zentriert|350px|Bücherverbrennung auf dem Opernplatz in Berlin In ganz Deutschland kommt es nach der „Machtergreifung“zu organisierten Bücherverbrennungen. zentriert|165px|„Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ in der Frankfurter Zeitung vom 26./28. Oktober 1933 88 Schriftsteller veröffentlichen ein Gelöbnis treuester Gefolgschaft zu Adolf Hitler. zentriert|175px|Cover der ersten Ausgabe von News-Week Die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazins News-Week erscheint in New York.

Im Jahr 1933 beginnt nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Deutschland die Gleichschaltung auch im kulturellen Bereich. Nach der Veröffentlichung von 12 Thesen wider den undeutschen Geist kommt es zu organisierten Bücherverbrennungen in mehreren deutschen Universitätsstädten. Joseph Goebbels gründet die Reichskulturkammer und 88 Schriftsteller und Schriftstellerinnen veröffentlichen ein Gelöbnis treuester Gefolgschaft zu Adolf Hitler. Ende des Jahres erscheint die Broschüre Terror in Braunschweig über die Repressalien der neuen Machthaber gegenüber politisch Andersdenkenden.

Ereignisse Ereignisse in Deutschland

28. Februar: Bertolt Brecht und Helene Weigel gehen ins Exil nach Prag.

mini|links|hochkant|Die zwölf Thesen Wider den undeutschen Geist 12. April: An deutschen Universitäten werden von der vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund dominierten Deutschen Studentenschaft 12 Thesen wider den undeutschen Geist veröffentlicht. Federführend beteiligt ist der Kieler Psychologiestudent Paul (Karl) Schmidt. 10. Mai: Die Nationalsozialisten verbrennen auf dem Opernplatz in Berlin 20.000 Bücher missliebiger Autoren. Auch in Hannover und 21 anderen deutschen Universitätsstädten kommt es zu Bücherverbrennungen.

12. Mai: Da die Werke von Oskar Maria Graf der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland nicht zum Opfer fallen, sie im Gegenteil von den Nationalsozialisten sogar zur Lektüre empfohlen werden, verfasst er in der Wiener Arbeiter-Zeitung die Forderung Verbrennt mich!

22. September: Auf Initiative von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels erfolgt die Gründung der Reichskulturkammer zur Gleichschaltung aller Bereiche des Kulturlebens und zur Regelung der sozialen und wirtschaftlichen Belange der Kulturschaffenden. Die Reichskulturkammer untergliedert sich in sieben Einzelkammern, die Reichsschrifttumskammer unter Präsident Hans Friedrich Blunck (gegründet 15. November), die Reichsfilmkammer, die Reichsmusikkammer, die Reichstheaterkammer unter Präsident Otto Laubinger (gegründet 1. August), die Reichspressekammer unter Präsident Max Amann (gegründet 1. November), die Reichsrundfunkkammer und die Reichskammer der bildenden Künste. 26. Oktober: 88 Schriftsteller und Schriftstellerinnen veröffentlichen in der Vossischen Zeitung ein Gelöbnis treuester Gefolgschaft zu Adolf Hitler. Der Text wird gleichzeitig auch in anderen Zeitungen wie der Frankfurter Zeitung abgedruckt.

mini|links|hochkant|Terror in Braunschweig von Hans Reinowski Ende des Jahres: Die 30 Seiten umfassende Broschüre Terror in Braunschweig, Aus dem ersten Quartal der Hitlerherrschaft. Terror in Braunschweig. Bericht herausgegeben von der Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen erscheint im Verlag Sozialistische Arbeiterinternationale in Zürich gleichzeitig auf Deutsch, Englisch und Französisch. Autor ist der deutsche SPD-Politiker Hans Reinowski. Bereits kurz nach der sogenannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten schildert Reinowski in seinem Bericht anhand eigener Erlebnisse bzw. Aussagen von Augenzeugen die Repressalien der neuen Machthaber gegenüber politisch Andersdenkenden. Die Broschüre ist somit eine der frühesten Dokumentationen nationalsozialistischen Terrors nach der Machtübernahme der NSDAP.

Prosa Deutschsprachige Literatur

Anfang 1933: Von Karl Jakob Hirsch erscheint beim S. Fischer Verlag die Erzählung Felix und Felicia.

mini|Verlagsanzeige S. Fischer Berlin 1933 11. Februar: Thomas Mann beginnt eine Auslandsvortragsreise zum Thema Leiden und Größe Richard Wagners; er wird erst nach 1945 erstmals wieder nach Deutschland kommen. April–Juli/September: Von Leo Perutz erscheint zuerst in sieben Fortsetzungen in der Zeitschrift Die Dame, dann im Paul Zsolnay Verlag der Roman St. Petri-Schnee. Perutz beschreibt den politisch und psychologisch aufgeladenen Roman, in dem er „ein wahnwitziges wissenschaftliches Projekt mit der Geschichte einer fast hoffnungslosen Liebe verknüpfte“, als „vielleicht mein bestes Stück.“ Oktober: Von Thomas Mann erscheint mit Die Geschichten Jaakobs der 1. Band der Tetralogie Joseph und seine Brüder. Nach der Machtübernahme hat sich Thomas Mann mit seiner Familie am 27. September in Küsnacht am Zürichsee niedergelassen; seine Bücher können noch bis zur Emigration des Fischer-Verlages in Deutschland erscheinen.

mini|hochkant|Erstausgabe von Das fliegende Klassenzimmer – Walter Trier 1933 November: Erich Kästner veröffentlicht den Jugendroman Das fliegende Klassenzimmer. Der Name des jüdischen Titelbildillustrators Walter Trier darf erstmals nicht auf dem Buchband erscheinen. November: Von Franz Werfel erscheint der historische Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh, in dem der Völkermord an den Armeniern und der armenische Widerstand auf dem Berg Musa Dağı unter der Führung von Moses Der Kalousdian literarisch verarbeitet wird. Von der deutsch-schweizerischen Kinderbuchautorin und Märchenerzählerin Lisa Tetzner erscheint das Jugendbuch Erwin und Paul. Es ist der erste Band der Kinderbuch-Reihe Erlebnisse und Abenteuer der Kinder aus Nr. 67. Odyssee einer Jugend, die zu den wichtigsten Werken der Exilliteratur gehört. Als Co-Autor betätigt sich auch Tetzners Ehemann Kurt Held. Clara Viebig veröffentlicht den Zeitroman Insel der Hoffnung. Von Anna Seghers erscheint die Erzählung Die Stoppuhr in der Reihe Deutsche proletarische Erzähler des Charkower Staatsverlags der nationalen Minderheiten der Ukrainischen SSR.

Englischsprachige Literatur

April: Von Nathanael West erscheint der Roman Miss Lonelyhearts. 26. September: In London und New York erscheint zeitgleich James Hiltons Erfolgsroman Lost Horizon, der den Mythos von Shangri-La begründet. September: Agatha Christie veröffentlicht ihren 13. Kriminalroman Lord Edgware Dies, in dem Hercule Poirot, Arthur Hastings und Inspector Japp ermitteln. September: Von H. G. Wells erscheint der „posthistorische“ Science-Fiction-Roman The Shape of Things to Come. 23. Dezember: Right Ho, Jeeves (Dann eben nicht, Jeeves), der zweite Roman von P. G. Wodehouse mit dem Protagonisten Bertie Wooster und seinem Kammerdiener Jeeves, erscheint erstmals als Fortsetzungsgeschichte in der Saturday Evening Post.

Dorothy L. Sayers veröffentlicht den Lord-Peter-Wimsey-Kriminalroman Murder Must Advertise (Mord braucht Reklame). George Orwell verfasst den frühen Erlebnisbericht Down and Out in Paris and London. Von Ernest Hemingway erscheint im Verlag Charles Scribner’s Sons die Kurzgeschichtensammlung Winner Take Nothing, die unter anderem die Kurzgeschichten A Clean Well-Lighted Place und A Day’s Wait enthält. Von Vera Brittain erscheint mit Testament of Youth der erste Band mehrerer (auto)biografischer Schriften.

Literatur in anderen Sprachen

Januar bis September: Isaac Bashevis Singer veröffentlicht in jiddischer Sprache seinen Roman Der sotn in Goraj (Satan in Goraj) in Fortsetzungen in der polnischen literarischen Zeitschrift Globus, die Singer zusammen mit seinem Freund Aaron Zeitlin herausgibt. Georges Simenon veröffentlicht die Romane Le Coup de lune (Tropenkoller) und La maison du canal (Das Haus am Kanal), mit denen sich der dreißigjährige Schriftsteller bemüht, „fortan nicht mehr allein als der Mann zu gelten, der Maigret-Geschichten schreibt“. Der norwegische Schriftsteller Trygve Gulbranssen publiziert im Osloer Aschehoug Verlag seinen Erstlingsroman Og bakom synger skogene (Und ewig singen die Wälder), der zum Weltbestseller wird. Der Entwicklungs-, Bauern-, Generationen- und Schauerroman bildet den ersten Teil der international sehr erfolgreichen Björndal-Trilogie (Bjørndaltrilogien). Von Tanizaki Jun’ichirō erscheint der lange Essay Lob des Schattens.

Drama

5. März: Die Tragödie Bluthochzeit (Bodas de sangre) von Federico García Lorca wird in Madrid uraufgeführt. 2. Oktober: Die Komödie Ah, Wilderness! von Eugene O’Neill wird am New Yorker Broadway uraufgeführt.

Kabarett

1. Januar: Das politische Kabarett Die Pfeffermühle wird in München eröffnet.

Bilderbuch

Von Marjorie Flack erscheint, mit Illustrationen von Kurt Wiese, The Story About Ping.

Übersetzungen

Karl Kraus veröffentlicht seine Nachdichtung der Sonette Shakespeares, die er als Reaktion auf die Übersetzung Stefan Georges verfasst hat.

Periodika

17. Februar: Die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazins News-Week erscheint in New York. 12. Dezember: Deutschsprachige Exilpresse (1933–1945): Die Exilzeitung Pariser Tageblatt erscheint erstmals. Chefredakteur ist Georg Bernhard, sein Stellvertreter Kurt Caro. Die Zeitung erscheint täglich mit einem Umfang von vier Seiten.

Wissenschaftliche und religiöse Werke

3. Juni: In der Enzyklika Dilectissima nobis beklagt Papst Pius XI. die Kirchenverfolgung in Spanien. 1. Dezember: In dem sozialhistorischen und soziologischen Werk Casa-grande e senzala, deutsch als Herrenhaus und Sklavenhütte, begründet Gilberto Freyre den „Lusotropikalismus“ und vermittelt die Idee der brasilianischen „Rassendemokratie“.

Andrei Nikolajewitsch Kolmogorow begründet mit seiner Abhandlung Grundbegriffe der Wahrscheinlichkeitsrechnung die moderne Wahrscheinlichkeitstheorie.

Preisverleihungen

Der als Staatenloser in Frankreich lebende Iwan Alexejewitsch Bunin erhält „für die strenge Künstlerschaft, womit er die klassische russische Linie in der Prosadichtung vertritt“, den Nobelpreis für Literatur. Ludo Gervald, Hilde Spiel, Adolf Unger und Ernst Waldinger werden mit dem Julius-Reich-Preis ausgezeichnet.

Geboren Erstes Quartal

1. Januar: Joe Orton, britischer Dramatiker († 1967) 2. Januar: Seiichi Morimura, japanischer Autor von Kriminalromanen († 2023) 3. Januar: Maxie Wander, deutsche Fotografin, Journalistin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin († 1977) 6. Januar: Emil Steinberger, Schweizer Kabarettist, Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler 8. Januar: Juan Marsé, spanischer Schriftsteller († 2020) 9. Januar: Wilbur A. Smith, britischer Schriftsteller († 2021) 13. Januar: Ron Goulart, US-amerikanischer Schriftsteller († 2022) 16. Januar: Susan Sontag, US-amerikanische Schriftstellerin, Essayistin und Publizistin († 2004) 18. Januar: John Boorman, britischer Regisseur, Drehbuchautor, Produzent 26. Januar: Andreas Hauff, österreichischer Sänger und Texter († 2021)

1. Februar: Reynolds Price, US-amerikanischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler († 2011) 4. Februar: Hans Hollmann, österreichischer Regisseur († 2022) 14. Februar: Corsino Fortes, kap-verdischer Lyriker († 2015) 14. Februar: Manfred Schütz, deutscher Jugendbuchautor und Buchgestalter 14. Februar: Robert Shea, US-amerikanischer Schriftsteller († 1994) 18. Februar: Vincenzo Consolo, italienischer Schriftsteller († 2012) 18. Februar: Gerhard Frey, deutscher Verleger und Politiker († 2013) 21. Februar: Gordon Thomas, britischer Journalist und Schriftsteller († 2017) 22. Februar: Christopher Ondaatje, britisch-kanadischer Schriftsteller und Unternehmer († 2026) 27. Februar: Edward Lucie-Smith, jamaikanisch-britischer Dichter, Journalist und Kunsthistoriker († 2026)

3. März: Víctor Manuel Leites, uruguayischer Dramatiker († 2016) 17. März: Bruno Horst Bull, deutscher Schriftsteller 19. März: Philip Roth, US-amerikanischer Schriftsteller († 2018) 20. März: Paul Kárpáti, deutsch-ungarischer Übersetzer († 2017) 22. März: Eveline Hasler, Schweizer Schriftstellerin 22. März: Erik Tohvri, estnischer Schriftsteller († 2020)