rechts|rahmenlos alternativtext=Auf Plexiglasscheiben aufgezogene Plakate aus der Nazizeit in den Räumen des Kölner NS-Dokuzentrums|mini|Die Dauerausstellung (2023) mini|Zellentrakt im Keller (2023) Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln ist ein Museum, eine Gedenkstätte und Forschungseinrichtung zur Geschichte der Stadt in der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945). Es befindet sich im EL-DE-Haus am Appellhofplatz 23–25.
Entstehungsgeschichte Im Vorfeld des Kölner Lischka-Prozesses (Prozessbeginn: 23. Oktober 1979) wurde als Folge von Bürgerhinweisen, etwa von Sammy Maedge, das ehemalige Kölner Gestapogefängnis im EL-DE-Haus einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Im März 1979 machte Kurt Holl mit einer spektakulären Aktion, in dem er sich über Nacht in den dortigen Keller begab und mit dem Fotografen Gernot Huber die Inschriften hinter den abgerückten Regalen dokumentierte, bekannt, dass im Aktenkeller des von der Stadtverwaltung genutzten Hauses noch die ehemaligen Gestapo-Zellen mit ihren Inschriften erhalten waren. Nach öffentlichem Druck und der von Holl bewirkten Intervention des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt bei Oberstadtdirektor Kurt Rossa führte ein Beschluss der Stadt dazu, dass die Stadtkonservatorin Hiltrud Kier den Keller und die Inschriften restaurieren ließ. Während hieraus die Entscheidung zur Einrichtung der am 4. Dezember 1981 eröffneten Gedenkstätte erwuchs, erfolgte parallel der Aufbau einer beim Historischen Archiv angesiedelten Forschungsstelle zu der Zeit des Nationalsozialismus in Köln, unter der Leitung des Historikers Horst Matzerath.
1987 beschloss der Kölner Rat die Errichtung des NS-Dokumentationszentrum, das Räumlichkeiten im EL-DE-Haus bezog und dort am 19. September 1988 begann. Erst nach einer Neuorganisation wurde die Forschungsstelle zum 25. März 1997 aus der Verbindung mit dem Historischen Archiv gelöst und den anderen Städtischen Museen gleichgestellt.Mitteilungsblatt der Stadt Köln. Nr. 16 vom 22. April 1997. Nr. 075. Neuorganisation des NS-Dokumentationszentrums; bisher bei 4105 Hist. Archiv, mit Wirkung v. 25. März 1997 verselbständigt, jetzt 4104 NS Doku... Nach dem Abschied von Horst Matzerath als erstem Direktor des NS-Dokumentationszentrums übernahm zum 5. Dezember 2002 der langjährige Mitarbeiter Werner Jung dessen Stelle. Zum 1. November 2021 ging er in den Ruhestand.Kölner Stadt-Anzeiger vom 3. November 2021: Der Historiker Werner Jung verlässt nach 35 Jahren das NS Dokumentationszentrum. Von de ABM-Kraft zum Direktor, von Anne Burgmer, abgerufen am 2. November 2021 Vom 1. Januar 2003 bis zum 31. Juli 2020 war die Historikerin Karola Fings stellvertretende Direktorin der Einrichtung.Nach einer zwischenzeitlich kommissarischen Leitung durch die Nachfolgerin von Karola Fings, Annemone Christians-Bernsee übernahm zum 1. November 2022 Henning Borggräfe als Direktor die Leitung des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln.Pressemitteilung vom 11. Oktober 2022: Neuer Direktor für das NS-Dokumentationszentrum, von Sabine Wotzlaw, abgerufen am 5. August 2023.
Das Museum Kern des Museums bildet die Gedenkstätte Gestapo-Gefängnis im Keller des Gebäudes. Dort sind Zellen erhalten, in denen Gestapo-Häftlinge untergebracht waren und deren Wände von den Insassen beschriftet wurden. Seit 2013 steht der Innenhof, die ehemalige Hinrichtungsstätte, dem Zentrum ebenfalls als Anschauungsort zur Verfügung.
Auf zwei weiteren Etagen wird in der Dauerausstellung Köln im Nationalsozialismus die Geschichte der NS-Zeit in Köln dargestellt. Neben dieser 1997 eröffneten Dauerpräsentation bietet das NS-Dokumentationszentrum jährlich mehrere Sonderausstellungen zu lokalen und überregionalen Aspekten mit begleitenden Veranstaltungen an.
Die Forschungsabteilung des NS-Dokumentationszentrums erarbeitet historische Grundlagen, die Eingang in Ausstellungen, Publikationen in der hauseigenen Schriftenreihe, interaktiv nutzbare Datenbanken und Internetprojekte finden. Ein Ziel der Arbeit ist es, im Krieg und unmittelbar nach Kriegsende weitestgehend zerstörte Akten zu rekonstruieren. Das Zentrum hat eine Spezialbibliothek mit Lesesaal sowie Arbeits- und Medienräume.
Ebenfalls im NS-Dokumentationszentrum beheimatet ist die Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs). Die ibs soll mit einem breiten Bildungsangebot für Jugendliche – Unterrichtseinheiten, Workshops und Projekttage – der Ausbildung von Multiplikatoren, Unterstützung von Projektentwicklung und anderen Aktivitäten zur Förderung der demokratischen Kultur beitragen. Ein Projekt der ibs ist die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Köln. Eine Fachstelle der ibs betreibt seit März 2021 eine Meldestelle, bei der Betroffene, deren Angehörige sowie Zeugen antisemitische Vorfälle in Köln melden können, die von der Stelle dokumentiert werden. Darüber hinaus wurde ein Beratungsangebot für Betroffene antisemitischer Straftaten geschaffen, bei dem unter anderem Unterstützung bei der Stellung von Strafanzeigen, Behördengängen und der Suche nach Rechtsbeistand angeboten wird.
Durch einen Beschluss des Rates der Stadt Köln von 2017 können ab 2019 Räumlichkeiten der Kölner Stadtverwaltung, die sich in den oberen beiden Stockwerken des EL-DE-Hauses befinden, ebenfalls durch das NS-Dok genutzt und umgestaltet werden. Geplant ist unter dem Konzept Haus für Erinnern und Demokratie der Ausbau des Bildungsangebotes des Dokumentationszentrums sowie die Entwicklung eines modernen Angebots zur Demokratieförderung.
Besucherzahlen Im Jahr 2002 besuchten knapp 26.000 Menschen das Zentrum, 2011 waren es über 56.000 Besucher.Nicola Ninnemann: NS-Dok weiter auf Erfolgskurs. In: report-k.de. 24. April 2012, abgerufen am 28. Februar 2020. Archiviert am 6. Juni 2012 über die Wayback Machine: .
2015 verzeichnete das Dokumentationszentrum 77.000 Besucher, 23 Prozent mehr als 2014. Rund zwei Drittel davon waren Schulklassen. Der steigende Besuchertrend setzte sich fort: 2017 kamen 89.212 Besucher ins NS-Dokumentationszentrum. Infolge behördlich verordneter Schließungen während der COVID-19-Pandemie brachen die Besuche 2020 und 2021 stark ein: Wurde 2019 mit 97.041 Personen noch ein Besucherrekord verzeichnet, sanken die Zahlen 2020 auf 31.224 und 2021 auf 20.363 Personen. In den Jahren 2024 und 2025 waren es insgesamt rund 188.000 Besucher.
Auszeichnungen 2000: Europäisches Museum des Jahres (besondere Würdigung) 2001: Kölner Architekturpreis 2001: Architekturpreis NRW 2002: Einladung zu dem internationalen Kongress in Dubrovnik: “The Best in Heritage. An Annual Presentation of the Best Museum and Heritage Projects” 2004: Andrea-Riccardi-Preis 2004: Die Mitarbeiterin des NS-Dokumentationszentrum, Elzbieta Adamski, erhielt vom Präsidenten der Republik Polen, Aleksander Kwaśniewski, „für ihre außerordentlichen Verdienste um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen“ das Kavalierkreuz des Verdienstordens der Republik Polen, eine der höchsten Auszeichnungen des polnischen Staates. Elzbieta Adamski hatte im NS-Dokumentationszentrum ab 1990 das Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter betreut. 2006: History-Award des Geschichtssenders History Channel für das Projekt: Navajos und Edelweißpiraten – Unangepasstes Jugendverhalten in Köln 1933 bis 1945 2007: Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung für Erlebte Geschichte. 2008: Freya-Stephan-Kühn-Preis des Landesverbandes nordrhein-westfälischer Geschichtslehrer
Sonstiges Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln pflegt eine Datenbank der in Köln verlegten Stolpersteine.
Auf dem Gebiet der Stadt Köln wurde am 2. September 2014 der 2000. Stolperstein eingelassen.
Sonderausstellungen (Auswahl) November 1988 bis Januar 1989: Jüdisches Schicksal in Köln 1918–1945 November 2002 bis Februar 2003: Besondere Kennzeichen: Neger. Schwarze im NS-Staat Mai bis November 2003: Bilder einer fremden Stadt. Zwangsarbeit in Köln 1929–1945 November 2003 bis Januar 2004: Hans Calmeyer und die Judenrettung in den Niederlanden August bis September 2004: Oneg Schabbat. Das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos – Ringelblum-Archiv (in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund Köln, der Synagogengemeinde und der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit) September bis November 2004: Das Gedächtnis der Orte. Tatorte nationalsozialistischer Verbrechen in Köln (Fotoprojekt von Sabine Würich) Mai bis November 2005: Zwischen den Fronten. Kölner Kriegserfahrungen 1939–1945 Mai bis September 2006: Der „Lischka-Prozess“. Drei NS-Täter 1979 in Köln vor Gericht Januar bis August 2008: „Willkommen, Bienvenue, Welcome …“ Politische Revue – Varieté in Köln 1928–1938 November 2008 bis Januar 2009: Jüdisches Leben in Köln 1918–1945 November 2009 bis Januar 2010: Von wegen Heilige Nacht. Weihnachten in der politischen Propaganda (in Zusammenarbeit mit der „Sammlung Weihnachten – Rita Breuer“) Mai bis September 2010: Köln und seine jüdischen Architekten (in Zusammenarbeit mit Wolfram Hagspiel) November 2011 bis März 2012: Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz November 2013 bis März 2014: Bertha Sander – „Ein ganzes Leben in einer Hutschachtel“ 27. August bis 2. November 2014: KZ – Kampf – Kunst. Boris Lurie: NO!art 21. November 2014 bis 3. Mai 2015: Todesfabrik Auschwitz: Topographie und Alltag in einem Konzentrations- und Vernichtungslager 22. Mai bis 4. Oktober 2015: Siegen für den Führer. Kölner Sport in der NS-Zeit 23. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016: August Sanders unbeugsamer Sohn. Erich Sander als Häftling und Gefängnisfotograf im Zuchthaus Siegburg 1935-1944 19. Februar bis 3. April 2016: Geraubte Kinder – vergessene Opfer 22. April bis 21. August 2016: Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht (Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt) 15. Juni bis 21. August 2016 im Gewölbe: Philibert und Fif. Der Skizzenblock eines französischen Zwangsarbeiters 16. September 2016 bis 12. März 2017: Jugend im Gleichschritt!? – Die Hitlerjugend zwischen Anspruch und Realität 8. bis 20. November 2016: Denkmal zu den Anschlägen des NSU in der Keupstraße und der Probsteigasse 7. April bis 25. Juni 2017: Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944 (Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas) 5. Mai bis 25. Juni 2017: „Russenlager“ und Zwangsarbeit. Bilder und Erinnerungen sowjetischer Kriegsgefangener (Ausstellung des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI e. V.) 7. Juli bis 8. Oktober 2017: „Rassendiagnose: Zigeuner“: Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung (Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma) 19. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018: Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung (Ausstellung des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks gGmbh (IBB Dortmund), der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk) und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas) 9. März bis 29. April 2018: Der Warschauer Aufstand. 1944 (Ausstellung des Museums des Warschauer Aufstands) 10. Mai bis 1. Juli 2018: Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte (Ausstellung des Anne Frank Zentrums e. V. in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam) 25. Mai bis 8. Juli 2018 im Gewölbe: Wohnungslose im Nationalsozialismus (Ausstellung der BAG Wohnungslosenhilfe e. V.) 14. September bis 4. November 2018: Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute (Ausstellung des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin, des Zentrums für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und des NS-Dokumentationszentrums München)