mini|Constantin Schreiber (2016) Constantin Schreiber (* 14. Juni 1979 in Cuxhaven) ist ein deutscher Journalist, Nachrichtensprecher, Sachbuchautor und Schriftsteller. Bis Mai 2025 war er bei ARD-aktuell tätig und moderierte Ausgaben der Tagesschau, des Nachtmagazins (bis 2022), der Tagesschau-Nachrichten bei tagesschau24 und Nachrichten in den Tagesthemen. Von 2021 bis 2025 sprach Schreiber die Hauptausgabe der Tagesschau um 20 Uhr. Für die Moderation der deutsch-arabischen n-tv-Sendung Marhaba – Ankommen in Deutschland wurde er im Jahr 2016 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Leben und Karriere Constantin Schreiber, Sohn des ehemaligen Oberstadtdirektors von Wilhelmshaven Arno Schreiber, wurde in Cuxhaven geboren und wuchs in Wilhelmshaven auf. Als Jugendlicher verbrachte er ein halbes Jahr in einer christlichen Familie in Damaskus, wo er Arabisch erlernte. Nach dem Abitur absolvierte er ein Praktikum in einem Handelskontor im ägyptischen Port Said.

Schreiber studierte von 1998 bis 2002 Jura und schloss mit dem ersten Staatsexamen ab. Von 2004 bis 2006 absolvierte er ein Redaktionsvolontariat bei der Deutschen Welle.

Im Jahr 2006 arbeitete Schreiber als Reporter für die libanesische Tageszeitung Daily Star in Beirut. Er schrieb unter anderem Reportagen über die Hisbollah und begleitete internationale Helfer bei der Beseitigung von Landminen im Südlibanon. Schreiber organisiert Fotoausstellungen in Europa, Nahost und Afrika. 2009 reiste er gemeinsam mit einem weiteren Fotografen an den Tschadsee in Zentralafrika und fotografierte für die Ausstellung „Tschadsee – Lebensraum im Wandel“. Außerdem organisiert er für die international media alliance (IMA) e. V. internationale Medienveranstaltungen. mini|hochkant|Schreiber als TV-Korrespondent der Deutschen Welle mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Abu Dhabi im Oktober 2008 Von 2007 bis 2009 war Schreiber Korrespondent des arabischen Programms der Deutschen Welle in Dubai. Sein Berichtsgebiet umfasste die Arabische Halbinsel und Nordostafrika. 2007 produzierte er eine Reportage aus dem Norden Somalias. Im selben Jahr dokumentierte er eine Flüchtlingskatastrophe vor den Komoren. 2008 berichtete er von der tschadisch-sudanesischen Grenze über das dortige Flüchtlingsdrama und verbrachte einige Zeit als „Journalism Fellow“ am Reuters Institut an der University of Oxford.

Von 2009 bis 2011 war Schreiber als Medienberater für das Thema Naher Osten im Auswärtigen Amt tätig. Er erstellte interne Richtlinien für den Gebrauch von sozialen Medien wie Facebook oder Twitter, initiierte eine Reihe von deutsch-arabischen Medienprojekten und koordinierte mediale Projekte Deutschlands im Verlauf des Arabischen Frühlings. Er begleitete zahlreiche Politiker auf ihren Nahostreisen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und den früheren Bundesaußenminister und jetzigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Ab 2011 moderierte Schreiber auf Arabisch für den ägyptischen Sender ONTV die Wissenschaftssendung SciTech – Unsere Welt von morgen, ein Pendant zum ProSieben-Magazin Galileo. 2015 wurde ein ähnliches Format bei Al Jazeera angekündigt, jedoch nicht umgesetzt. Schreiber kritisierte den Sender später. Zudem äußerte er sich in Publikationen islamkritisch.

Von 2012 bis 2016 arbeitete Schreiber als Moderator verschiedener TV-Sender: In Deutschland moderierte er Nachrichtensendungen und die Live-Berichterstattung zu den Themen Naher Osten und Mittlerer Osten des Senders n-tv. 2016 wurde er für die Moderation der deutsch-arabischen Sendung Marhaba – Ankommen in Deutschland mit dem Grimme-Preis in der Kategorie „Information und Kultur/Spezial“ ausgezeichnet. In der mehrteiligen Reihe erklärte Schreiber auf Arabisch mit deutschen Untertiteln die Deutschen und das Leben in Deutschland. Jede Sendung dauerte fünf Minuten und informierte beispielsweise über das Grundgesetz, Religionsfreiheit und die Rolle der Frau ebenso wie über deutsche Essgewohnheiten, Freizeitangebote und Weihnachtslieder., abgerufen am 20. November 2016.

Im Januar 2017 wechselte Constantin Schreiber zu ARD-aktuell, wo er Früh- und Wochenendausgaben der Tagesschau und das Nachtmagazin moderierte. Von März 2017 bis Dezember 2020 moderierte er auch im NDR-Fernsehen Zapp – Das Medienmagazin. 2017 und 2018 berichtete Schreiber jeweils mehrere Wochen vertretungsweise als ARD-Korrespondent aus Kairo. Ab 2021 gehörte er zusammen mit Julia-Niharika Sen zum Nachrichten-Team der 20-Uhr-Tagesschau. Seine erste Ausgabe las er am 4. Januar 2021. Am 25. Mai 2025 las er die 20-Uhr-Nachrichten und die Nachrichten in den Tagesthemen zum letzten Mal.

Von September 2025 bis Mai 2026 berichtete Schreiber für die Axel Springer SE als Global Reporter der Welt-Redaktion aus Israel für Medien des Verlags über den Nahen Osten. Seit Mai 2026 konzentriert er sich auf Podcast-Formate und arbeitet aus familiären Gründen von Deutschland aus. Als Nahost-Berichterstatter folgte ihm Jan Philipp Burgard nach. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass er Springer zum Ende des Jahres verlässt.

Constantin Schreiber lebt mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern in Hamburg.

Soziales Engagement Constantin Schreiber gründete 2019 die Deutsche Toleranzstiftung in Leipzig. Sie engagiert sich in Ostdeutschland, um die Medienkompetenz von Schülern zu fördern, Vorurteile abzubauen und „Lügenpresse“-Vorwürfe zu entkräften. Dazu gehört unter anderem das Dialog-Projekt „Triff mich!“ gemeinsam mit Fernsehjournalisten wie Susanne Daubner und Damla Hekimoğlu.

Werke Im Jahr 2010 erschien das erste von Schreiber verfasste Buch, Ausverkauf Deutschland, über die Rolle ausländischer Investoren in Deutschland. 2015 gab er unter dem Titel 1000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke die in Saudi-Arabien verbotenen Texte des saudischen Bloggers Raif Badawi gemeinsam mit dessen Ehefrau Ensaf Haidar heraus. Das Buch wurde in mehr als zwölf Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Französisch, Italienisch und Niederländisch, und erreichte in Deutschland Platz 7 der Spiegel-Bestsellerliste.

2017 erschien sein Buch Inside Islam – Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird sowie die TV-Reihe der moscheereport auf tagesschau24. Für die Recherche dieser beiden Werke besuchte Schreiber mit oder ohne Kamerateam nahezu 20 Moscheen in Deutschland und übersetzte dort gehaltene Freitagspredigten. Das Buch stieg auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.

2019 erschien Kinder des Koran. Was muslimische Schüler lernen, für das er nach eigenen Angaben Schulbücher aus Afghanistan, dem Iran, Ägypten, Palästina und der Türkei untersuchte. Schreiber wirft den Lehrwerken vor, Schülern Geschlechterklischees, übersteigerten Nationalismus, politische Propaganda und religiöse Intoleranz zu vermitteln – teilweise auch in versteckten Botschaften. Das Buch erreichte Platz 5 der Spiegel-Bestsellerliste.

2021 erschien Schreibers Roman Die Kandidatin, in dem Mitte des 21. Jahrhunderts eine Muslimin kurz davor steht, zur deutschen Bundeskanzlerin gewählt zu werden. Das Buch erreichte Platz 10 der Spiegel-Bestsellerliste im Bereich Belletristik.

2022 veröffentlichte Schreiber gemeinsam mit der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff das Buch Guten Abend, meine Damen und Herren. Ein Gespräch über die Liebe, das Leben, Glück und die Nachrichten, in dem er mit seiner Vorgängerin über deren Leben und insbesondere ihre Rolle als erste weibliche Nachrichtensprecherin der ARD spricht. Außerdem veröffentlichte er einen Dubai-Reiseführer mit dem Titel Nice to meet you, Dubai.

2023 veröffentlichte Schreiber das Buch Glück im Unglück, in dem er sich damit auseinandersetzt, wie man in Krisenzeiten Resilienz und Optimismus trainieren kann. Es erreichte Platz 7 der Spiegel-Bestsellerliste.

2024 erschien Schreibers Kriminalroman Kleopatras Grab. Im Mai 2025 erschien der zweite Band seiner Ägypten-Krimi-Reihe, Echnatons Fluch.Buchpremiere "Echnatons Fluch" mit Constantin Schreiber im Neuen Museum, preussischer-kulturbesitz.de, abgerufen am 22. Mai 2025

Kritik und Kontroversen „Inside Islam“ (2017) 2017 warf der taz-Journalist Daniel Bax Schreiber vor, sich in dem Buch Inside Islam seinem Gegenstand wie ein „Ethnologe aus der Kolonialzeit [zu nähern], der einem vermeintlich wilden und gefährlichen Indianerstamm nachspürt“, und nannte seine Beschreibung der Moscheen und des Islam „exotisierend“. Schreiber zeige zudem fehlende Sorgfalt und Sachkenntnis. Der Journalist Eren Güvercin kritisierte in Deutschlandfunk Kultur die Auswahl der Moscheen in Inside Islam und dass es Schreiber um Anprangerung statt um Dialog gegangen sei. Ein früherer Mitarbeiter des Hamburger Verfassungsschutzes kritisierte öffentlich, dass in Inside Islam die Gefahr übertrieben werde, die von Moscheen ausgehe.

„Moscheereport“ (2017) Ebenfalls 2017 kritisierte die Islamwissenschaftlerin Johanna Pink die Sendung Moscheereport in einem Brief an die Chefredakteure. Diese sei verzerrend, einseitig und enthalte Übersetzungsfehler. Der Behauptung Schreibers, er habe über Monate „Islamwissenschaftliche Fakultäten“ um Auskunft ersucht, entgegnete Pink, dass sie nicht kontaktiert worden sei.

„Kinder des Koran“ (2019) 2019 wurde das Buch Kinder des Koran. Was muslimische Schüler lernen einerseits von Rainer Herrmann, dem Nahost-Korrespondenten der FAZ, positiv besprochen. Andererseits wurde es im Online-Magazin dis:orient sehr negativ kommentiert: Schreiber wurden methodische Schwächen bei Auswahl und Übersetzung der Schulbücher vorgeworfen, unzutreffende Verallgemeinerungen der unterschiedlichen muslimischen Gesellschaften in den Herkunftsländern und in Europa sowie Argumentationshilfe für rechtsextreme Diskurse. „Die Kandidatin“ (2021) 2021 rezensierte der Islamwissenschaftler Stefan Weidner Schreibers Roman über eine muslimische Bundeskanzlerin für die Süddeutsche Zeitung: Die Kandidatin könne nur als „reaktionäres Manifest“ verstanden werden. Hinter der Fiktion verberge sich „wenig mehr als ein rechtspopulistisches Pamphlet mit altbekannten Feindbildern: dem Islam und den Muslimen, den ‚Linken‘ sowie allen, die mit ethnischer, religiöser oder sexueller Vielfalt kein Problem haben und diese verteidigen möchten.“ Zudem kritisierte er die offensichtliche Nähe der fiktiven Protagonistin Sabah Hussein zur SPD-Politikerin Sawsan Chebli.

Ähnliche Kritik brachte der NDR-Journalist Stefan Buchen im Juni 2021 vor. Für die taz schrieb er: „‚Die Kandidatin‘ ist ein politisches Hasspamphlet, das Angst vor Migranten schürt. Das hier Geschilderte ist möglich, es steht quasi vor der Tür, lautet die humorfreie Botschaft.“ Des Weiteren sei es problematisch, dass Schreibers eigener Sender – der NDR – ihm eine Bühne biete. Buchen verglich Die Kandidatin im Magazin Katapult mit dem NS-Propagandaroman Jud Süß, in dem Hass und Ängste der Leser angesprochen und vor der Übernahme des eigenen Landes gewarnt wurde.

Dem widersprach Ulrich Reitz in Focus Online. Die Kritik sei falsch; das Buch weder links noch rechts. Er beschreibe, was passiere, wenn die Rechten rechter und die Linken linker würden: „Dann stirbt die Sprechfähigkeit, Gewalt zieht herauf.“

Im Mai 2021 besprachen die Rezensenten in Tagesspiegel und Hamburger Abendblatt das Buch positiv und verwiesen auf Parallelen zu Michel Houellebecq, der in Unterwerfung ein ähnliches Motiv aufgreife.Thomas Andre: Der erste Roman des „Tagesschau“-Sprechers. In: Hamburger Abendblatt, 8. Mai 2021, S. 15. Der beschriebene deutsche Staat ist laut Thomas Brussig, der das Buch ebenfalls positiv sah, eine Verwirklichung von realen Debatten über Diversität und Vielfalt.