mini|Ruine der Burg Obervoitsberg mini|Blick auf den Hauptplatz von Voitsberg mit dem Rathaus, der Michaelkirche und der Mariensäule

Voitsberg, Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Voitsberg in der Steiermark mit Einwohnern (Stand ), erstreckt sich eingebettet in einem ehemaligen Bergbaugebiet inmitten des weststeirischen Berg- und Hügellandes über eine Fläche von  km².

Geographie Die Stadtgemeinde Voitsberg liegt im westlichen Teil des Bezirkes Voitsberg, etwa 17 Kilometer westlich der Landeshauptstadt Graz. Die Stadt liegt in einer Talebene am südlichen Ende des Großraumes des oberen Gradner- und Kainachtales. Das ehemalige Stadtzentrum lag am Tregistbach, rund um die Margarethenkirche. In der Mitte des 12. Jahrhunderts verlagerte sich das Siedlungszentrum jedoch in den Bereich zwischen der neu errichteten Burg Obervoitsberg und der Kainach. Das Stadtgebiet wird von Nordwesten nach Südosten hin von der Kainach durchflossen. Im Südwesten bildet die Teigitsch die Gemeindegrenze zu Krottendorf-Gaisfeld.

Die Fläche der Stadtgemeinde beträgt 28,62 km², von denen 20,02 km² (Stand 2010) als land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche genutzt werden. Das Stadtzentrum liegt auf einer Seehöhe von 394 Metern, während der Kobererkogel mit 606 Metern den höchsten Punkt im Stadtgebiet darstellt.

Gemeindegliederung Die Stadtgemeinde gliedert sich in acht Katastralgemeinden, welche teilweise bis in das 20. Jahrhundert hinein eigenständige Gemeinden waren, sowie die Ortschaft Voitsberg. Im südöstlichen Teil der Gemeinde befindet sich die Siedlung Krems. Daneben gibt es die drei Rotten Lobming, Tregist und Teigitschgraben im Westen, Nordwesten und Süden der Stadt. Weiters wird das Gebiet der Katastralgemeinde Voitsberg Vorstadt südlich der ehemaligen Stadtmauer als Grazer Vorstadt und nördlich der ehemaligen Stadtmauer als Judenburger Vorstadt bezeichnet. Die acht Katastralgemeinden (Fläche Stand ) sind: Voitsberg Stadt () Voitsberg Vorstadt () Tregist () Lobmingberg () Lobming () Thallein () Arnstein () Kowald () 300px|Lage der Katastralgemeinden von Voitsberg

Nachbargemeinden An die Stadt Voitsberg grenzen im Uhrzeigersinn folgende Städte, Gemeinden und Ortschaften: im Norden die Stadt Bärnbach mit dem Stadtteil Mitterdorf, der Peter Leitner-Siedlung sowie den Ortsteilen Tregisttal und Lichtenegg, im Nordosten und Osten die Marktgemeinde Stallhofen mit den Ortschaften Aichegg, Stallhofen und Muggauberg, im Süden die Gemeinde Krottendorf-Gaisfeld mit den Ortschaften Muggauberg, Gasselberg und Gaisfeld, im Südwesten die Gemeinde Sankt Martin am Wöllmißberg mit den Ortschaften Großwöllmiß und Kleinwöllmiß und im Westen die Gemeinde Rosental an der Kainach mit den Ortsteilen Rosental-Puchbach, Hörgas und Rosental an der Kainach.

Eingemeindungen Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden insgesamt fünf bis dahin eigenständige Gemeinden in die Stadtgemeinde Voitsberg eingegliedert. Den Anfang machte am 1. Jänner 1951 Tregist. Die restlichen vier Gemeinden Arnstein, Kowald, Lobming und Lobmingberg folgten am 1. Jänner 1968 nach. Die frühere Gemeinde Thallein war zuvor bereits im Jahr 1946 nach Lobming eingemeindet worden. Alle früher eigenständigen Gemeinden blieben als Katastralgemeinden erhalten.

Weitere Pläne Anfang Juni 2018 wurde bekannt, dass Voitsberg und seine Nachbargemeinde Bärnbach auf freiwilliger Basis per Ende 2019 zu fusionieren plante, der geplante Name der neuen Gemeinde lautete Voitsberg-Bärnbach.steiermark.orf.at – „Voitsberg und Bärnbach planen Fusion“ am 7. Juni 2018 nicht mehr abrufbar.

Auch eine zusätzliche Inklusion der Städte/Orte Köflach, Rosental und Maria Lankowitz wurde im Juni 2018 diskutiert – diese Idee für eine Weststeiermark City ist schon älter. Schon die Fusion von – gereiht nach Einwohnerzahlen – Köflach, Voitsberg und Rosental würde mit 25.000 Einwohnern die nach Graz zweitgrößte Stadt der Steiermark entstehen lassen.

Die geplante Fusion scheiterte am Ergebnis der Bürgerbefragung. Während die Bevölkerung von Voitsberg für eine Zusammenlegung der beiden Gemeinden stimmten, waren die Bärnbacher Bürger großteils dagegen.

Geologie Das Gebiet um Voitsberg gehört geologisch zum Weststeirischen Becken und liegt an dessen nordwestlichen Rand. Es wird von Schichten aus dem Miozän, welche über den kristallinen Schichten des Kainacher Gosaus und Abfolgen des Grazer Paläozoikums liegen, dominiert. Diese miözänen Schichten weisen tiefgründige und teilweise mit Verwitterungsschutt durchsetzte Roterdböden und Konglomerate aus Kalk auf. Das Weststeirische Becken kann um Voitsberg in mehrere schmale Grundgebirgsmulden und Schwellen unterteilt werden, die alle zwischen 100 und 300 Meter tief sind.

Voitsberg gehört zur Köflach/Voitsberg-Formation, welche teilweise von einem Tuffhorizont durchzogen ist und größere, abbauwürdige Flöze an Braunkohle führt. Der Tuffhorizont ist etwa 16 Millionen Jahre alt und entstand aus Vulkanasche, welche durch Wind aus der Region um Bad Gleichenberg hierher verweht worden ist. Die Braunkohle bildete sich limnisch, also in der Umgebung eines Süßwassersees und stammt aus der Zeit des Ottnangiums. In den Katastralgemeinden Arnstein und Kowald treten zudem Magnetit führende und stark mit zersetztem Glimmerschiefer und Quarz durchsetzte Lagerstätten auf. In Arnstein ist der Magnetit an Marmorzüge gebunden. In Lobmingberg findet man rund 13 bis 16,5 Millionen Jahre alte sandige Schotterablagen aus dem Jungtertiär.

Klima In der Gemeinde Voitsberg herrscht ein kontinental geprägtes, kühlgemäßigtes Klima vor, welches einerseits durch die markante Beckenlage andererseits aber auch durch die geschützte Lage an den Ausläufern eines Randgebirges beeinflusst wird. Das Winterhalbjahr zeichnet sich durch eine ausgesprochene Windarmut aus, wobei die Hauptwindrichtungen stark von den tagesperiodischen Talauswinden abhängen. Die Region weist zudem eine erhöhte Neigung zur Bildung von Talnebel auf.

Über das ganze Jahr verteilt kann es zu deutlichen Niederschlägen kommen, wobei das Maximum im Sommer und das Minimum im Winter liegt. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag liegt bei 912 mm. Niederschlagärmster Monat ist der Jänner mit einer Niederschlagsmenge von 36 mm. Dem gegenüber steht der Juli, welcher mit einem Durchschnitt von 127 mm der niederschlagreichste Monat ist. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8,0 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlichen 18,4 °C. Im Jänner, dem kältesten Monat, beträgt die Durchschnittstemperatur −3,4 °C.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Die ältesten Funde, die von einer zumindest kurzzeitigen menschlichen Besiedelung oder von Jagdstationen im Raum Voitsberg zeugen, wurden in Höhlen am Zigöllerkogel bei Köflach gefunden und können auf ein Alter von 20000 bis 25000 Jahre, also in die Jungsteinzeit datiert werden. Weitere Belege für eine jungsteinzeitliche Besiedelung der Gegend sind eine in der Kainach sowie eine weitere in Geistthal gefundene Rundnackenaxt, ein am Mandelkogel in Gallmannsegg aufgefundenes Flachbeil sowie ein Keulenkopf aus Södingberg. Aus der Zeit zwischen 4500 und 2300 vor Christus lassen sich mehrere kupfer- und bronzezeitliche Höhensiedlungen im Raum Voitsberg nachweisen, wie etwa die Höhensiedlung am Wartenstein oder am Heiligen Berg. Die Bewohner dieser Siedlungen betrieben bereits Pflanzenbau und Viehzucht. Zu Beginn der Hallstattzeit wurden die Höhensiedlungen aus unbekannten Gründen aufgegeben, es existierte aber weiterhin eine Bevölkerung in diesem Gebiet. Erst aus der Latènezeit lassen sich wieder größere Siedlungen nachweisen.

Aus dem Gemeindegebiet von Voitsberg gibt es kaum Funde, welche sicher auf eine vorgeschichtliche Zeit datiert werden können. Ein heute nicht mehr auffindbares durchlochtes Steingerät sowie weitere in Tregist gefundene Steingeräte könnten aus der Jungsteinzeit oder der Kupferzeit stammen, lassen sich aber auch aufgrund von fehlenden Fundortangaben nicht sicher zuordnen. Die ältesten, zeitlich sicher zuordenbare Funde aus Voitsberg sind zwei eiserne Lanzenspitzen aus der Latènezeit. Einige bei der Burg Krems gefundene Keramikstücke aus dem 4. und 3. Jahrhundert vor Christus lassen auf eine Siedlung schließen, deren genaue Lage jedoch nicht bekannt ist. Das Fehlen von urzeitlichen Funden im Gemeindegebiet lässt sich damit erklären, dass es bisher, mit Ausnahme einiger kleineren Untersuchungen an den Kirchen und Burgen im Stadtgebiet, keine wissenschaftlichen Grabungen gab und sämtliche Funde aus jener Zeit Zufallsfunde beim Bergbau oder Bauarbeiten sind.

Römerzeit und Frühmittelalter Das Gebiet um das heutige Voitsberg wurde in vorrömischer Zeit vom keltischen Volk der Noriker besiedelt. Das Siedlungsgebiet der Noriker wurde von den Römern erobert und war ab dem Jahr 15 vor Christus tributpflichtig sowie ab etwa 50 nach Christus Teil der römischen Provinz Noricum. Das Gebiet um Voitsberg wurde Teil des Landbezirkes von Flavia Solva und dürfte etwa ab den Beginn des 2. Jahrhunderts von den Römern besiedelt worden sein. Bei den Siedlern handelte es sich Großteils um Handwerker und Kaufleute sowie um ausgediente Soldaten, welche die Romanisierung des Landstriches förderten. Aus dem heutigen Gemeindegebiet sind zahlreiche römische Grabsteine sowie einige römerzeitliche Grabhügel bekannt. Die alte Siedlung Zedernica, aus der das heutige Voitsberg entstand, könnte aus einem römischen Straßenstützpunkt oder Gutshof entstanden sein.

Während der Völkerwanderung verließen viele römische Siedler die Provinz Noricum und flüchteten nach Italien. Ab den Beginn des 7. Jahrhunderts drangen verschiedene slawische Stämme in die Alpentäler vor. Für die verbliebene provinzialrömische Bevölkerung stellten die Slawen jedoch vermutlich keine Bedrohung dar, sondern halfen ihnen wahrscheinlich den vorhandenen Siedlungsraum zum Beispiel durch Rodungen zu erweitern. Spuren der slawischen Besiedelung im Voitsberger Raum haben sich bis heute in Ortsnamen wie Lankowitz, Graden, Ligist und Lobming erhalten. In der Zeit um 800 kam es zu einem Zuzug von bayrischen Siedlern, welche sich zwischen der slawischen Bevölkerung niederließen. Voitsberg wurde Teil des bayrischen Herrschaftsgebietes Karantanien, dessen Machtmittelpunkt die Karnburg in Kärnten war. Von den in den Jahren zwischen 900 und 950 erfolgten Ungarneinfällen blieb das Voitsberger Umfeld großteils verschont, da die Höhenzüge und Wälder in dieser Region gute Rückzugsgebiete darstellten. König Otto I. bildete nach seinem Sieg gegen die Ungarn im Jahr 955 die verfallenen Marken des Heiligen Römischen Reiches neu, wodurch der gesamte heutige Bezirk Voitsberg zur Mark an der Mur kam.

Mittelalter