Rasseln ist ein Straßendorf im ländlichen Außenbereich der kreisfreien Großstadt Mönchengladbach im Westen des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Innerhalb Mönchengladbachs gehört Rasseln seit 2009 zum neuen Stadtbezirk Nord und liegt hier im Nordosten des statistischen Stadtteils Hardt-Mitte direkt an der Stadt- und Kreisgrenze zu Viersen in unmittelbarer Nähe des Naturschutz- und Naherholungsgebietes „Bockerter Heide“. Frühere Bezeichnungen für die Ortschaft waren z. B. Rasselen(Nachdruck herausgegeben 1966 vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn-Bad Godesberg (jetzt: Bezirksregierung Köln), abgerufen am 3. Mai 2012) oder auch Rassel.(Nachdruck herausgegeben 1991 vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, Bonn-Bad Godesberg (jetzt: Bezirksregierung Köln), abgerufen am 3. Mai 2012) Auch postalisch wird Rasseln mit zum Stadtteil Hardt-Mitte gerechnet und hat daher die Postleitzahl 41169.Deutsche Post: Postleitzahlensuche (Onlinedienst der Deutsche Post AG, abgerufen am 3. Mai 2012)

Geschichte Rasseln vom Hochmittelalter bis zur Französischen Revolution 1789 Rasseln zählt zu den ältesten Ortsteilen Mönchengladbachs. Die Geschichte des kleinen Ortes lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen: Bereits im Jahr 1135 erfolgte unter der Bezeichnung „Racsleide“, die bislang älteste bekannte schriftliche Erwähnung Rasselns in den Unterlagen der Abtei Gladbach.Andreas Gruhn: Rasseln – Ein rassiges Dörfchen (Internetartikel von RP Online, Düsseldorf, vom 14. Juli 2008, abgerufen am 2. Mai 2012) Rasseln gehörte damals wohl zunächst zur Grafschaft Kessel,H. Clevis und J.A. Coldeweij: De graven van Kessel (vervolg) – Bezit en faillisement (PDF; 932 kB), erschienen in: Castellogica I (1983‑1987), S. 91‑100(Herausgegeben durch Nederlandse Kastelenstichting, , niederländisch, abgerufen am 25. Januar 2013) in den darauffolgenden Jahrzehnten muss es jedoch in den Machtbereich des Herzogtums Limburg geraten sein, jedenfalls wurde für das Jahr 1172 ein Heinrich von Limburg als Lehnsherr von „Rakkesleide“ überliefert.M.S.P. Ernst: Histoire du Limbourg, suivie de celle des comtés de Daelhem et de Fauquemont, des annales de l'Abbaye de Rolduc (Tome 3ème)(Librairie de P.J. Collardin, Lüttich (Belgien), 1839, Online-Digitalisat von Google eBook, französisch, abgerufen am 18. Mai 2012) Im weiteren Verlauf des Mittelalters geriet das Gebiet dann erneut unter die Herrschaft der Grafen von Kessel, die mit dem limburgischen Herrschergeschlecht verwandt waren.Peter Norrenberg: Chronik der Stadt Dülken(Baedeker's Verlag, Viersen, 1874, Online-Digitalisat der Universitätsbibliothek der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 4. Mai 2012) Nachdem der letzte Kessel’sche Graf Walram von Kessel im Jahr 1307 kinderlos gestorben war, erbte sein Cousin, Herzog Gerhard V. von Jülich, dessen verbliebene Ländereien, darunter das Amt Grevenbroich, zu dem auch Rasseln gehörte. So wurde das Dorf ein Teil des Herzogtums Jülich. Dabei zählte Rasseln als Honnschaft von Hardt zum Gerichtsbezirk Obergeburth des Grevenbroicher Unteramtes Gladbach.Wilhelm Grafen von Mirbach: Zur Territorialgeschichte des Herzogthums Jülich, Erster Theil(Hamel’sche Buchdruckerei, Düren, 1874, Online-Digitalisat der Universitätsbibliothek der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 4. Mai 2012)Friedrich von Restorff: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinz(Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1830, Online-Digitalisat von Google eBook, abgerufen am 5. Mai 2012) Rasseln war eine Honnschaft und hatte daher im kleinen Rahmen eine gewisse kommunale Selbständigkeit. An den feudalzeitlichen Herrschaftsverhältnissen und ihren kommunalen Verwaltungsstrukturen änderte sich bis in die 1790er Jahre insgesamt recht wenig.

Rasseln zur Franzosenzeit mini|links|Das Dorf „Rasselen“ und seine Umgebung zur Franzosenzeit, ca. 1805.In Frankreich war seit 1789 eine Revolution im Gange, die 1792 zum Sturz von Königs Ludwig XVI. und zur Ausrufung der Republik geführt hatte. Im Jahr 1794 wurde das gesamte linksrheinische Gebiet (des heutigen Deutschlands) von französischen Revolutionstruppen militärisch besetzt. Die französische Administration veranlasste in der Folgezeit einige Gebietsreformen, um die kommunalen Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild umzugestalten und die geplante Integration des Gebiets in den französischen Staat zu vereinfachen.

Dabei wurden zunächst 1798 die alten Honnschaften als eigenständige Verwaltungseinheiten aufgehoben und die den Honnschaften übergeordneten Verwaltungsebenen neu organisiert. So erhielt Hardt als „Commune de Hardt“ im Rahmen dieser Reform von 1798 zunächst seine kommunale Selbständigkeit und wurde aus dem feudalzeitlichen Kommunalverband „Obergeburth“ ausgegliedert. Gleichzeitig wurden die umliegenden Honnschaften, so auch Rasseln, in die neue Gemeinde Hardt eingegliedert. Die Gemeinde Hardt war wiederum dem Kanton Neersen angeschlossen.Das Roer-Departement 1808 (privater Internetauftritt von Reinhard Steger, Olpe, abgerufen am 4. Mai 2012)

Im November 1799 kam dann in Frankreich Napoléon Bonaparte durch einen Staatsstreich an die Macht (zunächst als „Erster Konsul“) und ersetzte das bis dahin regierende „Direktorium“ an der Spitze der Französischen Republik. Napoléon hatte andere Vorstellungen vom Staatsaufbau als das ihm vorausgehende Direktorium und so kam es im Jahr 1800 gleich zur nächsten Verwaltungsreform (in ganz Frankreich). Unterste Verwaltungsebene war fortan die „Mairie“ (Bürgermeisterei), viele kleinere Gemeinden, darunter auch Hardt, verloren ihre frischgewonnene Selbständigkeit gleich wieder. Rasseln wurde nun, als Teil der Gemeinde Hardt, in die Mairie de Gladbach (Bürgermeisterei Gladbach), die ebenfalls zum Kanton Neersen gehörte, eingemeindet.Anton Joseph Dorsch (frz. Unterpräfekt des Arrondissements Kleve): Statistique du Département de la Roer(Druckerei Oedenkoven & Thiriart, Köln, 1804, Online-Digitalisat von Google eBook, französisch, abgerufen am 4. Mai 2012)

Im Jahr 1801 wurden die linksrheinischen Gebiete dann im Frieden von Lunéville vom letzten Römisch-deutschen Kaiser, Franz II. (von Habsburg-Lothringen), völkerrechtlich an Frankreich abgetreten, so wurde Rasseln offiziell ein französisches Dorf. Die Rasselner Einwohner waren nun französische Bürger und wurden als solche durch den französischen Staat in Anspruch genommen, so wurden die Männer z. B. auch zum französischen Militär eingezogen und mussten auf französischer Seite an Napoléons Feldzügen teilnehmen.

Rasseln nach 1815 mini|Kartenausschnitt auf einer alten preußischen Landkarte von 1844. Links unten erkennt man das Dorf „Rassel“ am südwestlichen Rand der Bockerter Heide. Nachdem das Gebiet 1815 im Anschluss an Napoléons Niederlage in der Schlacht bei Waterloo an die damalige Siegermacht Preußen gefallen war, wurden die französischen Verwaltungsstrukturen von den neuen Landesherren teilweise übernommen. Rasseln verblieb auch unter preußischer Herrschaft als Ortsteil von Hardt zunächst im Bereich der Bürgermeisterei Gladbach. Ab 1816 wurde der Kanton Neersen von der preußischen Verwaltung aufgelöst und durch den Kreis Gladbach ersetzt. Die früheren Honnschaften als irgendwie eigenständige Verwaltungseinheiten wurden auch unter der preußischen Obrigkeit nicht wiederhergestellt.

Im Jahr 1835 wurde dann im Zuge einer weiteren Kommunalreform Hardt (mit Rasseln) aus dem Gebiet der Bürgermeisterei Gladbach wieder ausgegliedert und bildete fortan eine eigenständige Bürgermeisterei innerhalb des Kreises Gladbach.Dr. Johann Georg Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf(Verlag J.H.C. Schreiner, Düsseldorf, 1836, Online-Digitalisat von Google eBook, abgerufen am 4. Mai 2012) 94 Jahre später, also 1929, wurde die inzwischen zum „Amt Hardt“ umbenannte Bürgermeisterei Hardt schließlich im Zuge einer erneuten Gebietsreform seitens der preußischen Verwaltung dann endgültig in die inzwischen kreisfreie Stadt Mönchengladbach eingemeindet, wobei es bis heute blieb, so dass Rasseln jetzt ein Ortsteil von Mönchengladbach ist.Mönchengladbach Hardt: Historie (privater Internetauftritt von Christian Jopen, Mönchengladbach, abgerufen am 6. Mai 2012) Am 1. März besetzten US-Truppen Mönchengladbach; von Rasseln aus zogen sie Richtung Norden weiter.

Etwa 500 m südlich des Dorfes wurde 1955 das Wasserwerk Rasseln errichtet, das heute als eines von sechs Wasserwerken im Stadtgebiet zur Trinkwasserversorgung der Großstadt Mönchengladbach beiträgt. (Internetauftritt der NiederrheinWasser GmbH, Viersen, abgerufen am 6. Mai 2012)

Verkehr mini|Der östliche Ortseingang von Rasseln. Straßenverkehr Das Straßendorf Rasseln erstreckt sich überwiegend in West-Ost-Richtung entlang der gleichnamigen Landstraße. Dies ist die Landesstraße L 39, die von Mönchengladbach-Hardt nach Viersen-Bockert führt.

Die nächstgelegenen Autobahn-Anschlussstellen sind „Mönchengladbach-Hardt“ (Anschlussstelle 6 an der A 52) und „Mackenstein“ (Anschlussstelle 8 an der A 61).

Schienenverkehr Schienenverkehr gibt es in Rasseln nicht und hat es auch nie gegeben, weder als Eisen- noch als Straßenbahn. Die von Rasseln aus nächstgelegenen Bahnhöfe im Personenverkehr sind die Bahnhöfe Dülken, Viersen, Mönchengladbach Hbf, Rheydt Hbf oder Rheindahlen.

Busverkehr Als Ortsteil von Mönchengladbach zählt Rasseln zum Tarif- und Verkehrsgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Es gibt in Rasseln eine Bushaltestelle gleichen Namens, die zugleich Endstation ist. Außerhalb der Schulferien wird die Haltestelle Rasseln montags bis freitags sechsmal täglich von der NEW mobil und aktiv Mönchengladbach mit der Buslinie 023 angesteuert, die hier zwischen Rasseln und Hardt verkehrt.VRR – Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (Internetauftritt des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr, Gelsenkirchen, abgerufen am 6. Mai 2012)

Radwanderwege mini|Der westliche Ortseingang von Rasseln. Die Ortschaft Rasseln wird von mehreren Radwanderwegen durchquert oder berührt, insgesamt führen zwei offiziell ausgewiesene Radwanderwege auf 2 Achsen durch das Gebiet: Die Nebenstrecke Nr. 91 der NiederRheinroute, hier speziell zwischen dem Hardter Wald und dem Wegweiser auf dem Buytersten Feld bei Viersen-Hoser, wo jeweils Anschluss an die Hauptstrecke der Niederrheinroute besteht.Radwandern im Kreis Viersen, Radwanderkarte 1:50.000, 4. Auflage 2009 (Herausgegeben durch Bielefelder Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen mbH, Viersen. ISBN 978-3-87073-122-9, abgerufen am 6. Mai 2012) Die Deutsche Fußballroute NRW, hier speziell zwischen Winkeln und Alt-Viersen auf dem Abschnitt zwischen den Erlebnis-Städten Mönchengladbach und Krefeld. Parallel zur Viersener Landwehr verläuft in Rasseln außerdem ein Wirtschaftsweg Richtung Norden, der nach Bergerstraße führt und von dort aus als kleine Landstraße („Venner Straße“) weiter nach Dülken verläuft. Diese Strecke über Rasseln und Bergerstraße ist für Radfahrer die kürzeste Verbindung von der Mönchengladbacher Innenstadt nach Dülken, auch wenn dies offiziell nicht durch Schilder angezeigt wird.

Sitten und Bräuche mini|Das Missionskreuz von Rasseln gleich neben dem Ortsschild am östlichen Ortseingang. Rasselner Neujahrsgrüße In Rasseln gibt es zum Neujahrsfest einen Jahrhunderte alten Brauch, der die alljährlichen Neujahrswünsche zu einer aufwändigen Angelegenheit werden lässt: In Rasseln ist es üblich, dass jeder Einwohner jeden anderen Einwohner im Anschluss an das Neujahrsfest besucht, um jeweils individuelle Neujahrswünsche überbringen zu können. Bei diesen Besuchen ist Alkoholgenuss in Form von Schnapstrinken obligatorisch. Wegen des damit verbundenen Zeitaufwandes haben alle Bewohner von Rasseln zur Durchführung der Neujahrsbesuche einen Monat lang Zeit.

Das Rasselner Totenbrett