mini|Richard Gutjahr (2019)

Richard Gutjahr (* 1973 in Bonn) ist ein deutscher Moderator, Journalist und Blogger.

Leben und Wirken Gutjahr besuchte zwischen 1993 und 1998 die Deutsche Journalistenschule in München. Er studierte auch Politik- und Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Ab 1992 arbeitete er als Nachrichtenredakteur, Live-Reporter und Moderator für Radio Gong, ab 1996 folgte eine Stelle bei Bayern 3.Richard Gutjahr: , abgerufen am 10. Mai 2012

Gutjahr war Mitarbeiter der Chefredaktion des Bayerischen Fernsehens und Moderator der Rundschau-Nacht. Von. Mai bis Juni 2012 moderierte Gutjahr ein von ihm entwickeltes Social-TV-Projekt Rundshow mit wechselnden Co-Moderatoren, darunter Daniel Fiene, Sascha Lobo und Sandra Rieß.

Seit Mitte 2010 schreibt er eine wöchentliche Kolumne in der Münchner Abendzeitung. Daneben schreibt er auch für andere Tageszeitungen, wie z. B. den Berliner Tagesspiegel oder für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

2010 wurde er nach 23-stündigem Schlangestehen vor dem Apple-Store in New York als weltweit erster Käufer eines iPads bekannt.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde er durch eine Reportage aus Kairo während der Revolution in Ägypten 2011 bekannt,Ulrike Langer: , 4. Februar 2011, abgerufen am 10. Mai 2012 nachdem er sich bei einem Aufenthalt in Israel spontan und ohne Auftrag zu einer Reise nach Kairo entschlossen hatte.

Gutjahr war Mitinitiator von LobbyPlag, einer Web-Plattform mit dem Ziel, die direkte Einflussnahme von Lobbyisten auf Politiker im Zusammenhang mit der geplanten EU-Datenschutzverordnung nachzuweisen. Die Rechercheergebnisse, die unter anderem belegten, dass Parlamentarier weite Teile ihrer Gesetzesvorlagen aus Lobbypapieren abgeschrieben hatten, sorgten weltweit für mediale Aufmerksamkeit.

Am 14. Juli 2016 war er zufällig Zeuge der Amokfahrt des Anschlags in Nizza, als er gerade ein Sabbatical mit seiner Familie in Südfrankreich machte. Er berichtete über Twitter sowie im ARD-Nachtmagazin und im Bayerischen Rundfunk. Ein Video, das offenbar den Beginn des Anschlags zeigt, stellte er dem WDR zur Verfügung; er entschied sich ausdrücklich gegen eine Veröffentlichung des Materials in den sozialen Netzwerken, weil er es den Sendern überlassen wollte, welche Bilder gezeigt werden sollten. Am 22. Juli 2016 berichtete Gutjahr unter anderem für die ARD-Tagesschau live von dem Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum. Ursprünglich auf dem Weg zum Bayerischen Rundfunk, wurde er von einem Freund, späteren Veröffentlichungen zufolge von seiner Tochter, über den Vorfall informiert und traf als einer der ersten Reporter am Tatort ein.

Über Gutjahr wurden in sozialen Netzwerken wiederholt Verschwörungserzählungen verbreitet. Gegen diese sowie gegen eine unberechtigte Verwendung seiner Aufnahmen von der Tat in Nizza hat sich Gutjahr gewehrt.

Für seine Reporterleistungen u. a. in Nizza und in München wurde Gutjahr im Jahr 2016 vom Medium Magazin zum Reporter des Jahres (2. Platz) gewählt. In der Jury-Begründung hieß es: „Ein Vorreiter in der Digitalszene. 2016 bewies er in gleich drei großen Lagen, wie besonnene Reporterarbeit geht: beim Terroranschlag in Nizza, beim Anschlag in München und beim Mobile-Reporting-Experiment für den NDR bei der US-Wahl. Ein Gegenpol zu jenen, die sich in solchen Lagen zu gern im Spekulations-Dschungel verlaufen.“ Im Januar 2018 ließ er die Domain der rechtspopulistischen Zeitschrift Compact pfänden, nachdem diese für Prozesskosten nicht aufgekommen war, die entstanden waren, weil Gutjahr gegen ehrenrührige Verdächtigungen, die in Compact erschienen waren, eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte.„Ich hab dann mal die Domain gepfändet“: Wie sich Richard Gutjahr gegen das umstrittene Compact Magazin wehrt. meedia.de, 23. Januar 2018; Markus Reuter: Öffentlichkeit: Richard Gutjahr lässt Domain von rechtsradikalem Magazin Compact pfänden. netzpolitik.org, 23. Januar 2018. Im Juni 2018 verlor er einen Prozess vor dem Oberlandesgericht Köln gegen Gerhard Wisnewski wegen einer Passage in dessen Buch verheimlicht – vertuscht – vergessen, weil „die Darstellung Wisnewskis viel zu vage“ sei, „um sich überhaupt als Verdachtsberichterstattung zu qualifizieren“.

Gutjahr war bis Ende 2019 fester freier Mitarbeiter des BR; nach 22 Jahren beendete er dort seine Tätigkeit. In einem offenen Brief kritisierte er den BR und dessen Intendanten Ulrich Wilhelm für die aus seiner Sicht fehlende Unterstützung gegen die anhaltenden Angriffe von „Verschwörungstheoretikern, Neonazis und Reichsbürgern“. Laut Gutjahr hätten Wilhelm und dessen engste Mitarbeiter versucht, . Der Bayerische Rundfunk wies die Vorwürfe zurück und erklärte, der Brief enthalte . Weiter heißt es in der Stellungnahme:

2020 arbeitete Gutjahr bei Gabor Steingarts Firma Media Pioneer, wo er unter anderem den Technik-Podcast Tech-Briefing moderierte. Ende August beendete er seine Mitarbeit wegen Äußerungen Steingarts. Seit September 2020 produziert Gutjahr mit Don Dahlmann den T-Online-Podcast „Ladezeit“ zum Thema Elektromobilität.

Privates Richard Gutjahr war von 2007 mit der ehemaligen israelischen Knesset-Abgeordneten Einat Wilf verheiratet. Er hat eine Tochter (* 1994) und einen Sohn (* 2010).

Auszeichnungen 2006: Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftsjournalismus für die Reportagereihe Der Hartz Check, zusammen mit BR-Rundschau-Redaktionsleiter Peter Marder Ernst-Schneider-Preis; abgerufen am 10. Mai 2012 2011: Newcomer des Jahres (Medium Magazin)Die Journalisten des Jahres 2011, medium online, abgerufen am 10. Mai 2012 2012: Netzjournalist des Jahres 2011 (Die Zeit)Franziska Bulban, Alexandra Rojkov, Ulrich Stock, Heinrich Wefing, Falk Lüke, Jutta Schein, Evelyn Finger, Stefan Schmitt, Karsten Polke-Majewski, Khuê Pham: Unsere Internet-Top-Ten. In: Die Zeit, Nr. 1/2012. 2013: Nominierung für den Grimme Online Award; zum ersten Mal für die persönliche Leistung einer EinzelpersonSilke Liebig-Braunholz: Der „neue Journalismus“, Teil 2: Journalistenmarke schlägt Mittelmaß Fachjournalist, 7. Juli 2016; abgerufen am 3. Juli 2024 2016: Reporter des Jahres (2. Platz; Medium Magazin)

Schriften G! book: 50 ausgewählte Blogposts von Gutjahrs Blog, epubli, Berlin 2012, ISBN 3-8442-1735-5. 20 Trends für 35: Warum vieles besser wird, als Sie glauben, zusammen mit Frank Horn und Thomas Knüwer, tredition, Ahrensburg 2025, ISBN 978-3384695000.

Weblinks

gutjahr.biz richardgutjahr.de

Einzelnachweise

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