275px|rechts|Lage des Kaliwerkes Salzmünde
Die Schachtanlage des Kaliwerkes Gewerkschaft Salzmünde liegt am Südwestrand der Ortslage Zappendorf im Saalekreises. Im Bergwerk wurden von 1908 bis 1924 verschiedene Kalisalze abgebaut. Die Schachtanlage ist seit 1925 im Niveau der 868-m-Sohle durchschlägig mit dem südlich von ihr gelegenen Grubenfeld des Kaliwerkes Teutschenthal (ehemals Kaliwerk Krügershall AG) und dieses wiederum mit dem sich östlich anschließenden Grubenfeld Angersdorf (früher Kaliwerk Gewerkschaft Saale sowie Hallesche Kaliwerke A.-G.) verbunden. Nach Einstellung der Kaliförderung im Schacht Salzmünde am 1. Juli 1924 diente z. B. die Schachtröhre noch über Jahrzehnte als Flucht- und Wetterschacht für das Grubenfeld Krügershall/Teutschenthal.
Such- und Erkundungsarbeiten Veranlassung Die Anfänge der bergmännischen Gewinnung von Kalisalzen zur Herstellung von Dünger für die Landwirtschaft und anderen chemischen Produkten stand in Staßfurt. Im Jahre 1839 begann man auf dem Salinengelände der Staßfurter Saline mit dem Abteufen einer Tiefbohrung, welche als Bohrloch für die Gewinnung einer reichhaltigeren Sole für den Siedebetrieb dienen sollte. Die Bohrung wurde nach zwölfjähriger Bohrzeit 1851 in einer Teufe von 581 m im Steinsalz eingestellt. Doch die diesem Bohrloch entnommene „bitterschmeckende“ Sole enthielt zur allgemeinen Enttäuschung eine große Menge unerwünschter Beimengungen (so u. a. Kaliumchlorid). Man hatte die Wahl entweder das Bohrloch aufzugeben oder sie als Vorbohrung für einen Schacht zu nutzen, durch den man das benötigte reine Steinsalz zur Soleanreicherung separat gewinnen konnte. Man entschied sich in der Folge zum Abteufen zweier dicht nebeneinander liegender Schächte (Teufbeginn Schacht „von der Heydt“ am 4. Dezember 1851; Teufbeginn Schacht „von Manteuffel“ am 9. Februar 1852). Die bergmännische Gewinnung von Steinsalz begann 1857. Ende 1858 durchörterte ein Querschlag das Kalilager, musste aber infolge eines Laugenzuflusses eingestellt werden. Erst im März 1860 konnten diese Aufschlussarbeiten erfolgreich weitergeführt werden.
Die inzwischen von verschiedenen Chemikern nachgewiesene industrielle Trennung des in diesen Kalisalzen enthaltenen Kaliums, dessen Wirksamkeit für das Pflanzenwachstum bereits Justus von Liebig um das Jahr 1840 erkannte, sowie die verfahrenstechnische Umsetzung einer auf Kalisalzen aufbauenden Düngemittelproduktion durch Adolph Frank im Jahre 1861 bildeten den Startpunkt einer nahezu euphorischen Suche und Erkundung weiterer Kalisalzlagerstätten.
Ausgehend vom sogenannten Staßfurter Berggeschrey begann auch im Raum Halle – Salzmünde – Teutschenthal eine rege Such- und Erkundungstätigkeit.
Bohrungen und Mutungen 275px|rechts|Lage der Erkundungsbohrungen im Bereich des Kaliwerkes Salzmünde
Ausgehend von der Kenntnis der verschiedensten Solequellen in der näheren und weiteren Umgebung sowie der Zechsteinaufschlüsse durch Bohrungen und Kupferschiefer-Schächte war sich die Internationale Bohrgesellschaft von Anton Raky in Erkelenz ziemlich sicher, auch hier im Teutschenthal – Salzmünder Raum auf die begehrten Kalilager zu stoßen.
Mit den ab 1902 niedergebrachten Bohrungen Teutschenthal I (Kalisalz von 634,7–690,0 m), Langenbogen I (Kalisalz von 721,4–765,9 m), Langenbogen II (Steinsalz ab 589,0 m), Langenbogen III (Steinsalz ab 572,9 m) sowie Bennstedt I (Kalisalz von 950,5–1007,5 m) fand man Kali- bzw. Steinsalz. Die Bohrgesellschaft legte darauf Mutungen auf die Funde in den Bohrlöchern Teutschenthal I sowie Langenbogen I und II ein und beantragte damit die Verleihung des Rechts zum Abbau des Steinsalzes und der beibrechenden Salze. Auf die Funde in den Bohrungen Langenbogen III und Bennstedt I wurden zwar auch Mutungen eingelegt, die Felder jedoch nicht gestreckt, sodass bei rechtzeitiger Wiedereinreichung der Mutungen die übrigen noch nicht verliehenen Teile des Gesamtfeldes gegen Dritte geschützt waren. Auf diese Weise verfügte die Internationale Bohrgesellschaft über ein Interessengebiet von 10 Preußischen Normalfeldern. Durch Abtretungsvertrag vom 27. März 1905 erwarben die Bankiers Friedrich H. Krüger aus Halberstadt und Siegfried Weinstock aus Halle/S die Rechte auf die von der Internationalen Bohrgesellschaft eingelegten Mutungen sowie auf das gesamte Interessengebiet. Diese Gerechtsame wurde zum Gegenstand der bereits am 29. März 1905 gegründeten Kaliwerk Krügershall Aktiengesellschaft.
Erst knapp ein Jahr später, am 15. Januar 1906, wurde die Gewerkschaft Salzmünde auf der Basis von 5 Preußischen Normalfeldern, abgetreten von den 10 Kalifeldern der Kaliwerk Krügershall A.-G., gegründet.
Bohrungen im Raum Salzmünde In der Umgebung der späteren Schachtanlage Salzmünde wurden ebenfalls mehrere Tiefbohrungen niedergebracht. Die Bohrungen Salzmünde I, IV und V wurden lediglich zu Mutungszwecken bis zum Steinsalz abgeteuft. Die Tiefbohrung Langenbogen erschloss ab 719,1 m Teufe ein 46,8 m mächtiges Kalilager.
Die Tiefbohrung Salzmünde II erbohrte von 71 m bis 356 m Buntsandstein mit Gipseinlagerungen von 356 m bis 421 m bunten Ton mit Gipseinlagerungen, dann, nach einer 3 m mächtigen Rogensteinbank von 424 m bis 605 m bunten Ton mit Gips und Sandsteinbänken, von 605 m bis 629,50 m blauen Anhydrit, folgend unter einer Salztonschicht von 7,20 m Mächtigkeit ein 5,50 m mächtiges Hartsalzlager mit einem Kaliumchloridgehalt bis zu 50,5 %, darunter von 642,20 m bis 705,0 m Steinsalz, welches bei 660 m von einer schmalen Salztonschicht durchsetzt war.
Die geologischen und hydrogeologischen Lagerstättenbedingungen mini|links|Längsschnitt durch die Verbindungsstrecke vom Grubenfeld Salzmünde zum Grubenfeld ehem. Krügershall / heute Teutschenthal
Die Schachtanlage Salzmünde liegt im Bereich des Salzmünder Sattels, einer relativ engbegrenzten kuppelförmigen Salzaufwölbung. Eine weitere Kuppel ist der sich im Süden anschließende Salzke-Breitsattel, der im Süden und Norden von den sogenannten Salzke-Depressionen (starke Einmuldungen der salinaren Ablagerungen) begleitet wird. Diesen Salzke-Breitsattel durchquerte eine Verbindungsstrecke vom Grubenfeld Salzmünde zum südlich davon gelegenen Grubenfeld Krügershall (dem heutigen Grubenfeld des Versatzbergwerkes Teutschenthal). Die genannten Salzkuppeln sind als Folgeerscheinungen der Einpressung von Salz in den Bereich der Hornburger Tiefenstörung entstanden. Diese Störung bzw. die mit ihr verbundenen Sättel und Kuppeln trennen die größere westliche Mansfelder Mulde von einer östlich gelegenen kleineren Spezialmulde, der Bennstedt-Nietlebener Mulde. Infolge dieser regionalgeologischen Position liegen im Bereich der Schachtanlage Salzmünde relativ komplizierte tektonische Verhältnisse vor.
Der Salzke-Breitsattel streicht in Südsüdwest-Nordnordost-Richtung. An seiner Peripherie wurden durch Unter- und Übertage-Bohrungen weitere große Auffaltungen der salinaren Strukturen nachgewiesen. Lediglich in südöstlicher Richtung ist mit zunehmender tektonischer Beeinflussung zu rechnen. Hier erfolgt der Übergang zur wesentlich ungestörten Lagerstätte der Schachtanlage Teutschenthal an der Nordwest-Flanke des Teutschenthaler Sattels. Die hier angetroffene lebhafte Kleintektonik innerhalb des Salinars äußerte sich in geringmaßigen Faltungen und Zerreißungen.
Im Bereich des Schachtes Salzmünde treten als jüngste Ablagerungen die des Quartär auf (Grundmoränen, interglaziale Schotter, Löß und alluviale Bodenbildungen). Die nächst älteren Schichten sind bis des Unteren Muschelkalkes im Verlauf der Erdgeschichte wieder abgetragen worden, so dass erst wieder die Liegendschichten des Oberen Buntsandsteins und ihr folgend, die des Mittleren und Unteren Buntsandstein vertreten sind. Abgesehen von örtlichen Störungen und den damit verbundenen Mächtigkeitsschwankungen im Salinar entspricht die Salzfolge dem Staßfurter Normalprofil. Besonders stark deformiert wurde das Steinsalz der Leine-Folge des Zechsteins. Meist liegt es nur noch in reduzierter Mächtigkeit vor und ist spornartig in den Hauptanhydrit eingefaltet und mit diesem verzahnt.
Die Salinarfolge „Hauptanhydrit-Grauer Salzton-Deckanhydrit“ zeichnet sich durch zahlreiche Klüfte aus. Diese Klüfte erreichen im Hauptanhydrit der Leine-Serie (Zechstein 3) Mächtigkeiten bis zu einigen Zentimetern und im Grauen Salzton sogar bis zu 40 cm. Diese Klüfte sind sekundär mit Einlagerungen von Steinsalz, Sylvin oder Carnallit verheilt. Bemerkenswert sind kleinere Ölaustrittsstellen im Hauptanhydrit, welche auf eine erhöhte Bitumenführung dieses Horizontes hinweisen. Das Kalilager besitzt Mächtigkeiten bis zu 40 m und besteht fast ausschließlich aus einem stark mylonitisiertem kieseritischen Carnallit-Halit und zeigte nur im Hangenden eine stärkere Tonführung. Zum Liegenden hin fehlen die typischen kieseritischen Übergangsschichten. Ebenso sind hier die sogenannten Leitbänke (wie noch folgend in den Ablagerungen des Teutschenthaler Grubenfeldes beschrieben) nur selten ausgebildet. Charakteristisches Merkmal des Carnallitits des Salzke-Sattels ist das Fehlen von Tachydrit, einem Magnesium-Calcium-Chlorid. Auch im Nordteil des Salzmünder Sattels trat Tachhydrit kaum auf. Er war vor allem im Südfeld anzutreffen, in welchem auch zunehmend geschichteter Tachhydrit – als Übergang zum Teutschenthaler Grubenfeld – vorkam. In stratigraphischer Hinsicht trat unterhalb der letzten vier an den Grauen Salzton grenzenden Metern die größte Tachhydritführung auf; unmittelbar unter dem Grauen Salzton war das Kalilager tachhydritfrei (Auftreten von Anhydritkristallen). Im Teutschenthaler Grubenfeld wurde in Durchschnittsanalysen von rund 400 Bohrungen ein Magnesiumchlorid (MgCl2)-Überschuss von 0,75 % sowie ein CaSO4 · 2H2O von 1,07 % nachgewiesen. Beide Werte gelten als Ausdruck für den Tachhydritgehalt des Salinars.
Im Ostfeld des Salzmünder Sattels sind verschiedentlich bis zu zwei Meter mächtige Nester von geschichtetem siegellackroten Hartsalz angefahren worden. An sonstigen Besonderheiten sind innerhalb des Salzmünder Kalilagers – speziell im Südfeld – größere Sylvinnester, bischofitführende Spalten und Staßfurtit-Knollen (auch unter dem Namen Boracit bekannt, chemisch Mg3B7O13Cl) erwähnenswert.
Die Hydrogeologie im Bereich des Schachtes Salzmünde war unproblematisch. Die wasserführenden Schichten des Känozoikums sind zum einen an die mit Verwitterungsschutt gefüllten Täler (Salzke), zum anderen an die durch Auslaugung löslicher Gesteine an der Erdoberfläche entstandenen Hohlformen gebunden (z. B. die Auslaugungssenke des Röt oberhalb des Salzke-Breitsattels). Die Verbreitung und Ergiebigkeit dieser Schichten sind wegen der geringen Niederschläge und der kleinen Einzugsgebiete gering. Hauptwasserleiter sind die mächtigen und gut permeablen Sandsteinbänke des Mittleren Buntsandsteins. Im Unteren Buntsandstein sind die Rogenstein-Bänke wasserführend.
Die finanziell-betriebswirtschaftlichen Verhältnisse mini|links|Lage der Gerechtsame der „Gewerkschaft Salzmünde“ mini|Preisstand der Kuxe der Gewerkschaft Salzmünde 1920 bis 1927 mini|Finanziell-wirtschaftliche Angaben zur Gewerkschaft Salzmünde im Jahr 1914 mini|Aktien-Schein der Kaliwerke Krügershall Aktiengesellschaft mini|Aktien-Schein der Burbach-Kaliwerke AG
Die Gerechtsame von 5 preußischen Normalfeldern in den Gemarkungen Salzmünde und Langenbogen (territorial einst: Mansfelder Seekreis der Provinz Sachsen), wurden vom ehemaligen Oberbergamt Halle auf Steinsalz und beibrechende Salze verliehen. Die Gründung der Gewerkschaft Salzmünde erfolgte am 15. Januar 1906, durch Abzweigung einer Anzahl Felder von der Gerechtsame des Kaliwerkes Krügershall als preußische Gewerkschaft. Der ursprüngliche Name der Gewerkschaft Salzmünde war Gewerkschaft Ernst Albertshall, der dann in Salzmünde umgeändert wurde. Weitere Einzelheiten zur Gesellschaft und ihrer engen Verflechtung zur benachbarten „Kaliwerk Krügershall A.G.“ zeigen die rechts stehenden Angaben aus dem Jahre 1914.