mini|250px|Lage des Biosphärenreservats Bliesgau mini|Logo des Biosphärenreservats Das Biosphärenreservat Bliesgau ist ein Biosphärenreservat der UNESCO im Südosten des Saarlandes an der Grenze zur französischen Region Lothringen und Rheinland-Pfalz. Es umfasst eine Fläche von ca. 36.000 ha und wird vor allem von Wäldern, Streuobstwiesen und Auenlandschaften der Blies geprägt. Des Weiteren ist die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten sowie das dichte Nebeneinander von städtischem und ländlichem Raum für die Region prägend.

Geographie Lage mini|Lichtung bei Niederwürzbach im Sankt Ingbert-Kirkeler Waldgebiet; Rotbuchenwald auf Buntsandstein mini|Landschaft In Breitfurt mit Blick Richtung Blickweiler Das Biosphärenreservat Bliesgau liegt in der südöstlichen Ecke des Saarlandes und umfasst eine Fläche von 36.152 ha, was ca. 14 % der Fläche des Saarlandes entspricht. (PDF; 6,3 MB) Auf: www.biosphaere-bliesgau.eu In unmittelbarer Umgebung des Gebietes liegen Saarbrücken im Westen, Homburg im Norden, Zweibrücken im Osten und Saargemünd im Süden. Die zum Biosphärenreservat gehörenden Flächen liegen zum größten Teil im Saarpfalz-Kreis und zu einem kleineren Teil im Regionalverband Saarbrücken. Die Städte Blieskastel und St. Ingbert sowie die Gemeinden Kirkel, Gersheim, Mandelbachtal und Kleinblittersdorf liegen vollständig innerhalb, die Stadt Homburg teilweise im Gebiet des Biosphärenreservates.

Das Gebiet des Biosphärenreservates umfasst den größten Teil der Landschaften des Bliesgaus (einem Teil des „Saar-Blies-Gau“) und Teile des Westrichs sowie die Naturräume des Sankt Ingbert-Kirkeler Waldgebietes und der St. Ingberter Senke. Die höchsten Erhebungen sind der südlich von St. Ingbert gelegene Betzentaler Berg (402 m), tourensuche.eu der ebenfalls südlich von St. Ingbert gelegene Hochscheid (401 m) und der Große Kahlenberg (401 m) zwischen Breitfurt und Böckweiler.

Im Südosten grenzt das Biosphärenreservat Bliesgau unmittelbar an das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzer Wald/Nordvogesen.

Der Bliesgau mit seinem eher städtisch geprägten Norden und einer Bevölkerungsdichte, die über dem Bundesdurchschnitt liegt (311 Einwohner pro km²), ist im Vergleich zu den anderen deutschen Biosphärenreservaten für einen ländlichen Raum relativ stark verdichtet. Dies macht den Bliesgau als Biosphärenreservat weltweit einmalig.

Flächennutzung In den Gemeinden Homburg, Kirkel und St. Ingbert macht der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen jeweils über 20 % der Gemeindefläche aus, während er in den Gemeinden Blieskastel, Gersheim und Mandelbachtal jeweils bei rund 10 % liegt. Mit 18 % Siedlungs- und Verkehrsflächen liegt die Gemeinde Kleinblittersdorf dazwischen. In den Kommunen Blieskastel, Gersheim, Kleinblittersdorf und Mandelbachtal werden rund 2/3 der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt, in Homburg, Kirkel und St. Ingbert liegt dieser Anteil lediglich bei etwa 15–30 %. Diese Kommunen im nördlichen Teil der Region sind deutlich stärker durch ihren hohen Waldanteil geprägt, der hier zwischen 43 % und 52 % liegt. Zurückzuführen sind diese Unterschiede in den Anteilen der Waldflächen zwischen den nördlichen und südlichen Gemeinden vor allem auf die naturräumlichen Gegebenheiten (PDF) wie auch durch kulturlandschaftliche Hege- und Pflegemaßnahmen.

Boden Die überwiegenden Bodentypen sind Muschelkalkböden sowie Braunerden und Parabraunerden, die auf Buntsandstein entstanden sind. Ferner finden sich vom Grundwasser beeinflusste Gleyböden, z. B. in den Auen der Blies. In einigen Bereichen haben sich Moorböden gebildet.Saarländisches Bodeninformationssystem (SAARBIS) Auf: www.saarland.de Auf: www.iflis.de (Seite des Instituts für Landeskunde im Saarland)Hannah Neu: (PDF; 782 kB) Diplomarbeit, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz 2006, S. 31/32Horst Schneider: Saarland (= Sammlung geologischer Führer 84). Berlin / Stuttgart 1991.

Klima Bestimmend für das Klima im Bliesgau sind unterschiedliche Großwetterlagen. Herrscht bei westlichen Großwetterlagen eine milde und feuchte Witterung vor, so ist es bei östlichen Lagen trocken und im Sommer heiß, im Winter kalt. Aus dem Süden kommt eine warme bis heiße Witterung mit unterschiedlichen Niederschlägen und aus dem Norden kommt relativ kalte, manchmal trockene, manchmal feuchte Luft. Der Bliesgau gehört zu den klimatischen Gunsträumen Deutschlands. Die Jahresmitteltemperatur beträgt um 9,5 °C und wird damit nur vom Oberrheingraben und dem Freiburger Raum übertroffen. Das Temperaturmaximum liegt im Juli bei ca. 18 °C, das Minimum im Januar bei ca. 0,5 °C.Olaf Kühne: Wetter, Witterung und Klima im Saarland (= Saarland-Hefte 2). Saarbrücken 2004, S. 40 ff.Olaf Kühne: derbliesgau.de (o. J.); abgerufen am 20. April 2006Hannah Neu: (PDF; 782 kB) Diplomarbeit, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz 2006, S. 32 Es gibt im Jahresgang der Niederschläge zwei Maxima, eines im Zeitraum Juni bis August und eines im Zeitraum November/Dezember. Die Niederschlagsmenge liegt zwischen 800 und 1000 mm, dabei sind die größten Niederschlagsmengen an westexponierten Hängen von größeren Erhebungen festzustellen.Olaf Kühne: Wetter, Witterung und Klima im Saarland (= Saarland-Hefte 2). Saarbrücken 2004, S. 70 ff. Die mittlere jährliche Zahl der Schneetage von mindestens 10 cm Höhe ist kleiner als fünf. Das Gebiet zählt damit zu den schneeärmsten Gegenden in Deutschland. Die vorherrschende Windrichtung ist Südwest.

Zonierung mini|Hinweisschilder am Rand der Kernzone „Böckweiler Wald“ Das Biosphärenreservat gliedert sich, abgestuft nach dem Einfluss menschlicher Tätigkeit, in drei Zonen: In eine Kern-, eine Pflege- und eine Entwicklungszone. In den Gebieten der Kernzone wird eine ungestörte Waldentwicklung mit der ihr entsprechenden Artenvielfalt angestrebt, eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung findet nicht mehr statt. In den Pflegezonen sollen Formen der bisherigen Landnutzung ausgeübt und entwickelt werden, die die wertgebenden und charakteristischen Merkmale der Landschaft erhalten und entwickeln. In den Entwicklungszonen schließlich soll auf der Grundlage einer aktiven Bürgerbeteiligung eine nachhaltige Regionalentwicklung betrieben werden. Kernzonen sind als Naturschutzgebiete und Pflegezonen überwiegend als Landschaftsschutzgebiete zu schützen.§ 10 SNG Biosphäre Bliesgau (PDF; 75 kB)

Die Kernzone besteht aus 10 Teilflächen mit zusammen ca. 1.109 ha Fläche, das entspricht etwa 3,1 % der Gesamtfläche.Kernzonen – Urwälder von morgen. (PDF; 519 kB) Flyer

Zur Kernzone zählen folgende Gebiete: „Moorseiters“ (Blieskastel-Altheim, 32 ha), ein Laubwald mit über hundertjährigen Buchen-/Eichenbeständen am Übergang von Buntsandstein zum Muschelkalk. „Baumbusch“ (Gersheim, 150 ha), ein Laubwald auf Muschelkalk mit ehemaligen Steinbrüchen, inselartigen Mittelbeständen und hohem Höhlenbaumanteil. „Böckweiler Wald“ (Blieskastel-Breitfurt, 58 ha), Mittelalter Laubholzbestand auf Muschelkalk mit hohem Ahorn- und Eschenanteil. „Taubental/In den Drecklöchern“ (Kirkel/Blieskastel, 449 ha), ein Laubmischwald auf Buntsandstein mit Nadelholzanteilen / einzelne alte Baumgruppen auf den Höhenlagen. „Pfänderbachtal“ (Homburg, 45 ha), Bodensaure Buchenwälder, stellenweise mit alten Buchenbeständen im Biotopverbund mit eingekerbtem Bachtal. „Kalbenberg Süd“ (Rubenheim/Gersheim, 31 ha), ein Laubwald mit hohem Eschenanteil und inselartigen Mittelwaldbeständen, Mischform aus Nieder- und Hochwald. „Kleinblittersdorfer Wald“ (Kleinblittersdorf, 51 ha), Laubmischwald auf Muschelkalk mit über 120-jährigen Buchen, Traubeneichen, Mischung mit Edellaubbäumen. „Lindenfels“ (Blieskastel-Alschbach, 113 ha), Laubwald auf Buntsandstein am Übergang zum Muschelkalk mit hohen Nadelholzanteilen und halboffenen Flächen. „Ehemaliges Kalkbergwerk“ (Gersheim/Mandelbachtal, 76 ha), ein Laubmischwald auf Muschelkalk mit hohen Totholzanteilen in Hanglage. „Oberwürzbach-Hirschental“ (St. Ingbert-Oberwürzbach, 98 ha), Mittelalter Laubmischwald auf Buntsandstein mit einzelnen alten Baumgruppen in Hanglage.

Die Pflegezone hat eine Größe von etwa 7.033 ha, was ca. 19 % der Gesamtfläche entspricht. In der Pflegezone ist das Ziel der Schutz der Kulturlandschaften, Landschaften also, die durch menschliche Nutzung entstanden sind und deren Fortbestand durch eine entsprechende menschliche Nutzung oder Pflege gewährleistet werden soll. Vor dem Hintergrund der veränderten gesellschaftlichen und insbesondere agrarpolitischen Rahmenbedingungen wird der Erhalt der Arten- und Habitatvielfalt auf Basis des jeweiligen Schutzgebietsstatus und die Beibehaltung und Entwicklung modellhafter nachhaltiger Formen der Landnutzung angestrebt. Die aus naturschutzfachlicher Sicht sehr wertvollen Flächen, wie z. B. die Kalkhalbtrockenrasen, die Orchideenwiesen, artenreiche Streuobstwiesen, aber auch Flachlandmähwiesen und Auwiesen werden in der Pflegezone zusammengefasst. Als Naturschutzgebiete sind etwa 30 % der Pflegezone ausgewiesen, weitere 15 % als FFH-Gebiet. Ca. 48 % – überwiegend Waldflächen, für die eine naturgemäße Waldbewirtschaftung gemäß Landeswaldgesetz durchzuführen ist – sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die bisherige Nutzung bleibt in der Pflegezone zulässig, was eine Dynamik im Sinne von Nutzungsvielfalt und Nutzungsgradienten einschließt. Durch die Pflege- und Entwicklungspläne der Naturschutz- und der FFH-Gebiete werden Einzelregelungen festgelegt. In der Pflegezone bleibt die naturgemäße Waldwirtschaft nach den Richtlinien des Landeswaldgesetzes erlaubt, da die bewirtschafteten Flächen – sofern sie im Staatseigentum oder im Besitz der Gemeinden St. Ingbert, Kleinblittersdorf, Blieskastel oder Homburg sind – Forest Stewardship Council (FSC) bzw. Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) zertifiziert sind.Karte-Verordnung-Natsg biosphaere-bliesgau.eu

Flora und Vegetation mini|Orchideenwiese bei Gersheim mini|Warme Kalktrockenrasen sind der bevorzugte Standort der Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) mini|hochkant|Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) mini|hochkant|Affen-Knabenkraut (Orchis simia) In den nördlichen, urbanen Bereichen des Biosphärenreservats dominieren neben den Siedlungsbiotopen die kollinen, mesophilen Buchenwälder im oberen Buntsandstein mit versumpften Sohlentälern. Die südlichen, ländlichen Bereiche der Biosphäre beinhalten als prägende Elemente Halbtrockenrasen, ausgedehnte magere Flachlandmähwiesen (im Wesentlichen Salbei-Glatthaferwiesen), Streuobstkomplexe, Orchideen- und Waldmeister-Buchenwälder auf Muschelkalk. 25 der 50 in Deutschland heimischen Orchideenarten sind hier zu finden.Pflanzen im Biosphärenreservat Bliesgau Auf: www.biosphaere-bliesgau.eu

Mindestens acht bundesweit stark gefährdete Orchideenarten, die in Südwestdeutschland vielfach ihre Verbreitungsgrenze erreichen, kommen in den Halbtrockenrasen des Biosphärenreservats in mehreren, meist individuenreichen Populationen vor. Besonders bedeutend sind die Vorkommen von:

Ohnsporn (Aceras anthropophorum) Pyramiden-Orchis (Anacamptis pyramidalis) Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) Affen-Knabenkraut (Orchis simia)

Unter den vergleichbaren Muschelkalklandschaften Deutschlands besitzt der Bliesgau eine beachtliche Eigenständigkeit. Bedingt wird dies zum einen durch die westlich geographische Lage mit Anschluss an die lothringischen Kalkgebiete, zum anderen durch den hohen Anteil an mergelhaltigen Horizonten im anstehenden Gestein. So überwiegen beispielsweise im Naturraum „Saar-Blies-Gau“ schwere, zu Staunässe neigende Böden. Hieraus resultiert ein Hang zur Wechselfeuchte, der sich in vielen Vegetationstypen bemerkbar macht.Biosphäre Bliesgau Auf: www.blieskastel.de