Wappen zentriert|250px Basisdaten Bundesland: Niedersachsen Hochschulort: Göttingen Hochschulen: Georg-August-Universität Göttingen, Private Fachhochschule Göttingen (PFH), Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Stiftungstag: 12. Mai 1849 Stiftungsort: Leipzig Verband: Deutsche Sängerschaft (Weimarer CC) Couleur: farbentragend Farben: Rot-Grün-Gold Stellung zur Mensur: fakultativ schlagend Wahlspruch: Freiheit, Kraft und Liebe! (nach Theodor Körner) Webseite: www.arion-goettingen.de
Die Sängerschaft Arion-Altpreußen ist eine Studentenverbindung im Dachverband der Deutschen Sängerschaft (DS) und vereint Studenten und Alumni der Georg-August-Universität Göttingen sowie der anderen in Göttingen ansässigen Hochschulen. Sie ist farbentragend, fakultativ schlagend und weder konfessionell noch politisch gebunden. Die Sängerschaft Arion-Altpreußen führt die Traditionen der Leipziger Sängerschaft Arion und der Königsberger Sängerschaft Altpreußen in Göttingen fort. Die Mitglieder werden „Göttinger Arionen“ genannt.
Geschichte der Leipziger Sängerschaft Arion miniatur|links|Deckblatt: Festmarsch zum 25. Stiftungsfest des Akademischen Gesangverein Arion zu Leipzig von Arno Anger. Gründung als Pennaler Gesangverein Im Jahr 1849 bildete sich an der Leipziger Thomasschule ein Gesangverein, der zunächst ausschließlich aus Thomasschülern bestand. § 1 der ersten Satzung legte den Hauptzweck des Vereins fest: „Die Gesellschaft soll zur Erweckung der Gemütlichkeit und Geselligkeit sich vorzüglich mit Gesang beschäftigen.“Külz, S. 2. Hieraus mag der Wunsch nach Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung sprechen, der aus der Unsicherheit der Revolutionstage von 1848/49 resultierte.Greiner, S. 23. Der erste Direktor war Richard Müller. Er war es auch, auf dessen Initiative die Gründung und Namensgebung hin zu „Arion“ beruhte. Die erste gemeinsame Probe am 12. Mai wird als Gründungsdatum angesehen. Unterstützung erfuhr der Verein früh durch Carl Friedrich Zöllner (Ehrenmitglied seit 12. Mai 1852)Arionenzeitung, Oktober 1895., damals Gesangslehrer an der Thomasschule.Külz, S. 6. In das erste Vereinsjahr fiel auch die Wahl der rot-grün-goldenen Vereinsfarben. miniatur|rechts|Erste Ausgabe der Arionenzeitung aus dem Jahre 1891 mit einer Abbildung Richard Müllers.
Spaltung in Schüler- und Studentenarion Im Wintersemester 1852/53 spaltete sich der Verein in eine Schüler- und eine Studentenabteilung auf. Dies wurde durch den Wechsel der ersten Mitglieder an die Leipziger Universität nötig. Den Schülern war der Besuch der Restaurationen der Studenten untersagt. Den Studenten waren weitere Proben im Musiksaal der Thomasschule verboten worden, da sie trotz Verbots in den Räumlichkeiten der Schule geraucht hatten.Greiner, S. 24. Die studentische Abteilung nannte sich zunächst „Studentengesangverein Arion“, wurde jedoch bald in „Akademischer Gesangverein Arion“ umbenannt. Die eigene Satzung erlaubte es auch, Nichtthomaner aufzunehmen, wovon erstmals im Sommersemester 1853 Gebrauch gemacht wurde. Ebenfalls im Jahr 1853 wurden erstmals die Sonnabendsmotetten der Thomaner übernommen.Külz, S. 26. Während der Sommerferien übernahm der Arion dann regelmäßig als Vertretung die Sonnabendmotetten in der Thomaskirche.Greiner, S. 75. miniatur|rechts|Erker mit Blick in den Kneipsaal im Haus der Sängerschaft Arion zu Leipzig um 1911.
Entwicklung in Richtung studentische Korporation Die Entwicklung hin zu einer studentischen Korporation erfolgte langsam aber kontinuierlich. Hierzu seien einige Schritte erwähnt: Die Einführung von Kneipabenden 1853, Anschaffung von Paradeschlägern (Fechtwaffen für repräsentative Zwecke) 1855/56, erstmalige Erwähnung des Wahlspruchs „Freiheit, Kraft und Liebe!“ 1862, Weihe der eigenen Fahne 1863, Einführung der roten Samtmütze als Korporationsabzeichen 1871, Ersetzen der Lyra im Wappen durch einen Helm 1888 und Einführung verpflichtender Fechtkurse und des Postens des Fechtwartes 1892/93. Der Erwerb eigener, sogenannter „schwerer Waffen“ im Wintersemester 1892/93 ermöglichte die Bereinigung von Ehrenhändeln ohne auf den sogenannten „Waffenschutz“ anderer Bünde angewiesen zu sein. Weitere Schritte waren das Anlegen des dreifarbigen Bandes (rot-grün-gold) und der Trikolore (dreifarbige Mütze) 1898/99, die Verankerung des Prinzips der unbedingten Satisfaktion in der Satzung 1901, die Einführung von Fuxenband und Fuxenmütze (rot-grün) 1904 und schließlich die Umbenennung in „Sängerschaft Arion“ im Jahr 1907.
Das eigene Haus miniatur|links|Das Haus der Sängerschaft Arion in Leipzig um 1911. miniatur|rechts|Couleurkarte zur Einweihung des eigenen Hauses der Sängerschaft Arion zu Leipzig. Die andauernden Probleme mit den gemieteten Verkehrslokalen (seinerzeit zumeist ein Kneipzimmer in dem Lokal „Thalia“) und der Wunsch nach einem Ort, wo sowohl Proben, Kneipen als auch die zahlreichen Aufführungen abgehalten werden konnten, führten in der Summe zu einer erstarkenden Bestrebung nach einem eigenen Korporationshaus. Die ersten konkreten Bemühungen in der Zeit der Jahrhundertwende führten schließlich zu einem Haus in der Elsterstraße 35.Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 88. Am 22. Februar 1911 erwarb der eigens gegründete „Verein Arionenhaus“ diese Immobilie für 140.000 Mark. Das Haus wurde für 50.000 Mark umgebaut und für weitere 15.000 Mark ausgestattet: Ein Saalanbau von „228 qm ... mit 392 Sitzplätzen“, „dem Sängersaal der Wartburg nachgebildet“, wurde errichtet und verfügte über eine eigene Bühne. Aufwändige Glasmalerei und ein kunstvoll geschnitzter Erker im Saal sorgten für die nötige Atmosphäre.Hohlfeld, S. 35. Unter dem Saal wurde eine Stube mit Kegelbahn eingerichtet. Im Haus befand sich ein großes Kneip-, Renaissance- und Billardzimmer, im ersten Stock das Ehrenrats- und Altherrenzimmer, Räume für den „Erstchargierten“, darüber die „Ökonomenwohnung“ des Faxen und „sechs luftige Studentenbuden“. Am 14. und 15. Oktober 1911 wurde das Haus feierlich eingeweiht und den Aktiven übergeben.Lönnecker, S. 17.
Der Erste Weltkrieg Ein Stillstand in der Entwicklung trat mit dem Ersten Weltkrieg ein. Die Zeit des Ersten Weltkrieges wird jedoch durch Hohlfeld ebenso als eine Zeit beschrieben, in der der Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern stark zunahm.Hohlfeld, S. 64. Die Anzahl der eingezogenen Arionen war beträchtlich. Die Zahlen vom 18. Dezember 1915 besagen: Von 1130 Arionen waren 498 zum Heeresdienst eingezogen worden (von 245 Aktiven 226), davon 392 beim Feldheer (die sogenannten „Feldarionen“).Hohlfeld, S. 76. Die Feldarionen führten, trotz zeitweiligen Verbots, ein rot-grün-goldenes Felderkennungszeichen am linken unteren Rockärmel. An der Front wurden eigene Gesangsabende veranstaltet, was zwecks Hebung der Moral von den Offizieren geduldet wurde.Hohlfeld, S. 69. Das Haus bildete in dieser Zeit einen Treffpunkt der Daheimgebliebenen, Heimkehrer und Arionen auf Fronturlaub. Der Kontakt nach Leipzig wurde rege aufrechterhalten. Bis Ende des Krieges sind durch Hohlfeld über 10.000 Feldbriefe archiviert worden.Hohlfeld, S. 106. Auch die Unterstützung der Arionen im Felde war beachtlich. So bildete das Haus den Ausgangspunkt für Hilfspakete für die Feldarionen. Bereits in den ersten 14 Monaten wurde der Versand von 2600 Paketen organisiert.Hohlfeld, S. 66. Insgesamt fielen dem Ersten Weltkrieg 123 Arionen zum Opfer. Ihnen wurde 1920 durch Hohlfeld ein Gedenkbuch „Ecce Arionis“ und neben einer üblichen Votivtafel ein eigenes Denkmal in Form einer Skulptur im Arionenhaus gewidmet.Hohlfeld, S. 106.Hohlfeld, S. 112. Der dafür gewonnene Künstler war der Leipziger Professor Felix Pfeifer.Hohlfeld, S. 108.
Nach dem Ersten Weltkrieg Die Zeit zwischen den Weltkriegen war durch finanzielle Schwierigkeiten, dem Trauma des Ersten Weltkrieges und der Frage nach der Ausrichtung der Korporation gekennzeichnet. Zwar erholten sich die Zahlen der aktiven Mitglieder nach dem Krieg wieder rasch, dennoch konnte an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nicht angeknüpft werden. Die Zahl von 64 Füxen im Wintersemester 1918/19 täuscht darüber hinweg, dass diese aus einem ganzen Jahrzehnt stammten und zudem von den Eindrücken des Krieges gezeichnet waren. An die Stelle des fröhlichen Studententums trat der Wille nach möglichst schnellem beruflichen Einstieg und Sicherung der eigenen Existenz. Eine Neuheit waren außerdem Auftritte vor nicht akademischem Publikum. So fand 1922 ein Konzert „in der Krauseschen Maschinenfabrik vor der Angestellten- und Arbeiterschaft“ statt.Hohlfeld, S. 152. Mitte der zwanziger Jahre setzte in der Aktivitas die Rezeption der Singbewegung ein.Greiner, S. 99. Die Gesangsstunden im Arionenhaus wurden der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Gravierend war die Tatsache, dass die Singbewegung fast alles verneinte, was im Kaiserreich noch selbstverständlich zum korporativen Leben gehörte: Gemeinschaftliches Trinken und Tanzen, das Singen bei Kommersen und auf Konzerten.Greiner, S. 101. Über die Gesangsstunden heißt es: „Denn wir sangen uns hier selbst zur Freude und nicht getrieben von irgendeiner Konzerttradition oder irgendeinem uns innerlich fremden Konzert-Ehrgeiz.“Greiner, S. 101. miniatur|rechts|Wappen der Sängerschaft Arion zu Leipzig.
Das Ende des Leipziger Arion Eine grundlegende Änderung in der arionischen Tradition trat jedoch sehr bald unter dem Regime der Nationalsozialisten ein. Das Bestreben der NSDAP und ihrer Gliederungen, insbesondere der SS, SA und HJ, eine gleichzeitige Zugehörigkeit zu diesen Gliederungen und einer Korporation alten Stils unmöglich zu machen, trat durch verschiedene Erlasse ihrer Führer immer deutlicher hervor. Bereits auf dem außerordentlichen Bundesführertag in Leipzig am 20. Oktober 1935 wurde die Auflösung der DS beschlossen, um die einzelnen Sängerschaften als Kameradschaften der Eingliederung in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) näher zu führen. Damit war die Entschließung über die Zukunft des Arion in die eigenen Hände gelegt. Auf der Generalversammlung der Alten Herren vom 15. Dezember 1935 wurde beschlossen, dass eine Kameradschaft des NSDStB auf dem Arionenhause die tragenden Ideen des Arion weiterpflegen sollte. In der so genannten „Arionenzeitung“ heißt es im Januar 1936: „Die alte Form der Korporation, die in jahrzehntelangen Mühen der Arionen entstandene Form der Sängerschaft, ist aufgegeben. […] Der Nationalsozialismus hat noch nie eine Organisation, die durch die Entwicklung oder seinen Machtanspruch verschwand, wieder auferstehen lassen, und wird es auch nie tun.“Greiner, S. 43. Am 15. Mai 1938 fand die offizielle Übernahme des Arionenhauses für die Kameradschaft durch den NSDStB statt. Am 11. November 1938 wurde dieser Kameradschaft der Name „Volker von Alzey“ gegeben. Wie viele Arionen diese Schritte mit Überzeugung gingen und wer skeptisch blieb oder sich wehrte ist heute nicht mehr belegbar. Das Haus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der sowjetischen Militäradministration beschlagnahmt und später nicht zurückerstattet. Der Verbleib des Archivs ist ungewiss. Einen, wenn auch nicht repräsentativen, Einblick gibt jedoch die „Arionenzeitung“. Dort heißt es im Februar 1938: „Der Arion, unser Arion ist tot, und es gibt keinen neuen, keinen Nachfolger.“Greiner, S. 44.
Bedeutung des Arion in Leipzig und Umgebung Die Bedeutung des Arion beruht auf mehreren Gegebenheiten: Dem hohen Anteil an der Studentenschaft der Leipziger Universität durch die hohe Mitgliederzahl, dem Umfang und der Qualität der Auftritte bzw. des musikalischen Repertoires, sowie den Fahrten, den so genannten „Spritzen“ ins Leipziger Umland und auch weiter ins Land Sachsen mit entsprechenden Auftritten vor Ort.
Mitgliederzahlen