Vaviquinia (Vavikinia) ist ein osttimoresischer Suco im Verwaltungsamt Maubara (Gemeinde Liquiçá).
Geographie
Vaviquinia liegt im Norden des Verwaltungsamts Maubara, am Ufer der Sawusee. Westlich befindet sich der Suco Gugleur und südlich und östlich der Suco Maubaralissa. Entlang der Grenze zu Maubaralissa fließt der Bahonu und mündet östlich vom Ort Maubara (Vila Maubara), am Ponta Camale Media Ilo, in die Sawusee. Der Mantaro entspringt im Grenzgebiet zu Gugleur folgt der Grenze, biegt dann nach Westen ab und kommt vereinigt mit dem Tikidur als Marae wieder zur Grenze, bis er die Sawusee erreicht.Direcção-Geral de Estatística: .
Im Norden befindet sich der Foho Vatuaba (, ) und im Nordwesten die Erhebungen Foho Maumanu (, ) und Foho Kailibar (, ).PeakVisor: Foho Maumanu, abgerufen am 23. Oktober 2025. Der höchste Punkt des Sucos liegt im Süden. Der Berg erreicht ().
Vaviquinia hat eine Fläche von 14,12 km² und teilt sich in die sieben Aldeias Darulara, Delesuvati, Lebumeta, Morae, Nunuana, Pametapu und Vila. (portugiesisch; PDF-Datei; 315 kB)
Maubara, der Hauptort des Verwaltungsamts, ist die größte Siedlung des Sucos und liegt im Nordosten an der Küste. Neben dem Sitz des Verwaltungsamtes befindet sich hier auch der Sitz des Sucos Vaviquinia. Ebenfalls am Meer liegt im Westen an der Mündung des Marae das Dorf Morae. Darulara befindet sich in einem Flusstal, südwestlich des Dorfes Maubara und östlich des Foho Vatuaba. Am Südhang des Foho Kailibar liegen die Dörfer Lebunicta und Lebumeta, während das Dorf Pabalebu sich auf einem Höhenzug westlich des Bahonu befindet. Zur Aldeia Nunuana im Süden gehören das Dorf Nunuana und die beiden kleinen Siedlungen Cicavae und Loroeso. (PDF-Datei; 475 kB)
Die nördliche Küstenstraße, eine der wichtigsten Verkehrswege des Landes, führt auch an der Küste Vaviquinias entlang. Vor Maubara Vila können Schiffe ankern. Im Ort befinden sich zwei Grundschulen, eine Präsekundarschule, eine Polizeistation und ein Hospital. Nur Cicavae verfügt ebenfalls über eine Grundschule.
Einwohner In Vaviquinia leben 2.831 Einwohner (2022), davon sind 1.408 Männer und 1.423 Frauen. Im Suco gibt es 525 Haushalte. Über 87 % der Einwohner geben Tokodede als ihre Muttersprache an. Fast 13 % sprechen Tetum Prasa.Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Vaviquinia (tetum; PDF-Datei; 7,9 MB)
Geschichte Kolonialzeit mini|Fort Maubara mini|Kirche von Maubara (2014)
Nach der erfolgreichen Abwehr von einem Angriff von zwei Schiffen aus Sikka wurde von der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) eine Einheit aus hundert europäischen und balinesischen Soldaten, unter dem Kommando von Jacob Pietersz, nach Maubara entsandt, die ein Fort an einem Ort namens Dasitulu errichtete. Um das Fort herum entstand der heutige Ort Maubara. 1759 kehrte Pietersz mit einer neuen Einheit Soldaten zurück und musste erneut einen Angriff auf Maubara abwehren. Wer die Angreifer waren ist nicht bekannt., Universidade do Porto, 2004.
1760 griffen die Portugiesen mit einer Streitmacht aus dem Osten Maubara erneut an. Ein VOC-Schiff mit vierzig Mardijker-Soldaten vertrieb den Feind. 1761 zog VOC-Kommandant Hans Albrecht von Plüskow die balinesischen Soldaten aus Maubara ab. Nur zwölf Europäer blieben als kleine Besatzung in Fort Maubara. José Xavier Doutel, der Herrscher von Maubara, bat daher in Kupang um erneute Verstärkung. Um dem Nachdruck zu verleihen, schickte er große Mengen an Sandelholz und Bienenwachs als Geschenk. (PDF; 70 kB)
Im Vertrag von Lissabon vereinbarten die Niederländer 1859 im Rahmen eines größeren Gebietsaustauschs Maubara an die Portugiesen abzutreten. Die Übergabe erfolgte im April 1861. 1869 beschrieb der Kapitän der portugiesischen Korvette Sa de Bandeira Maubara als eine Ansammlung einiger Hütten aus Stroh und Palmblättern, eine davon gehörte dem Kommandanten des dortigen Distrikts. Das Fort aus losen Steinen, nah am Meeresufer, war zu diesem Zeitpunkt nur noch mit einer einzelnen, rostigen Kanone bestückt.Geoffrey C. Gunn: , verfügbar vom Centro de Estudos sobre África, Ásia e América Latina, CEsA der TU-Lissabon (PDF-Datei; 805 kB).
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich Hakka-Händler in Maubara nieder. Es entstand eine ganze chinesische Siedlung. Der Historiker René Pélissier nennt für 1883 eine Anzahl von 300 chinesischen Einwohnern in Maubara, eine Zahl, die eher unwahrscheinlich ist. Da seltener Frauen unter den Einwanderern waren, heirateten sie oft einheimische Frauen. Die Chinesen gründeten Geschäfte und betrieben im Hinterland Handel bis in das Tal des Lóis. Für den Export kaufte man Kaffee, für den Markt in Maubara lokale Waren und verkaufte Importwaren, unter anderem auch Opium. 1878 vermeldete der Alferes Esteves Angriffe und Plünderung von chinesischen Häusern durch die lokale Bevölkerung und, dass ein Angriff auf das Fort drohe. Esteves forderte 300 Mann zur Verstärkung aus Liquiçá an. In Fort Maubara waren 1878 nur ein Fähnrich, ein Quartiermeister (furriel), zwei Korporale (cabo) und fünf Soldaten (soldados) stationiert. In der Zollstation, die 1889 errichtet wurde, versahen zusätzlich ein Sergeant und sechs weitere Soldaten ihren Dienst.
Anfang Juni 1886 ermordeten Krieger unter dem Befehl von Dom José Calau einen Hakka in Vaviquinia. Am Strand von Maubara drohten sie, Dom António, dem Major des Reiches und einen Timoresen namens Assu den Kopf abzuschlagen. Francisco Pedro de Mira Feijo Elvaim, der portugiesische Kommandant des Forts informierte sofort Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia (1885–1887) und dieser eilte mit einer kleinen Truppe nach Maubara, um die Mörder gefangen zu nehmen. Dabei geriet Maia in einen Hinterhalt und musste sich zum Fort Maubara zurückziehen. Nach einigen Gefechten zwang Maia Dom José Calau zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens.
Während der Revolte von Maubara 1893 versammelten sich die portugiesische Truppen in Maubara und zogen dann gegen die verschiedenen Dörfer Maubaras. Am 9. Juni 1893 brannten sie das Dorf Morae nieder. Da nach den Kämpfen viele Leichen liegen blieben, brach die Cholera aus. Die chinesische Gemeinde in Maubara war sehr stark betroffen. Bis Anfang 1894 zählte man durch die Seuche allein in Maubara 279 Todesfälle. Die Seuche breitete sich aber über die Region hinaus aus.
mini|Grab von Liurai José Nunes in Vila
Im August 1975 kam es zum Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN. Liquiçá und Maubara wurden zu Hochburgen der UDT. Ihre lokalen Führer waren der Liurai von Maubara Gaspar Correia da Silva Nunes, Maubaras Administrator Adelino Tinoco, die Brüder José und Joaquim Sanches und João Pina. Im Fort Maubara und der Grundschule des Ortes wurden hunderte vermeintliche FRETILIN-Anhänger von der UDT interniert. Am 27. August übernahm die FRETILIN die Kontrolle über die koloniale Hauptstadt Dili.Part 3: The History of the Conflict (PDF; 1,4 MB). In: „Chega!“-Report der CAVR (englisch). Die UDT-Führung zog sich Anfang September zuerst nach Liquiçá, dann am 7. September mit Gefangenen und tausenden Zivilisten nach Maubara zurück. Am 15. September nahm die FRETILIN die Stadt Liquiçá ein. Gaspar Nunes und Adelino Tinoco flohen zusammen mit João Viegas Carrascalão mit einem kleinen Boot von Morae aus in das indonesische Westtimor. Auch große Teile der Bevölkerung Vaviquinias floh aus Angst vor Gewalt nach Indonesien.„Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
Indonesische Besatzungszeit und Unabhängigkeit Kurz darauf begann Indonesien Osttimor zu besetzen, das sich gerade für unabhängig erklärt hatte. Indonesische Kriegsschiffe beschossen Maubara am 2. Juni, dann drangen Soldaten des 403. indonesischen Armeebataillons in den Ort ein, ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Die timoresischen Einwohner waren in die Berge geflohen, geblieben waren nur die Hakka-Familie, die sich in einem Haus versammelten und verbarrikadierten. Chinesische Zeugen berichteten von den folgenden Ereignissen: Die Indonesier fragten gezielt nach zwei chinesischen Einwohnern, doch diese waren nach Australien geflohen. Daraufhin verlangten die indonesischen Soldaten nach Gold, aber die Hakka hatten keine Wertsachen. Soldaten derselben Einheit hatten zuvor in Liquiçá Gold von den Hakka-Familien dort eingesammelt. Verärgert trieben die Indonesier die Familien die Hauptstraße hinunter zum Fort Maubara, wo die Männer von den Frauen getrennt wurden. Eine der älteren Hakka-Frauen sprach Indonesisch. Sie verriet den Soldaten, dass zwei Männer sich mit zwei Dutzend Kindern nahe dem chinesischen Friedhof versteckten. Am Tag darauf brachte die Frau die Soldaten zum Friedhof und forderte die Geflohenen auf, in den Ort zurückzukommen. Dort angekommen, wurden sie zu den gefangenen Frauen gebracht, die auf dem Feld vor der Verwaltung warteten. Die anderen Männer waren weggebracht worden. Die Zurückgebliebenen glaubten, sie würden vielleicht als Träger (tenaga bantuan operasi, TBO) von den Indonesiern eingesetzt. Doch später erzählte den Hakka ein Timorese, der bei dem Bataillon diente, dass alle Hakka-Männer von den Indonesiern erschossen wurden. Die Leichen waren zum Hügel Leoborai Rau gebracht und dort verbrannt worden. Die Namen von 15 chinesischen und einem timoresischen Opfer hier sind bekannt. Ein Jahr später entdeckte man bei Ebbe die sterblichen Überreste von weiteren 50 chinesischen Männern am Strand. Sie wurden eingesammelt und im Friedhof beerdigt.Vaudine England: Chinese legacy of fear in Dili. In: etan.org, East Timor and Indonesia Action Network, Artikel vom South China Morning Post, 30. August 1999, abgerufen am 19. März 2018. (englisch)
In Maubara gründete die FALINTIL die base de apoio Malehui, eine Widerstandsbasis, die Zuflucht für Flüchtlinge aus Maubara, Leimea-Craic, Railaco, Atsabe, Ainaro und Zumalai bot. Später wurde die Basis von den Indonesiern zerstört. Ende 1979 gab es sogenannte Transit Camps, in denen die Besatzer osttimoresische Zivilisten internierten, im Ort Maubara und in Lebumeta.
1999 versuchten pro-indonesische Milizen (Wanra) die Stimmung vor dem Unabhängigkeitsreferendum am 30. August mit Gewalt zu beeinflussen. Aus dem Dorf Maubara stammt eine der gefürchtetsten Wanra Osttimors, die Besi Merah Putih (BMP), die vor allem in diesem Subdistrikt zwangsrekrutierte und hier auch ihr Hauptquartier hatte. Viele Menschen flohen aus Angst vor den Zwangsrekrutierungen. Bereits ab Januar 1999 war die BMP aktiv. Sie beging vor dem Referendum und nach der Bekanntgabe der Entscheidung für die Unabhängigkeit Hunderte von Verbrechen. Am 19. Januar griff die BMP den Ort Maubara an, worauf viele Einwohner nach Leotala flohen.
Am 16. März umzingelte die pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih (BMP) das Konvent der Karmelitinnen in Morae. Man beschuldigte die Nonnen, sie würden die Unabhängigkeitsaktivisten unterstützen und drohte alle zu töten.Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191.
Am 19. Januar 1999 griff die BMP den Ort Maubara an, worauf viele Einwohner nach Leotala flohen. Am 15. Februar wurde Vatuvou überfallen. Lissadila und Maubaralissa wurden zu Geisterstädten. Ihre Einwohner flohen nach Sare (Distrikt Ermera). Allein dort versammelten sich bis zu 6.000 Flüchtlinge und blieben bis zum Eintreffen der INTERFET im September 1999. Fast 2.700 Flüchtlinge aus Vatuvou und Maubara versammelten sich im März in Gariana (Vatuvou), 375 bei den Karmeliternonnen in Lissadila.