Das 96. Indianapolis 500 fand am 27. Mai 2012 auf dem Indianapolis Motor Speedway in Speedway bei Indianapolis, Indiana, Vereinigte Staaten statt und war das fünfte Rennen der IndyCar-Series-Saison 2012.
Dario Franchitti (Target Chip Ganassi Racing) gewann das Rennen mit einer Gesamtzeit von 2:58:51,2532 Stunden vor seinem Teamkollegen Scott Dixon und Tony Kanaan (KV Racing Technology w/SH). Nach 2007 und 2010 war es Franchittis dritter Sieg beim Indianapolis 500.
Hintergrund Nach dem Itaipava São Paulo Indy 300 presented by Nestle führte Will Power in der Fahrerwertung mit 45 Punkten vor Hélio Castroneves und 57 Punkten auf James Hinchcliffe. Bei den Motorenherstellern führte Chevrolet mit 12 Punkten vor Honda und mit 20 Punkten vor Lotus.
Das Indianapolis 500 war das erste Saisonrennen auf einem Ovalkurs und das erste Ovalrennen mit dem neueingeführten Chassis Dallara DW12.
Da das Indianapolis 500 eine Sonderstellung im Rennkalender hat, wurden während der gesamten Veranstaltung keine Strafen für vorzeitige Motorenwechsel verhängt. Üblicherweise werden Motorwechsel mit einer Strafversetzung um 10 Startpositionen belegt, wenn sie nicht durch einen Motorschaden in einem Rennen notwendig wurden. Alle Motorenwechsel während dieser Veranstaltung wurden nach dem Indianapolis 500 sanktioniert.
Mit Castroneves (dreimal), Dario Franchitti (zweimal) und Scott Dixon (einmal) traten drei ehemalige Indianapolis-500-Gewinner an. Zudem nahm mit Rubens Barrichello erstmals ein Fahrer am Indianapolis 500 teil, der auf dem Grand-Prix-Kurs des Indianapolis Motor Speedway ein Formel-1-Rennen gewonnen hat. Castroneves war mit seinem zwölften Start beim Indianapolis 500 der erfahrenste Pilot. Mit Jean Alesi, Barrichello, Bryan Clauson, Wade Cunningham, James Jakes, Katherine Legge, Josef Newgarden und Simon Pagenaud starteten acht Piloten erstmals zum Rennen. Newgarden war mit einem Alter von 21 Jahren der jüngste Teilnehmer, Alesi mit einem Alter von 47 Jahren und 351 Tagen der älteste Starter. Alesi wurde zudem zum ältesten Rookie. Zuvor hielt Jack Hewitt diesen Altersrekord. Er war bei seinem Indianapolis-500-Debüt im Jahr 1998 46 Jahre und 320 Tage alt. 33 Fahrer aus 13 Nationen nahmen an der Veranstaltung teil. Mit neun Fahrern stellten die Vereinigten Staaten die meisten Teilnehmer.
Es war das erste Mal seit 1947, dass der amtierende Indianapolis-500-Sieger die Veranstaltung nicht mehr miterlebt. Der letztjährige Sieger, Dan Wheldon, verstarb während der Vorsaison.
Ablauf Das Indianapolis 500 erstreckte sich inklusive der Trainingssitzungen über einen Zeitraum von 18 Tagen. Die Veranstaltung begann am 10. Mai mit dem Rookie- und Refresher-Tag, an dem Neulinge und Wiedereinsteiger, die längere Zeit keine Ovalrennen bestritten haben, ein Trainingsprogramm absolvieren. Jeder Rookie und Refresher musste an diesem Tag 10 Runden mit konstanter Geschwindigkeit zwischen 200 und 205 Meilen pro Stunde sowie 15 Runden mit konstanter Geschwindigkeit zwischen 205 und 210 Meilen pro Stunde fahren. Im restlichen Training musste jeder dieser Fahrer 15 Runden mit einer Geschwindigkeit von mindestens 210 Meilen pro Stunde fahren.
Vom 12. bis zum 18. Mai fanden sieben freie Trainingstage mit je sechs Stunden Trainingszeit pro Tag statt. Am 19. Mai begann das Qualifying. Zunächst fand ein zweistündiges freies Training statt. Anschließend wurden in einem fünfstündigen Qualifying die ersten 24 Piloten, die sich für das Rennen qualifizieren, ermittelt. Abschließend fuhren die ersten neun Fahrer in einer neunzigminütigen Sitzung die ersten neun Startpositionen untereinander aus. Am folgenden Tag war der sogenannte Bump-Day. Nach einem einstündigen freien Training wurden die restlichen neun Startpositionen in einem sechsstündigen Qualifying vergeben. Alle Piloten, die anschließend nicht in den Top-33 gewesen wären, hätten sich nicht für das 500 Meilen-Rennen qualifiziert. Am 25. Mai war der sogenannte Carb-Day mit einem einstündigen freien Training. Das Indianapolis 500 fand schließlich am 27. Mai statt.
Im Gegensatz zu allen anderen Rennen erhielt beim Indianapolis 500 jeder Fahrer, der sich qualifizierte, Punkte fürs Qualifyingresultat.
Veränderungen im Starterfeld Zum Indianapolis 500 gab es einige Veränderungen im Starterfeld. Mehrere Teams setzten weitere Fahrzeuge ein.
Bryan Herta Autosport und Dreyer & Reinbold Racing lösten ihre Verträge mit dem Motorenlieferanten Lotus auf Dreyer & Reinbold Racing schloss eine strategische Partnerschaft mit Panther Racing und übernahm deren zweiten Leasingvertrag für einen Chevrolet. Bryan Herta Autosport wechselte zu Honda.
Dragon Racing trennte sich vor der Veranstaltung ebenfalls von Lotus. Nach übereinstimmenden Medienberichten reichte Dragon eine Schadensersatzforderung gegen Lotus in Höhe von 4,6 Millionen US-Dollar wegen Vertragsbruch ein. Der Rennstall wechselte zu Chevrolet und stieg erst am sechsten Trainingstag in die Veranstaltung ein.
Bei A. J. Foyt Enterprises erhielt Wade Cunningham das zweite Cockpit neben Mike Conway. Cunningham hatte zuletzt beim Saisonfinale 2011 ein IndyCar-Rennen absolviert.
Rahal Letterman Lanigan setzte ebenfalls ein zweites Fahrzeug ein. Vor Beginn der Saison war Luca Filippi, der einen Vertrag mit dem Rennstall besitzt, für dieses Cockpit vorgesehen und er sollte ab diesem Rennen in die Meisterschaft einsteigen. Das Cockpit wurde jedoch an Rückkehrer Michel Jourdain jr. vergeben. Jourdain startete bereits 1996 zum Indianapolis 500. Es war sein bisher einziger Start bei diesem Rennen. Von 1996 bis 2004 war er in der Champ-Car-Serie aktiv. Er erreichte seine beste Gesamtplatzierung 2003 für das Team Rahal mit einem dritten Platz.
Andretti Autosport erweiterte sein reguläres Fahrertrio zu diesem Rennen. Sebastian Saavedra, der im Indy-Lights-Team von Andretti Autosport fuhr, erhielt ein Auto, das zusammen mit AFS Racing gemeldet worden war. Saavedra war 2011 fast die vollständige IndyCar-Saison gefahren. Darüber hinaus blieb Ana Beatriz, die bereits beim vorherigen Rennen ein zusätzliches Auto erhalten hatte, im Team. Ihr Auto wurde bei diesem Rennen allerdings zusammen mit Conquest Racing eingesetzt.
Sarah Fisher Hartman Racing setzte ein weiteres Auto für Bryan Clauson ein. Clauson hatte zuvor an keinem IndyCar-Rennen teilgenommen. Clauson gewann 2010 und 2011 die USAC National Drivers Championship, weshalb er eine Förderung von IndyCar zum Einsatz in der IndyCar Series oder Indy Lights erhielt. Das zweite Auto, welches von Josef Newgarden pilotiert wurde, wurde bei diesem Rennen wieder vom ehemaligen Hauptsponsor des Teams, Dollar General, gesponsert.
Sam Schmidt Motorsports verpflichtete Townsend Bell fürs zweite Fahrzeug. Bell war in der Vorsaison bereits beim Indianapolis 500 für den Rennstall angetreten.
Bryan Herta Autosport kehrte mit Alex Tagliani nach einer Pause von einem Rennen wieder in die Serie zurück.
Jean Alesi, der von 1989 bis 2001 zu 201 Grand Prix in der Formel 1 startete, trat erstmals in der IndyCar Series an. Er war ein Markenbotschafter des Herstellers Lotus. Ursprünglich war Newman/Haas Racing für seinen Einsatz vorgesehen. Allerdings kam es nicht zu diesem Engagement, da das Team Ende April seine Meldung zum Rennen zurückzog. Laut Angaben des Teams war die Vorbereitungszeit zu kurz. Schließlich übernahm das Indy-Lights-Team Fan Force United den Einsatz von Alesi. Ein Mitbesitzer von Fan Force United war der ehemalige IRL-Pilot Tyce Carlson. Als Chefmechaniker fungierte Greg Beck, der früher mit seinem Rennstall Beck Motorsports in der IndyCar Series vertreten war. Darüber hinaus beschäftigte das Team einige Mechaniker, die bereits mit anderen Teams das Indianapolis 500 gewonnen hatten.
Darüber hinaus hatte Ed Carpenter Racing ursprünglich ein weiteres Fahrzeug gemeldet. Dieses wurde jedoch nicht besetzt.
Ursprünglich wollte auch MSR Indy bei dem Rennen in der IndyCar Series debütieren. Als Fahrer stand bereits Jay Howard fest. Allerdings wurde Howard schließlich Anfang Mai vom Team freigestellt, da es keinen Motorenhersteller fand.
Dario Franchitti vom Rennstall Target Chip Ganassi Racing trat beim Indianapolis 500 nicht mit seiner üblichen Startnummer, der 10, sondern mit der 50 an. Der Grund für den einmaligen Nummernwechsel war das 50-jährige Bestehen des Titelsponsors Target.
Meldeliste Alle Teams und Fahrer verwendeten das Chassis Dallara DW12 mit einem Aero-Kit von Dallara und Reifen von Firestone. Team Nr. Fahrer Motor 2 Chevrolet 3 12 4 Chevrolet 5 Chevrolet 8 6 Chevrolet 7 9 Honda 50 11 Chevrolet 14 Honda 41 15 Honda 30 /Andretti Autosport 17 Chevrolet 18 Honda 19 20 Chevrolet /Dreyer & Reinbold Racing 22 Chevrolet /Conquest Racing 25 Chevrolet 26 Chevrolet 27 28 38 Honda 39 Honda 67 64 Lotus 77 Honda 78 Lotus 83 Honda 98 Honda 99 Honda Quelle:
Bis auf die Fahrzeuge 17, 25 und 39 wurde jeweils auch noch ein Ersatzchassis gemeldet. Ursprünglich wurde von Ed Carpenter Racing ein weiteres Auto mit der Nummer 21 gemeldet.
Training Rookie- und Refresher-Tag (10. Mai) Platz Fahrer Team Zeit(min) Durchschnitts-geschwindigkeit 1 0:41,2338 218,268 mph 2 0:41,4659 217,046 mph 3 0:41,5564 216,573 mph Offizielles Ergebnis: Das Training begann mit dem Rookie- und Refresher-Tag, an dem zehn Fahrer (acht Rookies, zwei Refresher) das dreistufige Testprogramm absolvieren mussten. Die Indianapolis-500-Rookies Jean Alesi, Rubens Barrichello, Bryan Clauson, Wade Cunningham, Katherine Legge, James Jakes, Josef Newgarden und Simon Pagenaud. Als Refresher eingeladen waren Sébastien Bourdais und Michel Jourdain jr. Bis auf Bourdais müssen alle Piloten das dreistufige Testprogramm bestehen, um sich für das Indianapolis 500 qualifizieren zu dürfen. Die Dragon-Piloten Bourdais und Legge traten jedoch nicht an, da ihrem Team ein Motorenhersteller fehlte.
Pagenaud kollidierte während des Trainings mit einem Vogel, der sich in seinem Kühler verfing. Er bemerkte den Zwischenfall nicht und sein Programm wurde davon nicht beeinflusst.
Jakes, der 2011 an der Qualifikation zum Rennen scheiterte, erzielte die schnellste Runde vor Clauson und Newgarden. Bis auf Alesi und Cunningham absolvierten alle Fahrer erfolgreich das dreistufige Programm. Cunningham fehlt nur noch der letzte Abschnitt, also 15 Runden mit einem Schnitt von über 210 mph. Alesi schaffte keine der Stufen. Es war sowohl für ihn, als auch für sein Team Fan Force United der erste Test mit dem Fahrzeug. Er durfte am folgenden Tag ein neunzigminütiges Extratraining absolvieren. Dabei bestand er die ersten zwei Stufen.
1. Training (12. Mai) Platz Fahrer Team Zeit(min) Durchschnitts-geschwindigkeit 1 0:40,8627 220,250 mph 2 0:40,9662 219,693 mph 3 0:40,9776 219,632 mph Offizielles Ergebnis: Den ersten Trainingstag eröffneten die drei Piloten des Team Penske: Ryan Briscoe, Hélio Castroneves und Will Power, in dem sie in Dreierformation um die Strecke fuhren.
Josef Newgarden war schließlich der Schnellste vor J. R. Hildebrand und seinem Teamkollegen Bryan Clauson. In den Top-5 waren drei Rookies.
26 der 33 gemeldeten Piloten setzten eine Zeit. Nennenswerte Zwischenfälle gab es nicht. Dragon Racing war aufgrund eines fehlenden Motorenherstellers nicht in der Lage, an diesem Tag teilzunehmen.
2. Training (13. Mai) Platz Fahrer Team Zeit(min) Durchschnitts-geschwindigkeit 1 /Andretti Autosport 0:40,6272 221,526 mph 2 0:40,6922 221,173 mph 3 0:40,6949 221,158 mph Offizielles Ergebnis: Am zweiten Trainingstag war Sebastian Saavedra der schnellste Fahrer vor Bryan Clauson und Josef Newgarden. Somit lagen erneut beide Rookies von Sarah Fisher Hartman Racing in den Top 3.
Kurzzeitig übernahm Tony Kanaan das Auto von Rubens Barrichello und Marco Andretti das Fahrzeug von Ana Beatriz.
Wade Cunningham bestand in diesem Training die dritte Phase des Rookie-Programms und darf somit am Qualifying teilnehmen.