mini|Ronnie James Dio (2009) Ronnie James Dio (* 10. Juli 1942 in Portsmouth, New Hampshire als Ronald James Padavona; † 16. Mai 2010 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Hard-Rock- und Heavy-Metal-Sänger der Bands Elf, Rainbow, Black Sabbath, Dio und Heaven and Hell. Er gilt in diesem Bereich der Musik als einer der bedeutendsten Sänger. Dio wird zudem oft als Erfinder der Mano-cornuta- bzw. Devil-Horns-Handgeste genannt, die sich als Gruß in der Metal-Szene weltweit etablierte. Da Dio diese sehr prominent verwendete, trug er zur Popularisierung der Geste bei.Sam Dunn, Scot McFadyen, Jessica Joy Wise: Metal – A Headbanger’s Journey (Interview mit Ronnie James Dio auf dem Wacken Open Air)Geezer Butler und kuriose Debatten um die „Devil Horns“-Geste: Wer hat sie erfunden? Rolling Stone
Werdegang Anfänge mini|Ronnie James Dio (2002) Dio spielte ab seinem fünften Lebensjahr auf Drängen seines Vaters Trompete und Bassgitarre. 1957, im Alter von 14 Jahren, spielte er in der Schulband The Vegas Kings aus Cortland. Der Bandname wechselte über Ronnie & The Rumblers in Ronnie and the Red Caps.
Um 1960 benutzte Dio zum ersten Mal den Künstlernamen Dio (italienisch für „Gott“). Laut eigener Aussagen nutzte er das Pseudonym in Anlehnung an einen Mafioso aus Florida namens Johnny Dio, der ihn zu der Zeit beeindruckte. Dies ging so weit, dass er sich auf Konzerten auch als Neffe des Mafioso ausgab, um sich wichtig zu machen. Dass ein Angestellter einer Konzert-Venue aber tatsächlich Kontakt zu den Leuten um Johnny Dio hatte und diese dann zu einem Gig des vermeintlichen Neffen einlud, sorgte beim jungen Ronnie James Dio im Nachhinein für monatelange Angstzustände, weswegen er fortan nicht mehr diese vermeintliche familiäre Bindung vorgab. Johnny Dio ließ allerdings später Grüße an seinen „Neffen“ ausrichten und wünschte ihm für seine musikalische Karriere alles Gute.
Nach erneutem Wechsel des Bandnamens in Ronnie Dio and the Prophets erschienen diverse Singles und ein erstes Album, mit dem Titel Dio at Domino’s. Die Aufnahme entstand im Szene-Lokal Domino’s Restaurant, einem beliebten Tanztreff in Cortland, für den die Band längere Zeit spielte und so erste lokale Bekanntheit erlangte. Das Repertoire enthielt neben wenigen Eigenkompositionen hauptsächlich Chartmusik der 1950er und 60er Jahre.
Elf Die Band Ronnie Dio & The Prophets hatte bis 1967 Bestand. Neben einigen Besetzungswechseln änderte man auch den Namen in The Electric Elves. Einer Anekdote zufolge entstand der Name aufgrund einer Hänselei des damaligen Gitarristen Dick Botoff, der sich darüber lustig machte, dass der zweite Gitarrist Nick Pantas aufgrund seiner geringen Körpergröße und seiner Schuhe wie ein Elf aussehe. Fortan trug dieser den Spitznamen „Elf“. Das optische und akustische Erscheinungsbild der Band wandte sich allerdings mehr und mehr ab vom Pop hin zum Rock.
Im Februar 1968 wurde die Band in einen schweren Autounfall verwickelt, bei dem Gitarrist Nick Pantas ums Leben kam. Alle Insassen wurden verletzt. Dio selbst schlug mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe des Wagens und trug Verletzungen davon. Erst im Mai des Jahres spielte man wieder zusammen. Man strich das Wort „Electric“ aus dem Bandnamen und nannte sich fortan The Elves. Dieser Name hatte bis 1972 hinein Bestand.
Zu Beginn der 1970er Jahre tourte die Band durch College-Kneipen und erstellte Material für ein erstes Studioalbum, zu dem ihr jedoch ein Plattenvertrag fehlte. Eines Abends wurden Ian Paice und Roger Glover von Deep Purple Zeuge eines Auftrittes der Band und boten ihr an, die Platte zu produzieren. Das erste, schlicht Elf genannte, Album erschien auf dem bandeigenen Label Purple Records. Aufgrund der Beziehung zu Paice und Glover konnte sie, nun unter dem Namen Elf, als Vorgruppe von Deep Purple auf deren US-Tour 1972 auftreten.
Nach erneuten Besetzungswechseln gab Dio den Bass auf, um sich auf seinen Gesang zu konzentrieren. Die Band wechselte für die Produktion ihres zweiten Albums den Standort und zog nach England um. Als Produzent fungierte erneut Roger Glover, auf dessen Solo-Projekt Butterfly-Ball and the Grasshopper’s Feast Dio einige Songs interpretierte. 1974 erschien die zweite Platte von Elf. Man gab ihr zwei verschiedene Titel, Carolina County Ball in Europa und LA / 59 in den USA und Japan. In dieser Zeit wurde das Interesse von Ritchie Blackmore, dem Gitarristen von Deep Purple, an Dio geweckt. Das dritte und letzte Album der Band Elf erschien 1975 unter dem Titel Trying to Burn the Sun.
Rainbow mini| Ronnie James Dio (links) mit Ritchie Blackmore (1977) Noch während der Arbeiten am Album entstanden in Zusammenarbeit von Dio und Blackmore zwei Songs, die auf einer Single erscheinen sollten: Black Sheep of the Family und Sixteenth Century Greensleeves. Die Single erschien jedoch nicht, vielmehr formierte Ritchie Blackmore, der Deep Purple verlassen hatte, den Rest der Band Elf zu seinem neuen Projekt Rainbow. Mit dieser Band nahm Dio mehrere erfolgreiche Alben auf, darunter auch Klassiker wie Rising und Live on Stage. Die Band ging international auf Tour.
1976 wurde das Verhältnis zwischen Dio und Blackmore zunehmend belastet, da beide zunehmend unterschiedliche musikalische Ziele verfolgen wollten. In einem Interview äußerte Dio, er sei dem gitarrenorientierten Heavy Rock zugeneigt gewesen, während Blackmore Rainbow kommerzieller ausrichten wollte. Ende 1978 trennten sich die Wege der beiden, als Blackmore sämtliche Mitglieder außer Cozy Powell entließ, obwohl die Band gerade an einem Album arbeitete.
Black Sabbath und Solo Dio schloss sich daher ab November Black Sabbath an, die einen Ersatz für Ozzy Osbourne suchten. Trotz anfänglicher Skepsis vieler Fans wurde das erste Album Heaven and Hell (1980) zu einem der bedeutendsten Heavy-Metal-Alben. Auf der Tour zu diesem Album verwendete er zum ersten Mal die Mano cornuta, die sich daraufhin zu einem festen Bestandteil der Metal-Szene entwickelte. Das ein Jahr später veröffentlichte zweite Album Mob Rules konnte an den Erfolg des ersten Albums anknüpfen. Doch schon während des Mischens des Live-Albums Live Evil verließ Dio die Band. Gitarrist und Bandleader Tony Iommi warf ihm vor, zu sehr die Kontrolle übernehmen zu wollen und bezeichnete ihn sogar als „eine Art Hitler“.
So trennte sich der Sänger nach drei Jahren wieder von Black Sabbath und gründete im Oktober 1982 u. a. mit Appice seine eigene Band Dio. Der Stil seiner nach ihm benannten Band kann als eine Melange von Rainbow und Black Sabbath angesehen werden: Ein dynamischer Hard Rock bzw. Heavy Metal mit Texten, die meist mystisch, geheimnisvoll und voller Rätsel sind und sich durch eine expressive Bildersprache auszeichnen. Die Gruppe nahm bis 1990 die Alben Holy Diver, The Last in Line, Sacred Heart, Dream Evil und Lock Up the Wolves auf. Der Stil der Band diente vielen Musikern als Vorlage, wodurch das Subgenre Power Metal entwickelt wurde.
1991 schloss er sich erneut Black Sabbath an. Mit der Besetzung des Albums Mob Rules aus Tony Iommi, Geezer Butler und Vinnie Appice nahm er 1992 sein drittes Studioalbum, Dehumanizer, auf. Er trennte sich im selben Jahr später wieder von der Band, da Ozzy Osbourne auf den letzten beiden Konzerten in Costa Mesa seiner damaligen Abschiedstour mit Black Sabbath im Zusammenhang einer Reunion spielen wollte, Dio jedoch aufgrund seiner Differenzen mit Osbourne nicht mit diesem die Bühne teilen wollte.
Er blieb darüber hinaus weiterhin der Sänger und Bandleader von Dio. Die unmittelbar nach der Trennung von Black Sabbath entstandenen Alben Strange Highways und Angry Machines konnten nicht an seinen Erfolg in den Achtzigern anknüpfen. Die letzten Dio-Alben wurden in Teilen selbst in der Szene-Presse zwiespältig aufgenommen bzw. rezensiert.
Hear ’n Aid 1986 startete Dio das Projekt Hear ’n Aid. Nach dem Vorbild von Band Aid brachte er verschiedene Musiker des Hardrocks und Heavy Metals zusammen, um den Song Stars aufzunehmen. Mitwirkende Musiker an dem Projekt waren u. a. der Queensrÿche-Sänger Geoff Tate, Dave Murray und Adrian Smith von Iron Maiden, Rob Halford von Judas Priest, Yngwie J. Malmsteen, Don Dokken (Dokken), Paul Shortino (Rough Cutt), Eric Bloom und Donald „Buck Dharma“ Roeser von Blue Öyster Cult, Neal Schon.
Heaven and Hell mini|Ronnie James Dio live mit Heaven and Hell 2007 ergab sich eine zweite Reunion von Black Sabbath mit Dio. Als Black Sabbath nahmen die Musiker drei neue Songs auf, The Devil Cried, Shadow of the Wind und Ear in the Wall. Diese drei Lieder waren eigentlich für ein Studioalbum gedacht, wurden dann jedoch auf der Kompilation The Dio Years von Black Sabbath veröffentlicht.
Da Black Sabbath jedoch gerade auch an der Reunion mit Osbourne arbeitete, entschlossen sich Dio, Tony Iommi, Geezer Butler und Vinnie Appice aus rechtlichen Gründen unter dem Namen Heaven and Hell auf Tournee zu gehen. Die erste offizielle Veröffentlichung der Band ist die Live-Aufnahme Live from Radio City Music Hall.
Im April 2009 erschien das erste und zugleich letzte Album von Heaven And Hell mit dem Titel The Devil You Know, dieses wurde auch das letzte Studioalbum von Ronnie James Dio. Ebenfalls 2009 trat Heaven and Hell auf dem Wacken Open Air als Headliner auf. Das Konzert wurde später unter dem Titel Neon Nights: 30 Years of Heaven & Hell – Live at Wacken veröffentlicht.
Gastauftritte 2006 sang und spielte Ronnie James Dio im Film und dem dazugehörigen Album The Pick Of Destiny von Tenacious D mit. In diesem Streifen betet der junge JB (Jack Black) zu Dio, der ihm durch ein Wandposter die Botschaft übermittelt, er müsse nach Hollywood gehen, um ein Rockstar zu werden. Tenacious D hatte bereits bei Dio im Musikvideo des Liedes Push einen Gastauftritt. Ebenfalls 2006 sang er beim Konzeptalbum Operation: Mindcrime II von Queensrÿche die Rolle des Dr. X.
Kurz vor seinem Tod sang Dio 2010 bei der Band The Rods seines Cousins David „Rock“ Feinstein das Lied The Code sowie bei dessen Soloprojekt für das Album Bitten by the Beast den Song Metal will never Die. Dieses Lied ist seine letzte Aufnahme.
Tod und Nachfolgeband mini|Dios Grab auf dem Forest Lawn Memorial Park Im November 2009 gab seine Frau Wendy Dio bekannt, dass Ärzte bei ihm Magenkrebs im Frühstadium entdeckt hätten. Im Mai 2010 starb Ronnie James Dio im Alter von 67 Jahren, nachdem er sich im April noch optimistisch gezeigt hatte, den Krebs zu besiegen.Visions.de: Ronnie James Dio – Gestern verstorben Kurz vor Dios Tod sagte seine Band Heaven & Hell ihre Tour ab, wovon auch zahlreiche Festivals und Konzerte im deutschen Sprachraum betroffen waren.Heaven & Hell sagen komplette Tour ab – Nova Rock, Sonispheres, Optimus Alive High Voltage und Bloodstock betroffen, abgerufen am 3. Juni 2011
Über den Sterbeort kursieren unterschiedliche Angaben. Viele Angaben betiteln Houston (Texas) als Sterbeort, wo der Sänger während der Erkrankung behandelt wurde – dies wurde auch im Nachruf vom Classic-Rock-Magazin so dargestellt. Allerdings pendelte Dio zwischen Houston und seinem Wohnort Los Angeles. Seine Witwe Wendy stellte 2021 in einem Interview klar, dass die Angabe Houston falsch sei und Dio in seinem Heimatort Los Angeles gestorben sei. Er wurde auf dem Forest Lawn Memorial Park in Los Angeles beigesetzt.http://articles.latimes.com/keyword/forest-lawn-memorial-park
Die Band Dio löste sich daraufhin auf. Die Mitglieder gründeten ein Jahr später mit dem ehemaligen Judas-Priest-Sänger Tim „Ripper“ Owens und dem Little-Angels-Sänger Toby Jepson die Band Dio Disciples (Dios Schüler). Die Gruppe spielt Dios bekannteste Songs live. Bei Wacken Open Air 2016 trat Dio in Form eines Hologramms bei Dio Disciples auf.Wacken
Bedeutung mini|Eine Statue zu Ehren von Ronnie James Dio in Kawarna, Bulgarien
Ronnie James Dio gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Heavy Metal. Viele Musiker des Genres bezeichnen ihn als Inspirationsquelle.
Hier eine Auswahl an Aussagen: