mini|Schloss Lichtenhaag, 2022 Schloss Lichtenhaag ist ein in Lichtenhaag in der Gemeinde Gerzen im niederbayerischen Landkreis Landshut gelegenes Schloss. Als Hofmarkschloss war es Herrensitz der Hofmark Lichtenhaag und weiterer Hofmarken. Die Anlage wird im BayernAtlas ist unter der Aktennummer D-2-74-135-10 als Baudenkmal ausgewiesen. Zudem wird Schloss Lichtenhaag unter der Aktennummer D-2-7540-0163 als Bodendenkmal wegen untertägiger mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Befunde von Vorgängerbauten und älteren Bauphasen geführt.
Lage mini|Schlossansicht, 1921 mini|Rückansicht, 1921 mini|Lageplan von Schloss Lichtenhaag um 1830 im Urkataster von Bayern Das Schloss liegt auf einer Anhöhe in Form eines Spornrückens mit Blick über das Vilstal etwa 4 km westlich des Zusammenflusses der Großen und Kleinen Vils. Der strategisch gewählte Standort für den Ursprungsbau als Burg dürfte der Beherrschung zentraler Verkehrswege im Tal der Kleinen Vils sowie der Kontrolle der Salzstraße geschuldet sein. Zudem wird die Lage im Zusammenhang mit der Namensüberlieferung bei Orten mit dem Bestandteil „-Haag“ gedeutet. Dieser Zusatz geht häufig auf alte, teils vor- oder frühgeschichtliche Wehranlagen zurück. Man nimmt an, dass die Anhöhe Standort einer vor- oder frühgeschichtlichen Wehranlage war. Für die Siedlungsentwicklung ist zudem bedeutsam, dass die zugehörige Gegend bereits früh als Siedlungs- und Kirchort überliefert ist. Für das 2 km südwestlich gelegene Leberskirchen, von wo die Erbauer der Burg kamen, wird angegeben, dass es als Siedlung und Kirchort bereits um 903 existierte.
Beschreibung Schloss Lichtenhaag ist eine Vierflügelanlage mit kleinem Innenhof. Südwestlich befindet sich der stattliche Wohnbau, der früher als Burg und Wehranlage diente. Die übrigen Gebäudeflügel sind niedriger; der nordöstliche Flügel verfügt über einen gotischen Treppengiebel. Die barocke Gestaltung zeigt sich am Einfahrtsportal und dem Kuppelturm mit entsprechender Ausstattung. Der Innenbereich ist mit Stuck verziert. Die Wasserversorgung erfolgte über einen rund 60 Meter tiefen Brunnen, der an den Rittersaal anschließt.
Geschichte 13. bis 16. Jahrhundert Im 13. Jahrhundert erfolgte der Bau des Hauptgebäudes der damaligen Burg Lichtenhaag. Um 1305 verlegten die Edlen Ritter von Leberskirchen ihren Sitz vom Stammgut Leberskirchen nach Lichtenhaag (damals auch Lichtenhag). Der Überlieferung nach soll es sich bei den Rittern von Leberskirchen um ein aus Ungarn vertriebenes bayerisches Adelsgeschlecht handeln, das sich später nach dem Ort Leberskirchen benannte. Als Grund für die machtpolitische Entwicklung und den strategischen Ausbau der Burg wird vermutet, dass die Leberskircher im 13. Jahrhundert in die Ministerialität des Herzogs eingetreten sind. Dadurch habe sich der niedergerichtliche Herrschaftsraum weiter nach Norden ausgedehnt. Am 26. Mai 1517 schenkte Heinrich der Leberskircher zu Lichtenhaag seinem Sohn Alexander den damaligen Markt Gerzen zusammen mit der Hormark Mangern. Kurz darauf im Jahre 1521 verstarb Alexander der Leberskircher als letzter Nachkomme der Leberskircher und hinterließ seine Witwe Regina, geborene Wißböckin. Mit dem Aussterben der Leberskircher 1521 kamen der Sitz Lichtenhaag sowie die Hofmarken Leberskirchen (Gemeinde Schalkham) und Vilssattling (Gemeinde Lichtenhaag) an den Pfleger zu Biburg, Wolfgang Stockheimer.
Hofmark Lichtenhaag Um 1580 gehörten zur Hofmark Lichtenhaag mit Vorderreit, Reit und Haubertshub (alle Gemeinde Lichtenhaag) weitere drei Einöden. Für die Zeit um 1597 wird die von Schloss Lichtenhaag verwaltete Hofmark als „geschlossene Hofmark“ mit etwa 25 Anwesen beschrieben, die sich auf besondere Funktionsstellen und Wirtschaftseinheiten verteilten. Dazu zählten unter anderem:
Schloss Schmiede Bad Back- und Amtshaus Hofbauer Fischer Schneider Mühle Weichselgartner Zimmerer Kirche St. Nikolaus der Pfarrei Gerzen, Bistum Regensburg 10 Sölden und verschiedene Wirtschaftsstellen. Im Jahr 1591 gelangten die Hofmarken an die Visier (Hans Heinrich).
17. und 18. Jahrhundert mini|Kupferstich von Michael Wening in der Topographia Bavariae um 1700 Spätestens im 17. Jahrhundert wurde die Burg um den barocken Zwiebelturm zum Schloss erweitert.
Die Visier hielten die Hofmark bis 1650. Für diese Phase wird überliefert, dass sich die Visier die Gerichtsbarkeit über die kurfürstlichen Lehngüter angemaßt und Gerichtswillkür gebraucht hätten. Nach den Visier folgten als Nachfolger die Everhard bis etwa 1762. 1762 erwarb der Graf von Seyboldsdorf Schloss Lichtenhaag. Die Hofmarksgerechtigkeit blieb bestehen. Das Patrimonialgericht in Lichtenhaag wurde im Jahre 1849 aufgehoben.
Auch wird das Adelsgeschlecht Montgelas zeitweise als Eigentümer des Schlosses benannt.
19. und 20. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren unter anderem die Familie Wagner sowie die Familie Reichgruber Eigentümer des Schlosses. Von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis 1971 wurde das Erdgeschoss des Schlosses unter der Bezeichnung „Schwarzer Ritter“ als Gaststätte mit Tanzsaal genutzt. Danach oblag die Nutzung und Instandhaltung dem Freisinger Oberbürgermeister Adolf Winfried Schäfer und seiner ersten Frau Christa Schäfer, die nach ihrem Tod zeitweise in einer Kapelle auf dem Schlossgrundstück bestattet wurde.
Das Schloss befindet sich seitdem weiterhin in Privatbesitz und ist nicht öffentlich zugänglich.
Literatur Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Niederbayern. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1964. Georg Schwarz: Vilsbiburg - die Entwicklung und Entstehung der Herrschaftsformen im Niederbayerischen Raum zwischen Isar und Rott, München 1976 (Online)
Weblinks
Lichtenhaag: Interessantes Ensemble mit spätmittelalterlichem Schloss, barocker Wieskapelle, tibetischem Stupa und moderner Kirche; dazu historische Bilder Schloss Lichtenhaag, YouTube-Video (02:39 Minuten) Innen- und Außenaufnahmen des Schlosses
Einzelnachweise
Lichtenhaag Kategorie:Baudenkmal in Gerzen