mini|Kernforschungszentrum Negev, Dimona, November 1968 mini|Kernforschungszentrum Negev, Dimona, Oktober 2010

Israelische Atomwaffen sind ein offiziell nicht eingeräumter, langjährig vermuteterIISS, London, 2009, S. 249 ff.: , PDF, aufgerufen 24. August 2012. und seit 1985 öffentlich bekannt gewordenerFocus, 26. April 2004: , aufgerufen 24. August 2012. Teil der militärischen Bewaffnung Israels. Israel ist wie Indien, Pakistan und Nordkorea nicht Vertragspartner des Atomwaffensperrvertrages, wird aber zu den faktischen Atommächten gezählt.

Israelisches Atomwaffenprogramm Nach Darstellung des palästinensisch-amerikanischen Politologen und Mitglieds des Palästinensischen Nationalrats Ibrahim Abu-Lughod gab es schon während des Palästinakriegs 1948 Gerüchte, Israel sei im Besitz einer Atombombe. Angeblich wurden diese Gerüchte von Israel selbst gestreut, um die benachbarten arabischen Staaten vom geplanten Angriff auf den jungen Staat abzuhalten.I. Abu-Lughod (Hrsg.): The Transformation of Palestine. Evanston 1971, S. 167.

Der Vorsitzende der Israelischen Atomenergie-Kommission, Ernst David Bergmann, empfahl 1952 den Bau von Atombomben.

In Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Rahmen des Programms Atoms for Peace unter Präsident Dwight D. Eisenhower wurde ab 1958 ein amerikanischer Leichtwasserreaktor im Kernforschungszentrum Sorek errichtet. Auf der Grundlage eines Geheimabkommens zwischen Schimon Peres und Guy Mollet 1957 unterstützte auch Frankreich den Bau eines Forschungsreaktors im Kernforschungszentrum Negev südöstlich von Dimona in der Negev-Wüste.Das Phantom von Dimona. In: Spiegel Online, 26. Januar 2004 (online). Die nachrichtendienstliche Abschirmung und Unterstützung des Atomprogramms übernahm ein eigens dafür ins Leben gerufener Dienst, der Lakam.

Frankreich stellte 1962 die Lieferung von Uran an Israel ein. Im Jahr 1968 wurden in Antwerpen 200 Tonnen Yellowcake (uranhaltiges Verbindungsgemisch) mutmaßlich vom Mossad gekauft.Paul Eddy, Elaine Davenport, Peter Gillman: Uran für Israel. Geheimdienst Operation Scheersberg A. ISBN 3-8105-0504-8. Eigner des beladenen Schiffs, der Scheersberg A, war Dan Ert, ein Angehöriger des Mossad. Zuvor war das aus Zaire stammende Uran vom deutschen Unternehmen Asmara Chemie GmbH in Hettenhain nahe Wiesbaden von der belgischen Société Générale des Minerais gekauft worden. Der Vorfall wurde erst 1977 öffentlich. Bei der Apollo-Affäre um in den Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren verschwundenes Uran werden israelische Verbindungen vermutet.Grant F. Smith: Divert! NUMEC, Zalman Shapiro and the diversion of US weapons-grade uranium into the Israeli nuclear weapons program. 2012, ISBN 978-0-9827757-0-7. Israel erwarb Uran in Argentinien und Südafrika.Tod aus der Textilfabrik, Der Spiegel 19/1969, S. 146f Großbritannien verkaufte 1958 20 Tonnen überschüssiges schweres Wasser an die israelische Atomenergiebehörde. Auch von Frankreich und den Vereinigten Staaten wurde schweres Wasser geliefert.Michael Salewski: Das Nukleare Jahrhundert: Eine Zwischenbilanz. Franz Steiner Verlag, 1998, ISBN 3-515-07321-3.

Im Jahr 1967 war nach Darstellung des Spiegels die erste israelische Atombombe fertiggestellt. Die deutsche Bundesregierung war laut den Akten des Auswärtigen Amts über das israelische Atomwaffenprogramm seit 1961 informiert; Helmut Schmidt sprach 1977 mit Mosche Dajan über das Thema.Israel bestückt U-Boote aus Deutschland mit Atomwaffen. In: Spiegel Online, 3. Juni 2012 (online) Nach den Aufzeichnungen des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß sei der damalige Premier David Ben-Gurion mit ihm 1961 in Paris . Die Bundesregierung gewährte Israel 1961 einen Millionenkredit über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für den Bau einer atomar betriebenen Meerwasser-Entsalzungsanlage in der Negev-Wüste. Die Mittelverwendung wurde nie geprüft und die Anlage nie gebaut. Das Darlehen sei laut Shimon Peres, der damals das israelische Bombenprojekt geleitet hatte, worden. Die Mittel seien nicht in die Bombenentwicklung geflossen. Peres deckte einen Teil der Kosten mit Privatspenden; die Herkunft der Hauptmittel bleibt ungenannt.Der Spiegel (online)

Den 1970 in Kraft getretenen Atomwaffensperrvertrag hat Israel wie auch die BiowaffenkonventionMembership of the Biological Weapons Convention. United Nations Office At Geneva. (online) und Ottawa-Konvention nicht unterzeichnet. Die ChemiewaffenkonventionUnited Nations Treaty Collection. Convention on the Prohibition of the Development, Production, Stockpiling and Use of Chemical Weapons and on their Destruction. () hat Israel zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert. Damit ist sie völkerrechtlich für Israel nicht bindend.

Während des Jom-Kippur-Kriegs 1973 befahl die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir, nachdem sie in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober von Mosche Dajan informiert worden war, dass eine militärische Niederlage gegenüber Syrien und Ägypten drohe, 13 Atombomben mit der Sprengkraft von je 20 Kilotonnen TNT für die Jericho-Raketen auf der Sdot Micha Raketenbasis und die F-4 auf der Tel Nof Airbase gefechtsbereit zu machen.Israel 'ready to drop 13 atom bombs'. In: The Age, 6. April 1976 (online)Violent Week: The Politics of Death. In: Time, 12. April 1976 (online)The Last Nuclear Moment. In: New York Times, 6. Oktober 2003 (online) Präsident Richard Nixon und sein Außenminister Henry Kissinger erfuhren von dieser Maßnahme am Morgen des 9. Oktober und ordneten die Operation Nickel Grass an, eine massive Unterstützung mit militärischem Material für Israel.October 9, 1973 conversation (6:10–6:35 pm) between Israeli Ambassador to the United States Simcha Dinitz, Henry Kissinger, Brent Scowcroft, and Peter Rodman. Transcript. George Washington University National Security Archive (online; PDF; 173 kB).Warner D. Farr: The Third Temple’s Holy of Holies: Israel’s Nuclear Weapons. Counterproliferation Paper No. 2, USAF Counterproliferation Center, Air War College, September 1999 (online).

hochkant|mini|Israelische F-15I Ra’am, eine Variante der als Atomwaffenträger geeigneten McDonnell Douglas F-15E Strike Eagle

Im Jahr 1975 bot Schimon Peres als Verteidigungsminister Südafrika Raketensprengköpfe in drei Größen an. Der Journalist Sasha Polakow-Suransky vermutete 2010, dass es sich dabei um Nuklearsprengköpfe handele.Chris McGreal: Revealed: how Israel offered to sell South Africa nuclear weapons. In: The Guardian, 24. Mai 2010 (online). Peres bestritt, dass Israel mit Südafrika über die Lieferung von Nuklearwaffen verhandelt habe, und warf Polakow-Suransky selektive Interpretation der Dokumente vor.Israel bot angeblich Atomwaffen an. In: Frankfurter Rundschau, 24. Mai 2010 (online) Südafrika belieferte Israel laut Darstellung von Polakow-Suransky mit insgesamt 500 kg Uran.

Der Vela-Zwischenfall vor der Küste Südafrikas am 22. September 1979 wurde von einigen Wissenschaftlern als südafrikanisch-israelischer Atomwaffentest gewertet, von anderen bestritten. Erst im Jahre 1993 räumte Frederik Willem de Klerk, der Präsident Südafrikas, vor seinem Parlament ein, dass Südafrika Atomwaffen gebaut habe.Amin Aboufazeli: Südafrikas Atomwaffenprogramm. Gründe, Anfänge, Verlauf, Ende. Magisterarbeit. Universität Wien. 2008 (online; PDF; 1,3 MB)

Bereits 1982 berichtete der Spiegel von Vermutungen, dass Israel auch an der Neutronenbombe baue.

1985 machte der israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu öffentlich, dass Israel Nuklearwaffen besitze. Photographien von israelischen Atomsprengköpfen wurden in der Londoner Sunday Times veröffentlicht.Revealed: the secrets of Israel’s nuclear arsenal. In: The Sunday Times, 5. Oktober 1986. Um sicherzugehen, ließ die Zeitung das Material vorher durch die Experten Frank Barnaby und Theodore B. Taylor prüfen.Erklärung von Frank Barnaby. 14. Juni 2004 (online; PDF; 173 kB) Vanunu gehörte zu den 150 Personen, die zum Komplex Machon 2 (von insgesamt zehn mit mehreren tausend Beschäftigten) Zutritt hatten. Hier wird in den sechs unterirdischen Etagen Plutonium getrennt und als Bombenkomponenten auch Tritium und Lithium (Isotop 6Li) (für eine höhere Energieausbeute bei thermonuklearen Waffen verwendbar) hergestellt.Jeffrey T. Richelson: Spying on the Bomb. New York: W. W. Norton and Company, 2007, S. 360–363, ISBN 978-0-8047-5585-6. Zitiert nach . Vanunu wurde 1986 noch vor der Presseveröffentlichung von der israelischen Agentin Cheryl Ben Tov von London nach Rom gelockt, dort verschleppt und wegen Landesverrats zu 18 Jahren Haft verurteilt. Vanunu erklärte nach seiner Freilassung erneut, Israel baue auch Wasserstoffbomben und Neutronenbomben. Er wurde 2007 wieder für kurze Zeit inhaftiert.„Rachsucht des Staates“ Erneute Haft für Vanunu. In: n-tv.de, 2. Juli 2007 (online)

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert deutete bei seinem Besuch in Deutschland in einem Interview am 11. Dezember 2006 bei N24 Israel als Atommacht an: Empörung über Olmerts Atomwaffen-Geständnis. In: Spiegel Online, 12. Dezember 2006 (online).Olmert versucht politischen Sprengsatz zu entschärfen. In: Spiegel Online, 11. Dezember 2006 (online). Gernot Erler (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, kommentierte hierzu, es sei in der Welt lange bekannt, dass Israel Atomwaffen habe.Olmerts Atomwaffen-Eingeständnis „Kluger Tabubruch“? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Dezember 2006 ()

Die Schätzungen über die Anzahl der Nuklearsprengköpfe beruhen in der Regel auf Berechnungen, wie viel waffenfähiges Material die Reaktoren in Israel jährlich produzieren können. Israelische Wissenschaftler nannten 1982 die Zahl von 250 Sprengköpfen.Amos Perlmutter, Michael Hendel, Uri Bar-Josef: Two Minutes over Baghdad. London: Valentine and Mitchell, 1982 Die Federation of American Scientists vermutete 2007, dass Israel über 100 bis 250 Atomsprengköpfe für Mittelstreckenraketen verfüge.Nuclear Weapons. Federation of American Scientists. 8. Januar 2007 (online). Oberstleutnant Warner D. Farr von der Air University der US-Luftwaffe schätzte die Zahl der Atomsprengköpfe für das Jahr 1997 auf über 400.Warner D. Farr: The Third Temple’s Holy Of Holies: Israel’s Nuclear Weapons. September 1999 () Das International Institute for Strategic Studies vermutete 2009 hingegen eine Zahl von bis zu 200 Sprengköpfen.

Die 1973 in Dienst gestellte Jericho-Rakete ist für konventionelle, chemische oder nukleare Sprengköpfe geeignet.Claremont Institute: Jericho 1. ( ) Die Jericho 2, entwickelt auf Basis der Shavit, besitzt eine Reichweite von etwa 5000 km bei etwa 1000 kg Nutzlast.Harold Hough: Could Israel’s nuclear assets survive a pre-emptive strike? In: Jane’s Intelligence Review, 1. September 1997 () Raketen des Typs Jericho 3 mit 5000 bis 7500 km Reichweite könnten nach Auffassung des russischen PIR-Centers ab 2010 einsatzbereit sein.Vladimir Z. Dvorkin: Letter of August 2002. Missile Armes Status & Development Prospects in the Thirld World Countries for the Period up to 2015. PIR-Center, 2. August 2002 ()

mini|INS Dolphin