mini|Zuchtiltis-Mäntel, ganzfellig und ausgelassen (1985) Das Iltisfell wurde in früheren Zeiten angeblich nur vom „allergemeinsten“ Volk verwendet, alte Gemälde scheinen das jedoch zu widerlegen. Der Europäische Iltis, auch als „Stinkmarder“, „Stänker“ oder „Ratz“ bezeichnet, war oft mit einem unangenehmen Geruch behaftet: „Sie stinken gleich dem Iltis übel und stark“, heißt es in einem alten Jagdbuch. Der heutigen Zurichtung ist es gelungen, diesen Geruch aus dem Fell völlig verschwinden zu lassen.

Der Pelzhandel nutzt das Fell des Europäischen Iltisses, des Steppeniltisses und des Tigeriltisses. Das Frettchen, die domestizierte Haustierform des Iltisses, hat nur in der verwilderten Form Neuseelands eine gewisse Bedeutung, es ähnelt dem Europäischen Iltis. Das englische Wort fitch bezeichnet in manchen Ländern das Frettchen, vor allem aber wird es als Bezeichnung für das Frettchenfell verwendet. In den 1970er Jahren wurden diese, eigentlich schon lange gehandelten Felle, in besonders selektierter Zucht und erstmals in größerer Stückzahl als Neuheit angepriesen. Schottische Züchter erklärten den von ihnen gezüchteten „Fitch“ als eine Kreuzung aus Iltis und Frettchen.

Daneben kennt der Handel das Virginische Iltisfell, den Pelz des hier nicht behandelten amerikanischen Fischermarders. Der skunkähnliche Zorilla, auch Bandiltis genannt, ist eine in Afrika lebende Raubtierart aus der Familie der Marder und gehört ebenfalls nicht zu den hier behandelten Fellarten. Der wohl schon immer recht seltene, nur noch in sehr geringer Zahl vorkommende, nordamerikanische Schwarzfußiltis ist vollkommen geschützt, Felle dieser Art wurden vom Handel auch früher nicht erfasst.

Europäischer Iltis

Der Europäische Iltis, auch „Schwarzer Iltis“, „Waldiltis“ oder „Landiltis“ genannt, ist über ganz Europa, mit Ausnahme Irlands, des nördlichen Skandinaviens und Russlands, verbreitet. In Neuseeland wurde die Art eingeführt.

Das Fell des männlichen Tieres ist etwa 34 bis 46 (sehr selten bis 48) Zentimeter lang, das des Weibchens 29 bis 39 Zentimeter. Die Länge des Schweifs beträgt beim Männchen etwa 12 bis 18 Zentimeter, beim Weibchen 8 bis 15 Zentimeter. Es ist ein sogenanntes „offenes Fell“, da das dunkle Oberhaar die helle Unterwolle nicht völlig abdeckt. Dadurch erscheint das Fell wie von einem dichten, dunklen Schleier überzogen. Je dichter die Grannen stehen, desto dunkler wirkt der Pelz. Damit gehört der Iltis zu den „verkehrt“ gefärbten Pelztieren, das heißt zu den Tieren, bei denen die Oberseite heller ist als die Unterseite. Der Kopf ist rötlich grau oder rötlich braun, die Schnauze ist weißlich, ebenso der Bereich hinter den Augen und die Spitzen der Ohren. Schwarze Flecken um und vor den Augen ergeben eine maskenähnliche Gesichtszeichnung. Hals, Brust, Beine und Schweif sind dunkel, meist bräunlich-schwarz gefärbt. Die Farben variieren sehr, von weiß und weißlichgrau bis gelb, orange bis rotgelb. Nicht selten sind Flavismen, so genannte „Rührei“- oder „Honigiltisse“, die völlig einfarbig semmel- oder honiggelb sind. Diese finden sich vor allem in Südeuropa. Auch dunkelrote bis braune Farbschläge kommen vor, so genannte „Froschiltisse.“ Die Behaarung ist lang, fein bis grob, glänzend und nicht besonders dicht. Das Fell der Iltisarten ist im Sommer und Winter gleich gefärbt, das Sommerfell ist allerdings glanzlos, grauer, deutlich dünner und kurzhaariger. Haarwechsel ist im Frühjahr und im Herbst.

Auf einem Quadratzentimeter stehen durchschnittlich 8500 bis 9000 Haare. Auf ein Grannenhaar kommen 20 Wollhaare. Am Rücken sind die Wollhaare 25 Millimeter lang. Die abstehenden Grannenhaare am Rücken sind etwa 45 Millimeter lang. Im Sommer erreichen die Grannen eine Länge von maximal 35 Millimetern.

Der Haltbarkeitskoeffizient für den europäischen Iltis wird mit 30 bis 40 Prozent angegeben.Die angegebenen Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, da zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Pelzveredlung, sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzukommen. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt. Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Iltishaar als fein eingestuft.

Die besten Iltisfelle kommen oder kamen aus dem östlichen Europa, des Weiteren aus Norddeutschland, dem Schwarzwald, den Hochebenen Bayerns, Österreich (Steiermark), der Schweiz, Holland und Dänemark. Ein Warenlexikon von 1814 nennt für die Türkei, insbesondere Anatolien, „[...] eine sehr feine und kostbare Sorte dieser Felle, welche ganz schwarz von Haaren sind und sich weich wie Seide anfühlen. Sie werden im Morgenlande zu Pelzwerk gar sehr gesucht“.

1988 gab Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch den geschätzten jährlichen Anfall mit 500.000 Fellen an.

Die Weltnaturschutzunion IUCN beurteilt den Europäischen Iltis in der Roten Liste gefährdeter Arten als nicht gefährdet (Least Concern). Die Bundesrepublik Deutschland stellt ihn in die Kategorie V und damit auf eine Vorwarnliste. Zwölf Länder Deutschlands werten von Kategorie V über vorwiegend Kategorie 3 (gefährdet) bis hin zu Kategorie 2 (stark gefährdet). Österreich und die Schweiz listen den Europäischen Iltis in den nationalen Roten Listen mit Kategorie 3 (gefährdet). Die Berner Konvention des Europarats schützt den Europäischen Iltis in Appendix III des Abkommens und erklärt ihn als schutzbedürftiges Wildtier, das in Ausnahmefällen genutzt werden darf. Auch die Europäische Union weist ihm durch Listung in Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (EG Nr. 92/43 bzw. der Abänderung in Richtlinie EG 2006/105) diese Kategorie zu.

Handel

mini|Gebündelte Iltis-Rohfelle in einem Auktionshaus (2009) Der Wildwarenhandel sortiert den Europäischen Iltis: Große Winterfelle 1 : 1 Gut gedeckte, aber grünledrige 4 : 3 Kleine und Weibchen 2 : 1 Flache, gedeckte, sogenannte Schwarten 4 : 1 Brack, beschädigte ad libitum

a) Russische Herkommen (Standard) 1. Westliche 2. Nord-Westliche 3. Zentral-Russische Größen und Sorten: I. Sorte: vollhaarig, groß II. Sorte: vollhaarig, klein III. Sorte: halbhaarig

b) Hudon’s Bay and Annings Ltd., London und andere: Herkommen: z. B. Polen Größen: 65+, 55/56, 45/55 Zentimeter Sorten: I., II., III., Farben: Dark, medium, pale

Die Rohfellanlieferung erfolgt in Beutelform: Haar teils innen, teils außen.

Mit dem Aufkommen der Pelztierzucht den 1920er und Anfang der 1930er Jahre wurde auch mit der Zucht des Iltisses für Pelzzwecke begonnen. In kleinem Umfang fand die Zucht auch in Deutschland eine gewisse Verbreitung. Ein Teil der Zuchttiere wurde sogar nach Amerika exportiert. In der Sowjetunion war auch die Zucht des Steppeniltisses („russischer Iltis“) angefangen worden. Den züchterisch durchaus erfolgreichen Versuchen war damals jedoch kein größerer und dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg beschieden und die Zucht wurde wieder eingestellt. Heutige wieder aufgelebte Zuchten basieren offensichtlich auf Steppeniltissen.

Steppeniltis mini|hochkant|Russisches Iltisfell vom Steppeniltis Das Fell des Steppeniltis, auch Eversmann-Iltis genannt, ist als „Russischer Iltis“ oder „Weißer Iltis“ im Handel bekannt. Der Steppeniltis bewohnt große Teile Asiens. Die Heimat des Steppeniltisses reicht vom Nord-Ural durch Sibirien bis zum Amur, südlich durch die Mandschurei bis zum Oberlauf des Jangtsekiang und westwärts über dem Himalaya, Kaschmir und das Altai-Tal bis zum Kaspischen Meer. Die besten, seidigsten und fast weißen Felle kommen aus Sibirien.

Der Unterschied zum Landiltis besteht vor allem im Körpermaß und in der Fellfarbe. Der Steppeniltis ist schmaler und kleiner als der Europäische Iltis. Die Bezeichnung „Weißer Iltis“ beruht vor allem darauf, dass die zudem kürzeren Grannenhaare weniger dicht stehen und somit die sehr helle, fahlgelbe, manchmal fast reinweiße Unterwolle zum Vorschein kommt, welche dann die Färbung dominiert. Die Felllänge beträgt etwa 35 bis 40 Zentimeter. Der Schweif ist 14 bis 18 Zentimeter lang. Das Sommerfell ist gelblich bis rötlich, das Winterfell grauweiß oder gelblichweiß, mitunter fast reinweiß. Aus bestimmten Gebieten wie Petropawlowsk und Semipalatinsk kommen gelegentlich fast weiße Iltisse. Kehle, Brust und Beine sind beim Steppeniltis dunkel, oft tiefschwarz. Die Gesichtsfärbung ist weißlich. Die dunklen Stellen auf dem Nasenrücken und im Augenbereich bilden eine Maske. Ein typisches Merkmal für den Steppeniltis ist die Färbung des Schweifes. Die hintere Hälfte ist sehr dunkel, meist braunschwarz, wohingegen die vordere Hälfte so hell ist wie die Unterwolle.

Die Behaarung ist lang, fein und glänzend. Der Winterpelz ist seidig, weich und locker.

Chinesischer Iltis Der chinesische Iltis hat ein besonderes Kennzeichen. Das Genick ist sehr flach, von der Mitte des Fells bis zum Rumpf ist es eher überrauch. Die Farbe ist etwas gelblicher als beispielsweise bei den russischen Weißiltissen. Das Fell eignet sich weniger als Mantelmaterial, sieht aber nachgefärbt recht gut aus; es wurde für billige Pelzkrawatten verwendet. Man unterscheidet Waldfelle und Bergfelle. Die Waldfelle sind etwas kleiner als Bergfelle, etwas gedrungener im Haar und haben zum Teil eine etwas rötlichere Farbe.Richard König: Ein interessanter Vortrag (Referat über den Handel mit chinesischen, mongolischen, mandschurischen und japanischen Rauchwaren). In: Die Pelzwirtschaft Nr. 47, 1952, S. 52.

Handel, Geschichte Die Oeconomische Encyclopädie von Johann Georg Krünitz berichtet über die Verwendung der Iltisfelle: „Die Buräten (Burjaten, Angehörige eines mongolischen Volksstamms, die sich in Leder und Pelzwerk kleiden) machen Säcke zur Aufbewahrung ihrer Götzenbilder aus diesen Fellen. Die Chinesen gebrauchen sie ebenfalls zum Pelzwerk und kaufen von den Russen das Stück für 11 bis 15 Kopeken; die Schwänze, das Stück für 2 bis 3 Kop.; und genähte Säcke aus solchen Fellen, zu 6 bis 15 Rubel. Die Mongolen verkaufen die lenischen Iltißfelle, das Stück zu 12 Kopeken. Bey uns kostet das Stück 16 Groschen. Die Haare der Iltißschwänze werden zu den so genannten Haarpinseln der Mahler gebraucht.“ Diese genähten Säcke sind zu Tafeln zusammengenähte Iltisfelle, die in der Form eines oben offenen Sacks als Halbfabrikate gehandelt wurden.

Bereits bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Steppeniltis zeitweilig zur Pelzgewinnung gehalten. Russische Jagdbeamte legten sich besondere „Ratzkammern“ an, in denen sie, neben Edelfüchsen (z. B. Kreuzfuchs), die in den Sommermonaten gefangenen Jungiltisse in kleinerer Zahl bis zur Pelzreife fütterten.

Die besten Felle des Steppeniltisses kommen aus Sibirien (Petropawlowsk, Semipalatinsk). Sie sind groß und seidig, die Unterwolle ist fast reinweiß. Saratower Iltisse sind etwas kleiner, flacher und dunkler und werden immer mit dem Leder nach außen angeliefert. Südöstliche und zentralasiatische sind kleiner, haben gröberes Haar, eine gelbe Unterwolle und bräunliches Oberhaar. Sie werden ebenfalls mit der Lederseite nach außen abgezogen.

Die Felle aus der Mongolei, dem Kaukasus und Südrussland haben sehr gelbes Unterhaar, das Grannenhaar ist mehr rotbraun, die Qualität ist gröber. Die Anlieferung erfolgt mit dem Haar nach außen.

Der russische Standard unterscheidetnach Herkommen: Petropawlowsker Orenburger Kasaner Sibirische Waldiltisse Zentral-Russische Mongolen Semipalatinsker Mittel-Asien Saratower Sibirische Steppen-Iltisse Südöstliche nach Sorten:I = vollhaarig II = halbhaarig unterteilt in leicht beschädigt, stark beschädigt und Brackware