mini|Die Neue Klinik (links) und das Hauptgebäude (rechts) des Zentralkrankenhauses Bozen im Sommer 2017 Das Zentralkrankenhaus Bozen ist das größte Krankenhaus in der italienischen Provinz Südtirol. Es befindet sich im Stadtteil Gries-Quirein in der Lorenz-Böhler-Straße. Der Gesundheitsbezirk von Bozen ist für ein Gebiet von 1525 km² zuständig. Das Einzugsgebiet des Krankenhauses umfasst etwa 45 % der Gesamtbevölkerung des Landes. Verwaltet wird die Einrichtung durch den Südtiroler Sanitätsbetrieb.Südtiroler Sanitätsbetrieb kämpft mit Personalmangel", Artikel vom 16. November 2025 in Südtirol News (online), aufgerufen am 20. November 2025 Mit Stand Oktober 2025 bestehen am Zentralkrankenhaus Bozen 614 aktive Betten, die gesamte Nutzfläche beträgt 25.000 m².
Struktur mini|Orthofoto des Zentralkrankenhauses Bozen, 2023 Das Zentralkrankenhaus Bozen verfügt über diverse farbkodierte Bereiche und gliedert sich baulich wie folgt:
Hauptgebäude: ältester Krankenhausteil, umfasst blauen, roten, violetten, gelben und grünen Bereich Neue Klinik: jüngster Krankenhausteil, umfasst die vier Trakte A, B, C und D Mehrzweckgebäude: Erweiterungsbau des Hauptgebäudes, deckungsgleich mit dem hellblauen Bereich Gebäude W: zusätzliches Gebäude im Südosten der Neuen Klinik, deckungsgleich mit dem schwarzen Bereich
Zur Nutzung der einzelnen Gebäude sei auf den Abschnitt Administrative und funktionale Gliederung verwiesen. Administrative und funktionale Gliederung
Krankenhausleitung Die Leitung des Krankenhauses teilt sich zwischen drei Positionen auf:
Geschäftsführende ärztliche Direktorin: Monika Elisabeth Zäbisch Pflegedienstleitung: Thomas Kirchlechner Verwaltungsleitung: Enrico Wegher
Abteilungen und Dienste
Organisatorisch gliedert sich das Zentralkrankenhaus Bozen in Abteilungen, Dienste und ein Zentrallabor. Zudem nimmt das Zentralkrankenhaus den Großteil der landesweiten Dienste des Südtiroler Sanitätsbetriebs wahr.
Abteilungen Insgesamt verfügt das Krankenhaus über 27 Abteilungen im Gebäudekomplex in der Lorenz-Böhler-Straße: AbteilungStandort Allgemeine Chirurgie Trakt ANeurochirurgie Trakt AGefäß- und Thoraxchirurgie Trakt BHals-Nasen-Ohrenheilkunde Trakt BOrthopädie und Traumatologie Trakt BAugenheilkunde Trakt CZentralisierte Day and Week Surgery Trakt CBeobachtungsstation Trakt DUrologie Trakt DAnästhesie und Intensivmedizin 1 Blauer BereichGeburtshilfe Blauer BereichGynäkologie Blauer BereichHämatologie und Zentrum für Knochenmarktransplantation Blauer BereichInnere Medizin Blauer BereichNeonatologie und Neugeborenenintensivstation Blauer BereichPädiatrie Blauer BereichGastroenterologie, Physiopathologie und Endoskopie des Verdauungstraktes Gelber BereichNephrologie und Dialyse Gelber BereichNeurologie/Stroke Unit Gelber BereichPneumologie und pneumologische Funktionsproben Gelber BereichInfektionskrankheiten Grüner BereichNeurorehabilitation und postakute Rehabilitation Grüner BereichMedizinische Onkologie Hellblauer BereichDermatologie Schwarzer BereichGeriatrie Schwarzer BereichKardiologie und kardiologische Funktionsproben Schwarzer BereichPsychiatrie im Krankenhaus Schwarzer Bereich
Lokale Dienste Zudem sind im selben Gebäudekomplex folgende Dienste eingerichtet:
DienstStandortRadiodiagnostik Trakt BMedizinische und chirurgische Notaufnahme und Beobachtungsstation Trakt DKinder- und Jugendneurologie und -rehabilitation Blauer BereichNeuroradiologie Blauer BereichZahnheilkunde Blauer BereichDiabetologie Hellblauer BereichDiätetik und klinische Ernährung Hellblauer BereichPhysische Rehabilitation Hellblauer BereichPsychologie im Krankenhaus Hellblauer BereichPharmazeutischer Dienst Roter Bereich D.A.M.A. – Übernahme der gesundheitlichen Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern mit komplexen und/oder relationalen kognitiven Behinderungen Violetter Bereich
Zentrallabor Das Zentrallabor fungiert dabei als landesweiter Dienstleister für Analysen im Kontext der klinischen Chemie, Hämatologie und Gerinnung, aber auch im Rahmen spezialdiagnostischer Anforderungen wie Autoimmun- und Suchterkrankungen. So ist in das Zentrallabor ein toxikologisches Speziallabor eingegliedert, das der Analytik von Drogen und Alkohol in Blut und Urin dient.
BezeichnungStandort Zentrallabor für klinische Pathologie Violetter Bereich
Landesweite Dienste Überdies betreibt das Zentralkrankenhaus Bozen diverse landesweite Dienste des Südtiroler Sanitätsbetriebs. Diese sind zum Teil in ausgelagerten Strukturen außerhalb der Lorenz-Böhler-Straße untergebracht: DienstStandort Landeszentrum Transplantation Blauer BereichNotfall-, Anästhesie- und Intensivmedizin Blauer BereichRheumatologischer Dienst Blauer BereichWalther-Alexander-Loew-Cadonna-Platz 12, BozenNuklearmedizin Gelber BereichImmunhämatologie und Bluttransfusion Hellblauer BereichMedizinische Strahlenphysik Hellblauer BereichPathologische Anatomie und Histologie Roter BereichHospice und Palliativbetreuung Schwarzer BereichInnovation, Forschung und LehreAlessandro-Volta-Straße 21, BozenLabor für Mikrobiologie und VirologieAmba-Alagi-Straße 5, BozenDepartement für GesundheitsvorsorgeAmba-Alagi-Straße 33, BozenDienst für Hygiene der Lebensmittel und der Ernährung S.I.A.N.Amba-Alagi-Straße 33, BozenDienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit S.I.S.P.Amba-Alagi-Straße 33, BozenSport- und BewegungsmedizinClaudia-de’-Medici-Straße 2, Bozen (Marienklinik)Betriebseinheit für die epidemiologische ÜberwachungFreiheitsstraße 23, BozenRechtsmedizinGalileo-Galilei-Straße 10/H und 10/G, BozenArbeitsmedizin – Klinische Sektion und ärztliches ArbeitsinspektoratJosef-Ressel-Straße 2/F, BozenTierärztlicher DienstLaura-Conti-Weg 4, BozenDienst für onkologische StrahlentherapieMichael-Pacher-Straße 12, BozenPneumologischer DienstWalther-Alexander-Loew-Cadonna-Platz 12, Bozen
Geschichte Die Wurzeln des Bozner Krankenhauses liegen im Stadtzentrum, auf dem Areal der heutigen Freien Universität Bozen, und gehen ihrerseits auf den Vorläufer des ehemaligen, spätmittelalterlichen Heiliggeisspitals zurück. Erst in den 1980er Jahren übersiedelte die Einrichtung in einen umfangreichen Neubau im Bozner Stadtteil Moritzing, der inzwischen um zwei Erweiterungsbauten ergänzt wurde und sich mit Stand 2025 in sukzessiver Renovierung befindet.
Altes Krankenhaus mini|Das Alte Krankenhaus am Franz-Innerhofer-Platz 8 in Bozen beherbergt heute die Servicestelle Verwaltungspersonal der Freien Universität Bozen In einem 1927 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein Klinikgebäude konnte sich Architekt Spiro Nachich mit seinem Konzept Littorio 20 gegen sechs andere Einreichungen durchsetzen. Das 1929 fertiggestellte Gebäude verfügt über eine nach Süden gewandte Hauptseite, die durch große Loggien mit Rundbögen geprägt ist. Mit den angrendenden Bauten ist das Alte Krankenhaus über eine Pergola im Obergeschoss verbunden.
Neuerrichtung in Moritzing In der Nachkriegszeit kamen Überlegungen zur Schaffung eines neuen, modernen Krankenhausgebäudes auf. Zwischen 1963 und 1983 wurde in Moritzing, einem Viertel des Bozner Stadtteils Gries-Quirein, ein umfangreicher Neubau errichtet. Die Arbeiten dazu erwiesen sich als mühsam, denn der fragile Untergrund – wenige Jahrzehnte zuvor noch Sumpfland – erforderte eine Nutzbarmachung durch Auffüllung und Pfahlgründung. 1981 konnte der Betrieb am neuen Standort aufgenommen werden.
Renovierung und Erweiterungsbauten
Ausgangslage Bereits wenige Jahre nach Inbetriebnahme des neuen Hauptgebäudes in der Lorenz-Böhler-Straße kam die Notwendigkeit einer baulichen Erweiterung und Modernisierung auf. In einem 1998 international ausgeschriebenen Wettbewerb konnte das Stuttgarter Planungsbüro Tiemann-Petri das Projekt für sich gewinnen. Im Oktober 2003 goutierte der Technische Landesbeirat das Vorprojekt zum umfassenden Neubau: Die auf 135 Mio. Euro geschätzte Struktur sollte laut Vorprojekt die Notaufnahme, Radiologie, Gynäkologie und Rehabilitation, sowie 18 Operationssäle beinhalten. Auch die Poliambulatorien sollten in der Neuen Klinik, bestehend aus einem zentralen Verbindungsgang zum Hauptgebäude und vier angrenzenden Gebäudekörpern, Platz finden. Bei der Vergabe eines positiven Gutachtens durch den Beirat im Dezember 2005 betrugen die geschätzten Baukosten 146 Mio. Euro.
Der zunehmende Andrang auf das Krankenhaus Bozen führte in den frühen 2000er Jahren auch zu einer gewissen Parkplatznot. Zwar waren mittlerweile Ausweichparkplätze rund um das Bildungszentrum und das Gebäude W eingerichtet worden, eine langfristige Lösung war aber erst mit dem Bau einer zweigeschossigen Tiefgarage unter der damals in Planung befindlichen Neuen Klinik in Sicht. Die neu zu schaffende Struktur, deren Gesamtkosten bei Auftragsvergabe 2004 auf rund 29 Mio. Euro geschätzt wurden, sollte Raum für 1022 PKW bieten und gleichermaßen Personal und Besuchern dienen. Auftragsnehmer war eine Bietergruppe aus dem Consorzio Cooperative Costruzioni Bologna, der Bozner Genossenschaft CLE, den Südtiroler Unternehmen PANA und Atzwanger, sowie den Stadtwerken Bozen SEAB. Das Land Südtirol unterstützte das Bauprojekt mit 11 Mio. Euro und räumte der Bietergruppe das Recht ein, die Tiefgarage für 30 Jahre zu führen.
Im September 2005 bewilligte die Südtiroler Landesregierung 14 Mio. Euro für Instandhaltung, Umbau und klinische Projekte im Hauptgebäude. Zweck der Investition waren die Einrichtung einer zentralen Subintensivstation und eines Zentrums für Schmerztherapie, der Ausbau der Bereiche Neurochirurgie, Radiotherapie, Onkologie und Orthopädie, sowie eine Schlaganfall- und Brustkrebsbehandlung nach internationalem Standard. Unmittelbar zuvor war eine 14 Betten starke Station für Rehabilitation in der Akutphase eröffnet worden.
Beginn der Bauarbeiten Die erste Bauetappe der Neuen Klinik umfasste die Errichtung des Medienkanals und – nach Fertigstellung der Tiefgarage – des Rohbaus des Klinikgebäudes. Das Landesamt für Bauaufträge vergab den entsprechenden Auftrag im Mai 2007 für 29,481 Mio. Euro an die zwei Unternehmen Consorzio Cooperative Costruzioni und Zimmerhofer AG, die sich gegen acht Mitbewerber behaupten konnten. Laut Ausschreibung hatte die Bauzeit der ersten Etappe 1669 Tage nicht zu überschreiten. Die drei weiteren Etappen waren den Fassaden, den technischen Anlagen und den Ausbauarbeiten gewidmet.
Im Februar 2007 wurden Bauarbeiten am Gebäude W abgeschlossen, die hauptsächlich der Neuschaffung von Umkleide- und Spezialräumen für das medizinische Personal, sowie der Erneuerung des Eingangsbereichs dienten. Die Errichtung des 3800 Kubikmeter großen Vorbaus belief sich auf 3 Mio. Euro, die Umkleideräume stehen mehr als 400 medizinischen Angestellten zur Verfügung. Im darauffolgenden Juli erfolgte der Startschuss der Arbeiten zur ersten Bauetappe der Neuen Klinik.
Auf Vorschlag des damaligen Gesundheitslandesrats Richard Theiner wurde die ursprünglich ab 2014 geplante Renovierung der Bettenabteilungen im 4. bis 8. Obergeschoss des Hauptgebäudes vorgezogen werden. Das entsprechende Vorprojekt, das Kosten in Höhe von knapp 44 Mio. Euro vorsah, erfuhr im August 2008 eine Bewilligung durch den Technischen Landesbeirat. Die Umbauarbeiten sollten die alten Vierbettzimmer mit gemeinschaftlich genutzten Sanitäranlagen in moderne Ein- und Zweibettzimmer mit Klimaanlage und individuellen sanitären Einrichtungen überführen.