Bei den XX. Olympischen Spielen 1972 in München wurde zwischen dem 26. August und dem 10. September ein Wettbewerb im Fußball ausgetragen. Erstmals wurde hier ein neuer Modus eingeführt: Nach der Vorrunde gab es bei diesen Spielen – wie zwei Jahre später bei der WM – eine zweite Gruppenphase. Die jeweiligen Gruppensieger spielten im Finale um Gold, die beiden Zweitplatzierten spielten um Bronze. Dieser Modus wurde bei den folgenden Spielen wieder aufgegeben. Spielorte waren neben dem Olympiastadion München das Rosenaustadion in Augsburg, das ESV-Stadion in Ingolstadt, das Städtische Stadion in Nürnberg, das Dreiflüssestadion in Passau und das Jahnstadion in Regensburg.

Qualifikation

Teilnehmer Für das olympische Fußballturnier konnten sich folgende Mannschaften qualifizieren: 4 aus Europa + 1 Gastgeber:   + 1 Titelverteidiger: 3 aus Afrika   3 aus Asien   2 aus Nord- und Mittelamerika     2 aus Südamerika    

Olympisches Turnier

Modus Zunächst fand eine Vorrunde mit insgesamt vier Gruppen statt. In jeder Gruppe qualifizierten sich die zwei besten Mannschaften für die Zwischenrunde. In dieser fanden ebenfalls Gruppenspiele in zwei Gruppen statt, der Gruppensieger qualifizierte sich dabei für das Endspiel und die Gruppenzweiten der beiden Gruppen traten im Spiel um Bronze gegeneinander an. In den Gruppen wurde die Rangfolge nach folgenden Kriterien ermittelt:

Anzahl der Punkte aus allen Gruppenspielen; Tordifferenz aus allen drei Spielen; Losentscheid durch die FIFA-Organisationskommission bei Punktgleichheit und gleicher Tordifferenz.

Im Finale und im Spiel um Platz 3 folgte bei unentschiedenem Spielstand eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten, bestand danach immer noch Gleichstand, wurden beide Kontrahenten auf Platz 1 bzw. Platz 3 gesetzt.

Auslosung Die Endrundenauslosung, bei der die endgültigen Paarungen ermittelt wurden, fand am 11. Juni 1972 in München statt.

Durch das Amateurkomitee der FIFA wurden die BR Deutschland als Gastgeber, die Sowjetunion, Titelverteidiger Ungarn und die DDR als Gruppenköpfe gesetzt. Danach wurden entsprechend der geographischen Lage die Mannschaften aus Asien (Malaysia, Birma und Iran), Afrika (Ghana, Marokko und Sudan), Südamerika (Brasilien und Kolumbien), Nord- und Mittelamerika (Vereinigte Staaten und Mexiko) sowie die beiden verbliebenen Vertretungen aus Europa (Dänemark und Polen) hinzugelost. Gruppe 1Gruppe 2Gruppe 3Gruppe 4

Gruppenphase Die Olympiamannschaft der BR Deutschland gewann in der Vorrunde alle Gruppenspiele, ohne ein einziges Gegentor zu kassieren. Marokko gewann das entscheidende Spiel gegen Malaysia souverän mit 6:0 und zog ebenfalls in die Zwischenrunde ein.

Die Sowjetunion konnte in der Gruppe 2 alle Gruppenspiele gewinnen und sich für die Zwischenrunde qualifizieren, Mexiko wurde Zweiter.

Titelverteidiger Ungarn erreichte mit Siegen über Dänemark und den Iran die zweite Runde, Brasilien schied mit nur einem Punkt aus drei Spielen in der Vorrunde aus.

In der Gruppe 4 setzten sich erwartungsgemäß Polen und die DDR durch, Polen konnte das entscheidende Spiel um den Gruppensieg mit 2:1 gewinnen.

Gruppe 1

Gruppe 2

Gruppe 3

Gruppe 4

Zwischenrunde Während der Zwischenrunde kam es zum ersten Aufeinandertreffen zweier deutscher Fußballmannschaften, die DDR-Mannschaft siegte hierbei knapp mit 3:2 und sicherte sich das Spiel um Bronze. Die Ungarn dominierten diese Gruppe und zogen zum dritten Mal in Folge ins Finale ein, die Mexikaner waren hingegen chancenlos.

Polen kam zum Auftakt der Zwischenrunde nicht über ein 1:1 gegen Dänemark hinaus, qualifizierte sich aber nach den Siegen über die Sowjetunion und Marokko erstmals für ein Olympiafinale. Die favorisierte Mannschaft der Sowjetunion musste sich mit dem Spiel um Bronze begnügen.

Gruppe A

Gruppe B

Spiel um Platz 3

Da es im kleinen Finale Sowjetunion – DDR nach Verlängerung 2:2 stand, gab es zwei Bronzemedaillen-Gewinner. Ein Elfmeterschießen war nicht vorgesehen.

Finale

Medaillenränge Rang Medaillengewinner Gold Polen Zygmunt Anczok, Lesław Ćmikiewicz, Kazimierz Deyna, Robert Gadocha, Jerzy Gorgoń, Zbigniew Gut, Andrzej Jarosik, Kazimierz Kmiecik, Hubert Kostka (TW), Jerzy Kraska, Grzegorz Lato, Włodzimierz Lubański , Zygmunt Maszczyk, Joachim Marx, Marian Ostafiński, Marian Szeja (TW), Antoni Szymanowski, Zygfryd Szołtysik, Ryszard SzymczakTrainer: Kazimierz Górski SilberUngarn László Bálint, István Básti, László Branikovits, Antal Dunai, Ede Dunai, István Géczi (TW), Péter Juhász, Lajos Kocsis, József Kovács, Mihály Kozma, Lajos Kü, Miklós Páncsics , Imre Rapp (TW), Ádám Rothermel (TW), Lajos Szűcs, Kálmán Tóth, Béla Várady, Péter Vépi, Csaba VidátsTrainer: Rudolf Illovszky Bronze Sowjetunion Arkadi Andreasjan, Oleh Blochin, Murtas Churzilawa , Rewas Dsodsuaschwili, Jurij Istomyn, Andrei Jakubik, Jurij Jelissjejew, Gennadi Jewrjuschichin, Wolodymyr Kaplytschnyj, Wiktor Kolotow, Anatolij Kuksow, Jewgeni Lowtschew, Sergei Olschanski, Wolodymyr Onyschtschenko, Wolodymyr Pilhuj (TW), Jewgeni Rudakow (TW), Howhannes Sanasanjan, Wjatscheslaw Semenow, József SzabóTrainer: Alexander Ponomarjow Bronze DDR Bernd Bransch , Jürgen Croy (TW), Peter Ducke, Frank Ganzera, Reinhard Häfner, Harald Irmscher, Hans-Jürgen Kreische, Lothar Kurbjuweit, Jürgen Pommerenke, Dieter Schneider (TW), Ralf Schulenberg, Wolfgang Seguin, Jürgen Sparwasser, Joachim Streich, Axel Tyll, Eberhard Vogel, Siegmar Wätzlich, Konrad Weise, Manfred ZapfTrainer: Georg Buschner

Beste Torschützen Kazimierz Deyna wurde aufgrund seiner beiden Tore im Finale alleiniger Torschützenkönig dieses Turniers vor dem Ungarn Antal Dunai.

Für die Mannschaft der DDR, die mit 23 Toren die meisten Treffer bei diesem Turnier erzielte, trugen sich acht Spieler in die Torschützenliste ein, wobei Joachim Streich mit sechs Toren ihr bester Schütze war. Ebenfalls sechs Tore erzielte Bernd Nickel für den Gastgeber und belegte zusammen mit Streich, dem Polen Robert Gadocha sowie Oleh Blochin aus der Sowjetunion den dritten Platz in der Torschützenliste. Rang Spieler Tore 1 9 2 7 3 6 6 6 6 7 5 5 5 10 3 … 17 2 … 26 1 1 1 1 1 1 1 1mini|Deyna – Torschützenkönig des olympischen Fußballturniers

Schiedsrichter Bei den Spielen kamen 24 Schiedsrichter aus den fünf teilnehmenden Konföderationen zum Einsatz. Für den Gastgeber waren mit Ferdinand Biwersi, Gerhard Schulenburg und Kurt Tschenscher drei Referees im Einsatz, wobei Tschenscher noch das Finale leiten durfte. Aus der DDR war Rudi Glöckner dabei. + Europa Name Einsätze 1 + Finale 1 1 1 2 1 1 1 2 2 2 + Asien Name Einsätze 2 2 2+ Afrika Name Einsätze 1 2 1 1 + Nord- und Mittelamerika Name Einsätze 2 1 1 + Südamerika Name Einsätze 2 2 + Spiel um Platz 3 2

Literatur

Weblinks

Offizielle Webseite der FIFA Detaildaten auf rsssf.org (engl.)

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