Steinbach-Hallenberg ist eine Stadt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen und staatlich anerkannter Erholungsort. Die Stadt hat rund 9000 Einwohner.
Geografie Die Stadt liegt im Haseltal am Südwesthang des Thüringer Waldes (etwa 4 km südlich des Rennsteigs) in etwa 420 bis 470 m Höhe. Die Gewerbegebiete der Stadt finden sich im Wesentlichen in Herges-Hallenberg.
mini|hochkant=1.4|Steinbach-Hallenberg, Blick nach Süden Stadtgliederung Die Stadt setzt sich aus folgenden Ortsteilen zusammen: Altersbach Bermbach Herges-Hallenberg Oberschönau Rotterode Steinbach-Hallenberg Unterschönau Viernau
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Christes, Floh-Seligenthal, Kühndorf, Oberhof, Schmalkalden, Schwarza und Zella-Mehlis.
Geschichte miniatur|links|Ausschnitt einer Karte des Amtes Schmalkalden, Joist Moers, 1589 Die Anfänge von Steinbach-Hallenberg sind eng mit der Geschichte der jetzigen Ruine Hallenburg verbunden. Die Besiedlung des Steinbach-Hallenberger Grundes (Haseltal) vollzog sich vermutlich seit dem 12. Jahrhundert. Am 24. Oktober 1303 trennte die damalige Landesherrin von Schmalkalden, Markgräfin, Anna von Brandenburg, die Kapelle St. Marie in Steinbach von der Schmalkaldener Mutterkirche. In dieser Urkunde findet das heutige Steinbach-Hallenberg seine erste dokumentierte Erwähnung. Ältere belegte Zeugnisse liegen jedoch von der Hallenburg vor. So wird im Jahre 1228 Reginhard von Hallenberg genannt. Es ist zu vermuten, dass bereits in diesem Jahr eine Siedlung unter der Hallenburg bestanden hat. Erwähnenswert ist ebenso, dass sich die Burg unter den von Kaiser Otto IV. im Jahre 1212 zerstörten Schlössern befunden haben soll. Die dynastische Kleinherrschaft der Herren von Haldenberg könnte sogar bis in die Anfänge des 12. Jahrhunderts zurückgehen, da der Grenzverlauf der Reinhardsbrunner Klosterurkunden aus dem Jahre 1111 Rückschlüsse auf ein Herrschaftsgebiet um die Hallenburg zulässt.
Am 18. Juli 1595 wurde der Gemeinde Steinbach unter Hallenberg das Schank- und Braurecht, im Juni 1669 das Marktrecht und am 30. Juni 1936 das Stadtrecht verliehen.
Unter- und Obersteinbach Die Stadt Steinbach-Hallenberg entstand aus ursprünglich zwei selbstständigen Siedlungen. Die Karte „Warhaffter Abriss der Herrschaft Schmalkalden“ aus dem Jahre 1589 zeigt Undern Steinbach und Obern Steinbach. Obersteinbach wurde von den Siedlungen am Schlossberg und an der „Burg“ (heutige Moosburgstraße) gebildet. Untersteinbach hingegen entwickelte sich aus einer Siedlung, die entlang des im Erbstal fließenden Gewässers bestand. Beide Siedlungen gehörten vom 16. Jahrhundert bis 1822 zum Amt Hallenberg (seit 1619 zur hessischen Herrschaft Schmalkalden), woraus später der Doppelname Steinbach-Hallenberg entstand.
Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 90 Frauen und Männer aus Frankreich, der Ukraine und den Niederlanden Zwangsarbeit leisten: in kleineren Metallbetrieben, bei Bäcker Arthur Fuchs, bei Gastwirt Rudolf Waitz, in der Firma Kurt Wilhelm. Mindestens drei Frauen mit Kind starben an den Lebensbedingungen und wurden auf dem Friedhof Im Eichelbach von Schmalkalden begraben.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 259 f.
Territoriale und politische Zugehörigkeit 12. Jh.–1228/1232 dynastische Kleinherrschaft der Herren von Hallenberg 1228/1232–1274 Grafschaft Henneberg (ungeteilt) 1274–1391 Grafschaft Henneberg-Hartenberg (dazwischen vor 1374–1391 Pfandschaft der Herren von Bibra) 1391–1549 Grafschaft Henneberg(-Aschach)-Römhild (1532–1549 Seitenlinie Henneberg-Schwarza) 1549–1583 Grafschaft Henneberg-Schleusingen 1583–1619 Kurfürstentum Sachsen 1619–1626 Landgrafschaft Hessen-Kassel 1626–1646 Pfandherrschaft Hessen-Darmstadt 1646–1807 Landgrafschaft Hessen-Kassel 1807–1813 Königreich Westphalen (Werra-Departement, Distrikt Eschwege) 1813–1866 Kurfürstentum Hessen 1866–1944 Königreich und Freistaat Preußen (Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Herrschaft Schmalkalden) 1944–1945 Land Preußen (Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt) 1945–1952 Land Thüringen (1945–1950 Landkreis Schmalkalden, 1950–1952 Landkreis Suhl) 1952–1990 Bezirk Suhl, Kreis Schmalkalden seit 1990 Freistaat Thüringen (1990–1994 Landkreis Schmalkalden, seit 1994 Landkreis Schmalkalden-Meiningen)
Eingemeindungen Die Gemeinde Herges-Hallenberg wurde 1978 eingemeindet.
Zum 1. Januar 2019 wurden die Gemeinden der angrenzenden Verwaltungsgemeinschaft Haselgrund (Altersbach, Bermbach, Oberschönau, Rotterode, Unterschönau und Viernau) nach Steinbach-Hallenberg eingegliedert.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018 S. 795 ff., aufgerufen am 20. Mai 2019
Einwohnerentwicklung miniatur|Entwicklung der Einwohnerzahlen von Steinbach-Hallenberg +Einwohnerzahlen1564 bis 1900Volker Wahl: Geschichte von Steinbach-Hallenberg. Jahr Einwohner 1564 400 1647 620 1747 1.450 1773 2.011 1796 1.911 1802 2.019 1828 2.426 1830 2.475 1848 2.666 1875 3.000 1890 3.240 1895 3.664 1900 4.009+Einwohnerzahlen1933 bis 1999Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik. Jahr Einwohner 1933 5.978 1935 6.034 1939 6.077 1946 7.010 1960 6.392 1965 6.295 1974 6.242 1994 6.130 1995 6.147 1996 6.152 1997 6.220 1998 6.167 1999 6.168+Einwohnerzahlen2000–2012 Jahr Einwohner 2000 6.149 2001 6.034 2002 5.960 2003 5.868 2004 5.777 2005 5.727 2006 5.620 2007 5.530 2008 5.471 2009 5.414 2010 5.347 2011 5.191 2012 5.084+Einwohnerzahlenab 2013 Jahr Einwohner 2013 5.053 2014 5.046 2015 5.056 2016 4.965 2017 4.887 2018 4.894 2019 9.575* 2020 9.479 2021 9.435 2022 9.346 2023 9.219 2024 9.130
* ab 2019 neugebildete Stadt Steinbach-Hallenberg
Politik Stadtrat Die Kommunalwahl am 26. Mai 2024 mit einer Wahlbeteiligung von 62,7 % führte zu folgender Verteilung der 20 Sitze im Stadtrat:Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2024 – endgültiges Ergebnis Steinbach-Hallenberg. mini|hochkant=1.1|Rathaus Steinbach-Hallenberg Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Pro 8 36,6 % 7 Wählergemeinschaft Haselgrund 29,4 % 6 Christlich Demokratische Union (CDU) 20,4 % 4 Die Linke 8,1 % 2 Piratenpartei – ÖDP – Die PARTEI 5,5 % 1
Bürgermeister Der hauptamtliche Bürgermeister Markus Böttcher (Pro 8, früher parteilos) wurde am 14. April 2019 mit 52,8 % der abgegebenen gültigen Stimmen gewählt.Bürgermeisterwahl 2019, aufgerufen am 13. Mai 2019 Am 23. Februar 2025 wurde Böttcher mit 54,9 % der abgegebenen gültigen Stimmen im Amt bestätigt. Er hatte zwei Mitbewerber.
Wappen Blasonierung: Geteilt von Blau über Rot; oben zwischen zwei grünen Tannen eine silberne Burgruine auf silbernem Felsen; unten schräggekreuzt goldener Hammer und goldene Schmiedezange.Heinz Göschel (Hrsg.): Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik. 3. Auflage, (Nachdruck der 2. neubearbeiteten und erweiterten Auflage). VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1985.
Städtepartnerschaften Städtepartnerschaften bestehen mit den hessischen Orten Steinbach (Taunus) bei Frankfurt am Main und Lohra im Landkreis Marburg-Biedenkopf sowie der nordrhein-westfälischen Gemeinde Wilnsdorf.
Kultur und Sehenswürdigkeiten miniatur|Die Hallenburg Die auf einem 80 m hohen Porphyrfelsen als Wahrzeichen der Stadt thronende Burgruine Hallenburg gehört wohl zu den herausragendsten historischen Gebäuden der Stadt. Die spätromanische Burg am Arnsberg mit dem 20 m hohen Bergfried und Resten der Kernburg wurde in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1268 als castum Haldenberc erstmals urkundlich erwähnt.
Außerdem befindet sich in Steinbach-Hallenberg eine im Jahre 1652 und 1698 erbaute, frühbarocke Kirche. Die drei Emporen sind mit Bildern der biblischen Geschichte verziert. Erwähnenswert ist auch die Kanzel, das Werk eines unbekannten Nürnberger Meisters. Sie wurde vom Schultheiß Hans Happ aus Unterschönau 1658 der Kirche gestiftet. Ebenfalls sehenswert ist das steinerne Eingangstor des Friedhofs von 1605. Der rechte obere Schlussstein enthält die Namen der Dorfmeister (Vorsteher) und Zwölfer (Gemeindevertretung) von Steinbach-Hallenberg sowie des Schultheißen des Amtes Hallenberg. Die Friedhofskapelle wurde 1739 erbaut.
Am Schlossberg befindet sich das Heimatmuseum „Glockenhaus“, ein Fachwerkhaus mit Unterbau aus dem Mittelalter. Es war ursprünglich ein Wirtschaftsgebäude des Burgbezirks. Aus der Tradition des Metallhandwerks entstand die museale Besonderheit des Haselgrundes, das Metallhandwerksmuseum. Hier und in den kleinen dazugehörigen Werkstätten kann man zusehen, wie Nägel und die einstige Spezialität des Ortes – Korkenzieher – in Handarbeit gefertigt wurden. Auf dem Gelände des Handwerksmuseums befindet sich noch eine alte, originalgetreu eingerichtete Korkenzieherwerkstatt. Das komplette Gebäude wurde 2004 von seinem ursprünglichen Standort, auf Tieftransportern gezogen, dort neu aufgestellt. Jeweils im September, zum Tag des offenen Denkmals, findet hier das Schmiedefest mit Schauvorführungen statt..
Erwähnenswert ist neben vielen Fachwerkhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert auch das 1900 erbaute Rathaus.
Die Anlauftürme und der Aufsprunghang der Schanzenanlage im Kanzlersgrund befinden sich auf der Gemarkung von Steinbach-Hallenberg.
Auf dem noch zur Gemarkung gehörenden Ruppberg wird eine abgegangene Burg, Schloss Ruprechtsburg, vermutet.
Wirtschaft und Infrastruktur Firmen und Branchen Traditionell herrscht in Steinbach-Hallenberg das metallverarbeitende Gewerbe vor. Heute findet man einen Branchenmix aus Metall-, Kunststoff- und Holzverarbeitung, Elektrotechnik, Kartonagenherstellung, Bau- und Handwerksbetrieben sowie Verkaufseinrichtungen aus allen Bereichen des Einzelhandels vor. Die drei Gewerbegebiete Im Erlich, Am Schertzer und Am Stiller Berg haben insgesamt eine erschlossene Fläche von 35,8 ha. Steinbach-Hallenberg ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Bis 1990 war Steinbach-Hallenberg der Sitz des Kombinats Haushaltwaren Steinbach-Hallenberg.
Soziale Einrichtungen In Steinbach-Hallenberg gibt es neben zwei Kindertagesstätten, eine Grundschule (Umweltschule in Europa) und eine Regelschule. Beide Schulen wurden zentrumsfern auf den Hergeser Wiesen neu errichtet. Dort befindet sich ebenso eine Dreifelder-Mehrzweckhalle mit Kegelbahn. Eine Bibliothek besteht gegenüber dem Rathaus. Weiterhin gibt es eine Postagentur, ein evangelisches Altenhilfezentrum, eine Rettungswache (DRK KV Schmalkalden e. V.) und ein Heim für betreutes Wohnen. In Steinbach-Hallenberg praktizieren mehrere Ärzte (Allgemeinmediziner, Augenarzt, Gynäkologe, Zahnärzte) sowie Physiotherapeuten. Es gibt zwei Apotheken.
Verkehr Bahnverkehr
Steinbach-Hallenberg verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Zella-Mehlis–Wernshausen, hier verkehrt Montag bis Freitag die Süd-Thüringen-Bahn im Stunden-Takt, am Wochenende im Zwei-Stunden-Takt.
Fernstraßen Die Bundesautobahn 71 ist über die Anschlussstellen Suhl/Zella-Mehlis, Meiningen-Nord oder Oberhof erreichbar.
Wasser und Abwasser Die Wasserversorgung der Stadt übernimmt der Wasserversorgungszweckverband “Gespringwasser Schmalkalden und Umgebung”. Durch die Gemeindefusion wurde der Abwasserzweckverband Hasel-Schönau kraft Gesetzes aufgelöst und die Aufgabe der Abwasserbeseitigung ging auf die Stadt Steinbach-Hallenberg über, da der Abwasserzweckverband lediglich noch ein Mitglied hatte (vgl. § 40 Absatz 3 Satz 2 ThürKGG). miniatur|hochkant|Sommer-Grand-Prix in Steinbach-Hallenberg
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Johannes Avenarius (1670–1736), Superintendent von Gera und Musiktheoretiker Johann Friedrich Doles (1715–1797), Komponist und Thomaskantor Georg Rommel (1788–1833), Komponist