miniatur|Dan Sperber, 2012
Dan André Sperber (* 20. Juni 1942 in Cagnes-sur-Mer) ist ein französischer Anthropologe und Linguist.
Leben Dan Sperber ist der Sohn des Österreichers Manès Sperber, der 1933 aus Deutschland emigrieren musste, und der aus Litauen stammenden Zenija (Jenka) Zivcon. Die Eltern waren 1940 nach der Besetzung Frankreichs aus Paris in die unbesetzte Zone ausgewichen und mussten 1942 vor den deutschen Nationalsozialisten und ihren französischen Helfern in die Schweiz fliehen. Dort war Dan Sperber zunächst im Internierungslager Girenbad und dann bei einem Zürcher Pfarrer untergebracht. Manès Sperber war 1942 noch mit Mirjam Reiter verheiratet, mit der er den Sohn Vladimir Sperber (* 1934)Der Historiker Vladimir Friedrich Uri Sperber lebt in Rom. Vladimir Friedrich Uri Sperber bei der DNB hatte. Kurz nach Kriegsende kehrte die Familie nach Frankreich zurück, Manes Sperber und Zivcon konnten erst Anfang der 1950er Jahre heiraten.
Dan Sperber studierte Anthropologie an der Sorbonne und der Universität Oxford. Im Jahr 1965 wurde er wissenschaftlicher Angestellter am Centre national de la recherche scientifique (CNRS), anfänglich im Laboratoire d’Études Africaines.später: Centre d’études des mondes africains siehe französischsprachige Wikipedia :fr:Centre d'études des mondes africains Später war er im Laboratoire d'ethnologie et de sociologie comparativeLaboratoire d’ethnologie et de sociologie comparative siehe französischsprachige Wikipedia :fr:Laboratoire d'ethnologie et de sociologie comparative beschäftigt, sodann im Centre de Recherche en Épistémologie AppliquéeCentre de Recherche en Épistémologie Appliquée siehe englischsprachige Wikipedia :en:Centre de Recherche en Epistémologie Appliquée und schließlich ab 2001 im Institut Jean-Nicod.Institut Jean-Nicod siehe französischsprachige Wikipedia :fr:Institut Jean-Nicod Er wurde beim CNRS emeritiert.
Sperber arbeitete zunächst religionsanthropologisch und führte ethnographische Feldstudien bei den Dorze in Äthiopien durch. Seine theoretischen Studien zur Anthropologie begann er als Mitarbeiter von Claude Lévi-Strauss, für den er im CNRS arbeitete. Mit einem poststrukturalistischen Forschungsansatz löste er sich später von Lévi-Strauss. Mit Deirdre Wilson entwickelte er 1986 die Relevanztheorie für kommunikative Abläufe.
miniatur|150px|Hausschild
Nach der Médaille d’argent du CNRS. Zur Médaille d’argent du CNRS siehe auch Médaille d’or du CNRS im Jahre 2002 erhielt Sperber im Jahr 2009 als erster den neugestifteten „Prix Claude Levi-Strauss“, mit der Begründung, dass seine Arbeiten in hervorragender Weise die Wechselwirkungen der verschiedenen Humanwissenschaften behandelten. Er ist seit 2008 korrespondierendes Mitglied der British Academy.
Dan genoss die Berühmtheit seines Vaters, doch „in späteren Jahren geschah es dann immer öfter, dass man Manès fragte: ‚Verzeihung, sind Sie zufällig der Vater des bekannten Forschers Dan Sperber?‘“.Peter Stephan Jungk: Gespräch mit Dan Sperber, 28. April 2012 Dan Sperber hat zwei Söhne, die 1986 und 2001 geboren sind. Er wohnt heute in der letzten Wohnung seiner Eltern an der Rue Notre-Dame-des-Champs im 6. Arrondissement von Paris.
Seit 1993 ist er Mitglied der Academia Europaea und seit 2007 der American Academy of Arts and Sciences.
Schriften (Auswahl) Le structuralisme en anthropologie, Éditions du Seuil, 1973 Rethinking Symbolism, Cambridge University Press, 1975 Über Symbolik, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1975 On Anthropological Knowledge, Cambridge University Press, 1985 Das Wissen des Ethnologen, Frankfurt: Ed. Qumran im Campus-Verl., 1989 mit Deirdre Wilson: Relevance. Communication and Cognition, Blackwell, 1986 mit David Premack; Ann James Premack (Hrsg.): Causal cognition: A multidisciplinary debate, Oxford University Press, 1995 Explaining Culture, Blackwell, 1996 (Hrsg.): Metarepresentations: A multidisciplinary perspective, Oxford University Press, 2000 mit Ira Noveck (Hrsg.): Experimental pragmatics, Palgrave, 2004 mit Deirdre Wilson: Meaning and Relevance, Cambridge University Press, 2012 mit Hugo Mercier: The Enigma of Reason - A New Theory of Human Understanding, New York 2017
Weblinks
Peter Stephan Jungk: „Wir sind einander sehr nahe gewesen“. Gespräch mit Dan Sperber. In: Die Literarische Welt, 28. April 2012, S. 3
Einzelnachweise
Kategorie:Ethnologe Kategorie:Anthropologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Anthropologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Linguist Kategorie:Strukturalist Kategorie:Kognitionswissenschaftler Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Mitglied der British Academy Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Mann