Das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München ist seit seiner Errichtung ab 1835 das zentrale Gebäude der Universität. Es beherbergt Einrichtungen wie das Rektorat, die Studentenkanzlei und eine große Anzahl von Hörsälen. Der Erstbau an der Ludwigstraße wurde zwischen 1835 und 1840 von dem Architekten Friedrich von Gärtner errichtet; 1906–1909 erfolgte eine große Erweiterung des Gebäudes in Richtung Amalienstraße durch German Bestelmeyer.

Der Bau von Gärtner gehört kunsthistorisch zu den wichtigen und frühen Vertretern des Rundbogenstils, einer Variante des Historismus, während die Erweiterung von Bestelmeyer als wichtiger Bau des Jugendstils und des Neoklassizismus im weiteren Sinne gelten kann.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Große Aula im Gärtner-Bau provisorischer Sitzungsort des bayerischen Parlaments, unter anderem wurde die Bayerische Verfassung hier beschlossen.

Städtebauliche Einbindung mini|hochkant|Historischer Stadtplan mit dem Universitätsforum am oberen Ende

Das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität bildet den westlichen Abschluss einer einheitlich gestalteten, forumsartigen Platzanlage am nördlichen Ende der Ludwigstraße im Münchner Stadtteil Maxvorstadt. Hier sollte sich zur Erbauungszeit nach den Vorstellungen des Auftraggebers Ludwig I. der nördliche, monumental ausgestaltete Eingang zur damaligen Residenzstadt München öffnen. Aus Symmetriegründen wurde deshalb das Hauptgebäude auf der entgegengesetzten Platzseite durch ein Ensemble ähnlich gestalteter Bauten ergänzt, u. a. durch das Georgianum. Der Platz selbst setzt sich heute aus den Teilbereichen Geschwister-Scholl-Platz im Westen vor dem Hauptgebäude und dem Professor-Huber-Platz auf der östlichen Seite der Ludwigstraße zusammen. Seit 1906 wird das Hauptgebäude auch durch einen zweiten Haupteingang von der Amalienstraße erschlossen, an der weitere Universitätsinstitute und die Akademie der Bildenden Künste liegen.

Das Hauptgebäude bildet heute das Zentrum einer campusartigen Verdichtung vieler Universitätseinrichtungen.

Baugeschichte Historische Vorläufer des heutigen Hauptgebäudes der Ludwig-Maximilians-Universität mini|Pfründnerhaus in Ingolstadt

Die Ludwig-Maximilians-Universität existiert als Institution bereits seit 1472. In diesem Jahr gründete Ludwig der Reiche in Ingolstadt die erste bayerische Universität. Als Hauptgebäude diente dort das ehemalige Pfründnerhaus, die sogenannte Hohe Schule. Weitere Universitätsgebäude waren unter anderem das zwischen 1723 und 1736 neu erbaute Anatomiegebäude. Im Jahr 1800 wurde die Universität nach Landshut verlegt. Dort diente das ehemalige Dominikanerkloster als Universitätsgebäude. 1826 wurde die Ludwig-Maximilians-Universität auf Beschluss König Ludwig I. nach München verlegt. Bis zum Neubau des noch heute bestehenden Hauptgebäudes durch den Architekten Friedrich von Gärtner an der Ludwigstraße war die Universität im Wilhelminum untergebracht.

Der Neubau Friedrich von Gärtners (1835–1840) mini|Ostfassade und Eingangsbereich des Gärtner-Baus

1826 beschloss König Ludwig I. einen Neubau der Ludwig-Maximilians-Universität, der am nördlichen Ende der damals erst halb fertiggestellten Ludwigstraße errichtet werden sollte. Dafür forderte Ludwig I. drei Architekten in Form eines Wettbewerbes dazu auf, einen ersten Entwurf für den Neubau nach seinen Vorstellungen zu entwerfen. Die ausgewählten Architekten waren: Johann Gottfried Gutensohn, Franz Christian Gau und Joseph Thürmer.Nadia von Seckendorff: Die Universität München. Der Bau Friedrich von Gärtners, München 1985, S. 13 ff.

Friedrich von Gärtner, der heutzutage neben Leo von Klenze als einer der wichtigsten Architekten unter Ludwig I. in Bayern gilt, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in das Bauvorhaben involviert. Erst im Jahre 1827 erhielt dann auch Friedrich von Gärtner den Auftrag, einen Entwurf für die Ludwig-Maximilians-Universität München vorzulegen und setzte sich letztendlich gegen die Planungsentwürfe seiner Mitstreiter durch, darunter auch Leo von Klenze.

Gärtners rechteckige Platzbildung und entsprechende Randbebauung im Gegensatz zur Kreisbogenanordnung nach dem Vorschlag von Klenzes überzeugten vor allem hinsichtlich der Kostenersparnis. Die Universität musste die Westseite einnehmen, da der östliche Platzbereich von der Veterinärstraße unterbrochen wird. Mit der quadratischen Form des Platzes wurde automatisch die Form der Universität als Dreiflügelanlage bestimmt, genauso wie die der Zweiflügelanlage auf dem Platz gegenüber. Die Architekten hatten zwar Freiraum in der Gestaltung des Gebäudes, dennoch unterlag ihnen ein genaues Raumprogramm, welches Ludwig I. vorschrieb.

Das Bauvorhaben wurde zunächst ausgesetzt und erst im Jahre 1832 wieder aufgenommen. Anzunehmen ist, dass auf Grund der Finanzkrise die Planung des Neubaus sich nochmals um zwei Jahre verschob und so erst im Jahre 1835 mit dem Bau begonnen werden konnte. Die Grundsteinlegung war am 25. August 1835, anlässlich des 49. Geburtstages König Ludwig I. Gleichzeitig wurde auch der Grundstein für den Neubau des schräg gegenüberliegenden Herzoglichen Georgianums gelegt.Nadia von Seckendorff: Die Universität München. Der Bau Friedrich von Gärtners, München 1985, S. 19 ff.

Erste Anbauten und Erweiterungen bis 1906 mini|Anatomische Anstalt in der Pettenkoferstraße

Der Universitätsbau Gärtners war nur für eine Kapazität von ca. 1500 Studenten ausgelegt. Die Zahl der Studierenden stieg jedoch bis zur Wende zum 20. Jahrhundert auf ca. 4500 an. So wurden bereits 1873 erste Klagen über die kontinuierlich wachsende Raumnot laut, so dass schon bald weitere Erweiterungsbauten notwendig wurden.Nadia von Seckendorff: Die Universität München. Der Bau Friedrich von Gärtners, München 1985, S. 24f.

Die ersten Baumaßnahmen fanden zur Regierungszeit König Ludwigs II. statt, als zwischen 1878 und 1881 an der Rückseite des Südflügels der noch heute bestehende Aulaturm gebaut wurde. Zusätzlich wurde zwischen 1892 und 1894 das Physikalische Institut als westliche Fortsetzung des Aulatraktes an den Südflügel angebaut. Eine weitere große Baumaßnahme war der Erweiterungsbau Emanuel Seidels, welcher zwischen 1897 und 1898 als westliche Fortsetzung des Nordflügels entlang der Adalbertstraße errichtet wurde. Auch wurden weitere Gebäude innerhalb Münchens angekauft bzw. errichtet, die ebenfalls zur Universität gehörten, aber nicht mit dem Hauptgebäudetrakt verbunden waren. So z. B. die 1905 bis 1907 errichtete Anatomische Anstalt in der Nähe des Sendlinger Tors oder die Universitätsbibliothek (1892).

Neben diesen Maßnahmen versuchte man bereits seit 1886 durch gezieltes Ankaufen von Grundstücken der immer größer werdenden Problematik des Platzmangels entgegenzuwirken. Vor allem versuchte man Grundstücke an der Amalien- und Adalbertstraße zu erwerben, also in unmittelbarem westlichen Anschluss an den Gärtner-Bau, um ein zusammenhängendes Areal für einen weiteren Universitätsneubau zu erschließen. Bereits 1902 war die Universität im Besitz von zehn Anwesen, und 1907 wurden die letzten Grundstücke erworben, so dass mit dem geplanten Neubau begonnen werden konnte.

Die große Erweiterung durch German Bestelmeyer (1906–1909) mini|Die neue Eingangsfassade des Bestelmeyer-Anbaus an der Amalienstraße (Foto 2012) mini|Blick in die Amalienstraße mit dem neuen Universitätsgebäude auf der rechten Seite um 1910

1906–1909 erfolgte dann die grundlegende Erweiterung des Universitätsgebäudes westwärts zur Amalienstraße hin. Die Pläne lieferte der junge Architekt German Bestelmeyer.

Die Erweiterung fiel in die Zeit, in der Bestelmeyer als Assessor am kgl. Landbauamt tätig war. Bevor er den Auftrag zur Erweiterung der LMU erhielt, nahm Bestelmeyer an verschiedenen Architektur- und Denkmalswettbewerben teil. Dadurch hatte sich u. a. die Zusammenarbeit mit Künstlern ergeben, die später bei der Ausstattung des Erweiterungsbaus beteiligt waren, wie dem Maler Wilhelm Köppen (Mosaikarbeiten) und dem Bildhauer Bernhard Bleeker (Porträtplastik Prinzregent Luitpold). Bestelmeyers reichhaltiges Ausstattungsprogramm erforderte jedoch ein ganzes Team bildender Künstler, so waren zudem noch Josef Flossmann, Hermann Hahn und Ulfert Janssen (Plastiken in der Aula) beteiligt. Die Fassadenplastiken wurden von Georg Albertshofer geschaffen. Zusammen mit Köppen und Janssen unternahm Bestelmeyer sogar eine Studienreise nach Florenz, deren Anlass die künstlerische Ausstattung der Aula war.Florian Koch: German Bestelmeyer, München 2001

Bemerkenswert ist, dass der ursprüngliche, weitaus konventionellere Entwurf für die Erweiterung der LMU nicht von Bestelmeyer, sondern von dessen Vorgesetzten Oberbaurat von Stempel stammte. Letztlich überzeugte aber der Entwurf Bestelmeyers, und so gelangte dieser zur Ausführung. Ab dem 1. April 1906 übernahm Bestelmeyer die Leitung des Baubüros für den Erweiterungsbau der LMU. Nach erfolgreichem Abschluss des Erweiterungsbaus wurde Bestelmeyer 1909 von der Universitätsleitung die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät verliehen.

Kriegszerstörung und Wiederaufbau Bei den Luftangriffen auf München im Zweiten Weltkrieg kam es zur starken Zerstörung des gesamten Forumkomplexes und auch des Hauptgebäudes. Vor allem bei dem Angriff am 13. Juli 1944 erlitt das Hauptgebäude durch Spreng- und Brandbomben sehr schwere, doch unterschiedlich verteilte Schäden. Die Dachzonen gingen nahezu vollständig verloren. Der Altbau Friedrich von Gärtners brannte aus und wurde am schwersten beschädigt. Seine Fassade im 2. Stock des Mittelbereiches erhielt eine etwa fünf Achsen breite Fehlstelle. Auch die Schildwand über der Haupttreppe wurde zerstört, und die neuen Raumausstattungen Bestelmeyers für das im ersten Obergeschoss des Gärtner-Baus angesiedelte Rektorat gingen verloren. Der nördliche Erweiterungsbau von 1897/98 an der Adalbertstraße wurde weitgehend vernichtet. Erheblich weniger beschädigt wurde dagegen der gesamte Erweiterungsbau von German Bestelmeyer, wo zahlreiche Details wie Beleuchtungskörper, Türen mit Beschlägen und Fußbodenflächen heute noch original erhalten sind. Zu den wenigen größeren Sälen, die den Krieg in München unbeschädigt überstanden, gehört die von Bestelmeyer umgestaltete Große Aula. Ein Grund für diese deutlich bessere Erhaltung der jüngeren Teile dürfte in der umfangreichen Verwendung des neuen und feuerresistenten Werkstoffes Beton für Decken und Gewölbeschalen liegen.Nadia von Seckendorff: Die Universität München. Der Bau Friedrich von Gärtners, München 1985, S. 29 ff.

Infolge der Bombenzerstörung 1944 konnte der Lehrbetrieb nur noch rudimentär aufrechterhalten werden.Luise Dirscherl (Hrsg.): Die Ludwig-Maximilians-Universität München in Geschichte und Gegenwart. Verlag Lutz Garnies, Haar 2010, S. 149.

mini|hochkant|Rückseite des Gebäudes (Amalienstraße 17)

Nach dem Krieg erfolgte zunächst nur eine notdürftige Wiederherstellung des Gebäudes ohne den Großen Lichthof, so dass die Universität bereits im Sommersemester 1946 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Der folgende Wiederaufbau wurde vorwiegend 1946–1951 durch das Universitätsbauamt ausgeführt und folgte weitgehend den Konzepten Friedrich von Gärtners und German Bestelmeyers. Bis 1953/55 wurden die Fassade auf der Forumsseite und das Mittelvestibül im 1. Stock des Gärtner-Baus originalgetreu rekonstruiert. Das Vestibül im 2. Stock wurde dagegen neu gestaltet. Bis 1958 wurden die meisten Schäden am gesamten Universitätsgebäude behoben, und am 12. Juni 1958 konnte die feierliche Wiedereröffnung des restaurierten Lichthofes begangen werden. Insgesamt kostete die Instandsetzung ca. 8.500.000 DM (unter Berücksichtigung der Inflation entspricht dies heute ca. EUR).Nadia von Seckendorff: Die Universität München. Der Bau Friedrich von Gärtners, München 1985, S. 29.