Niederhollabrunn ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Korneuburg in Niederösterreich.

Geografie Niederhollabrunn liegt im Weinviertel in Niederösterreich etwa 35 km nördlich von Wien. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 50,36 Quadratkilometer. 18,4 % der Fläche sind vom Rohrwald bewaldet.

Das größte Gewässer ist der Senningbach, der von Norden in das Gemeindegebiet fließt und knapp vor Niederfellabrunn nach Westen abbiegt. Die größten Nebenbäche sind der Bruderndorfer Bach, der Niederfellabrunner Bach und der Niederhollabrunner Bach.

Gemeindegliederung mini|hochkant=1.5|Westansicht der ehemals eigenständigen Marktgemeinde Niederfellabrunn Das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Bruderndorf () Haselbach () Niederfellabrunn () Niederhollabrunn () samt Mühlengrund und Weyrichsiedlung Streitdorf ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Bruderndorf, Haselbach, Niederfellabrunn, Niederhollabrunn und Streitdorf.

Nachbargemeinden

Geschichte Die erste Besiedelung des Gebiets fand nachweislich bereits in der Altsteinzeit statt. Es gibt in der Gemeinde ein Erdwerk der Linienbandkeramik und zwei Grabhügel oder Tumuli, aus der Hallstattzeit, die beide Leeberg heißen: einen größeren südwestlich von Niederhollabrunn (Leeberg (Niederhollabrunn)) und einen kleineren nördlich von Niederfellabrunn (Leeberg (Niederfellabrunn)).

Niederhollabrunn gehört zu den ältesten Ansiedelungen und Pfarren links der Donau. Die Schreibweise des Ortes war ständigen Änderungen unterworfen. So kann man in Urkunden auch Holainbrunen, Holerinbrunen, Hollarenbrunnen, Holarbrunen, Nidern Holaprun, Nieder-Holebrunn finden.

Die Gründung der Pfarre geht in die Zeit um 1000 zurück. Die Pfarrkirche wurde dem Diakonsmärtyrer St. Laurentius geweiht. Nachdem der Weg zur Kirche am Michelberg, der überhaupt ältesten Kultstätte dieser Region, zu beschwerlich für die Menschen geworden war, gewann allmählich die St. Laurentikirche im Thale an Bedeutung. Wer Gründer des Ortes und der Pfarre ist, ist nicht sicher bekannt. Es wird vermutet, dass die Gründung entweder auf den Landesfürsten zurückgeht, dem von Kaiser Otto I. weite Gebiete in Niederösterreich nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 und der Zurückdrängung der Ungarn geschenkt wurden, oder einer der Edlen von Hollarinbrunnen, die auf dem heutigen Kirchenberg ein Festes Haus besaßen, könnte der Stifter gewesen sein. Nicht zuletzt wäre es auch möglich, dass der Bischof von Passau, der 1014 unter anderem auch Grundbesitz für die Errichtung einer Seelsorgestation in Stockerau erhielt, der Gründer war.

Als Quelle ersten Ranges für das Geschlecht der Edlen von Hollarinbrunnen ist das Saalbuch des Stiftes Klosterneuburg zu nennen, in dem im Laufe des 12. Jahrhunderts einige Mitglieder genannt werden: 1113 Adalramus de Hollarenprunnen, 1160 Sighard (als Zeuge einer Schenkung von Herzog Heinrich II. Jasomirgott) und 1171 Siglohus sowie sein Bruder Otto de Hollarbrunne. Dann dürfte dieses Geschlecht bald wieder erloschen sein.

Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarre Niederhollabrunn findet sich im Jahre 1135 als Markgraf Leopold III. den Zehent von 13 Pfarren an Bischof Reginmar von Passau zurückstellte.

Nach dem Geschlecht der „Edlen von Hollarinbrunnen“ wurden die Herren von Gerloß Eigentümer von Niederhollabrunn. Nach der Familie Gerloß kam der Ort an das Bistum Passau. Es ist bisher noch unklar, ob der Ort durch Kauf, Tausch oder Schenkung an das Bistum kam. 1222 war Bischof Gebhard von Passau vorübergehend genötigt, das Dorf an Herzog Leopold VI. als Lehen zur Abtragung eines Schuldenrestes zu übertragen. Im Jahre 1241 bestätigte Herzog Friedrich II. auch die „Pfarrey Holabrunn“ als ein passauisches Lehen. 1253 ging die Pfarre aus dem Besitz des Bischofs in den seines Domkapitels über. 1277 wurde dies von König Rudolf I. bestätigt. Schon vorher dürfte König Ottokar von Böhmen stillschweigend auf das bisher lehenweise besessene Patronatsrecht verzichtet haben. Später incorportierte der Papst feierlich den Pfarrort den Domdechanten zu Passau. Bis zur Auflassung des Hochstiftes verblieb er dort.

1258 hatte auch das Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederhollabrunn Besitz, welches dem ältesten erhaltenen Urbar von Klosterneuburg entnommen werden kann. 1177–1185 hatte Herzog Leopold V. dem Stift die Kinder des Gerung von Niederhollabrunn geschenkt. Das Stift Heiligenkreuz hatte Besitz laut einem Urbar vom Ende des 13. Jahrhunderts.

1586 eignete sich Melchior Khlesl die Pfarre an und ließ sich vom Domdechanten von Passau, Anton Fabricius, „installieren und investieren“. Das Inventar ließ er dem Domdechanten überreichen. Erzherzog Ernst befahl Khlesel 1589, die Robot nicht über 14 Tage auszudehnen. Da Khlesl 1598 anlässlich seiner Ernennung zum Bischof von Wien nicht auf die Pfarre Niederhollabrunn verzichten wollte, kam es zum Streit „mit rüden Worten“ zwischen ihm und dem Domdechanten von Passau, Graf Karl von Lamberg.

Mit 1. Jänner 1972 wurde die Marktgemeinde Niederfellabrunn mit der Gemeinde Niederhollabrunn vereinigt und die Bezeichnung der neuen Großgemeinde war Niederbrunn. Mit 1. Jänner 1975 erfolgte dann die Umbenennung in Niederhollabrunn.

Bevölkerungsentwicklung

Häuseranzahl laut der um 1587 durchgeführten Bereitung der Zufluchtstätten (aus: Niederösterreichisches Landesarchiv, Ständische Akten E-3-1 und E-3-2): Gesamt „ca. 304 Häuser“ Niederhollabrunn: 94 Häuser Niederfellabrunn: ? (1590 60 Häuser) Bruderndorf: 60 Häuser Haselbach: 58 Häuser Streitdorf: 32 Häuser Häuseranzahl und deren Besitzer laut dem Bereitungsbuch von 1590 (aus Franz Graf, Das Viertel unter dem Manhartsberg im Spiegel des Bereitungsbuches 1590, Wien 1972): Gesamt „ca. 298 Häuser“ Niederhollabrunn: Pfarre Niederhollabrunn (Hubhaus): ? ca. 45 Häuser, Stift Klosterneuburg: 24 Häuser, Sigmund von Traun: 1 Haus, Joachim von Sinzendorf (Herrschaft Ernstbrunn): 1 Haus, Herrschaft Mailberg (Max von Dernberg): 19 Häuser, Pfarrhof Kottendorf (Heinrich von Kienritz): 3 Häuser = „ca. 93 Häuser“ Niederfellabrunn: Sigmund von Traun: 33 Häuser, Pfarre Hausleiten: 2 Häuser, Caspar Pernstorfer (Karnabrunn): 1 Haus, Stift Klosterneuburg: 1 Haus, Frau Maschko (Niederleis): 3 Häuser, Kartause Mauerbach: 1 Haus, Stift Herzogenburg: 1 Haus, Johann Baptist Weber (Bisamberg): 7 Häuser, Pfarrhof Nondorf (Heinrich v. Kienritz): 1 Haus, Pfarre Korneuburg (zum Stift Klosterneuburg gehörig): 4 Häuser, Pfarre Stetten (zum Stift Waldhausen in OÖ gehörig): 1 Haus, Joachim von Sinzendorf (Ernstbrunn): 5 Häuser = „60 Häuser“ Bruderndorf: Ferdinand Volck(h)ra (Herrschaft Steinabrunn): 22 Häuser, Sigmund von Traun: 20 Häuser, Joachim von Sinzendorf (Herrschaft Ernstbrunn): 5 Häuser = „47 Häuser“ Haselbach: dem Stift Klosterneuburg gehören alle „66 Häuser“ Streitdorf: Ferdinand Volck(h)ra (Herrschaft Steinabrunn) gehören alle „32 Häuser“ Bevölkerungsstand um 1834 (Quelle: Franz X. Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns, Wien 1834): Gesamt „426 Häuser“ mit „2.768 Einwohnern“ Niederhollabrunn: 126 Häuser mit 841 Einwohnern Niederfellabrunn: 111 Häuser mit 676 Einwohnern Bruderndorf: 72 Häuser mit 497 Einwohnern Haselbach: 73 Häuser mit 459 Einwohnern Streitdorf: 44 Häuser mit 295 Einwohnern Volkszählung mit Stichtag 31. Dezember 1869: Gesamt „436 Häuser“ mit „2.111 Einwohnern“ Niederhollabrunn: 131 Häuser mit 639 Einwohnern Niederfellabrunn: 112 Häuser mit 526 Einwohnern Bruderndorf: 72 Häuser mit 334 Einwohnern Haselbach: 74 Häuser mit 364 Einwohnern Streitdorf: 47 Häuser mit 248 Einwohnern Volkszählung mit Stichtag 31. Dezember 1880: Gesamt „2.256 Einwohner“ Volkszählung mit Stichtag 31. Dezember 1890: Gesamt „447 Häuser“ mit „2.420 Einwohnern“ Niederhollabrunn: 135 Häuser mit 694 Einwohnern Niederfellabrunn: 113 Häuser mit 526 Einwohnern Bruderndorf: 71 Häuser mit 317 Einwohnern Haselbach: 80 Häuser mit 523 Einwohnern Streitdorf: 48 Häuser mit 360 Einwohnern Volkszählung mit Stichtag 31. Dezember 1900: Gesamt „464 Häuser“ mit „2.206 Einwohnern“ Niederhollabrunn: 138 Häuser mit 612 Einwohnern Niederfellabrunn: 117 Häuser mit 492 Einwohnern Bruderndorf: 76 Häuser mit 320 Einwohnern Haselbach: 81 Häuser mit 431 Einwohnern Streitdorf: 52 Häuser mit 351 Einwohnern Volkszählung mit Stichtag 31. Dezember 1910: Gesamt „2.312 Einwohner“ Niederhollabrunn: 638 Einwohner Niederfellabrunn: 559 Einwohner Bruderndorf: 346 Einwohner Haselbach: 409 Einwohner Streitdorf: 360 Einwohner Volkszählung mit Stichtag 31. Dezember 1920: Gesamt „2.316 Einwohner“ Niederhollabrunn: 635 Einwohner Niederfellabrunn: 601 Einwohner Bruderndorf: 350 Einwohner Haselbach: 357 Einwohner Streitdorf: 373 Einwohner Volkszählung im Jahr 1923: Gesamt „2.349 Einwohner“ Volkszählung mit Stichtag 22. März 1934: Gesamt „469 Häuser“ mit „2.117 Einwohnern (2.110 anwesend)“ Niederhollabrunn: 144 Häuser mit 609 Einwohnern (610 anwesend) Niederfellabrunn: 120 Häuser mit 500 Einwohnern (496 anwesend) Bruderndorf: 71 Häuser mit 336 Einwohnern (332 anwesend) Haselbach: 88 Häuser mit 321 Einwohnern (323 anwesend) Streitdorf: 54 Häuser mit 351 Einwohnern (349 anwesend) Volkszählung im Jahr 1939: Gesamt „2.063 Einwohner“ Volkszählung im Jahr 1951: Gesamt „1.810 Einwohner“ Volkszählung mit Stichtag 21. März 1961: Gesamt „1.543 Einwohner (1.507 anwesend)“ Niederhollabrunn: 676 Einwohner (664 anwesend) Niederfellabrunn: 412 Einwohner (404 anwesend) Bruderndorf: 224 Einwohner (220 anwesend) Haselbach: 225 Einwohner (216 anwesend) Streitdorf: 206 Einwohner (203 anwesend) Volkszählung im Jahr 1971: „1.337 Einwohner“ Volkszählung im Jahr 1981: „1.289 Einwohner“ Volkszählung im Jahr 1991: „1.323 Einwohner“ Volkszählung im Jahr 2001: „1.495 Einwohner“ Mit Stichtag 1. Juni 2007 sind „1.833 Einwohner“ gemeldet (1.613 mit Hauptwohnsitz 220 Personen mit weiterem Wohnsitz).

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Der Leeberg bei Niederfellabrunn, im Hintergrund der Michelberg mini|Schloss Niederfellabrunn mini|Pfarrkirche Niederhollabrunn mini|Weinkeller an der Kohlstatt

Niederhollabrunn Leeberg: Nordwestlich des Ortes befindet sich ein Tumulus (Hügelgrab) aus der Hallstattzeit. Schloss Niederhollabrunn: 1135 erstmals urkundlich genannt. Das heutige zweigeschoßige und zweiflügelige Gebäude stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert und wurde v. a. im 19. Jahrhundert verändert. Katholische Pfarrkirche Niederhollabrunn hl. Laurentius: Die Pfarrkirche stammt aus dem Barock und stellt einen mächtigen, kreuzförmigen Zentralbau dar. Urkundlich 1135 als Eigenpfarre der Babenberger erwähnt, wurde die heutige Kirche 1718 von Jakob Oeckhl errichtet.

Niederfellabrunn Nördlich von Niederfellabrunn befindet sich ein weiterer, kleinerer Leeberg. Am westlichen Ortrand befindet sich ein barockes Schloss, ein Vierflügelbau um einen Rechteckhof. Ursprünglich im 17. Jahrhundert errichtet, wurde es im 18. Jahrhundert durch den westlichen Trakt erweitert und im 19. Jahrhundert nochmals verändert. Eine der hl. Rosalia geweihte Ortskapelle aus dem Spätbarock. Pranger beim Schloss, bezeichnet 1716. Steinstatue des hl. Johannes Nepomuk, bezeichnet 1731.

Wirtschaft und Infrastruktur Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 50, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 102. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 734. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 50,16 Prozent.

Öffentliche Einrichtungen In Niederhollabrunn befindet sich ein Kindergarten.

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 ÖVP, 3 FPÖ und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 4 SPÖ, 2 LSP–Liste Schachel – Parteilos und 1 FPÖ.