mini|Überblick über das Münchner Fahrradwegenetz Der Radverkehr spielt in München eine wichtige Rolle im städtischen Mobilitätsmix. Der Anteil des Fahrrads am Gesamtverkehr (Modal Split) hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt: von 10 % im Jahr 2002Landeshauptstadt München: Evaluationsbericht der Fahrradmarketingkampagne „Radlhauptstadt München“. November 2011, abgerufen am 20. Oktober 2013 (PDF; 764 kB). auf rund 21 % im Jahr 2023. Damit liegt München über dem bundesweiten Durchschnitt, aber hinter Spitzenreitern wie Münster (44 %) oder Freiburg (34 %).
Mit der Annahme der beiden Bürgerbegehren „Radentscheid München“ und Altstadt-Radlring durch den Stadtrat am 24. Juli 2019 wurde eine ambitionierte Zielsetzung für die weitere Förderung des Radverkehrs beschlossen. Die Stadt weist zudem (Stand 2026) über 100 Fahrradstraßen aus – so viele wie keine andere deutsche Großstadt – und hat über 400 Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet. Der erste von sechs geplanten Münchner Radschnellwegen ist die 23 Kilometer lange Verbindung zwischen München, Unterschleißheim und Garching, die seit September 2022 in Bau ist.
Entwicklung Bereits seit 1986 erstellt die Stadtverwaltung Verkehrsentwicklungspläne Radverkehr, eine besondere Form eines Verkehrsentwicklungsplans, der gezielt die Bedürfnisse von Radfahrern berücksichtigt und die Fahrradkultur verbessern will. Anfangs wurden vorwiegend Fahrradwege gefördert, in der aktuellen Fassung seit 2002 hat sich der Schwerpunkt auf integrierte Lösungen verschoben, so dass Verkehrsführungen an besonders kritischen Punkten, aber auch Abstellmöglichkeiten und die Umsteigebeziehungen zum Öffentlichen Personennahverkehr, insbesondere der U-Bahn München verbessert werden. 2010 (PDF-Datei; 4,1 MB), auf radlhauptstadt.muenchen.de, abgerufen am 18. Juli 2014 Am 24. Juli 2019 übernahm der Stadtrat die Ziele des „Radentscheid München“ inklusive der Einrichtung eines Altstadt-Radlrings.Radentscheid: Münchner Stadtrat stimmt für Umsetzung – was das nun bedeutet, Münchner Merkur vom 25. Juli 2019 Dieser Beschluss ist seitdem prägend für die Radverkehrsplanung in München.
Infrastruktur Da rund 85 %LH München: , auf muenchen.de des Münchner Straßennetzes als Tempo-30-Zone ausgewiesen ist, besteht dort kein Bedarf für besondere Einrichtungen für den Radverkehr, außer ggf. der Einrichtung von Fahrradstraßen sowie der Kennzeichnung von für den Radverkehr durchlässigen Sackgassen und der Öffnung von Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung. Im Oktober 2021 hat der Stadtrat daher den Rückbau von Radwegen in Tempo-30-Zonen beschlossen.Sitzungsvorlage 20-26 / V 03312 (Endgültiger Beschluss)
Die Stadt München weist seit 2013 verstärkt Fahrradstraßen aus, die meist Teil der ausgeschilderten Fahrradrouten sind.LH München: Fahrradstraßen An der Pilotstrecke in der Clemensstraße in Schwabing wurde 2019 eine Bevorrechtigung der Fahrradstraße gegenüber kleineren Nebenstraßen eingeführt. Außerdem wurden hier linienhaft Sicherheitstrennstreifen zu parkenden Autos markiert, um der typischen Gefahr durch rücksichtslos geöffnete Autotüren (Dooring-Unfälle) zu begegnen, indem Radfahrer weiter in der Fahrbahnmitte fahren. Nachdem München bei der Einbahnstraßenöffnung lange hinter diversen Städten in Norddeutschland zurückgeblieben war, die bereits um das Jahr 2000 annähernd sämtliche Einbahnstraßen (in Tempo-30-Zonen) für beide Richtungen des Radverkehrs freigegeben hatten, wird das Thema seit einem entsprechenden Beschluss des Münchner Stadtrats 2008 deutlich forciert. Inzwischen (Stand Oktober 2024) sind 95 Straßenabschnitte in München als Fahrradstraßen ausgewiesen und knapp 400 von etwa 700 Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr geöffnet.
Etwa 260 km Fahrradrouten verlaufen in Grünanlagen und auf landwirtschaftlichen Wegen am Stadtrand. Dazu gehört auch der Isar-Radweg, der vollständig kreuzungsfrei ausgebaut entlang der Isar durch das Stadtgebiet verläuft. In den Erschließungsstraßen verlaufen rund 450 km Fahrradrouten. An Hauptverkehrsstraßen sind etwa 500 km Radwege, Radfahrstreifen und Schutzstreifen eingerichtet. Zwischen 1992 und 2010 wurden hierfür insgesamt rund 22 Millionen Euro ausgegeben. Die Nahmobilitätspauschale, aus der in erster Linie Projekte für den Radverkehr finanziert werden, wurde seitdem mehrfach erhöht: Im Jahr 2015 hat sie sich von zuvor unter 5 Millionen Euro jährlich auf 10 Millionen Euro pro Jahr mehr als verdoppelt.Sitzungsvorlage 14-20 / V 02702 (Endgültiger Beschluss) Seit 2020, nach der Annahme des Radentscheids, stehen 25 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Hinzu kommen Verbesserungen für Radfahrer, die im Rahmen von anderen laufenden Infrastrukturprojekten durchgeführt werden und aus dessen Budget finanziert werden, weswegen genauere Angaben nicht vorliegen.
Radnetz mini|Beschilderung der Münchner FahrradwegeVierzehn sternförmig angelegte Hauptfahrradrouten führen von den Außenbezirken in die Münchner Innenstadt. Sie werden radial durch drei Ringe zu einem Radverkehrsnetz verbunden. Der innerste Ring führt um die historische Münchener Altstadt, der zweite liegt etwa auf Höhe des Mittleren Rings, und der dritte Ring ist der Äußere Radlring. Außerhalb der Stadt liegt der RadlRing München, der vorwiegend für den Freizeitverkehr gedacht ist. Die Radrouten sind einheitlich beschildert, und die Hinweisschilder sind mit Entfernungsangaben zu bedeutenden Zielen versehen. In dem von der Stadt München herausgegebenen und regelmäßig aktualisierten Radl-Stadtplan sind darüber hinaus empfohlene Nebenrouten und weitere Radverkehrsverbindungen eingetragen.
Im Rahmen des Bürgerbegehrens „Radentscheid München“ (Ziel 2: „Rad-Vorrangnetz“Umsetzung Ziel 2: Rad-Vorrangnetz, auf radentscheidmuenchen.de) wird seit 2020 an einer aktualisierten, priorisierten Netzplanung gearbeitet. Die Initiative MunichWays von Green City e. V. bewertet alle Münchner Radstrecken nach festen Kriterien und stellt sie auf einer interaktiven Karte dar – von gemütlich (grün) bis sehr stressig (schwarz). Ziel ist es, Lücken im Rad-Vorrangnetz sichtbar zu machen und deren Schließung zu beschleunigen. Grundlage sind Daten aus OpenStreetMap.Das RadlVorrang-Netz – Ein Radlnetz für München auf munichways.de
Winterdienst auf Radwegen mini|hochkant|Schneeflocken-Piktogramm für Radwege mit optimiertem Winterdienst In der Wintersaison 2023/24 wurde mit dem ersten von zwei Pilotversuchen für einen optimierten Winterdienst auf Radwegen begonnen, das auch den Einsatz auftauender Mittel (Sole) umfasst. Die insgesamt zehn Pilotrouten werden durch ein Schneeflockenpiktogramm kenntlich gemacht. Darüber hinaus umfasst der prioritäre Winterdienst für den Radverkehr ein Netz von rund 800 Kilometern Länge. Dieses Kernnetz, das unter anderem wichtige Hauptverbindungen, Schulwege sowie Anbindungen an Haltestellen des ÖPNV und den Radschnellweg umfasst, wird vom Baureferat vorrangig geräumt und gestreut. Zielsetzung der Stadtverwaltung ist es, die Befahrbarkeit dieser Routen bis zum Beginn des morgendlichen Berufsverkehrs gegen 7 Uhr sicherzustellen. Während auf Fahrbahnen überwiegend Feuchtsalz eingesetzt wird, kommen auf baulich getrennten Radwegen zumeist Streusplitt oder Salz-Splitt-Gemische zur Anwendung. In Kategorie I, den sogenannten „Winterrouten“, wird innerhalb von zwei Stunden geräumt. In Kategorie II, den sonstigen Radverkehrsanlagen, wird innerhalb von drei Stunden geräumt.
Radentscheid München und Altstadt-Radlring mini|Übergabe der Unterschriften an Oberbürgermeister Dieter Reiter am 4. Juli 2019 Nachdem im Frühling 2019 die Initiatoren binnen weniger Monate mehr als 160.000 Unterschriften für die beiden Bürgerbegehren „Radentscheid München“ und Altstadt-Radlring gesammelt hatten, wurden diese am 24. Juli 2019 vom Stadtrat vollumfänglich übernommen. Die Verwaltung wurde gleichzeitig mit der Planung und Umsetzung der Ziele und Maßnahmen der beiden Bürgerbegehren beauftragt. Die bestehenden Fahrradhauptrouten sollten demnach bis 2025 zu einem durchgängigen und leistungsfähigen Rad-Vorrangnetz ausgebaut werden. Dies geschieht im Zweifel auf Kosten der Flächen für den Autoverkehr, während Fußverkehr, ÖPNV und Stadtgrün nicht beeinträchtigt werden sollen.
Verteilt auf fünf Maßnahmenbündel hat der Stadtrat zwischen Dezember 2019 und Dezember 2022 Planungsaufträge für die Radentscheid-konforme Umgestaltung von 55 Straßen und Kreuzungen in München beschlossen. Die ersten drei dieser Projekte (Querung der Stadelheimer Straße sowie die Umgestaltung der St.-Magnus-Straße und Zeppelinstraße) wurden 2024 fertiggestellt.Stadelheimer Straße: Fahrradfreundlichere Raumaufteilung,Rathaus Umschau 134/2023 vom 17. Juli 2023 Weitere Projekte werden schrittweise geplant und gebaut. Trotz erster Fortschritte wird die Umsetzung der Bürgerbegehren von den Initiatoren als zu langsam kritisiert.Wo ist unser Altstadt-Radlring? auf der Webseite des Radentscheids München
Mieträder mini|Mietradstation der MVG in München mini|oBike In München stellte die MVG (in Kooperation mit nextbike) seit 2015 zunächst 1200 Fahrräder an 125 Standorten zur Verfügung., auf .muenchen.de Nach stetigem weiteren AusbauStadtrat beschließt Ausweitung der MVG-Rad-Flotte, Rathaus Umschau 26/2017 vom 7. Februar 2017 waren es Stand 2023 rund 4500 Fahrräder.MVG Rad auf mvg.de Seit 2019 waren auch im Landkreis München mittlerweile 186 Mietrad-Stationen für das MVG Rad errichtet worden.Broschüre MVG in Zahlen MVG Rad stellte 2025 den Betrieb ein; sämtliche Mietstationen wurden abgebaut. Stattdessen startete ab Mai 2026 ein neues System unter dem Namen MyRadl, das ebenfalls von nextbike betrieben wird.
1500 Mieträder stellt Call a Bike der Deutschen Bahn bereit.
Der Anbieter oBike hatte im August 2017 in kurzer Zeit 6800 Räder verteilt, diese aber nach starker Kritik am Vorgehen und der Qualität, mangelnder Annahme und vielen Fällen von Vandalismus im April 2018 wieder auf 1000 Räder reduziert. In: br.de, 4. April 2018 oBike meldete später Insolvenz an; die übrigen – oft beschädigten oder zerstörten – Fahrräder wurden nach der Androhung einer Beseitigungsanordnung entfernt.
Veranstaltungen Seit 2024 findet jährlich die Radl-Dult auf dem Mariahilfplatz statt, ausgerichtet vom Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München. Sie besteht aus einem Radlfest und einem Radlflohmarkt und ist die Nachfolgeveranstaltung des Radlflohmarkts im Zenith. 2025 zählte die Veranstaltung rund 8000 Besucher. Von 2009 bis 2019 fand jährlich im Sommer die Münchner Radlnacht statt, die nach der Corona-Pandemie bislang nicht wieder aufgenommen wurde. In den Jahren 2016, 2017 und 2018 wurde im April das SattelFest im Olympiapark veranstaltet.https://www.olympiapark.de/de/veranstaltungen/sattelfest-n2073 Veranstaltungshinweis: SattelFest 2016 auf der Webseite des Olympiaparks München Auch das Radkulturfestival RadlKULT, auf radlhauptstadt.muenchen.de im Juni gibt es nicht mehr. München beteiligt sich jedes Jahr an der deutschlandweiten Aktion Stadtradeln und hat dabei von 2019 bis 2022 jeweils den ersten Platz in der entsprechenden Kategorie belegt. 2023 wurden von 17.785 aktiv Radelnden mit fast 3,5 Millionen gefahrenen Kilometern innerhalb des dreiwöchigen Aktionszeitraums über 550 Tonnen CO2-Ausstoß vermieden.Überblicksseite München auf stadtradeln.de
Kampagnen Ab 2010 nutzte die Stadt München die Kampagne „Radlhauptstadt“ für ihre Öffentlichkeitsarbeit – mit dem Anspruch, eine Fahrradstadt zu werden. Politische und finanzielle Grundlage dafür war der Grundsatzbeschluss Radverkehr von 2009, der unter anderem zentrale Erkenntnisse zum Thema Fahrradmarketing aus der VeloCity-Konferenz 2007 zog, die in München durchgeführt wurde. 2017 wurde der Grundsatzbeschluss fortgeschrieben. Mittlerweile wurde die Radlhauptstadt-Kampagne allerdings durch das Motto „München unterwegs“ abgelöst, das verschiedene Verkehrsmittel in der Stadt unter einer Dachmarke bewirbt.
Radfernwege und Radschnellverbindungen