mini|hochkant=1.5|Bäcker-, Rade- und Südklint auf dem 1798 von Friedrich Wilhelm Culemann angefertigten Plan der Stadt Braunschweig. Blau: Die nordwestliche Okerumflut, Dunkelbraun: Das Armenarbeitshaus Südklint 15 (links) und die Petrikirche (rechts). Der Südklint im nordwestlichen Teil des Weichbildes Altstadt von Braunschweig gelegen, war eine kurze, unregelmäßig verlaufende Straße oder „Straßenaufweitung“Dieter Heitefuß: Erinnerungen an Alt-Braunschweig 1930–1960. Braunschweig 1995, ISBN 3-9803243-3-8, S. 111. zwischen dem Bäckerklint und „Am Alten Petritor“, sowie dem Zusammenschluss von Güldenstraße und Echternstraße.

Der wahrscheinlich im 12. oder 13. Jahrhundert angelegte Straßenzug wurde durch Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges, insbesondere jenen vom 15. Oktober 1944 großflächig zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt wurde der Südklint Anfang der 1960er Jahre vollständig beseitigt, um einer fünfspurigen Straße Platz zu machen. Der Straßenname wurde 1966 offiziell aufgehoben, die Straße existiert damit heute nicht mehr.Dieter Heitefuß: Aus Trümmern auferstanden. Braunschweig und sein Wiederaufbau nach 1945. Eine Bilddokumentation. S. 43.

Etymologie Der Südklint war einer von vier Straßennamen der Braunschweiger Innenstadt, in denen das Wort „Klint“ enthalten ist. Die drei anderen, heute noch existierenden Straßen ähnlichen Namens sind der Radeklint und der Bäckerklint, die beide vor Beseitigung des Südklints direkt an diesen angrenzten bzw. in diesen übergingen. Die letzte dieser Straßen heißt nur Klint und liegt im Magniviertel. „Klint“ bezeichnet eine Anhöhe, die sich aus einer Flussniederung (im Falle Braunschweigs der Oker-Niederung) erhebt.Heinrich Meier: Die Straßennamen der Stadt Braunschweig. In: Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte. Band 1, Wolfenbüttel 1904, S. 14. Straßen mit „Klint“ im Namen befanden sich nahe der Oker, innerhalb der Stadtmauern und erhoben sich aus deren Niederung.

Der Historiker Heinrich Meier behauptet in seinem 1904 erschienenen Werk Die Straßennamen der Stadt Braunschweig, dass die Benennung „Südklint“, ursprünglich eigentlich „Sauklint“, bis 1515 die einzige für dieses Gebiet gewesen sei. Für 1515 ist diese Ortsbenennung für das Haus Südklint 1Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen, ihre Namen und ihre Geschichten. Band 1: Innenstadt. S. 314. zwischen Scharrnstraße und Güldenstraße belegt: „so men van dem sueklinte will umme dem ort gan uppe de guldenstrate“. Hermann Dürre, ebenfalls Historiker, erwähnt jedoch in seinem 1861 erschienenen Werk Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter, dass der Platz, der sich durch das Zusammentreffen von Gülden- und Echternstraße bildete, bereits im Jahre 1344 „Auf dem Klinte vor St. Petersthore“ und 1400 „Auf dem Schilde bei St. Petersthore“ hieß und verweist dabei auf das Degedingebuch der Altstadt. Zwischen 1731 und 1758 findet sich „Sauklint“ bzw. „Sau-Klint“ auf verschiedenen Stadtplänen, aber erst in dem 1789 von Friedrich Wilhelm Culemann gefertigten Plan erscheint die Benennung „Südklint“ und wird auch in Philip Christian Ribbentrops im selben Jahr erschienenen Beschreibung der Stadt Braunschweig verwendet.Philip Christian Ribbentrop: Beschreibung der Stadt Braunschweig. 1. Band, Johann Christoph Meyer, Braunschweig 1789, S. 97.

„Klinterklater“

Die Bewohner der Klinte gehörten meist ärmeren Bevölkerungsschichten an. Angelehnt an bzw. abgeleitet von dem Wort „Klint“ für Anhöhe, die sich aus einer Flussniederung erhebt,Heinrich Meier: Die Straßennamen der Stadt Braunschweig. In: Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte. Band 1, Wolfenbüttel 1904, S. 14. entstand bereits vor über 300 Jahren in der Braunschweigischen Mundart das Wort „Klinterklater“,Eckhard Schimpf: Klinterklater I – Typisch braunschweigisch. 750 Redensarten, Ausdrücke und kleine Geschichten, Braunschweiger Zeitungsverlag, Braunschweig 1993, S. 69. mit dem abfällig ärmere Bevölkerungsschichten bezeichnet wurden, insbesondere jene, die „die Klinte“ bewohnten.

Im Haus Südklint 15 (Assekuranznummer 836) befand sich zwischen 1773Richard Moderhack: Braunschweigs Stadtgeschichte. In: Gerd Spies (Hrsg.): Braunschweig – Das Bild der Stadt in 900 Jahren. Geschichte und Ansichten. Band I, Braunschweig 1985, S. 66. und 1829 ein Armenarbeitshaus,Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen, ihre Namen und ihre Geschichten. Band 1: Innenstadt. S. 315. das nach dieser Zeit in eine Bürgerschule umgewandelt wurde.Heinrich Meier: Die Straßennamen der Stadt Braunschweig. S. 103.

Geschichte Bereits vor 1515 soll der Straßenzug als „Südklint“ bezeichnet worden sein. Davor waren z. T. abweichenden Benennung in Gebrauch. Ursache dafür dürfte der Umstand gewesen sein, dass eine eindeutige Zuordnung der Häuser zu den umliegenden Straßenzügen dadurch erschwert wurde, dass ein großer zusammenhängender Häuserblock mit den Assekuranznummern 843 bis 854 den Klint in einen nördlichen und einen südlichen Teil trennte. Im Norden befand sich das Weichbild Neustadt mit dem Radeklint, im Süden die Altstadt mit dem Bäckerklint. Der Straßenverlauf bzw. die Zugehörigkeit der einzelnen Häuser zu den sie umgebenden Straßen und Plätzen war somit verwirrend. In den Grundbüchern des 18. Jahrhunderts taucht der Name „Südklint“ überhaupt nicht auf, weshalb die Gegend abwechselnd mal als Bäckerklint, Güldenstraße, Echternstraße oder „Vor dem alten Petritore“ bezeichnet wurde. Noch 1857 gehörten die Gebäude mit den Versicherungsnummern 838–840, sowie 847–849 zum Alten Petritor, Nr. 850 hingegen zum Bäckerklint. Erst ab 1858 scheint sich eine endgültige Regelung durchgesetzt zu haben. In jenem Jahr waren insgesamt 22 Grundstücke am Südklint verzeichnet.

Die Bebauung des Gebietes Südklint und Umgebung bestand zur überwiegenden Mehrheit aus Fachwerkhäusern, die aus dem 15. Jahrhundert stammten.Paul Jonas Meier, Karl Steinacker: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Braunschweig. S. 82 ff. Steinbauten waren eher selten in diesem Gebiet.

Bauwerke Das markanteste Gebäude des Südklints war das 1591 für den Braunschweiger Patrizier, Ratsherrn und Küchenkämmerer Heinrich Hartwich d. J. († 1626) im Stil der Renaissance errichtete Gebäude Südklint 15, das wegen eines Wappenschmucks auch „Brauner Hirsch“ genannt wurde (Das Haus darf nicht mit dem Gasthaus gleichen Namens verwechselt werden, das sich nicht weit entfernt in der Scharrnstraße 12 befand.Norman-Mathias Pingel: Brauner Hirsch. In: Garzmann, Schuegraf, Pingel (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon – Ergänzungsband. Braunschweig 1996, ISBN 3-926701-30-7, S. 26.). Hartwich hatte das Grundstück 1591 erworben. Darauf befand sich zum Zeitpunkt des Erwerbs ein anderes Gebäude, das bereits 1402 erwähnt wurde. Als Besonderheit dieses Hauses galt dessen eiserne Tür, aufgrund deren das Steinhaus 1421 als „to der isernen Dore“ (zur eisernen Türe) genannt wurde.Heinrich Meier: Eigennamen der Braunschweiger Bürgerhäuser. In: Paul Zimmermann (Hrsg.): Braunschweigisches Magazin. Nr. 3, 29. Januar 1899, S. 18. Hartwich ließ dieses alte Haus abreißen und dort 1591 einen Neubau, den späteren „Braunen Hirschen“ errichten. Das Haus blieb bis 1668 im Besitz der Familie Hartwich.Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen, ihre Namen und ihre Geschichten. Band 1: Innenstadt. S. 315.

Wer der Erbauer des Hauses war, ist unklar bzw. unbekannt. Das Haus verfügte über zwei Portale von außergewöhnlicher Kunstfertigkeit.Rudolf Fricke: Das Bürgerhaus in Braunschweig. S. 165. Über dem einen befanden sich die Buchstaben „GHS“, deren Bedeutung bis heute ungeklärt ist. Mechthild Scherer nennt als Erbauer den Bildhauer Weimar Heinemann,Mechtild Scherer: Der Bildhauer Georg Röttger und sein Kreis. Ein Beitrag zur Plastik der Spätrenaissance in Braunschweig. Diss. phil. Freiburg 1922, zitiert nach: während Paul Jonas Meier die Initialen „GHS“ als die des Baumeisters Wolter Hasemann interpretiert.Paul Jonas Meier: Das Kunsthandwerk des Bildhauers in der Stadt Braunschweig seit der Reformation. In: Werkstücke aus Museum, Archiv und Bibliothek der Stadt Braunschweig. VIII, Appelhans, Braunschweig 1936, S. 21. Ob es sich bei den Buchstaben „GHS“ überhaupt um Steinmetzzeichen eines Bildhauers oder aber um Besitzer-Initialen handelt, ist ebenfalls strittig.

Das Haus hatte zwei Geschosse aus Stein sowie ein Obergeschoss aus Fachwerk. Das größere Torportal war gekrönt von einem braunen Hirschen, der über eine Inschrift sprang. Die Inschrift lautete: DIS • HAVS • STEHET / IN GOTTES HANDT / VND • IST • ZVM • BRAV / NEN • HIRS • GENANDT.Wappen mit springendem Hirschen Das kleinerer Fußängerportal war überschrieben mit dem Spruch NISI • DOMINVS • FRVSTRA (etwa: „Ohne Gott ist alles vergebens“), einer Abwandlung des 127. Psalms.Text des 127. Psalms 1909 wurde das Gebäude unter der Leitung von Max Osterloh instand gesetzt.