Leichtathletik bei denXXI. Olympischen Spielen zentriert|80px|Olympische Ringe 80px|Leichtathletik Informationen Datum: 18. bis 31. Juli Wettkampfort: Austragungsort: Olympiastadion Entscheidungen: Männer: 23/Frauen: 14Games of the XXI Olympiad, Montreal 1976: Official Report, v.3, S. 23, englisch/französisch (PDF, 23.245 KB), abgerufen am 23. Oktober 2021 ← München 1972 Moskau 1980 → 150px|Logo der Olympischen Spiele 1976 Olympische Spiele 1976Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Mannschaft 16px|Goldmedaillen 16px|Silbermedaillen 16px|Bronzemedaillen Total 1 11 8 8 27 2 6 8 8 22 3 4 4 10 18 4 3 2 – 5 5 2 2 – 4 6 2 1 –3 7 1 3 5 9 8 1 2 1 4 9 1 1 – 2 1 1 – 2 11 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 16 – 2 1 3 17 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 20 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 Bei den XXI. Olympischen Spielen 1976 in Montreal fanden 37 Wettkämpfe – davon 23 für Männer und 14 für Frauen – in der Leichtathletik statt. Austragungsort war das Olympiastadion.

Teilnehmer Auch bei der Austragung dieser Olympischen Spiele gab es wie schon mehrfach zuvor erhebliche Probleme und Sonderfälle im Hinblick auf die Teilnahme verschiedener Nationen. Wiederum nicht eingeladen wurde die Volksrepublik China, die weiterhin kein Mitglied des IOC war, aber auch die Republik China (Taiwan) nahm im Gegensatz zu früheren Jahren nicht teil, weil die Offiziellen aus dem Taiwan nicht mehr hinnehmen wollten, dass ihr Land unter der Bezeichnung Taiwan dabei sei sollte. Das größte Ausmaß allerdings nahm die Problematik um den Streitfall Südafrika herum an. Das Land selber war wegen seiner Apartheidspolitik weiterhin nicht zugelassen. Nun forderten zahlreiche afrikanische Staaten auch den Ausschluss Neuseelands, weil die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft eine umstrittene Südafrika-Tour unternommen hatte. Da das IOC diese Forderung nicht erfüllte, boykottierten insgesamt 28 Staaten, davon 26 aus Afrika diese Spiele, was v. a. in der Leichtathletik dazu führte, dass zahlreiche Mitfavoriten nicht am Start waren.Dunkle Stunden bei Olympia – Montreal 1976 - Boykott von 22 Staaten. In: Süddeutsche Zeitung 27. Juli 2012, abgerufen am 23. Oktober 2021

Das geteilte Deutschland trat nun schon zum dritten Mal mit zwei eigenständigen Mannschaften an. Die offiziellen Bezeichnungen lauteten wie vor vier Jahren: ‚Deutschland‘ bzw. ‚Germany‘ oder ‚Allemagne‘ – kurz ‚GER‘ – für die Bundesrepublik Deutschland und für die DDR ‚Deutsche Demokratische Republik‘ bzw. ‚German Democratic Republik‘ oder ‚République fédérale d’Allemagne‘ – kurz ‚DDR‘ bzw. ‚GDR‘.Games of the XXI Olympiad, Montreal 1976: Official Report, v.3, S. 7, englisch/französisch (PDF, 23 MB), abgerufen am 23. Oktober 2021

Stadion mini|hochkant=2.5| Das Olympiastadion Montreal entsprach den modernsten Anforderungen, wurde allerdings erst im allerletzten Moment fertiggestellt. Die Baumaßnahmen hatten vor Beginn der Wettkämpfe so weit hinter der zeitlichen Planung zurückgelegen, dass das IOC sich sogar mit dem Gedanken beschäftigt hatte, die Olympischen Spiele an einem Ersatzort austragen zu lassen. Dazu kam es letztendlich nicht. Die 400-Meter-Rundbahn sowie die Anlaufbahnen für die verschiedenen Sprung- und Wurfwettbewerbe waren wie inzwischen bei allen Großveranstaltungen aus Kunststoff beschaffen und genügten höchsten Standards. Wie inzwischen üblich standen acht Bahnen zur Verfügung, sodass acht Teilnehmer an den Endläufen teilnehmen konnten. Dies wurde auch in den Wurfdisziplinen sowie im Weit- und Dreisprung für die letzten drei Finaldurchgänge wieder so praktiziert.

Messtechnik Der Einsatz elektronischer Messinstrumentarien war inzwischen Standard, und zwar sowohl bei den Zeiten der Läufer als auch den erzielten Weiten im Springen und Werfen. Die Zeiten der Läufer und Geher wurden außer bei Streckenlängen von mehr als zehn Kilometern offiziell in Hundertstelsekunden ausgegeben. Im Diskus-, Hammer- und Speerwurf wurde die erzielte Weite wie bisher auf geradzahlige Zentimeter gerundet.

Wettbewerbe Im Wettbewerbsangebot gab es eine einzige Änderung: im Gehen, einer Wettkampfform, die damals ausschließlich den Männern vorbehalten war, wurde das 50-km-Gehen aus dem Programm genommen. Einziger Gehwettbewerb hier in Montreal war somit das 20-km-Gehen, wie üblich ausgetragen auf der Straße. Allerdings blieb diese Streichung der langen Gehstrecke einmalig. 1980 war die Disziplin wieder Teil des olympischen Programms. Bis heute – Stand Oktober 2021 – hat sich danach im Bereich der olympischen Männerdisziplinen nichts mehr verändert.

Bei den Frauen dagegen standen noch zahlreiche weitere Ergänzungen für die Zukunft an. Ihr längster Laufwettbewerb war nach wie vor der 1500-Meter-Lauf. Das sollte sich ab 1984 ändern. Von da an kamen nach und nach zusätzliche längere Strecken ins olympische Programm und auch bei den Sprüngen, Würfen, im Gehen und im Mehrkampf sollte es später eine sukzessive Angleichung an den Wettkampfkatalog der Männer geben.

Sportliche Erfolge Das Leistungsniveau war auch bei diesen Olympischen Spielen sehr hoch. Es gab acht neue oder eingestellte Weltrekorde in acht Disziplinen. In weiteren neunzehn Disziplinen wurde der olympische Rekord 23 Mal verbessert oder egalisiert. Weltrekorde im Einzelnen: 800-Meter-Lauf, Männer: 1:43,50 min – Alberto Juantorena (Kuba), Finale 400-Meter-Hürdenlauf, Männer: 47,64 s – Edwin Moses (USA), Finale 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 8:08,02 min – Anders Gärderud (Schweden), Finale Speerwurf, Männer: 94,58 m – Miklós Németh (Ungarn), Finale Zehnkampf, Männer: 8618 P (1985er Wertung: 8634 P) – Bruce Jenner (USA) 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,01 s – Annegret Richter (BR Deutschland), Halbfinale bei einem Rückenwind von 0,57 m/s 400-Meter-Lauf, Frauen: 49,28 s – Irena Szewińska (Polen), Finale 800-Meter-Lauf, Frauen: 1:54,94 min – Tatjana Kasankina (Sowjetunion), Finale Olympische Rekorde im Einzelnen: 5000-Meter-Lauf, Männer: 13:20,34 min – Brendan Foster (Großbritannien), Vorlauf Marathonlauf, Männer: 2:09:55,0 h – Waldemar Cierpinski (DDR) 3000-Meter-Hindernislauf, Männer: 8:18,56 min – Bronisław Malinowski (Polen), Vorlauf 20-km-Gehen, Männer: 1:24:40,6 h – Daniel Bautista (Mexiko) Hochsprung, Männer: 2,25 m – Jacek Wszoła (Polen), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,50 m (egalisiert) – Tadeusz Ślusarski (Polen), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,50 m (egalisiert) – Antti Kalliomäki (Finnland), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,50 m (egalisiert) – David Roberts (USA), Finale Kugelstoßen, Männer: 21,32 m – Alexander Baryschnikow (Sowjetunion), Qualifikation Diskuswurf, Männer: 68,28 m – Mac Wilkins (USA), Qualifikation Hammerwurf, Männer: 77,52 m – Jurij Sjedych (Sowjetunion), Finale 100-Meter-Lauf, Frauen: 11,05 s – Annegret Richter (BR Deutschland), Viertelfinale bei einem Rückenwind von 1,06 m/s 200-Meter-Lauf, Frauen: 22,37 s – Bärbel Eckert (DDR), Finale bei Windstille 400-Meter-Lauf, Frauen: 51,94 s – Irena Szewińska (Polen), Halbfinale 800-Meter-Lauf, Frauen: 1:56,53 min – Anita Weiß (DDR). Halbfinale 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 42,61 s – BR Deutschland (Elvira Possekel, Inge Helten, Annegret Richter, Annegret Kroniger), Vorlauf 4-mal-100-Meter-Staffel, Frauen: 42,55 s – DDR (Marlies Oelsner, Renate Stecher, Carla Bodendorf, Bärbel Eckert), Finale 4-mal-400-Meter-Staffel, Frauen: 3:19,23 min – DDR (Doris Maletzki, Brigitte Rohde, Ellen Streidt, Christina Brehmer), Finale Hochsprung, Frauen: 1,93 m – Rosemarie Ackermann (DDR), Finale Kugelstoßen, Frauen: 21,16 m – Iwanka Christowa (Bulgarien), Finale Diskuswurf, Frauen: 69,00 m – Evelin Schlaak (DDR), Finale Speerwurf, Frauen: 65,14 m – Marion Becker (BR Deutschland), Qualifikation Speerwurf, Frauen: 65,94 m – Ruth Fuchs (DDR), Finale

Die deutlich erfolgreichste Nation in der Leichtathletik war erstmals die DDR, die elf Olympiasiege und darüber hinaus je acht Silber- und Bronzemedaillen verbuchen konnte. Die bis einschließlich 1968 in dieser Hinsicht vorne liegenden Vereinigten Staaten konnten sich von Platz drei, den sie 1972 erreicht hatten, wieder um einen Rang nach vorne schieben. Für sie gab es sechsmal Gold sowie je achtmal Silber und Bronze. Dahinter folgte die bei den letzten Spielen in der Nationenwertung vorne liegende Sowjetunion mit je vier Gold- und Silber- sowie zehn Bronzemedaillen. Polen hatte drei Leichtathletikolympiasieger zu verzeichnen, bei Finnland und Kuba waren es jeweils zwei. Für alle weiteren Nationen gab es in der Leichtathletik bei diesen Spielen höchstens eine Goldmedaille.

Vier Sportler errangen mindestens zwei Goldmedaillen in der Leichtathletik bei diesen Spielen: Lasse Virén (Finnland) – Gold: 5000- und 10.000-Meter-Lauf, dazu noch Rang fünf im Marathonlauf. Alberto Juantorena (Kuba) – Gold: 400- und 800-Meter-Lauf mit Weltrekord über 800 Meter, außerdem Siebter mit der kubanischen 4-mal-400-Meter-Staffel Tatjana Kasankina (Sowjetunion) – Gold: 800- und 1500-Meter-Lauf mit Weltrekord über 800 Meter Bärbel Eckert (DDR) – Gold: 200-Meter-Lauf und 4-mal-100-Meter-Staffel Darüber hinaus sind weitere Leistungen besonders hervorzuheben: Annegret Richter (BR Deutschland) gewann Gold im 100-Meter-Lauf und zweimal Silber im 200-Meter-Lauf und in der 4-mal-100-Meter-Staffel. Renate Stecher (DDR) gewann Gold in der 4-mal-100-Meter-Staffel, Silber im 100-Meter-Lauf und Bronze im 200-Meter-Lauf. Folgende hier siegreiche Leichtathleten hatten bereits bei früher ausgetragenen Olympischen Spielen Goldmedaillen errungen: Lasse Virén (Finnland) – 5000- und 10.000-Meter-Lauf, Wiederholung seines Doppelerfolgs von 1972, damit jetzt vierfacher Olympiasieger. Renate Stecher, (DDR) – Siegerin mit der 4-mal-100-Meter-Staffel, 1972 Siegerin im 100- und 200-Meter-Lauf, damit jetzt dreifache Gold- sowie insgesamt sechsfache Medaillengewinnerin. Irena Szewińska (Polen) – 400-Meter-Lauf, zuvor: Gold 4-mal-100-Meter-Staffel, 1964/Silber 200-Meter-Lauf, 1964/Gold 200-Meter-Lauf, 1968/außerdem: Bronze 200-Meter-Lauf, 1976, damit nach ihren vierten Spielen dreifache Gold- und fünffache Medaillengewinnerin. Wiktor Sanejew, (Sowjetunion) – Dreisprung, Wiederholung seiner Erfolge von 1968 und 1972, damit jetzt dreifacher Olympiasieger. Ruth Fuchs, (DDR) – Speerwurf, Wiederholung ihrer Erfolgs von 1972, damit jetzt zweifache Olympiasiegerin. Annegret Richter (BR Deutschland) – 100-Meter-Lauf, 1972: siegreich mit der 4-mal-100-Meter-Staffel, damit jetzt zweifache Olympiasiegerin sowie insgesamt vierfache Medaillengewinnerin.

Resultate Männer 100 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Hasely Crawford 10,06 2 Donald Quarrie 10,08 3 Walerij Borsow 10,14 4 Harvey Glance 10,19 5 Guy Abrahams 10,25 6 Johnny Jones 10,27 7 Klaus-Dieter Kurrat 10,31 8 Petar Petrow 10,35 Finale am 24. Juli

Wind: −0,01 m/s

200 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Donald Quarrie 20,23 2 Millard Hampton 20,29 3 Dwayne Evans 20,43 4 Pietro Mennea 20,54 5 Rui da Silva 20,84 6 Bogdan Grzejszczak 20,91 7 Colin Bradford 21,17 8 Hasely Crawford 79,60 Finale am 26. Juli

Wind: +0,72 m/s

400 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Alberto Juantorena 44,26 2 Fred Newhouse 44,40 3 Herman Frazier 44,95 4 Alfons Brijdenbach 45,04 5 Maxie Parks 45,24 6 Rick Mitchell 45,40 7 David Jenkins 45,57 8 Jan Werner 45,63 Finale am 29. Juli

800 m

Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Alberto Juantorena 1:43,50 WR 2 Ivo Van Damme 1:43,86 3 Rick Wohlhuter 1:44,12 4 Willi Wülbeck 1:45,26 5 Steve Ovett 1:45,44 6 Luciano Sušanj 1:45,75 7 Sriram Singh 1:45,77 8 Carlo Grippo 1:48,39 Finale am 25. Juli

1500 m mini|hochkant=0.8|

Platz Athlet Land Zeit (min) 1 John Walker 3:39,17 2 Ivo Van Damme 3:39,27 3 Paul-Heinz Wellmann 3:39,33 4 Eamonn Coghlan 3:39,51 5 Frank Clement 3:39,65 6 Rick Wohlhuter 3:40,64 7 David Moorcroft 3:40,94 8 Graham Crouch 3:41,80 Finale am 31. Juli

5000 m mini|hochkant=0.8|