermühle (heute Fischerei) und Margaretenquelle fließt von rechts das Kreuzfließ zu, das aus dem Karpfenteich und dem Großen Däbersee kommt. Nach Waldsieversdorf lässt der Stobber das Naturschutzgebiet Gartzsee, ein typisches Zwischenmoor, links liegen und erreicht durch sumpfiges Waldgebiet die ehemalige Seifertsche Mühle (heute Werkstatt). Das Mühlengebäude, der Mühlteich und einige Mühlräder der 1574 als Wassermühle am Stobber entstandenen Mühle sind noch vorhanden.Dierk Heerwagen: Unterwegs im Naturpark Märkische Schweiz. … S. 37, 41, 45, 74 Beim Durchfluss des 28 Meter hoch gelegenen Abendrothsees, der dem Schermützelsee südöstlich vorgelagert ist, hat der Stöbber weitere 10 Höhenmeter und damit nach lediglich rund einem Fünftel seines Gesamtlaufs bereits knapp die Hälfte seines Gesamtgefälles von 43 Metern verloren. Nach dem nordöstlichen Austritt aus dem Abendrothsee erreicht der Stöbber die ersten Häuser Buckows, bei denen ihm ungefähr auf Höhe des Bahnhofs Buckow der Abflussgraben Schwarzer See zufließt.

Der Fluss unterquert die Berliner Straße und erreicht den 25,5 Meter hoch gelegenen Buckowsee. Im See nimmt er das Wasser des Sophienfließes auf, das zuvor in den Schermützelsee geströmt war und unter dem Namen Werderfließ den Schermützel- mit dem Buckowsee verbindet.Märkische Schweiz. Der Gummiweg. Erlebnispfad durch den Schwarzerlen-Bruch. (Flyer; PDF-Datei; 394 kB). Auch den Buckowsee verlässt der Stöbber im Nordosten und unterquert im Zentrum Buckows die Wriezener Straße an der Stadtmühlenbrücke, an der die Gaststätte Stobbermühle liegt. Das Wasserrad an der ehemaligen Stadtmühle gehörte zu einem durch Wasserkraft betriebenen Elektrowerk, das sich im heutigen Parktheater, einem der ältesten Häuser der Stadt Buckow, befand. 1993 wurde am Wehr der Stobbermühle eine Fischtreppe gebaut, um den Fischen das Überwinden der 1,60 Meter hohen Staustufe zu ermöglichen.Märkische Schweiz. Waldsieversdorfer Wasserwelt. (Flyer; PDF-Datei; 2,4 MB) Siehe Nr. 10: Wasserrad Stobbermühle.Naturpark Märkische Schweiz: Fischpaß Stadtmühle. Nach Durchquerung des Buckower Schlossparks und des 24 Meter hoch gelegenen Griepensees geht der Flusslauf weiter nach Nordosten und knickt bei den letzten Häusern der Stadt kurz vor der Güntherquelle auf 23 Meter Höhe nach Osten ab. An der nach dem Sohn der Gräfin Luise von Itzenplitz zu Pritzhagen und Bollersdorf benannten eisenhaltigen Quelle befindet sich das Naturpark-Besucherzentrum Schweizer Haus.

Durch das NSG Stobbertal zum Oderbruch mini|links|Schild Naturschutzgebiet Stobbertal An der Stöbberbrücke bei der Güntherquelle beginnt das 884 Hektar umfassende Naturschutzgebiet Stobbertal, das sich auf rund 13 Kilometer Länge entlang des Flusses bis zur B 167 nördlich der Karlsdorfer Teiche bei Altfriedland zieht.Verordnung über die Festsetzung von Naturschutzgebieten und einem Landschaftsschutzgebiet von zentraler Bedeutung als Naturpark "Märkische Schweiz". 12. September 1990 (GBl. DDR 1990, SDr. 1479). (Fortgeltendes Recht.) (PDF-Datei; 50 kB) Siehe § 4.1: Naturschutzgebiet Stobbertal. Das NSG ist zugleich, unter anderem hinsichtlich der Kleinen Flussmuschel als besonders schützenswerter FFH-Art nach Anhang II, als FFH-Gebiet ausgewiesen. Im bewegten und sauerstoffreichen Wasser dieses Stöbberabschnitts findet zudem die Gemeine Keiljungfer, das Wappentier des Naturparks Märkische Schweiz, ideale Bedingungen für ihre Eiablage.Ein neues Bett für die Keiljungfer und Treppen für Fische. Die Renaturierung des Stobber sichert die Artenvielfalt. In: …

mini|Fischpass an der ehemaligen Pritzhagener Mühle im Naturschutzgebiet Stobbertal mini|Fischpass an der ehemaligen Damm-Mühle in Altfriedland mini|Der Stöbber am SPA-Gebiet Kietzer See Nach dem Austritt aus dem Buckower Kessel an der Güntherquelle schlängelt sich der hier besonders naturnahe Fluss durch Reste von Auwäldern und Feuchtgebiete nach Osten. Unmittelbar nördlich fallen die Hänge des 106 Meter hohen Dachsberges oder des 88 Meter hohen Silberberges und KehlenErosionsschluchten werden in der Märkischen Schweiz als Kehlen bezeichnet, siehe zum Beispiel: Märkische Naturfotos: Kehlen und Schluchten. (Schluchten) wie die Silberkehle zum Flusstal ab. Der Stöbber passiert südlich den Kleinen und Großen Tornowsee, deren Wasser er über einen Abflussgraben aufnimmt. Nach einer Südschleife um den Ziegenhals erreicht er östlich des Großen Tornowsees die Pritzhagener Mühle, an der 1994 im Rahmen eines groß angelegten Renaturierungsprojekts ein Fischpass als flachansteigende Rampe mit Feldsteineinbauten angelegt wurde. Die Fische, die stromaufwärts in die Seen des Buckower Kessels wandern wollen, können seither die 1,40 Meter hohe Staustufe wieder überwinden. Die 1375 erstmals erwähnte und nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1650 wiederaufgebaute Mühle erhielt bereits 1827 die königliche Schankerlaubnis und gilt als älteste Gaststätte der Märkischen Schweiz.Zwischen Flossen und Flügeln: 4) Pritzhagener Mühle. Flyer des Besucherzentrums Drei Eichen, Buckow, ohne Datum (erhalten 2011).