Die Straßenbahn Bremen ist das wichtigste Verkehrsmittel des öffentlichen Nahverkehrs in Bremen. Das normalspurige Netz mit einer Linienlänge von 110,5 Kilometern und einer Gleislänge von 186,9 Kilometern in Bremen und Lilienthal wird von der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) betrieben. Die erste elektrische Straßenbahn verkehrte 1892. Nach einer Phase der Stagnation wird das Streckennetz seit 1998 schrittweise ausgebaut. Seit 2013 sind im Liniendienst ausschließlich Niederflurwagen eingesetzt. Der zweite Straßenbahnbetrieb im Land Bremen war die Straßenbahn Bremerhaven.

Streckennetz Das Stadtgebiet wird außer im Bereich Bremen-Nord in seiner an der Weser entlang gezogenen Verdichtungszone sowie in einigen Siedlungsschwerpunkten nördlich und südlich der Innenstadt von Straßenbahnlinien erschlossen. Seit den späten 1990er Jahren werden Schritte zur Anbindung von weiter außerhalb des Stadtgebietes gelegenen Siedlungen und Vorstädten unternommen. Zentrale Knotenpunkte sind der Hauptbahnhof, die Kreuzung Am Brill und die Domsheide.

Die Tageslinien fahren montags bis samstags im 10-Minuten-Grundtakt. In der Schulzeit wird morgens und nachmittags zeitweise alle 7,5 Minuten gefahren. Eine Ausnahme ist die Strecke von Borgfeld nach Lilienthal, welche grundsätzlich alle 20 Minuten bedient wird. In der HVZ wird das Angebot auf einen 15-Minuten-Takt verstärkt. Im Spätverkehr, samstagmorgens und sonntags wird das ganze Netz im 20-Minuten-Takt befahren. Sonntagmorgens verkehrt alle 30 Minuten eine Bahn.

Linien mit nachgestelltem „S“ (1S, 4S und 5S) sind Straßenbahnschnelllinien, die weniger Haltestellen anfahren und deshalb schneller von einer Endhaltestelle zur anderen oder in die Innenstadt fahren. Vor Einführung von Matrixanzeigen waren sie als Besonderheit mit einer roten Liniennummer gekennzeichnet.

Linien mit vorangestelltem „N“ (N1, N4, N10) sind Nachtlinien, die täglich ab etwa 23:30 Uhr statt einiger Tageslinien auf gleicher Strecke fahren. Die Bedienung erfolgt stündlich. Die übrigen Tageslinien fahren nachts nicht.

Die Bremer Straßenbahn fährt mit Einrichtungswagen, so dass an den Endhaltestellen Wendeschleifen oder Wendedreiecke notwendig sind.

Die Linienübersichten sind unter Nahverkehr in Bremen zu finden.

Linienübersicht LinieLinienwegFahrzeitTakt (in der Hvz)HaltestellenHuchting, Roland-Center – Am Brill – Hauptbahnhof – Osterholz – Bf Mahndorf58 Min.7/8 Min.44SebaldsbrückWegen Bauarbeiten verkehrt die Linie 2 ab der Haltestelle Bennigsenstraße zwischen Juli 2023 und 17. August 2025 größtenteils zur Haltestelle Weserwehr. Die Strecke zwischen Bennigsenstraße und Sebaldsbrück wird durch die Linie 2 nur noch im Spät-/Wochenendverkehr bedient. Gemäss VBN-Fahrplanauskunft fährt die Linie 2 ab 18.08.2025 wieder ganztägig nach Sebaldsbrück. – Bf Sebaldsbrück – Am Brill – Bf Walle – Gröpelingen45 Min.10 Min.33Weserwehr – Weserstadion – Am Brill – Europahafen – Gröpelingen36 Min.10 Min.29Lilienthal – Borgfeld – Hauptbahnhof – Huckelriede – Arsten65 Min.5 Min.49Bürgerpark – Hauptbahnhof-Nord/Messe – Hauptbahnhof – Europahafen – Gröpelingen21 Min.20 Min.14Universität Nord – Schwachhausen – Hauptbahnhof – Flughafen – Flughafen Süd33 Min.6 Min.25Kulenkampffallee – Hauptbahnhof – Am Neuen Markt – Huchting, Roland-Center30 Min.20 Min.22Sebaldsbrück – Bf Sebaldsbrück – Hauptbahnhof – Bf Walle – Gröpelingen45 Min.10 Min.32

Liniennetz Das Bremer Straßenbahnnetz besteht aus 8 Linien, zusätzlich verkehren 3 Schnelllinien und 3 Nachtlinien. Das Liniennetz ist radial aufgebaut und verbindet die Innenstadt mit den Stadtteilen. Der Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Am Dobben, nördlich der Innenstadt, welcher von den Linien 1, 4 und 10 bedient wird, ist der meistbefahrene im Netz. Auf der zentralen Nord-Süd-Achse durch die Innenstadt zwischen dem Hauptbahnhof und Wilhelm-Kaisen-Brücke verkehren die Linien 4,6 und 8. Neben diesem besteht eine Innenstadtachse durch die zentrale Obernstraße (Linien 2 und 3), sowie eine zwischen dem Hauptbahnhof und Am Brill (Linie 1). Die Linien 5 und 10 bedienen den innenstadtnahen Hauptbahnhof.

Dabei bilden die Linien 2, 3, 5 und 10 ein Linienbündel, welche vor allem über Gröpelingen den Bremer Norden und die Östliche Vorstadt/Hemelingen als zentrale Ost-West-Achse anbinden. Der Umstiegsknoten Gröpelingen ist die meistbefahrene Straßenbahnstation außerhalb der Mitte. Dort enden unüblicherweise 4 Linien gemeinsam. Die Linien 1 und 4, sowie 6 und 8 ergänzen sich nördlich der Innenstadt auf einem gemeinsamenen Abschnitten, die Linien 1 und 8, sowie 4 und 6 südlich der Innenstadt. An insgesamt 12 Stationen im Bremer Straßenbahnnetz halten mindestens 3 Linien.

Die Linie 4 ist die Linie mit der längsten Fahrzeit, den meisten Stationen und der längsten Strecke. Nach der Verlängerung nach Lilienthal ist sie die einzige, welche über die Landesgrenze hinaus nach Niedersachsen verkehrt.

Geplante Änderungen der Linienführung Im Zuge der Verlängerung der Linie 1 nach Mittelshuchting kommt es zu teilweisen Änderungen im Liniennetz. Ab März 2027 soll die Linie 1 nicht mehr bis nach Mahndorf, sondern über den Hauptbahnhof zur Universität führen. Die Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und Mahndorf bedient dann die neu geschaffene Linie 9. Diese verstärkt zusätzlich die Linie 6 auf dem Abschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen.

Geschichte der Linienführung Pferdebahn mini|Pferdebahn vor dem 1889 eröffneten Hauptbahnhof

Ein Jahr nach der Inbetriebnahme des Riensberger Friedhofs eröffnete die Actiengesellschaft Bremer Pferdebahn nach nur sechswöchiger Bauzeit am 4. Juni 1876 die erste Pferdebahn­strecke zwischen dem Herdentor am Rand der Bremer Altstadt und der Vahrster Brücke (beim Knick der Schwachhauser Heerstraße in Riensberg). (ehemalige BSAG-Website im Internet-Archiv, 28. Februar 2014). Im Folgejahr 1877 wurde sie nach Horn verlängert. (ehemalige BSAG-Website). mini|247x247px|Bremer Pferdebahn auf dem 150-jährigem Jubiläum der BSAG 2026 Am 3. November 1879 wurde vom Konkurrenzunternehmen „Große Bremer Pferdebahn“ die zweite Pferdebahnlinie von Hastedt nach Walle eröffnet, die in den Grundzügen noch heute als Linie 2 besteht. Am 5. August 1880 kam die Strecke vom Markt zum Buntentor hinzu, auf der erstmals die Weser überquert wurde, 1881 die „Ringbahn“ Nordstraße – Markt – Am Dobben – Bahnhof – Kaiserstraße (Bgm.-Smidt-Straße). In den folgenden Jahren sind die Strecken vom Herdentor in die Stadt zur Börse (1883)Volker Junck: Jubiläum am Schüsselkorb - Verlängerung der Pferdebahn heute vor 125 Jahren, Weser-Kurier vom 4. Juni 2008. und vom Buntentor zum Arsterdamm (1884) verlängert worden. 1888 wurde eine neue Linie vom Freihafen zur Faulenstraße eröffnet und 1889 durch die Langenstraße zur Börse verlängert. Ebenfalls 1889 wurde die Linie zum Hohentor eröffnet.

Elektrifizierung mini|links|Teilplan zu Beginn des 20. Jahr­hunderts mit Straßen­bahn­strecken mini|Die erste elektrische Straßenbahn Bremens 1890 mini|Straßenbahn in der Straße Vor dem Steintor um 1900

1890 wurde anlässlich der Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrieausstellung im Bremer Bürgerpark die Strecke von der Börse zum Ausstellungsgelände von der Bremer Pferdebahn in Zusammenarbeit mit der Thomson-Houston Electric Company aus Boston versuchsweise elektrifiziert. Erstmals in Deutschland war der Stromabnehmer vom Wagen gestützt und hing nicht an der Oberleitung. Die Anlage wurde nach Ausstellungsende konzessionsgemäß wieder abgebaut. Das System hatte sich aber so gut bewährt, dass sich die „Bremer Pferdebahn“ 1891 in „Bremer Straßenbahn“ umbenannte und zum 1. Mai 1892 die Linie Börse – HornAndreas Mausolf und Wilhelm Esmann, Bremer Straßenbahnen 1892-1992 / 100 Jahre elektrischer Linienbetrieb, ISBN 978-90-288-5283-9 Textauszug dauerhaft elektrisch betrieb. Im folgenden Jahr wurde auch die Linie zum Hohentor auf elektrischen Betrieb umgestellt. Lediglich die Linie im Freihafen wurde bis 1909 weiter mit Pferden betrieben und dann ganz eingestellt.

1899 fusionierte die „Bremer Straßenbahn“ mit der „Große Bremer Pferdebahn“ zur „Bremer Straßenbahn“. 1900 wurden auch fast alle durch die Fusion hinzugekommenen Strecken elektrifiziert. Die letzte verbliebene Pferdebahn in Bremen war die kurze Verbindung von der Hastedter Heerstraße zur Sebaldsbrücker Heerstraße. Begründet wurde das mit der ebenerdigen Querung der Bahnstrecke nach Osnabrück, deretwegen dort keine Oberleitung gebaut werden könne. Allerdings gab es andernorts vereinzelt Kreuzungen elektrischer Straßenbahnen mit Eisenbahnen. Elektrischen Betrieb nach Sebaldsbrück gab es erst ab 1913, nachdem die Eisenbahn hochgelegt und untertunnelt worden war. Es ist nicht geklärt, ob die Pferdebahn hier nur bis 1911 oder bis 1913 fuhr. Danach gab es in Bremen keine Pferdebahn mehr. Zur technischen Unterstützung (Geräte- und Transportwagen) wurden die letzten Pferdegespanne erst 1935 abgeschafft.

Mitte der 1930er Jahre wurden die Oberleitungen tiefer gehängt, um den Einsatz von Bügelstromabnehmern ab 1937 zu ermöglichen. Und auch die Weichen wurden elektrisch: Ende 1934 gab es 15, ein Jahr später schon 27 elektrisch gesteuerte Weichen.

1900 bis 1908 In den Folgejahren wurde das Netz ausgebaut. 1900 entstand die Ringbahn (später benannt als Linie 1), 1901 der erste Abschnitt der Linie 7 nach Woltmershausen, ebenfalls 1901 wurde die Linie 2 von Walle nach Gröpelingen verlängert. Die sechs Kilometer lange Linie 8 von Gröpelingen bis zur damaligen Landesgrenze nach Burg ist von einem Burger Gemeindekomitee durchgesetzt und 1903 nach vier Monaten Bauzeit eröffnet worden Burger erkämpften ihre Linie 8 – Vor 75 Jahren kam die erste Straßenbahn von Bremen, Weser-Kurier vom 2. August 1978, S. III, online nur für Abonnenten und Vor 100 Jahren wurde die Linie 8 eröffnet NOR vom 11. Juli 2003. Als 1905 die heutige Hermann-Böse-Straße erbaut wurde, erhielt sie eine Straßenbahnstrecke bis zum damals neu geschaffenen Platz Am Stern.

1908 wurden Liniennummern von 1 bis 8 eingeführt, um den Fahrgästen die Orientierung zu erleichtern.

+ Linienverlauf der Straßenbahnen 1908Hans-Otto Busche: Linienführung 1920, in: Zauber der Kulissen, Weser-Kurier vom 19. Oktober 1960, S. 6, online nur für Abonnenten  LinieStreckenabschnitt1(Ringbahn) Hauptbahnhof – Breitenweg – Düsternstraße – Panzenberg – Utbremer Straße – Hansastr. – Europahafen – Heinkenstr. – Langenstr. – Markt – Ostertor – Dobben – Hauptbahnhof 2Gröpelingen (Lindenhofstr.) – Brill – Markt – Hastedt (Depot), weiter als Pferdebahn bis Sebaldsbrück (Zeppelinstr.)3Holzhafen / Emder Str.Laut der zitierten Quelle „AG Weser“, dies ist für 1908 offensichtlich falsch, da die Strecke dorthin frühestens 1921 gebaut wurde. Die 1908 genutzte Endstelle wurde bei ihrer Erbauung um 1900 als „Holzhafen“ und um 1920 in gleicher Lage als „Emder Str.“ bezeichnet. – Brill – Markt – Hohwisch (Betriebshof)4Horn – Dobben – Hauptbahnhof – Börse5Bürgerpark – Hauptbahnhof – Markt – Arsterdamm6Bürgerpark – Hauptbahnhof – Brill – Pappelstr.7Parkallee (Am Stern) – Hauptbahnhof – Markt – Woltmershausen (Duntzestr.)8Gröpelingen (Lindenhofstr.) – Burg (Lesumbrücke)

1909 bis 1920 Mit der neuen Linie 9 von der Hemmstraße über Admiralstraße – Findorfftunnel – Hauptbahnhof zur Sankt-Jürgen-Straße bekam 1913 auch Findorff einen Anschluss an das Straßenbahnnetz. Die Strecke ins westliche Schwachhausen wurde 1911 vom Stern bis zur Wachmannstraße und 1914 bis zur Hartwigstraße verlängert.

In der Neustadt wurde die heutige Friedrich-Ebert-Straße neu gebaut, im Oktober 1914 wurde dort eine neue Strecke bis zur Gastfeldstraße eröffnet und durch die Linie 5 bedient. Deren alte Strecke durch den Buntentorsteinweg übernahm erstmals die Linie 4.

Der Erste Weltkrieg bremste den Ausbau des Netzes.