miniatur|Sproul (2006) Robert Charles Sproul (* 13. Februar 1939 in Pittsburgh, Pennsylvania; † 14. Dezember 2017 in Altamonte Springs, Seminole County, Florida) war ein reformierter Pastor, Professor für systematische Theologie und evangelikaler Autor.

Leben und Wirken Sproul war ein Sohn des Buchhalters Robert Cecil Sproul Junior (1903–1956) und seiner Frau Mayre Ann Yardis (1911–1965). (14. Dezember 2017, englisch, abgerufen am 28. Mai 2026) Er hatte studiert und Abschlüsse des Westminster Theological Seminary in Glenside, Pennsylvania (BA, 1961), des Pittsburgh-Xenia Theological Seminary (M.Div., 1964), der Freien Universität Amsterdam (Drs., 1969) und des Whitefield Theological Seminary (Ph.D., 2001). In Pittsburgh wurde John Gerstner sein Mentor, der ihm Orientierung im Studium und Leben gab. Seine erste Pastorenstelle hatte er um 1964 bei einer presbyterianischen Kirche in Lyndora, Pennsylvania, die aus ungarischen Einwanderern bestand, die vorwiegend bei Armco Steel Works arbeiteten. Während des Studiums in den Niederlanden lernte er die dortige Sprache und promovierte bei G. C. Berkouwer.

Am 18. Juli 1965 wurde Sproul in der Pleasant Hills United Presbyterian Church ordiniert und wurde Teil der United Presbyterian Church in the United States of America (UPCUSA). Daraufhin übernahm er drei kürzere Lehrstellen am Westminster College (1965–1966), am Gordon College (1966–1968) und am Gordon-Conwell Theological Seminary, das damals auf dem Campus der Temple University in Philadelphia angesiedelt war. Neben der beruflichen Lehrtätigkeit hatte er seine Sonntagsschulklasse an der Oreland Presbyterian Church unweit von Philadelphia. Es folgten zwei Jahre Pastorendienst an der College Hill Presbyterian Church in Cincinnati, Ohio.

Im Jahr 1975 transferierte er seine Ordination wegen Liberalismus in der UPCUSA und schloss sich der Presbyterian Church in America (PCA) an. Es folgten weitere Lehraufträge an Seminaren, darunter an den Reformierten Theologischen Seminaren in Orlando, Florida, in Jackson, Mississippi (ab 1980), und am Knox Theological Seminary in Fort Lauderdale, Florida, dort als Professor für Systematische Theologie und Apologetik von 1995 bis 2004.

2011 gründete er das Reformation Bible College in Sanford, Florida. Zuletzt war Sproul Senior Minister für Verkündigung und Lehre in der Gemeinde Saint Andrew’s in Sanford, Florida, die 1997 gegründet werden konnte. Dort hielt er am 26. November 2017 seine letzte Predigt.Stephen Nichols: Das Vermächtnis von R.C. Sproul (1939–2017), Website de.ligonier.org (6. Oktober 2022, abgerufen am 28. Mai 2026) Er war auch ein Mitglied des Rates der Allianz der Bekennenden Evangelikalen (englisch: Alliance of Confessing Evangelicals).

Sproul und seine Frau waren Überlebende des Eisenbahnunfalls am Big Bayou Canot im Jahr 1993, worüber er einen Bericht verfasste.

Am 14. Dezember 2017 starb er im Alter von 78 Jahren in Altamonte Springs an den Folgen seiner COPD-Erkrankung. Er wurde auf dem Saint Andrews Chapel Churchyard in Sanford beigesetzt. (14. Dezember 2017, englisch, abgerufen am 28. Mai 2026)

Familie Sproul war seit dem 11. Juni 1960 mit Vesta Ann Voorhis aus Pittsburgh verheiratet, sie haben zwei Kinder, Sherrie Sproul Dick und R. C. Sproul Junior, elf Enkel und sieben Urenkel.Biografie, monergism.com (englisch)Das Vermächtnis von R.C. Sproul (1939–2017), Website de.ligonier.org (6. Oktober 2022, abgerufen am 28. Mai 2026)

Theologische Standpunkte und Lehrdienste Bekannt wurde Sproul auch als Gründer von Ligonier Ministries, die er 1971 als Ligonier Valley Study Center in Stahlstown gründete und mit der er 1984 nach Orlando umzog. Mit dieser Organisation wollte er den vorhandenen Graben zwischen Sonntagsschule und Theologieseminar überbrücken. Dabei war es ihm ein wichtiges Anliegen, die Lehre von Gott, die fünf Solas der Reformation, eine klare Ethik und Apologetik zu vermitteln. Er nutzte dabei sowohl mündliche Lehreinheiten, Schriften, Radiobotschaften als auch Fernsehprogramme. Das Magazin Tabletalk, das 1977 gegründet wurde, hatte im Jahr 2017 eine Auflage von 100.000 Exemplaren und wurde von mehr als 250.000 Personen gelesen. Das 1982 ins Leben gerufene Radioprogramm The R.C. Sproul Study Hour wurde 1994 erweitert und sandte täglich unter dem Namen Renewing Your Mind. 2017 gab er Präsidium und Vorsitz von Ligonier an Chris Larson weiter. Sinclair B. Ferguson, W. Robert Godfrey, R. Albert Mohler Jr., Stephen J. Nichols, Burk Parsons und Derek W.H. Thomas betätigen sich weiterhin als Lehrer.Das Vermächtnis von R.C. Sproul (1939–2017), Website de.ligonier.org (6. Oktober 2022, abgerufen am 28. Mai 2026)

Sproul war 1978 einer der führenden Unterzeichner der Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel.Kate Shellnutt: Died: R. C. Sproul, Reformed Theologian Who Founded Ligonier Ministries, 14. Dezember 2017, Website Christianity Today Aufgrund seiner klaren reformatorischen Überzeugungen widersetzte er sich 1994 der Initiative Evangelicals and Catholics Together (ETC), später der neuen Perspektive auf Paulus und der Auburn Avenue Theologie (Federal Vision).Stephen Nichols: Das Vermächtnis von R.C. Sproul (1939–2017), Website de.ligonier.org (6. Oktober 2022, abgerufen am 28. Mai 2026)

1982 veröffentlichte er bei Zondervan in Grand Rapids ein apologetisches Buch mit dem Titel Reason to Believe – A Response to Common Objections to Christianity, worin er sieben Grundwahrheiten des Römerbriefs herausgearbeitet hatte: Alle Menschen wissen von Gott. Alle Menschen lehnen Gott ab (und betreiben somit Götzendienst). Alle Menschen sind vor Gott schuldig (und es gibt keine Unschuldigen). Alle Menschen sind verurteilt, weil sie Gott ablehnen. Gott hat einen Weg der Rettung für die Verlorenen geschaffen. Alle Menschen können im Glauben an Christus zu Gott kommen. Gott befiehlt seiner Gemeinde, das Evangelium allen Menschen zu verkündigen.

Der baptistische Theologe David Platt übernahm 2010 in seinem Bestseller Radical diese sieben Punkte, eine Kurzfassung des Evangeliums, um Christen zu einer ernsthafteren und konsequenteren Nachfolge Christi aufzufordern.David Platt: Keine Kompromisse. Jesus nachfolgen – um jeden Preis, Frontiers Deutschland, Meinersen 2017, S. 139ff, Originaltitel: Radical, Multnomah, Penguin Random, Colorado Springs 2010

Sproul galt auch als Vertreter des Kreationismus, weil er nach Prüfung verschiedener Hypothesen und Theorien (the gap theory, the day-age theory, the framework hypothesis) die wörtliche Bedeutung der Genesistexte als prioritär für seine Auslegung ansah.Karisa Schlehr: What Is R.C. Sproul’s Position on Creation? 9. Februar 2011, Website Ligonier Ministries, abgerufen am 20. Juni 2018.

Kritik Als calvinistisch geprägter Theologe hielt Sproul an den Prämissen wie der Allmacht, Allwissenheit und Souveränität Gottes unerschütterlich fest. Sie zeige sich darin, dass jedes Molekül im Universum unter der Kontrolle Gottes stehe. Der baptistische Theologe Gregory A. Boyd kritisierte diese Sichtweise als fragwürdige Schwäche, weil die Bibel Gott vielmehr als interaktiven und dynamischen Gott beschreibe, der nicht alles unter unmittelbarer Kontrolle haben müsse.Manuel Schmid: Gott ist ein Abenteurer, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2020, S. 169

Schriften (Auswahl) Sproul war Herausgeber der Genfer Studienbibel und Autor von mehr als 100 Büchern.https://www.ligonier.org/learn/teachers/rc-sproul/ In späteren Jahren veröffentlichte er zudem einige illustrierte Kinderbücher. The Symbol: An Exposition of the Apostles’ Creed, 1973. Knowing Scripture, 1977. mit John Gerstner und Arthur Lindsay: Classical Apologetics: A rational defense of the christian faith and a critique of presuppositional apologetics, Zondervan, Grand Rapids 1984. The Holiness of God, 1985. Chosen by God, 1986. Pleasing God, 1988. Surprised by suffering, 1989. The mystery of the Holy Spirit, 1990. The hunger for significance, 1991. Essentiel truths of the christian faith, 1992. Justified by faith alone, 1995. The character of God, 1995. Choosing my religion, 1996. Now, that's a Good question! 1996. The King whitout a shadow, 1996. Grace unknown: The heart of reformed Theology, 1997. What is reformed Theology? 1997. Willing to believe, 1997. Renewing your mind, 1998. The last days according to Jesus, 1998. Getting the Gospel right: The tie that binds Evangelicals together, 1999. The Consequences of ideas: Understanding the concepts that shaped our world, 2000. Loved by God, 2001. The Reformation Study Bible, Reformation Trust Pub, 2001 und 2015, ISBN 978-1-56769-445-1. Defending your faith: An introduction to apologetics, 2002. Five things every christian needs to grow, 2002. Saved from what? 2002. The purpose of God, 2002. The truth of the cross, 2007. The prince's poison cup, 2008. Can I know God's will? 2009. Does prayer change things? 2009. How should I live in this world? 2009. The prayer of the Lord, 2009. Can I be sure I'm saved? 2010. Classic teachings on the nature of God, 2010. What does it mean to be Born Again? 2010. What is faith? 2010. The Barber who wanted to pray, 2011. Unseen Realities: Heaven, Hell, Angels and Demons, 2011. What is the Trinity? 2011. Moses and the burning bush, 2012. Can I have joy in my life? 2012 Does God control everything? 2012 God's love: How the infinite God cares for his children, 2012 How can I develop a christian conscience? 2013 The promises of God: Discovering the one who keeps his word, 2013 What is the church? 2013. Can I lose my salvation? 2015.

Deutsche Übersetzungen Gott wohlgefällig leben, Voice of Hope, Reichshof 2020, ISBN 978-3-947978-76-2. Römerbrief-Kommentar, Voice of Hope, Reichshof 2022, ISBN 978-3-947978-58-8. Sind dies die letzten Tage, Voice of Hope, Reichshof 2022, ISBN 978-3-947978-80-9. Der König ohne Schatten, Hänssler, Neuhausen 1976, ISBN 978-3-7751-2529-1. Die Heiligkeit Gottes, Francke, Marburg 1989, ISBN 978-3-88224-727-5 (Neuauflagen: Hänssler, Neuhausen 1996, ISBN 978-3-7751-2605-2; CLV Bielefeld 2018, ISBN 978-3-86699-371-6). Gott gefällig leben, Hänssler, Neuhausen 1998, ISBN 978-3-7751-2693-9. Glauben von A bis Z. 102 biblische Begriffe einfach erklärt, 3L, Waldems, 2005, ISBN 978-3-935188-54-8. Bibelstudium für Einsteiger. Eine Einführung in das Verstehen der Heiligen Schrift, Betanien, Oerlinghausen 2009, ISBN 978-3-935558-89-1. Was am Kreuz geschah, Wort-Verlag, Warburg 2009, ISBN 978-3-934633-33-9. Rechtfertigung durch Glauben allein, 3L, Waldems 2012, ISBN 978-3-941988-63-7. Der Friseur, der das Beten lernen wollte, 3L, Waldems 2012, ISBN 978-3-943440-93-5. Der Giftbecher des Prinzen, 3L, Waldems 2013, ISBN 978-3-943440-95-9. Die unsichtbare Welt, 3L, Waldems 2015, ISBN 978-3-941988-59-0. Leid meldet sich nicht an, 3L, Waldems 2015. Was geschieht mit den Menschen, die niemals von Jesus gehört haben? Herold, Leun 2015. Luthers Vermächtnis, 3L, Waldems 2017, ISBN 978-3-943440-14-0. Reformations-Studien-Bibel, 3L, Waldems 2017, ISBN 978-3-943440-27-0.

Weblinks

Stephen Nichols: Das Vermächtnis von R.C. Sproul (1939–2017), Website de.ligonier.org (6. Oktober 2022). Burk Parsons: R.C. Sproul: A Man Called By God, Website Ligonier Ministries (ausführliche Biographie, englisch) Predigten von R.C. Sproul (amerikanisches Englisch). Kurzbiografie (englisch) auf Website monergism.com.

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