Holm Putzke (* 1973 in Dohna) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler, Hochschullehrer, Strafverteidiger und Politiker (CSU, davor CDU und DA). Seit 2010 ist er Professor für Strafrecht an der Universität Passau, seit 2016 zudem außerplanmäßiger Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel und seit 2023 Gastprofessor an der Bahçeşehir-Universität (BAU) Istanbul. Der Öffentlichkeit bekannt wurde er im Jahr 2012, weil er die wissenschaftliche Debatte und öffentliche Diskussion um die religiöse Knabenbeschneidung anstieß und prägte. Von 2017 bis 2022 war er Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Passau-Stadt. Als Nachrücker auf der CSU-Liste ist Putzke Mitglied im Passauer Stadtrat, ohne einer Fraktion anzugehören. Seit April 2025 ist er Vorsitzender des Bundessport- und Schiedsgerichts von German Cycling (Bund Deutscher Radfahrer e. V.). Er ist der Bruder des Radsportfunktionärs und ehemaligen Radrennfahrers Falk Putzke.

Leben Studium Nach dem 1992 abgelegten Abitur an der Polytechnischen Oberschule „Rainer Fetscher“ in Pirna studierte Putzke von 1992 bis 1997 Rechtswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. 1997 legte er die erste juristische Staatsprüfung ab. Ebenfalls an der Ruhr-Universität Bochum war er Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht von Ellen Schlüchter (1995 bis 1999) und am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Allgemeine Rechtstheorie von Rolf Dietrich Herzberg (2002 bis 2003). In den Jahren 2000 bis 2002 war Putzke Rechtsreferendar an den Landgerichten Bochum und Dortmund und legte 2002 die zweite juristische Staatsprüfung ab. Während seiner Studien- und Promotionszeit war Putzke Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und während eines Auslandsstudiums an der Jagiellonen-Universität in Krakau 2003 Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Die Juristische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum promovierte Putzke 2003 mit einer Arbeit zum Thema „Beschleunigtes Verfahren bei Heranwachsenden“.

Hochschulkarriere Von 2003 bis 2010 war er in Bochum wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft von Thomas Feltes. In dieser Zeit begann er dort auch ein Habilitationsvorhaben. Von 2006 bis 2010 hatte er einen Lehrauftrag für Strafrecht, Strafprozessrecht und Jugendstrafrecht im Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ an der Ruhr-Universität Bochum inne. Ein postgraduales Studium des polnischen Wirtschaftsrechts an der Uniwersytet Jagielloński in Krakau schloss er 2009 mit dem akademischen Grad „Legum Magister“ (LL.M.) ab.

Seit 2010 ist Putzke Inhaber einer Lehrprofessur für Strafrecht an der Universität Passau. und ist Mitglied des dortigen Instituts für Rechtsdidaktik. Seit 2016 ist er zudem außerplanmäßiger Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.Holm Putzke auf der Homepage der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, abgerufen am 22. August 2016. Die Bahçeşehir-Universität (BAU) Istanbul hat ihn im Jahr 2023 zum Gastprofessor berufen. Von September 2016 bis August 2019 war er Studiendekan der Juristischen Fakultät in Passau.

Als Sachverständiger war Putzke tätig u. a. für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die Europäische Union sowie den RechtsausschussNRW-Landtagsdrucksache: Dokumenten-Nr. (Stellungnahmen) 14/1439 des Landtags Nordrhein-Westfalens (Stellungnahme zu den Entwürfen und Eckpunkten eines Gesetzes zur Regelung des Jugendstrafvollzugs), den Innenausschuss des Deutschen Bundestags (Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD zum „Entwurf eines Integrationsgesetzes“, BT-Drs. 18/8615) und im Jahr 2023 für den Ausschuss für Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration des Bayerischen Landtags (Thema: "Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in der Kirche").Missbrauch: «Das Kirchenversagen ist immer auch ein Staatsversagen» In: Süddeutsche Zeitung, 20. April 2023, abgerufen am 4. Juni 2023.

Putzke ist Mitherausgeber der Zeitschrift für das Juristische Studium, der Schriften zur rechtswissenschaftlichen Didaktik, des Beck’schen Onlinekommentars zum Jugendgerichtsgesetz, der Schriften zum Weltanschauungsrecht und des Nomos-Kommentars zum Anti-Doping-Gesetz. Außerdem gehört er der Redaktion der Zeitschrift für Internationale Strafrechtswissenschaft (vormals: Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik) an und war Mitherausgeber der Schriftenreihe Bochumer Schriften zur Rechtsdogmatik und Kriminalpolitik.

Politik In den Jahren 1989/1990 während der friedlichen Revolution in der DDR war Putzke Geschäftsführer der Partei des Demokratischen Aufbruchs im Landkreis Pirna/Sebnitz sowie Vorsitzender und Pressesprecher der „Jugend des Demokratischen Aufbruchs“. Von 1991 bis 1992 war er Geschäftsführer und Mitglied des Kreisvorstandes der Jungen Union in Pirna. Von Januar 1994 bis Februar 1995 war Putzke stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Liberaler HochschulgruppenProf. Dr. Holm Putzke, LL.M. (Krakau). Kurzbiografie auf der Webseite der Universität Passau, abgerufen am 17. Januar 2022. und von 1996 bis 2017 Mitglied der CDU.

2015 trat er in die CSU ein, im April 2016 wurde er Beisitzer in deren Kreisvorstand Passau-Stadt und im Mai 2017 Vorsitzender dieses Kreisverbandes. In: PNP.de, 23. Mai 2017, abgerufen am 17. Januar 2022. Zudem ist er seit 2017 Bezirksvorsitzender des CSU-Arbeitskreises Juristen (AKJ) Niederbayern und qua Amt Mitglied im Landesvorstand des AKJ.Über uns. Website des CSU-Arbeitskreises AKJ, abgerufen am 17. Januar 2022.

Bei der Europawahl 2019 trat Putzke auf Platz 37 der CSU-Liste an. Zur Passauer Stadtratswahl im März 2020 trat Putzke auf Listenplatz 3 an.frs (Franziska Schwarz): Kommunalwahl 2020 in Passau: Kandidaten für den Stadtrat – die Listen. In: Münchner Merkur. 17. März 2020, aktualisiert am 13. Mai 2020, abgerufen am 18. Januar 2022. Da alle amtierenden Stadtratsmitglieder mehr Stimmen erhielten und dadurch vorrückten, wurde er auf Platz 10 gewählt, und da die CSU ein Viertel ihrer bisher 12 Mandate verlor, verfehlte er damit den Einzug in den Stadtrat, wurde aber erster Nachrücker.Passau hat gewählt. 16.03.2020. Vorläufiges Endergebnis. Stadt Passau, abgerufen am 17. Januar 2022.

In Reaktion auf das Wahlergebnis forderten Andreas Scheuer, Gerhard Waschler, Fraktionsvorsitzender Armin Dickl sowie drei weitere CSU-Stadträte Putzke zum Rücktritt als Kreisvorsitzender und zum Rückzug von allen anderen Führungsaufgaben in der Passauer CSU aufsdr: Passauer CSU-Größen fordern Rücktritt des Kreisvorsitzenden Putzke, In: PNP.de, 17. März 2020, abgerufen am 18. Januar 2022.. Putzke lehnte einen Rücktritt ab, da die Diskussion über die Konsequenzen der Wahlniederlage in den Kreisvorstand gehöre, den er wegen der COVID-19-Pandemie aber erst einberufen wolle, wenn es für die Gesundheit der Teilnehmer verantwortbar sei. In einer von ihm mitverfassten „Wahlanalyse“, unterschrieben von 36 Personen, darunter den Kreisvorsitzenden der Jungen Union und Senioren-Union sowie anderen Funktionsträgern und Mitgliedern, wurde als Grund vor allem fehlende Geschlossenheit und ein „Parallelwahlkampf“ als Ursache genannt, angeführt insbesondere von dem Fraktionsvorsitzenden Armin Dickl. Im August 2020 konnte der Passauer Altlandrat Franz Meyer den Konflikt durch zahlreiche Einzelgespräche im Hintergrund für einen Burgfrieden entschärfen. Als im März 2022 schließlich doch Vorstandswahlen stattfanden, trat Putzke nicht mehr als Vorsitzender an. Gemäß dem vom Kreisvorstand verabschiedeten Empfehlungsbeschluss sollte er als Kreisschatzmeister antreten. Nach spontaner Aufstellung eines Gegenkandidaten verzichtete er jedoch auf eine Kandidatur und sprach von einem „Schmierentheater“.

Im Oktober 2024 rückte Putzke in den Passauer Stadtrat nach, nachdem CSU-Stadtrat Georg Steiner zuvor auf sein Mandant verzichtet hatte, wurde dort aber nicht in die CSU-Fraktion aufgenommen.

Der Streit im CSU-Kreisverband Passau-Stadt setzte sich 2024 fort, als Putzke die Delegierten-Wahl für die Wahl der Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2025 mit der Begründung anfocht, dass die Mindeststimmenzahl bei Sammelabstimmungen rechtswidrig sei, woraufhin das Parteischiedsgericht die Beschwerde zurückwies. Putzke bewarb sich für das CSU-Direktmandat im Bundestagswahlkreis Passau, zog seine Bewerbung aber später zurück, was er damit begründete, dass die Kandidatenaufstellung nicht dem Prinzip der Bestenauslese folge, sondern vielmehr ein abgekartetes Spiel sei.

Gegen den Vorsitzenden des Passauer CSU-Ortsverbands Haidenhof-Auerbach, Andreas Baumann, erwirkte Putzke beim Amtsgericht und Landgericht Passau zwei einstweilige Verfügungen, einmal wegen einer Persönlichkeitsverletzung in der offiziellen WhatsApp-Gruppe des Kreisvorstands der Passauer CSU, zum anderen wegen einer zweiten Persönlichkeitsverletzung, die Baumann in der Passauer Neuen Presse äußerte.

Im Vorfeld der Kommunalwahlen in Bayern 2026 kam es zu einem öffentlich beachteten Zerwürfnis zwischen Putzke und der Passauer CSU. Obwohl ihn der Ortsverband Passau-Mitte einstimmig für die Stadtratsliste nominiert hatte, verweigerte der CSU-Kreisverband seine Aufstellung für die Wahl im März 2026. In der Folge folgte Putzke einer Einladung der FDP Passau, für diese bei der Kommunalwahl anzutreten und wurde am 28. November 2025 einstimmig zum Oberbürgermeisterkandidaten sowie zum Spitzenkandidaten auf der FDP-Stadtratsliste gewählt. Putzke betonte dabei, seine Mitgliedschaft in der CSU nicht aufzugeben.

Bei der Oberbürgermeisterwahl am 8. März 2026 belegte er mit 16,5 Prozent den dritten Platz (von insgesamt 8 Kandidaten) und erzielte bei der Stadtratswahl mit 12.270 Stimmen das fünftbeste Ergebnis. Mit Putzke als Spitzenkandidaten erreichte die FDP 7,7 Prozent, was 3 Stadträte und Fraktionsstärke bedeutet.

Positionen in Politik und Recht Beschneidung von Jungen Vor Inkrafttreten von BGB veröffentlichte Putzke in mehreren Fachartikeln (erstmals in der im Februar 2008 erschienenen Festschrift für Rolf Dietrich Herzberg) seine Rechtsauffassung, dass medizinisch nicht indizierte Jungenbeschneidungen den Straftatbestand der Körperverletzung erfüllten, auch wenn sie aus religiösen Gründen vorgenommen würden.H. Putzke, M. Stehr, H.-G. Dietz: Strafbarkeit der Zirkumzision von Jungen. In: Monatsschrift Kinderheilkunde, 156, 2008; S. 783–788. doi:10.1007/s00112-008-1822-8. Volltext (PDF).Maximilian Stehr, Holm Putzke, Hans-Georg Dietz: Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung. In: Deutsches Ärzteblatt, 25. August 2008, Jahrgang 105, Heft 34–35; Seite A1778–A1780. Volltext. Das im Mai 2012 verkündete Urteil des Landgerichts Köln, das eine Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als rechtswidrige Körperverletzung einstufte, hat er begrüßtMatthias Ruch: . In: Financial Times Deutschland. 25. Juni 2012, abgerufen am 2. Juli 2012. und seine Verbreitung gefördert.Jost Müller-Neuhof: Religiöse Beschneidung. Chronik einer beispiellosen Debatte. In: Tagesspiegel. 20. August 2012, abgerufen am 20. August 2012.