Die Lehrter Straße im Berliner Bezirk Mitte verläuft von der Invalidenstraße bis zur Perleberger Straße westlich der Trasse der Lehrter Bahn, die nach Lehrte bei Hannover führt. Sie umfasst 75 Hausnummern, die in Hufeisenform verlaufen. Der Verkehrsweg setzt sich südlich als Clara-Jaschke-Straße fort.

Die vormalige in gerader Nord-Süd-Führung verlaufende Torfstraße wurde durch die Errichtung der Eisenbahnstrecke geteilt. Dabei erhielt der südliche Teil am 6. August 1872 nach der im Jahr 1871 erfolgten Inbetriebnahme des Lehrter Bahnhofs den heutigen Namen.

mini|Verlauf der Lehrter Straße

Geschichte Im 19. Jahrhundert erstreckten sich entlang der Lehrter Straße auf der westlichen Seite Kasernen, Wohnhäuser für Offiziere und ein Exerzierplatz. Auf der östlichen Seite verliefen hinter oder über Gefängnisgelände und Militärbauten die Bahnanlagen der Lehrter Bahn. Dienstwohnungen für Eisenbahnangestellte waren vorhanden und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch Wohn-Mietshäuser errichtet.

Nach der deutschen Wiedervereinigung rückte die Lehrter Straße aus ihrer Randlage in die Mitte der Stadt. Die Altbauten wurden saniert, auch ohne dass das Gebiet als Sanierungsgebiet ausgewiesen wurde. Im Jahr 2010 wurden zwei Hotels gebaut, außerdem an der Ecke zur Seydlitzstraße Reihenhäuser mit kleinen Gärten.

Für die Ostseite der Lehrter Straße, wo hinter einer historischen Ziegelmauer auf ehemaligem Bahngelände 34 Gärten der Bahn-Landwirtschaft sowie Gewerbe liegen, hat das Bezirksamt Mitte von Berlin einen Bebauungsplan für ein neues Quartier aufgestellt. Die Berliner Stadtmission errichtete ein Büro- und Kongresszentrum (Lehrter Straße 68).Homepage des Tagungs- und Kongresszentrums der Stadtmission. Außerdem betreibt sie hier im Keller ein Sammeldepot für gespendete Kleidung.

Stadtquartier Mittenmang Auf der östlichen Seite des mittleren Straßenabschnitts entstand zwischen den Sportanlagen am Poststadion und der Europacity auf dem 3,7 Hektar großen Gelände des früheren Bahnbetriebswerks des Lehrter Bahnhofs ein neues Stadtquartier rund 1000 Miet- und Eigentumswohnungen, welches unter dem Namen Mittenmang (berlinerisch für „mittendrin“) vermarktet wurde.1000 Wohnungen entstehen im neuen Quartier „Mittenmang“ an der Lehrter Straße. In: Berliner Woche (online), 5. Juli 2016, abgerufen am 17. März 2019.

Kulturdenkmale und ausgewählte Bauwerke entlang der Straße mini|Wandmalerei am Haus Lehrter Straße 35 in Berlin-Moabit

Nr. 4: Beamtenfriedhof, der als Begräbnisstätte für die Vollzugsbeamten des angrenzenden Zellengefängnisses diente. Nr. 5: Zellengefängnis Moabit (Preußisches Mustergefängnis Moabit) mit Gefängnismauer, Begrenzungsmauer des Anstaltsgartens, drei Beamtenwohnhäusern und Nebengebäuden; nach Plänen von Carl Ferdinand Busse 1842–1849 errichtet. Erweiterungsbauten 1888, 1897 ist heute ein Gedenkpark. Nr. 6–10: in den 1870er Jahren errichtete Mietshäuser 1871–1873 von Brisgen, Stute und Lauenburg Nr. 16/17: Indonesische Botschaft in Berlin Nr. 27–30: Mietshaus mit Hofgebäude, die 1887/1888 für das Unternehmen Berliner Granit- und Marmorwerke M. L. Schleicher errichtet wurden. Berliner Granit- und Marmorwerke M. L. Schleicher, Mietshaus mit Hofgebäude, 1887/1888 von Richard Krebs Nr. 35: ehemalige Heeresfleischerei in den 1910er Jahren gebaut; sie wurde umgenutzt zur Kulturfabrik Moabit mit Theater, Kino, Musikveranstaltungen und Café. Wertheim-Haus, Fabrik und Lagerhaus, 1911/1912 von Ernst Scharnke Nr. 48b: 1894 errichtetes Mietshaus Mietshaus, 1894 von August Spahr Nr. 57: Werkhof, ehemaliges Heeresbekleidungsamt, in dem heute Architekten, Webdesigner, Künstler und andere Personen arbeiten. ehemaliges Königliches Corps-Bekleidungsamt zu Berlin, 1896–1898 und 1903 von Zeidler, Feuerstein und Tischmeyer Nr. 58: Reste der Einfriedung des Kgl. Corps-Bekleidungsamtes zu Berlin. Reste der Einfriedung des Kgl. Corps-Bekleidungsamtes zu Berlin, 1898 Nr. 59: 1927 eröffnetes Poststadion auf dem früheren Exerzierplatz. Poststadion mit Hallenbad und Kassenanlage, 1926–1929 von Demmler, Daniel und Kleefeld Nr. 60/61: ehemalige Arrest-Anstalt der Berliner Garnison (Militärgefängnis). Nr. 60: bis 2012 Außenstelle des Amtsgerichts Tiergarten Nr. 61: ehemalige Teilanstalt (Haus 3) der Justizvollzugsanstalt Plötzensee.Bis Anfang der 1980er Jahre war das Haus 3 die Berliner Frauenhaftanstalt, aus der im August 1973 Inge Viett zum ersten Mal der Ausbruch gelang und die am 7. Juli 1976 hier zusammen mit Juliane Plambeck, Monika Berberich und Gabriele Rollnik erneut ausbrach. Nr. 67–69: Berliner Stadtmission

Weblinks

Verein für eine billige Prachtstraße – Lehrter Straße e. V.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Straße in Berlin Kategorie:Berlin-Moabit