Das Kabinett des Dr. Larifari ist ein deutscher Tonfilm aus dem Jahr 1930. Regisseur ist Robert Wohlmuth. Der Film wurde auch unter dem Alternativtitel: „Tausend Worte Ulk“ vertrieben.
Zum Titel Der Titel wurde sechs Jahre zuvor schon einmal für einen deutschen Spielfilm verwendet. Es handelt sich dabei um den Marionettenfilm „Die große Liebe einer kleinen Tänzerin“, den Alfred Zeisler 1924 mit den Puppenspielern der Powell-Schwiegerling-Co. realisierte. Er wählte dafür als Arbeitstitel „Das Kabinett des Dr. Larifari“, nach einer Figur des Films, dem Zauberer Dr. Larifari, die deutliche Anklänge an Robert Wienes „Caligari“-Figur von 1920vgl. sowie Stummfilm-Forum, Einträge „Thomas Stummfilmkönig“ und „Hofmeister Stummfilmkanzler“ v. 1. März 2009 . zeigt.
Handlung Die drei Freunde Paul, Max und Carl sind pleite. Um sich zu sanieren, beschließen sie Großes zu wagen, nämlich ins neumodische Tonfilmgeschäft einzusteigen und gemeinsam eine Produktionsgesellschaft zu gründen. Und weil sie drei sind, nennen sie diese: Die Trio-Filmvgl. Eva Offenthaler: Vom „Czernowitzbold“ zum Hollywoodschauspieler: Paul Morgan. In: Institut Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation. Biographie des Monats. Okt. 2011. „1930 gründete er [Morgan] mit Max Hansen und Carl Jöken eine eigene Firma, die Trio-Film GmbH, die jedoch schon nach dem ersten Film, ‚Das Kabinett des Dr. Larifari‘, Bankrott machte.“. Aber dem Trio mangelt es zunächst erst noch an einem brauchbaren Drehbuch. Erste Ideen werden durchgespielt, aber schnell wieder verworfen. Als man sich schließlich auf einen Familienfilm geeinigt hat, beginnen die Dreharbeiten im Atelier, wobei die frischgebackenen Produzenten jedoch mit ihrer Unbekümmertheit bald für völliges Chaos sorgen, bis auch das Personal streiktvgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort: „In Das Cabinet des Dr. Larifari (1930) übernimmt der Regisseur, nachdem er den Tonmann im Zorn entlassen hat, kurzerhand die Technik und bringt diese zum völligen Zusammenbruch. Der Ton fällt aus, die Kamera fährt zurück und gibt den Blick auf die hilflose Crew frei, dann versagt auch das Bild – damit endet der Film bis auf einen kurzen Epilog.“ und alles zusammenbricht. Am Ende sind die drei zwar um einige Erfahrungen reicher, jedoch wieder so abgebrannt wie zuvor.
Stil und Einfluss Film-im-Film-Komödie, in der das Berliner Kabarett der Weimarer Republik und seine Größen eine letzte Apotheose vor der „Machtergreifung“ 1933 erleben. Der Titel nimmt parodistisch Bezug auf Robert Wienes berühmten expressionistischen Stummfilm Das Cabinet des Dr. Caligari von 1920.vgl. Robert Wohlmuth Nur tritt hier in den einzelnen vorgespielten Szenen, die eine das Filmgeschäft karikierende Rahmenhandlung zusammenhält, an die Stelle des absurden Grusels ein nicht minder absurder, dafür aber befreiender Humor von durchaus selbstreferentieller Qualitätvgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort: “Schon im August 1930, als der Film Premiere hatte – seit den ersten Tonfilmpremieren in Deutschland war noch kein Jahr vergangen – war das neue Medium bereits reif für eine Persiflage. In einer Reihe von Nummern, die an die Formate heutiger TV-Comedy-Shows erinnern, zusammengehalten durch eine Rahmenhandlung, die die Goldgräberstimmung angesichts des neuen Mediums Tonfilm persifliert, werden Säulenheilige der deutschen Filmkultur wie Emil Jannings aufs Korn genommen”.
Dass das neue Medium Tonfilm sich, kaum flügge geworden, gleich selbst kritisch reflektiert, ist mit dem „Kabinett“-Film keine singuläre Erscheinung. Auch Max Ophüls gestaltete 1930 seine Tonfilm-Operette Die verliebte Firma als eine „Satire über das Filmemachen“, er hatte „sichtlich Spaß an der Persiflage diverser Filmtypen und Rollenklischees“.vgl. Programm Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum in Berlin zum 2. Juli 2010
Die „Freiheit des absurden Humors“ im Kabinett des Dr. Larifarinach bedeutet Larifari „sinnloses Geschwätz“ und ist entstanden aus den italienischen Notenbezeichnungen La, re und fa für die Töne a, d und f, die zusammen den d moll-Dreiklang bilden. Im 19. Jahrhundert nannte Franz Graf Pocci seine Kasperlfigur “Larifari”. besteht nicht zuletzt darin, dass hier so ziemlich alles parodiertvgl. Filmophile’s Lexicon: „Robert Wolmuth’s hard-to-find ‚Das Kabinett des Dr. Larifari‘, released in 1930, is a brilliant parody of the movement’s hallmark film“ wird, was an Stilen, Stereotypen und Stars im deutschen Film zuvor Kasse gemacht hatte: Von der Welle der „Rhein- und Wein-“viele davon suchten von dem nach dem Beginn der Rheinlandräumung im Januar 1926 wieder erstarkten Nationalgefühl zu profitieren, indem sie antifranzösische („Erbfeind“) und antisemitische ressentiments bedienten und reichlich trinkfeste, schlagende und farbentragende Corpsstudenten mit herzigen deutschen Mädels in herrlicher Landschaft zeigten, so z. B.
Deutsche Herzen am deutschen Rhein. Deutschland 1925/1926. Regie: Fred Sauer -
Die Lindenwirtin am Rhein. Deutschland 1927. Regie: Rolf Randolf -
Stolzenfels am Rhein (Napoleon in Moskau). Deutschland 1927. Regie: Richard Löwenbein -
Herbstzeit am Rhein. Deutschland 1927/1928. Regie: Siegfried Philippi -
Nur am Rhein… Deutschland 1930. Regie: Max Mack
Zapfenstreich am Rhein. Deutschland 1930. Regie: Jaap Speyer
oder:
Ich war zu Heidelberg Student. Deutschland 1927. Regie: Wolfgang Neff -
O alte Burschenherrlichkeit. Deutschland 1930. Regie: Rolf Randolf -
Student sein, wenn die Veilchen blühen. Deutschland 1930. Regie: Heinz Paul und der „Wien-“z. B.
Wien, Wien – nur du allein Deutschland 1927. Regie: Ludwig Hamburger, Wolfgang Neff -
Wien, du Stadt der Lieder. Deutschland 1930. Regie: Richard Oswald -
In Wien hab' ich einmal ein Mädel geliebt. Deutschland 1930. Regie: Erich Schönfelder und „Sängerfilme“z. B.
Frauen am Abgrund. Deutschland 1929. Regie: Georg Jacoby -
Die singende Stadt. Deutschland / Grossbritannien 1930. Regie: Carmine Gallone, mit Jan Kiepura -
Ich glaub' nie mehr an eine Frau. Deutschland 1929/1930, Regie Max Reichmann -
Das lockende Ziel. Deutschland 1930. Regie Max Reichmann – letztere beide mit Richard Tauber. bis hin zum Umgang mit den aktuellen Publikumslieblingen, den Stars selbstvgl. Corinna Müller, DIF: „Von der ungelenken Sprache, die dem Film und den Filmgewaltigen schon zu Stummfilmzeiten nachgesagt wurde, über die ‚Rhein-Wien-Donau‘-Welle, die Sängerfilme und Tonfilmmelodramen im Stil des Lore-Romans und der Schmierenkomödie, mit Spitzen auch auf Emil Jannings, Greta Garbo oder Marlene Dietrich, wird der Tonfilm, mehr oder minder geistreich, genüßlich durch den Kakao gezogen.“ und Dictator’s Cut: „…die komödie persifliert die gegenwart sowie das schaffen der filmindustrie um 1930. musikalischer highlight im film mit den „weintraubs syncopators“. der film wurde wegen jüdischer mitwirkender verboten.“. Die Komik entsteht dabei durch Selbstreflexivität, durch „Ausflüge in Wunsch- und Parallelwelten“vgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort und Elsaesser (1999), S. 265: „…in diese Warenform ist durchaus ein ironisierendes und damit auch distanzierendes Moment eingelassen.“, bei denen mit Realität und Fiktion, mit gesellschaftlichen Konventionen und tradierten Geschlechterrollen eher spielerisch umgegangen wird.
Und die Zuschauer von 1930, die in die Kinos strömten, konnten offenbar mit dieser Art von Komik umgehen, konnten sie verstehen und genießenvgl. Malte Hagener, Jan Hans (Hrsg.): Als die Filme singen lernten. Innovation und Tradition im Musikfilm, 1928–1938. Cinegraph Buch 11, München: edition text + kritik 1998. ISBN 3-88377-614-9, Vorwort, zum Beitrag von Donata Koch-Haag: „Die Komik dieser Filme … kann nur funktionieren, wenn es ein Publikum gibt, das diese Andeutungen versteht, das solche Ausflüge in Wunsch- und Parallelwelten nachvollziehen kann und mit ihnen umzugehen weiß. Es will scheinen, als habe es ein solches Publikum gegeben“.
Ausführende Den Film zeichnet ein einmaliges Aufgebot an hochkarätigen Kabarettdarstellern aus, das ihn noch heute über seinen bloßen Unterhaltungswert hinaus zu einem Zeitdokument macht: Zu sehen und zu hören sind die austrojüdische comedienne Gisela Werbezirk als meschuggene Schriftstellerin Hedda Mutz-Kahla, der Schauspieler und Kabarettist Willy Prager in der Rolle eines Patienten, beide Verfolgte des NS-Regimes, dazu die Soubrette Alice Hechy als Ehefrau und der altgediente Komiker Karl Harbacher als Kellner Leopold. Die beiden Kabarettisten Paul Morgan und Max Hansen und der Tenor Carl JökenBilder des Tenors unter , ein Bericht über seine Mitwirkung beim Tonfilm „Schuberts Frühlingstraum“ (1931) in: Filmwelt Nr. 7, 15. Februar 1931, Seite 9 bei und bei Wedel (2007), S. 311. spielen sich – in mehreren wechselnden Rollen – selbst.
Auch die Musiknummern sind auf der Höhe der Zeit: Sie werden von der seinerzeit wohl 'heißesten' deutschen Jazzkapellezum Jazz in Deutschland am Ende der Weimarer Republik vgl. Gisela Probst-Effah, Seminar „Lieder und Schlager zur Zeit der Weimarer Republik“, 2004/05: „Eine bekannte Kapelle in den Jahren zwischen 1927 und 1933 waren die ‚Weintraubs-Syncopators‘, eine der besten Tanzkapellen, die für deutsche Verhältnisse außergewöhnlich ‚hot‘ und ‚jazzig‘ gespielt haben soll. 1930/31 wirkten die ‚Weintraubs‘ noch in deutschen Filmen mit …“ und Horst H. Lange (1966), Seiten 32, 48, 49, 54, 58 und 67., den ‚Weintraubs Syncopators‘ des ‚drummers‘ Stefan Weintraubvgl. Albrecht Dümling in Jazz-Zeitung 09/2006, Seite 22–23 gespielt. Es sind Kompositionen von Robert Stolz, Franz WachsmannWachsmann, später amerikanisiert Waxman, war Fr. Hollaenders Nachfolger als Pianist bei den Weintraubs. Die Musik zum „Kabinett“ war seine erste Komposition für den Tonfilm, vgl. ArkivMusic „His first original film score was Das Kabinett des Dr. Larifari (1930) and by the end of 1933, he had 11 scores to his credit.“ und Max Hansen. Die Liedtexte verfassten ebenfalls Erste Kräfte ihres Fachs: Robert Gilbert, Max Hansenvgl. steffi-line: Max Hansen „… mit seiner Hauptrolle in Robert Wohlmuths kabarettistischer Filmparodie ‚Das Kabinett des Dr. Larifari‘ (1930) machte er an der Seite Paul Morgans Furore; hier zeichnete Hansen auch als Komponist, Texter und Drehbuchautor verantwortlich.“, Armin RobinsonDrehbuchautor, Texter, Musikverleger (Alrobi), vgl. und der kabarett-erfahrene Conférencier Paul Nikolauseigtl. Paul Nikolaus Steiner, geboren am 30. März 1894 in Mannheim. Scharfzüngiger Conférencier des KadeKo. 1933 floh er vor den Nazis in die Schweiz. Dort nahm er sich am 31. März 1933 das Leben..
Musik-Titel: „Die Ballade einer deutschen Stadt“, „Ewige Liebe gibt’s nur im Roman!“ (Wachsmann/Gilbert, Robinson), „Mein kleiner Bruder träumt von Ihnen Tag und Nacht“ (Stolz/Hansen). Sie erschienen auch auf Industrieschallplatten (Grammophon/Electrola).
Der Tenor Carl Jöken trägt die Ballade „Der Erlkönig“ (Schubert) und die Arie des Vasco da Gama „Land so wunderbar“ aus „Die Afrikanerin“ (Meyerbeer) vor.
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