Ludwig Heinrich August Wilhelm „Willy“ Lentrodt (* 1864 in Oesdorf, Kreis Pyrmont; † 13. April 1914 in Berlin-SteglitzSterberegister StA Steglitz, Nr. 181/1914) war ein deutscher Schriftsteller des späten deutschen Kaiserreichs.

Leben Willy Lentrodt war der Sohn des Fürstlichen Rates Wilhelm Lentrodt (1838–1921), Rentmeister im Hospital Flechtdorf und Waldeckscher Landtagsabgeordneter, und der Emilie Pehlig. Sein Bruder Hans Lentrodt (1869–1946) war Zahnarzt in München. Er besuchte das Evangelisch Stiftische Gymnasium Gütersloh, wo er 1886 auch die Reifeprüfung ablegte.Friedrich Fliedner: 75 Jahre Gütersloher Gymnasium. Verlag F. Tigges, Gütersloh 1926. Dritte Seite: Festschrift zur Feier des 75jährigen Bestehens des Evangelisch-stift. Gymnasiums zu Gütersloh und der Grundsteinlegung zum Gymnasialneubau am 16., 17. und 18. August 1926. S. 64, Nr. 582.

In den 1890er Jahren war Lentrodt als Fürstlich Waldeckscher Hofbibliothekar in Arolsen tätig, ging dann nach Berlin und arbeitete 1896/97 als Kunstkritiker der kurzlebigen Tageszeitung Berliner Reform. Im Juni 1897 gründete er gemeinsam mit Wilhelm Schwaner, Moritz von Egidy und anderen die zweiwöchentliche Zeitschrift Der Volkserzieher. Blatt für Familie, Schule und öffentliches Leben. Später war Lentrodt Lektor und Gutachter im S. Fischer Verlag und schrieb für die Tageszeitung Der Tag aus dem Scherl-Verlag.

Als Schriftsteller schrieb vor allem Novellen, Gedichte und Aufsätze. Sein wohl bekanntestes Werk ist die erst nach seinem Tod 1914 beim S. Fischer Verlag erschienene Aufsatzsammlung Das doppelte Gesicht der Gegenwart. Oskar Loerke bezeichnete die Aufsatzsammlung in einer Rezension als „Gedächtnis und Beispiel eines vortrefflichen, geordneten Menschen“.Oskar Loerke: „Das doppelte Gesicht der Gegenwart“. In: Die neue Rundschau 26 (1915) Band 1, S. 141–143 (Digitalisat). Laut dem Literaturwissenschaftler Stefan Pegatzky ließe sich Lentrodt lesen als die Beschreibung der unterschiedlichen Wege künstlerischer Nietzsche-Nachfolge und als Symptom für den Umbruch der geistigen Orientierungen um die Jahrhundertwende: Als einem dualistischen Bild der Wende von Schopenhauer zu Nietzsche, von Pessimismus zu Lebensbejahung.Stefan Pegatzky: Das poröse Ich: Leiblichkeit und Ästhetik von Arthur Schopenhauer bis Thomas Mann. Würzburg: Königshausen & Neumann, Würzburg, S. 386

Lentrodt war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Teil des damals berühmten Berliner Bohème-Lebens, das sich in den Vororten Schlachtensee, Friedrichshagen und im West-Berliner Zentrum um das Café des Westens mit Protagonisten wie Peter Hille, Paul Scheerbart, Frank Wedekind, Else Lasker-Schüler und Erich Mühsam sammelte. Mühsam, mit dem er befreundet war, schrieb Jahre später in seinen Unpolitischen Erinnerungen über Lentrodt:

Lentrodt war mit Clara von Occolowitz verheiratet und hatte eine Tochter, die spätere Harfenistin Ursula Lentrodt (1908–2005/2006). Er starb nach längerer Lungenkrankheit und wurde zunächst in Steglitz beigesetzt und später in seine Heimat nach Flechtdorf umgebettet.

Werke Heiße Spuren. Großenhain: Baumert, 1893 Rauschmomente. Gedichte. Dresden: Pierson, 1895. Aus Nächten. Gedichte und Sprüche. München: Schupp, 1899. Das Christusbild: Eine Abhandlung. Berlin-Schlachtensee: Schwaner, 1908. Der Bauer: Eine psychologische Studie. Leipzig: Eckardt, 1909. Das doppelte Gesicht der Gegenwart. Berlin: S. Fischer Verlag, 1914. Mit einer Vorrede von Franz Evers

Literatur Wilhelm Schwaner: Willy Lentrodt tot. In: Der Volkserzieher 18 (1914), Nr. 9. Wilhelm Schwaner: Willy Lentrodt. In: Der Volkserzieher 18 (1914), Nr. 11 (24. Mai 1914), S. 81–84. Wilhelm Schwaner, Otto Raack: An Willy Lentrodts Sarge. In: Der Volkserzieher 18 (1914), Nr. 11 (24. Mai 1914), S. 84–85.

Einzelnachweise

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