mini|Museumswagen mini|Nostalgiezug aus Zwillingstriebwagen 313 und 314 auf der Linie 1 im Jahr 2008 mini|„Bengali“-Gelenktriebwagen FVV CSM-4 im Jahr 2005, Einsatz von 1973 bis 2011

Die Straßenbahn Szeged ist das zweitgrößte Straßenbahnnetz in Ungarn und wird von den Verkehrsunternehmen Szegedi Közlekedési Kft. (SZKT) und MÁV-START Zrt. (MÁV) betrieben. Im Jahr 2012 befuhr die Straßenbahn Szeged vier Linien mit einer gesamten Linienlänge von 23,2 Kilometern (Stadtnetz) und einer Spurweite von 1435 Millimetern. Nach längerer Stagnation wurde das Streckenennetz seit dem Jahr 2000 vollständig erneuert und am 2. März 2012 eine Neubaustrecke eingeweiht. Seit dem 29. November 2021 besteht auch eine Tram-Train-Strecke in die Nachbarstadt Hódmezővásárhely.

Geschichte Am 1. März 1857 begann in Szeged der Pferdeomnibus-Verkehr, der den Bahnhof mit der Stadtmitte und einigen wichtigen Gasthöfen der Stadt verband. Nachdem die Stadt im Jahr 1879 durch ein katastrophales Hochwasser fast völlig zerstört worden war, wurde sie mit internationaler Hilfe neu wieder aufgebaut. Dann aber wuchs der Bedarf nach öffentlichen Verkehrsmitteln und die erste Pferdebahn-Strecke wurde gebaut. Im Jahr 1881 wurde die Konzession für die Pferdestraßenbahn erteilt und drei Jahre später, am 1. Juli 1884 wurde der Personenverkehr mit Pferdebahnen und gleichzeitig der Güterverkehr mit Dampflokomotiven aufgenommen. Im ersten vollen Betriebsjahr (1885) wurden über 300 000 Fahrgäste befördert. Die Güterzüge wurden von Lokomotiven der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. mit einer Leistung von 60 Pferdestärken gezogen. Zur Jahrhundertwende kam die Pferdebahn an ihre Kapazitätsgrenzen. Deshalb wurde im Jahr 1899 ein Plan für die Elektrifizierung des Straßenbahnnetzes vorgelegt, der aber erst im Jahr 1907 genehmigt wurde. Die erste elektrische Straßenbahn verkehrte in Szeged am 1. Oktober 1908 und verband den Bahnhof Szeged über das Stadtzentrum mit dem Bahnhof Rókus.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste aufgrund der jugoslawischen Besatzung der Linienverkehr in den Stadtteil Újszeged (Neu-Szegedin) eingestellt werden, konnte aber später wieder aufgenommen werden. Wegen der Rezession gingen nach 1920 die Fahrgastzahlen zurück. Einige Linien wurden eingestellt und der Fahrplan wurde ausgedünnt. Außerdem mussten aus Geldmangel zwei Fahrzeuge nach Miskolc (1924) und Novi Sad (1926) verkauft werden.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Netz praktisch unbeschadet, auch wenn in den letzten Kriegstagen der Verkehr eingestellt werden musste. Bereits am 19. Oktober 1944 konnte der Verkehr auf der Hauptstrecke wieder aufgenommen werden. Der Güterverkehr auf den Straßenbahnstrecken nahm ab den 1950er Jahren ab und wurde im Jahr 1971 ganz eingestellt.

In den 1960er Jahren empfahl das ungarische Ministerium für Verkehr und Postwesen die Abschaffung des Straßenbahnverkehrs im Land. Stattdessen sollte der öffentliche Verkehr auf Busse umgestellt werden, die in Ungarn selbst produziert wurden. Stillgelegt wurden in dieser Zeit die Straßenbahnnetze in Nyíregyháza, Pécs und Szombathely. Diese Entscheidung wurde erst nach der Ölkrise revidiert. Nach 1974 wurden keine weiteren Straßenbahnstrecken stillgelegt, stattdessen verkehrten in Szeged ab dem 29. April 1979 die ersten Oberleitungsbusse. Durch den Aufbau und die Erweiterung des Oberleitungsbusnetzes wurden sämtliche Mittel der Verkehrsgesellschaft SZKT gebunden, so dass der Straßenbahn-Betriebszweig bis zum Jahr 1996 vernachlässigt wurde.

Die Erneuerung des Wagenparks der Straßenbahn begann damit, dass zunächst beim tschechischen Hersteller ČKD Tatra drei Triebwagen des Typs T6A2H bestellt wurden. Sie wurden ab 1997 in Dienst gestellt. 1998 wurde der Wagenpark um weitere zehn Triebwagen dieses Typs aufgestockt. Die neuen Tatra-Straßenbahn-Wagen lösten die auf der Linie 1 seit drei Jahrzehnten fahrenden FVV-Gelenkwagen ab.

Gleichzeitig mit dem Bau des Einkaufszentrums Szeged Plaza wurde die Endstelle der Linie 1 am Bahnhof Szeged-Rókus modernisiert und eine neue Endstelle direkt vor dem Haupteingang des Einkaufszentrums gebaut. Diese wurde im Jahr 2000 in Betrieb genommen.

Da die Fahrgastzahlen der Straßenbahn stiegen, der Takt verdichtet wurde und die alten FVV-Wagen (genannt Béngali) abgestellt werden sollten, kamen ab dem Jahr 2005 schrittweise gebrauchte Potsdamer und Cottbusser Triebwagen des Typs Tatra KT4D nach Szeged, dazu noch sechs Beiwagen B6A2D aus Rostock, die zu geführten Triebwagen ohne Führerstand umgebaut wurden und mit den T6A2H Traktionen bilden.

Im Jahr 2009 begann der Bau der neuen Straßenbahnlinie 2, für die Niederflurwagen vom polnischen Hersteller PESA angeschafft werden. Am 29. Januar 2012 traf der erste Wagen des Typs PESA 120Nb in Szeged ein, am 2. März 2012 wurde die neue Linie 2 offiziell eröffnet.

Der Tram-train zwischen Szeged und Hódmezővásárhely nahm 2021 den Betrieb auf.

Linien Linie Linienweg Länge Halte Fahrzeit Fahrzeuge 1 (SZKT) Bahnhof Szeged – Szeged Pláza 4,4 km 14 20 min KT4D, T6A2, B6A2, PESA 120Nb 1 (MÁV)Bahnhof Szeged – Bahnhof Hódmezővásárhely30 km2051 minStadler Citylink 2 Bahnhof Szeged – Európa Liget 4,8 km 16 24 min PESA 120Nb 3 Tarján – Vadaspark 5,9 km 16 24 min Tatra KT4D, T6A2, B6A2 3F Tarján – Fonógyári út 7,8 km 20 30 min KT4D, T6A2 4 Tarján – Kecskés 6,2 km 17 24 min KT4D, T6A2, B6A2

Linie 1 (SZKT)Linie 1 (MÁV) Linie 2 Linie 3 / 3F Linie 4 Szeged pályaudvar ↑ Bem utca ↓ Galamb utca Bécsi körút Aradi vértanúk tere Somogyi utca Széchenyi tér Anna-kút Rókusi templom Tavasz utca Damjanich utca Vásárhelyi Pál út Szilánk Rókus vasútállomás Szeged Pláza Szeged pályaudvar ↑ Bem utca ↓ Galamb utca Bécsi körút Aradi vértanúk tere Somogyi utca Széchenyi tér Anna-kút Rókusi templom Tavasz utca Damjanich utca Vásárhelyi Pál út Szilánk Rókus vasútállomás Algyő Hódmezővásárhely, Népkért vá. Hódmezővásárhely, Strandfürdő Hódmezővásárhely, Hősök tere Hódmezővásárhely, Kossuth tér Hódmezővásárhely, Kálvin János tér Hódmezővásárhely, vasútállomás Szeged pályaudvar ↑ Bem utca ↓ Galamb utca Bécsi körút Aradi vértanúk tere Somogyi utca Széchenyi tér Anna-kút Rókusi templom Tavasz utca Damjanich utca Vásárhelyi Pál út Szatymazi utca Rókusi Víztorony Rókusi II. számú Általános Iskola Vértó Európa Liget Tarján Budapesti körút Deák Ferenc Gimnázium Rózsa utca Kecskeméti utca Brüsszeli körút Szent György tér Novotel Hotel Anna-kút Centrum Áruház Dugonics tér Londoni körút Veresács utca Kálvária tér II. Kórház Vadaspark Belvárosi temető Belvárosi temető II. kapu Kereskedő köz Fonógyári út Tarján Budapesti körút Deák Ferenc Gimnázium Rózsa utca Kecskeméti utca Brüsszeli körút Szent György tér Novotel Hotel Anna-kút Centrum Áruház Dugonics tér Vitéz utca Szivárvány kitérő Vám tér Szabadkai út Szalámigyár Kecskés

Linie 1 (SZKT): Szeged pályaudvar – Szeged Pláza Diese Linie folgt nahezu der gleichen Strecke wie die erste in Szeged eröffnete Pferdebahnlinie. Sie verbindet das Stadtzentrum in der Unterstadt mit den nördlichen Stadtteilen. Die Innenstadt durchquerte sie seit der Eröffnung als Pferdebahn am 1. Juli 1884 über die Kárász utca. Am 1. Oktober 1908 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen. Im Jahr 1927 wurde ihre Streckenführung in der Innenstadt geändert: Seitdem verkehrt sie etwas näher an der Theiß über die Straßen Kelemen László utca und Zrínyi utca. Im Jahr 1943 erhielt sie die Liniennummer 1. Von 1974 bis 1976 wurden die Gleise in der Großverbundplatten-Bauweise erneuert. Diese Oberbauform war den Belastungen des Betriebsalltags jedoch nicht gewachsen. Eingesetzt wurde diese Bauweise zwischen den Haltestellen Vásárhelyi Pál utca und Anna-kút sowie zwischen Széchenyi tér und Bem utca.

Seit Mitte der 1990er Jahre wurde diese Linie abschnittsweise erneuert. Zuerst wurde im Jahr 2000 der Vorplatz des Bahnhof Rókus neu gestaltet, nachdem dort ein Einkaufszentrum gebaut worden war. Im Jahr 2008 wurde die Haltestelle Anna-kút und der zugehörige Kreuzungsbereich vollständig erneuert. In diesem Zeitraum wurden auch die Abschnitte auf dem Széchenyi tér und der Gőz utca renoviert. Vom Sommer 2009 bis zum 9. Mai 2010 wurde der Umbau der Abschnitte Bahnhof Rókus – Anna-kút und Szeged Bahnhof – Aradi vértanúk tere durchgeführt. Am 11. Juni 2010 begann der Umbau des Abschnitts Anna-kút – Aradi vértanúk tere. Am 15. Dezember 2011 konnte der Betrieb auf der völlig erneuerten Strecke der Linie 1 wieder aufgenommen werden. Die Strecke der Linie 1 ist vollständig zweigleisig ausgebaut.

Nach der Eröffnung der weitgehend parallel verlaufenden Linie 2 verkehrte die Linie 1 in der Hauptverkehrszeit alle 15 Minuten, während der Schulzeit in der Nebenverkehrszeit alle 20 Minuten. Dieser Fahrtenhäufigkeit wurde immer weiter ausgedünnt, 2020 verkehrten die Wagen der Linie 1 nur noch im Stundentakt. Die wenigen verbliebenen Fahrten werden Richtung Bahnhof Rókus seit 2023 mit der Linienbezeichnung 1A gekennzeichnet.

Linie 1 (MÁV): Szeged pályaudvar – Hódmezővásárhely mini|Citylink der ungarischen Staatsbahn MÁV Am 29. November 2021 wurde die Tram-train-Linie 1 zwischen Szeged und Hódmezővásárhely eröffnet. Diese wird von der ungarischen Staatsbahn MÁV betrieben und ist zwischen den Bahnhöfen Szeged und Szeged-Rókus identisch mit der Linie 1 der SZKT. In Rókus wechseln die Züge auf die nicht elektrifizierte Bahnstrecke Szeged–Békescsaba. Diese wird über Algyő bis zum Bahnhof Hódmezővásárhely-Népkért genutzt. Zwischen diesem und dem Bahnhof Hódmezővásárhely wurde eine neue, wie das Stadtnetz mit 600 V elektrifizierte Straßenbahnstrecke durch das Zentrum von Hódmezővásárhely mit vier Haltestellen errichtet.

Zu Beginn des Probebetriebs verkehrten die Züge der Tram-train-Linie 1 stündlich. Ab Januar 2022 soll der Fahrplan auf einen 20-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit und sonst auf einen 30-Minuten-Takt verdichtet werden sowie die Fahrzeit zwischen den beiden Städten auf 30 bis 35 Minuten verringert werden. Der endgültige Fahrplan ab März 2022 sieht einen 10-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit vor. Zwischen dem 29. November 2021 und dem 15. April 2022 war die Fahrt mit den Zügen kostenfrei.

Die Kosten des Projekts beliefen sich auf 80 Milliarden Forint, davon knapp 17 Milliarden Forint für die Fahrzeuge des Typs Stadler Citylink (siehe unten).

Linie 2: Szeged pályaudvar – Európa Liget mini|Endhaltestelle Európa Liget der Linie 2 In der Geschichte der Straßenbahn Szeged existierte eine Linie 2 bereits zweimal. Sie wurde am 7. Mai 1927 eröffnet und erhielt im Jahr 1943 die Liniennummer 2. Ihr Verlauf war: Mérey utca, Margit utca (heute: Gutenberg utca), Dugonics tér, Vitéz utca, Szivárvány kitérő, Vám tér, Vágóhíd (Schlachthof). Im Jahr 1953 wurde sie um 350 Meter bis zur Endstelle Kecskes verlängert. Mit der Linienreform 1972 wurde die Strecke nach Kecskes von der Linie 4 übernommen. Danach verkehrte die Linie 2 zwischen der Straße Etelka sor entlang dem Felső Tisza part über das Radnóti-gimnázium zum Anna-kút. Am 28. Februar 1977 wurde die Linie 2 entlang der Uferstraße wegen des Baus der Bertalan híd (Bartholomäus-Brücke) stillgelegt.