mini|Johann Anton I. Fürst von Eggenberg, Herzog von Krumau (1610–1649) Johann Anton I. von Eggenberg (* 5. Februar 1610; † 19. Februar 1649 in Laibach (heute Ljubljana in Slowenien)) folgte auf seinen Vater Hans Ulrich von Eggenberg als 2. Reichsfürst von Eggenberg und 2. Herzog von Krumau in Südböhmen (1634–1649). Er wurde 1647 gefürsteter Graf von Gradisca (heute in der Region Friaul-Julisch Venetien in Italien) und Herr von Aquileja (Friaul-Julisch Venetien), war Graf zu Adelsberg (heute Slowenien), sowie Besitzer zahlreicher Herrschaften und Schlösser in der Steiermark, Nieder- und Oberösterreich und im heutigen Slowenien. Im Jahr 1644 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Anders als sein Vater strebte er keine hohen Regierungsfunktionen an, sondern widmete sich seinen ausgedehnten Besitzungen und primär der definitiven Verankerung seiner Familie im neu erworbenen Reichsfürstenstand. Dies, indem er sich 1639 mit einer Markgräfin von Brandenburg vermählte, den Bau von Schloss Eggenberg (nunmehr im XIV. Stadtbezirk – Eggenberg) bei Graz vorantrieb und zwecks Erhalt der Reichsstandschaft 1641 die Belehnung mit der reichsunmittelbaren Gefürsteten Grafschaft Gradisca erlangte. Trotz aller Bemühungen konnte er nicht mehr die Zulassung zu Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat erlangen, da er vorzeitig – mit nur 39 Jahren – verstarb.

Herkunft mini|hochkant|Der Vater: Hans Ulrich, 1. Fürst von Eggenberg, Herzog von Krumau

Johann Anton I. von Eggenberg stammte aus der ursprünglich bürgerlichen Familie Eggenberger, die mit Ulrich Eggenberger († 1448), 1432 Stadtrichter zu Graz urkundlich auftritt, später zu großem Vermögen kam, am 29. Dezember 1598 in den Reichsfreiherrenstand und bereits 1623 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde.

Der Vater von Johann Anton I. war Hans Ulrich von Eggenberg (* 1568 in Graz; † 18. Oktober 1634), der engste Berater von Erzherzog Ferdinand II. von Österreich, der als Landesherr Innerösterreich, d. h. die Herzogtümer Steiermark, Kärnten, Krain und Küstenland regierte. Hans Ulrich behielt diese Funktion auch, als Erzherzog Ferdinand als Ferdinand II. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches aufstieg. Er war damit einer der politisch einflussreichsten und vermögendsten Männer in den Habsburgischen Erblanden, war ab 1602 Landeshauptmann in Krain, Mitglied des innerösterreichen Geheimen Rates und Präsident der Hofkammer, wurde 1615 dessen Obersthofmeister, Präsident des Geheimen Rates und 1620 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Im Jahre 1623 wurde Hans Ulrich Freiherr von Eggenberg in den Reichsfürstenstand erhoben, wurde 1625 Statthalter von Innerösterreich sowie leitender Minister und 1628 zum Herzog von Krumau (Český Krumlov) in Südböhmen erhoben.Walther Ernst Heydendorff: Die Fürsten und Freiherren zu Eggenberg und ihre Vorfahren. Verlag Styria, 1965, S. 91.

Die Mutter des Johann Anton von Eggenberg war Sidonia Reichsfreiin von Thannhausen († 9. Mai 1614 in Wien), die aus der gleichnamigen Salzburger Uradelsfamilie stammt. Deren Bruder Balthasar († 1627) war Landeshauptmann in Görz und wurde 1623 zum Reichsgrafen von Thannhausen erhoben. Der Vater Sidonias war der Reichsfreiherr Konrad von Thannhausen († 14. Juni 1601), auf Neukirchen, erzherzoglicher Kämmerer und Rat, seit 18. Februar 1580 Obersterblandjägermeister in Steiermark.Siebm. NÖ. II. S. 322. Deren Mutter war Barbara Dorothea von Teuffenbach aus dem Haus MayerhofenSiebm. NÖ. II. S. 317. (Schloss Obermayerhofen) (Gemeinde Sebersdorf) und die Erbin der Herrschaft Oberfladnitz (Thannhausen) (im Bezirk Weiz in der Steiermark), wo ihr Ehemann das Schloss Thannhausen errichten ließ, dem der Ort den heutigen Namen verdankt.

Leben Frühe Jahre Über seine ersten Lebensjahre sind nur wenige Daten bekannt. Johann Anton I. wurde 1610 als sechstes Kind und einziger Sohn seiner Eltern geboren, die damals noch freiherrlichen Standes waren. Er verlor mit vier Jahren seine Mutter Sidonia, die 1614 verstarb und wuchs mit seinen älteren Schwestern auf. Von diesen starben zwei in jungen Jahren, während sich die drei anderen mit Vertretern wichtiger Familien der Donaumonarchie vermählten.Walther Ernst Heydendorff: Die Fürsten und Freiherren zu Eggenberg und ihre Vorfahren. 1965, Anlage 1 Stammtafel Maria Sidonia († 1650; v. 15. Jänner); ⚭ 16. November 1615 Julius Neidhart Freiherr, seit 1634 Graf, von Mörsperg und Beffort, Geheimer Rat († 1642). Maria Franziska (* 1607; † 4. Februar 1679 in Annaberg (Niederösterreich), wo sie in der Kirche begraben wurde,Laut verstarb sie erst am 1. September 1679.); Obersthofmeisterin der Kaiserin Eleonore Magdalene Herzogin von Pfalz-Neuburg, ⚭ 28. Juni 1620 in Graz Karl Leonhard Freiherr, seit 1627 Reichsgraf von Harrach zu Rohrau (in Niederösterreich), später Obersthofmarschall (* 1594; † 1645). Durch sie war Johann Anton auch mit dem Generalissimus der kaiserlichen Truppen im Dreißigjährigen Krieg, Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, besser bekannt als Wallenstein und als Herzog von Friedland (heute Frýdlant v Čechách) nahe der Stadt Reichenberg (heute Liberec) in Nordböhmen, verschwägert, der mit Isabella Gräfin von Harrach, einer Schwester des Grafen Karl Leonhard vermählt war. Maria Margarete (* 1617; † nach 17. März 1657 in Wien ) ⚭ 1.) Wien 23. April 1626 Adam Paul Graf Slavata von Chlum und Koschumberg (* 13. Juni 1604; † 2. Juli 1657 in Wien), Ehe annulliert 1632, ⚭ 2.) n. 1634 Michael Johann I. Reichsgraf Althann Freiherr von und zu der Goldburg zu Murstetten (im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich), später Feldmarschall (* 1597/1607; † 19. Februar 1649) (Stammvater der älteren, noch blühenden Linie der Grafen Althann)

In Vorbereitung einer Karriere in der Verwaltung der Erblande des Hauses Österreich genoss er zweifellos eine standesgemäße Erziehung, da ja bereits sein Vater Hans Ulrich Studien an der Eberhard Karls Universität in Tübingen absolviert hatte. Er studierte an der 1585 von Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (* 1540 in Wien; † 1590 in Graz) im Zuge der Gegenreformation gegründeten Jesuitenuniversität in Graz, der Hauptstadt der Steiermark und der innerösterreichischen Länder. Er unternahm anschließend die in hohen Adelskreisen übliche Kavalierstour durch weite Teile Europas, von der er 1632 nach Graz zurückkehrte.

Unter der Obhut seines Vaters trat Johann Anton, der Familientradition entsprechend, in den Hofdienst des Kaisers Ferdinand II. (1619–1637) ein. Schon frühzeitig wurde Johann Anton von seinem Vater auch damit betraut, sich in seiner Vertretung um die Verwaltung des umfangreichen – über mehrere Länder der Habsburgermonarchie verstreuten – Landbesitzes zu kümmern.Walther Ernst Heydendorff: Die Fürsten und Freiherren zu Eggenberg und ihre Vorfahren. 1965, S. 160.

Fürst und Herzog mini|hochkant|Wappen des Fürsten Johann Anton I. von Eggenberg Sein Vater, Hans Ulrich von Eggenberg, der erste Fürst von Eggenberg und Herzog von Krumau, starb 1634, wodurch Johann Anton im selben Jahr als zweiter Fürst von Eggenberg, Herzog von Krumau etc. nachfolgte und dessen umfangreichen Besitz an Herrschaften und Gütern übernahm. Dazu zählte u. a. neben dem Herzogtum Krumau in Böhmen, der Grafschaft Adelsberg, die Herrschaften Pettau (heute Ptuj in Slowenien), Ehrenhausen (im Bezirk Leibnitz in der Steiermark), Straß (im Bezirk Leibnitz), Senftenberg (in Niederösterreich), Oberwallsee (in der Gemeinde Feldkirchen im Mühlviertel in Oberösterreich), Prachatitz (heute Stadt Prachatice in Südböhmen) etc.

mini|hochkant|Kaiser Ferdinand II. Im Jahre 1635 wurde er zum Landeshauptmann von Krain und bald darauf zum innerösterreichischen Geheimen Rat (etwa: Regierungsmitglied) und zum kaiserlichen Kämmerer ernannt. In den elitären Kreis der Ritter des Ordens von Goldenen Vlies wurde Fürst Johann Anton im Jahre 1644 durch Philipp IV. König von Spanien (1621–1665), dem Chef des Hauses Österreich gleichzeitig u. a. mit Wilhelm Reichsgraf Slavata von Chlum und Koschumberg (* 1572; † 1652), Oberstkanzler von Böhmen – der 1618 beim Zweiten Prager Fenstersturz von protestantischen Ständen aus einem Fenster der Prager Burg gestürzt worden war – und Wenzel Eusebius (* 1609; † 1677) 2. Fürst von Lobkowitz (1628–1677), ab 1646 Herzog von Sagan, aufgenommen.

Einen wichtigen Einschnitt in seinem Leben stellte der Tod des Kaisers Ferdinand II. dar, der am 15. Februar 1637 in Wien verstarb, da seine Familie mit diesem seit Jahrzehnten durch eine enge persönliche Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden war. Kaiser Ferdinand II. hatte in seinem Testament verfügt, dass er nicht in der kaiserlichen Residenzstadt Wien, sondern in der Stadt seiner Jugend, in Graz, begraben werden sollte. Seine sterblichen Überreste wurden daher von der Hofburg zu Wien über den Semmering nach Graz überführt. Am Stadtrand von Graz erwartete Fürst Johann Anton von Eggenberg mit großem Gefolge auf den Kondukt und gab dem Wohltäter seiner Familie mit 30 Kutschen das Ehrengeleit. und organisierte die feierliche Beisetzung des Kaisers in dem von Kaiser Ferdinand II. 1614 selbst in Auftrag gegebenen Mausoleum in Graz, das zu den bedeutendsten manieristischen Bauwerken Österreichs zählt.

Das enge Vertrauensverhältnis zwischen dem Landesherren und dem Haus Eggenberg blieb auch unter dem Sohn von Kaiser Ferdinand II. – Ferdinand III. (* 1608 in Graz; † 1657 in Wien) – der 1637 als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nachfolgte, bestehen, da Johann Anton den fast gleichaltrigen Erzherzog seit seiner Jugend in Graz bestens kannte. Er hatte jedoch nicht den politischen Ehrgeiz seines Vaters geerbt, verzichtete daher darauf, durch Übernahme hoher politischer Funktionen auf die Politik in den österreichischen Erblanden oder in der Reichspolitik einen entscheidenden Einfluss auszuüben.

Sein Interesse galt eher der Konsolidierung seines Status als Reichsfürst, was keine leichte Aufgabe war, da die alten Fürstenfamilien regelmäßig die vom Kaiser zu Reichsfürsten ernannten verdienten Staatsmänner aus dem Landesadel als nicht gleichberechtigte Parvenüs ansahen und daher darauf bestanden, dass die formellen Voraussetzungen für eine Zulassung zum Reichsfürstenrat mit Sitz und Stimme streng eingehalten wurden, bevor sie – oft unter Verzögerungen – der Zulassung schließlich ihre Zustimmung gaben.

Fürstliche Repräsentation mini|Goldene Kutsche im Schloss Krumau, mit der Eggenberg anlässlich der Audienz bei Papst Urban VIII. vorfuhr Ein Mittel, Macht, Reichtum und Bedeutung der Familie zu unterstreichen, war die Übernahme wichtiger protokollarischer Funktionen. Für Fürst Johann Anton ergab sich sehr bald Gelegenheit, seine Qualitäten durch „fürstliche“ Repräsentation zu demonstrieren: Nach der Wahl zum römischen König hatte Ferdinand III. (HRR). zur Legitimierung des mit dem Titel des römischen Königs verbundenen Kaiserstitels dem Papst durch einen hochrangigen Sonderbotschafter anzuzeigen, dass er ihm gegenüber seine kaiserlichen Pflichten erfüllen wird, was Voraussetzung für seine Anerkennung durch den Heiligen Stuhl war. Die Wahl Ferdinands, Papst Urban VIII. seine Thronbesteigung anzuzeigen, fiel auf seinen Jugendfreund Eggenberg. Dank seines großen Reichtums gab dies Eggenberg die Möglichkeit, den Auftrag mit verschwenderischer Prachtentfaltung durchzuführen und sich dadurch einen fast legendären Nachruhm zu erwerben. In einem vielleicht übertriebenen Bewusstsein der Bedeutung seines Auftrages und seiner Person erhob Fürst Eggenberg jedoch so hohe protokollarische Anforderungen, dass die Durchführung der Mission in Rom mehrfach verschoben werden musste. Ein Umstand, der angesichts der allgemeinen Zurückhaltung des Papstes gegenüber der kaiserlichen Politik nicht sehr hilfreich war.Walther Ernst Heydendorff: Die Fürsten und Freiherren zu Eggenberg und ihre Vorfahren. 1965, S. 161. Seine Bemühungen, den Papst zu einer Einflussnahme auf die Politik Frankreichs zu bewegen, um dieses zu einer Politik der Neutralität zu bewegen, blieben jedenfalls ohne greifbaren Erfolg.