mini|Jehovas Zeugen wird empfohlen, regelmäßig das persönliche Bibelstudium zu pflegen.
Die Zeugen Jehovas leiten ihren Glauben von ihrem biblizistischen Verständnis der Bibel ab. Sie glauben, dass sie allein die Wahrheit lehren. Ihre Exegese der Bibel unterscheidet sich von der der meisten anderen christlichen Gemeinschaften unter anderem durch ihren Antitrinitarismus, ihre Christologie sowie ihre ausgeprägte Apokalyptik und Endzeiterwartung.
Bibel Wort Gottes Zeugen Jehovas glauben an die Bibel, die als Ganzes das inspirierte, irrtums- und widerspruchslose Wort Gottes sei.Robert Schmidt: Zeugen Jehovas. In: Christoph Auffarth, Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): Metzler-Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien. Bd. 3, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 709; Matthias Schreiber: Zeugen Jehovas. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 36, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-017842-5, S. 662 (abgerufen über De Gruyter Online). Sie halten sie daher durchwegs mit Wissenschaft, Geschichte und Archäologie für vereinbar und für die beste Anleitung zu ethischem Verhalten ebenso wie für zuverlässige Prophetie.George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 18 f. Die Zeugen Jehovas geben in vielen Sprachen eine eigene Bibelübersetzung heraus, die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift, die von anderen Kirchen kritisiert wird. Doch sind Jehovas Zeugen auch bereit, andere Bibelübersetzungen zu verwenden. Sie versuchen, Schriftwort durch Schriftwort zu erklären, wobei sie einräumen, dass nicht alle biblischen Aussagen wörtlich auszulegen seien.
Altes und Neues Testament Wie viele reformatorische Kirchen halten Jehovas Zeugen am hebräischen Kanon des Tanach fest, das heißt, sie sehen die Apokryphen nicht als Teil der Bibel. Sie verwenden vorzugsweise die Bezeichnungen „Hebräisch-Aramäische Schriften“ bzw. „Christlich-Griechische Schriften“ anstelle des herkömmlichen „Altes“ bzw. „Neues Testament“, um dem Missverständnis vorzubeugen, dass das Alte Testament durch das Neue ersetzt worden wäre. Allerdings betrachten sie den Sinaibund als seit dem Tod des Messias aufgehoben und die dem Volk Israel gegebenen Gebote daher nicht mehr als bindend.
Gott Jehovas Zeugen glauben an einen persönlichen Gott, den allmächtigen und ewigen Jehova, dessen Haupteigenschaften Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit und Macht seien.
Schöpfer Jehovas Zeugen glauben, dass Gott der Schöpfer der Welt sei. Zur Schöpfung zählen sie den Himmel, die im Himmel lebenden Geistgeschöpfe (auch Jesus Christus in seiner vormenschlichen Existenz), das Universum und die auf der Erde wohnenden Lebewesen wie Menschen, Tiere und Pflanzen. Daher lehnen Jehovas Zeugen alle wissenschaftlichen Lehrmeinungen ab, die diese Schöpferrolle bestreiten, vor allem die Makroevolution. Als Langzeitkreationisten sind sie der Meinung, dass das Universum und die Erde Milliarden Jahre alt sein könnten und dass die Schöpfungstage in der Genesis nicht als 24-Stunden-Tage, sondern als „Zeiträume“ der Schöpfung aufzufassen sind, die unbestimmt lange Zeitspannen umfassten. Die Erschaffung des Menschen datieren sie anhand chronologischer Angaben aus der Bibel in das fünfte Jahrtausend v. Chr.
Antitrinitarismus Die Zeugen Jehovas lehnen die Lehre der Dreifaltigkeit ab.Irving Hexham: Zeugen Jehovas. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. 4. Auflage, UTB, Stuttgart 2008, Bd. 8. S. 1851. Das ist einer der Haupteckpfeiler ihres Dogmas und unterscheidet sie grundlegend von den meisten anderen christlichen Glaubensrichtungen. Sie sind davon überzeugt, dass die Bibel bei korrekter Übersetzung und Auslegung die Lehre der Dreieinigkeit nicht stütze. Die Aussage am Anfang des Johannesevangeliums „καὶ Θεὸς ἦν ὁ Λόγος“, welche meist mit „und das Wort war Gott“ übersetzt wird (), deuten sie nicht trinitarisch, da nach ihrem – von anderen Kirchen viel kritisierten – Verständnis die grammatikalisch korrekte Übersetzung „das Wort war ein Gott“ laute. In dem „Wort“, das hier beschrieben wird, sehen sie Jesus Christus als „einen Gott“ im Sinne eines mächtigen Geschöpfs an, der jedoch nicht ohne Anfang und nicht wesenseins mit dem allmächtigen Gott sei. Somit glauben Zeugen Jehovas an die Subordination, also dass der Sohn dem Vater untergeordnet sei.
Den Heiligen Geist betrachten sie weder als Person noch als Teil eines dreieinigen Gottes, sondern als „Gottes wirksame Kraft“, durch die er schöpferisch wirkte, die Autoren der Bibel inspirierte, in biblischer Zeit manche Menschen zu Wundern befähigte, und durch die er heute Christen zu einem Bekenntnis ihres Glaubens befähige.
Name Jehova Jehovas Zeugen sprechen Gott mit seinem in der Bibel verwendeten Eigennamen JHWH an. Die von den meisten Bibelwissenschaftlern vertretene Ansicht, der Name werde korrekt Jahwe ausgesprochen, halten sie für nicht verifizierbar; sie bleiben in vielen Sprachen bei der Ausspracheform Jehova. Wesentlich ist für sie nicht die Authentizität der Rekonstruktion der Aussprache des Namens, sondern überhaupt einen persönlichen Namen für Gott zu verwenden. Den biblischen Gottesnamen JHWH deuten sie als Zusage Gottes, zu allem zu werden, was zur Erfüllung seiner Vorsätze nötig sei.
Gebet Gebete werden von Zeugen Jehovas ausschließlich an Jehova gerichtet und zwar durch den Mittler Jesus Christus. Das bedeutet, es wird weder zu Jesus gebetet, noch durch Heilige oder Maria.
Jesus Christus Vormenschliche Existenz im Himmel Jehovas Zeugen betrachten Jesus als Gottes erstes und als einziges von ihm unmittelbar erschaffenes Geschöpf. Damit vertreten sie die Präexistenz Christi. Er wird als Sohn Gottes seinem Vater untergeordnet angesehen.
Mensch, Opfertod, Auferstehung Jehovas Zeugen glauben an die Jungfrauengeburt. Als Sohn Gottes sei Jesus als sündenloser Mensch geboren worden, als „Zweiter Adam“, und lebte ohne Sünde. Als er im Alter von 30 Jahren getauft wurde, sei er von Gott mit heiligem Geist zum Hohenpriester gesalbt worden. George D. Chryssides: Historical Dictionary of Jehovah's Witnesses. Rowman & Littlefield, Lanham 2019, S. 80. Sie glauben, dass Jesus während seines menschlichen Lebens ein herausragender Lehrer und Wundertäter war – aber im Mittelpunkt ihrer Theologie steht nicht das Leben, sondern der Opfertod Jesu. Nur aufgrund der Erlösung durch den Tod Jesu und des persönlichen Glaubens an den Wert dieses Opfers könne der Gläubige Vergebung von Sündenschuld erlangen. Nur durch Jesus sei es möglich, zukünftiges ewiges Leben in Versöhnung mit Gott und in körperlicher sowie psychischer Vollkommenheit zu erlangen.
Jehovas Zeugen glauben, dass Jesus an einem „Pfahl“ und nicht an einem Kreuz hingerichtet worden sei. In einer Verehrung des Kreuzes erkennen sie Parallelen zu vorchristlichen, heidnischen Bräuchen; sie lehnen daher die Verwendung des Kreuzes oder ähnlicher Gegenstände für religiöse Handlungen oder als Symbol als „Götzendienst“ ab (; ).
Jehovas Zeugen glauben, Jesus sei am dritten Tag nach seiner Hinrichtung mit einem nichtmateriellen „geistigen Leib“ auferstanden. Wenn er in den darauffolgenden Wochen vereinzelt einen materiellen Leib angenommen habe, so nur vorübergehend, um sich seinen Jüngern zu zeigen. Schließlich sei er in den Himmel aufgefahren, um dort zur Rechten Gottes auf den Herrschaftsantritt als messianischer König zu warten.
König und Erzengel Michael Jehovas Zeugen glauben, dass Jesus 1914 von Gott als König im Himmel eingesetzt worden sei, und sie erwarten den Anbruch seiner 1000-jährigen messianischen Königsherrschaft über die Erde. Jesus wird von Jehovas Zeugen als höchster der Engel angesehen. In seiner vor- und nachmenschlichen Gestalt als „Geistperson“ sei Jesus mit dem Erzengel Michael identisch, so interpretieren sie und . Sie verstehen als Weissagung, wonach Michael/Jesus im Jahr 1914 den Satan und dessen Anhänger aus dem Himmel vertreiben und sie – vor ihrer endgültigen Vernichtung – in den Bereich der Erde verbannen werde.
Satan Die Zeugen Jehovas glauben, dass Satan eine reale Geistperson sei, ein von Gott vollkommen erschaffener Engel, der sich jedoch gegen den Schöpfer aufgelehnt habe, so zum Hauptwidersacher Gottes geworden sei und andere Engel und Menschen dazu bewogen habe, ihm zu folgen.
Den Bibelbericht aus Genesis Kapitel 3 verstehen Jehovas Zeugen so, dass der Teufel (in Gestalt der Schlange) Gott unterstellte, für den Menschen nicht das Beste zu wollen. Satan soll gemeint haben, es wäre besser für den Menschen, selber Maßstäbe für Gut und Böse festzulegen, statt sich den vom Schöpfer mitgeteilten Normen unterzuordnen. Das Bibelbuch Hiob deuten Jehovas Zeugen so, dass der Teufel den Menschen vorgeworfen habe, Gott nur dann zu dienen, wenn sie einen persönlichen Vorteil daraus ziehen könnten. Dass Gott die Rebellion Satans und der Menschen – und damit das Leiden – zuließ und noch zulässt, diene gemäß der Ansicht der Zeugen Jehovas zur Klärung dieser beiden Streitfragen. So könnten sowohl der Teufel als auch die Menschen zeigen, ob sie in der Lage wären, ohne Gott ein besseres Leben zu führen. Durch die Menschheitsgeschichte werde bewiesen, dass der Teufel unrecht habe und die Menschen sich nicht erfolgreich selbst regieren können, und dass es Menschen gebe, die trotz Anfeindung treu zu Gott halten.
Das Weltbild der Zeugen Jehovas ist daher von einem starken Dualismus zwischen Gut und Böse geprägt. Dem Königreich Gottes und denen, die darauf hoffen, stehe die übrige Welt feindlich gegenüber, die als Königreich Satans gilt. Vor diesem Hintergrund lehnen die Zeugen Jehovas jede ökumenische Kooperation mit anderen christlichen Gruppierungen ab. Ihnen sprechen die Zeugen Jehovas ab, ihren Anhängern Heil und Erlösung vermitteln zu können.Hans-Diether Reimer: Jehovas Zeugen. In Evangelisches Kirchenlexikon, Bd. 2. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1989, Sp. 806; Matthias Schreiber: Zeugen Jehovas. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 36, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-017842-5, S. 662 (abgerufen über De Gruyter Online).
Mensch Ursprung des Menschen Jehovas Zeugen glauben, dass Gott die ersten Menschen – Adam und Eva – schuf, sie in den Garten Eden setzte und ihnen auftrug, das Paradies auf die gesamte Erde auszudehnen. Gott habe den Menschen für ewiges Leben auf der Erde erschaffen.
Seele Menschen haben nach Auffassung der Zeugen Jehovas keine Seele, sondern – so verstehen sie – der ganze Mensch als lebendes Wesen ist eine Seele. Die Seele ist demnach kein Teil des Menschen, sondern der ganze Mensch; sterbe er, sterbe die Seele. In diesem Zusammenhang zitieren sie Bibelstellen wie und .
Verlust des Paradieses, Tod Jehovas Zeugen glauben, dass der Mensch mit einem freien Willen erschaffen wurde; sie lehnen die Lehre von der Prädestination ab. Der Missbrauch des freien Willens habe eine Kluft zwischen Gott und dem Menschen geschaffen: Der Mensch habe das Paradies verlassen müssen und sei sterblich geworden, weil er sich – angestiftet vom Satan – bewusst gegen Gott aufgelehnt hätte, vom Baum der Erkenntnis genommen und dadurch das Recht beansprucht habe, selbst festzulegen, was Gut und Böse sei. Als Folge habe er das Paradies verloren, sei unvollkommen und sterblich geworden. Seither vererbe der Mensch die Sündhaftigkeit und Sterblichkeit an alle seine Nachkommen. Der Tod des Menschen sei die Folge seiner Sündhaftigkeit und gleichzeitig auch die Strafe für die Sünde.
Versöhnung mit Gott, ewiges Leben