Schwärzdorf ist ein Ortsteil von Föritztal im Landkreis Sonneberg in Thüringen.
Geographie
Schwärzdorf liegt südöstlich von Sonneberg, nahe der bayrischen Grenze zum Landkreis Kronach. Südwestlich verläuft die Bundesstraße 89. Schwärzdorf ist von den Erhebungen Schwarzenberg, Knorrn und Hungerbühl umgeben und liegt zu beiden Seiten des Schwarzbaches (Schwarza, Schwärzdorfer Wasser), welcher in die Föritz mündet. Die Föritz bildet wiederum einen Zufluss der Steinach. Die frühere Trasse der Bahnstrecke Sonneberg–Stockheim durchquert die Gemarkung. Auf der 1900/01 errichteten Brücke aus Ziegelsteinen befindet sich heute ein Radweg.
Schwärzdorf ist ein Grenzort. Der Bergkamm des Konreuth im Osten von Schwärzdorf war Grenze von 1681 bis 1918 zwischen dem Herzogtum Sachsen-Meiningen und dem Königreich Bayern, 1920 bis 1934 zwischen Thüringen und Bayern (1934 wurden die Länder per Gesetz aufgelöst, Grenzpfähle wurden im Raum Neuhaus-Schierschnitz entfernt), von 1945 bis 1949 Grenze zwischen der sowjetischen und amerikanischen Besatzungszone, ab 7. Oktober 1949 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik, seit 1990 wiederum zwischen Thüringen und Bayern.
Flurnamen Süden, Südosten: Auwiesen, Knorrn (Berg), Rutscherbach, Seeacker, Hutteich, Weißenleite, Fabers Leite, Schwarzenleite, Birkenwiese. (Leite bezeichnet einen Berghang) Osten, Nordosten: Eichitzwiesen, Eichitzäcker, Mühlgraben, Jahräcker, Hauswiesen, Konreuth (Höhenzug), Bibersgrund, Sulzberg, Wolfsgrube, Mühlleite. Norden: Molkenäcker, Löhwiese. Westen: Fluräcker, Flurwiesen, Drehers- oder Brücknershügel, Hungerbühl, Hammerschmiede, Gehegwiesen, Gerehnwiesen.Edmund Back. Schreiben an die Schulverwaltung Sonneberg 27. Juni 1934. Flurnamen in der Umgebung von Schwärzdorf. Bibliothek des Deutschen Spielzeugmuseums.
Geschichte mini|Das Illgenhaus, ein Schwärzdorfer Bauernhaus, Baujahr 1608, gemalt von Armin Reumann 1941 (Privatbesitz). Es wurde kurz darauf abgerissen. Mit Datum 8. Juli 1151 wurde das Dorf erstmals als „Suerzgereldorf“ in einer Urkunde genannt. In dieser Urkunde bekräftigt vor dem König Konrad III. zu Wirzburg 1150 der Wirzburger Stadtpraefect Graf Poppo von Henneberg, dass er dem Bischof Eberhard II. von Bamberg die Burg Nordeck mit Stadtsteinach (nordöstlich von Bamberg) gegen die vom Bischof gewährte und angeführte Entschädigung an Geld und Gütern übergeben habe, was letzterer bekundet zu Theres 1151 Jul.8. Schwärzdorf ist Teil des Geschäftes, es geht an Eberhard. Die Zuordnung der Urkunde erfolgte im 20. Jahrhundert zu Schwärzdorf bei Neuhaus. 1275 wird Schwärzdorf in einem undatierten Lehensverzeichnis des Kunemund von Sonneberg erwähnt. Das Dorf wird als Swertzisdorf / Swerczisdorf bezeichnet. Die Hälfte des Dorfes ist als Lehen an die niederadligen Kemnater vergeben.
In der Brücknerschen LandeskundeGeorg Brückner: Landeskunde des Herzogthums Meiningen. Theil 2: Die Topographie des Landes. Brückner und Renner, Meiningen 1853, S. 527. von 1853 wird die Ersterwähnung auf das Jahr 1340 „Swerzlingesdorf“ datiert. Diese Angabe geht zurück auf das Urbarium über die Herrschaft Coburg zirka 1340. Das benachbarte Eichitz wird darin als Wustung Eygenz bezeichnet.
Der Ortsname konnte vom althochdeutschen Personennamen Suerzgerhil abgeleitet werden. Er wäre demnach eine für den Landesausbau typische vom Namen des Patrons abgeleitete Namensform, das Dorf des Suerzgerhil.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 258. Schwärzdorf reiht sich ein in die Besiedlung des Frankenwaldes. Ausgelöst durch einen starken Bevölkerungsdruck und begünstigt durch Klimawandel mit Erwärmung wurde diese Besiedlung vom Süden her durch das Bistum Bamberg und durch die Adelsgeschlechter, aus nördlicher Richtung bis zum Rennsteig wohl vom Kloster Saalfeld vorangetrieben. Eine weitere Urkunde aus dem Kloster Michelsberg 1154 scheint sich dem geografischen und zeitlichen Kontext nach auf Schwärzdorf bei Mitwitz zu beziehen. Zur Zeit der ersten Erwähnung war Schwärzdorf der nördlichste Punkt dieses kleinen Abschnittes im damals so genannten Nordwald (von Bamberg aus gesehen). Die nördlichen Nachbardörfer Eichitz und Mönchsberg wurden erst nach 1300 erwähnt, Heinersdorf nordöstlich von Schwärzdorf aber schon 1071. Wüst gefallene Orte der Nachbarschaft waren am Höhenzug Konreuth die Siedlungen Kunreuth, Traindorf und Sulzberg. Der im Spätmittelalter einsetzende Wüstungsprozess wird in der Wissenschaft als ein Konzentrationsprozess interpretiert.
Der als Reihendorf angelegte Ort entstand auf zwei Niederterrassen beiderseits der dort nach Südwesten entwässernden Schwarza. Seit dem ausgehenden Mittelalter hat sich eine gleichmäßige Hofstruktur herausgebildet. Die Hofgrößen lagen über denen des benachbarten Föritz. 1781 wurden die elf Hofanlagen auf 7,75 Bauerngüter veranschlagt. Die häufigsten Familiennamen im kirchlichen Seelenregister von 1793 sind Schindhelm und Heublein. Schindhelm-Familien wohnten zu dieser Zeit in 10 von 17 Häusern. Der Name Schindhelm (Hans) taucht 1576 erstmals in Schwärzdorf in einem Abgabenverzeichnis auf. Der Name Heublein findet sich in einer Erbhofrolle 1522 (Hewblin) und 1611 in Schwärzdorf. Sieben Gehöfte beiderseits der Schwarza bilden den eigentlichen Ortskern. Die Dorfstraße, heute Talstraße, war ein Teil einer alten Wegeverbindung von Schwärzdorf über den Berg Konreuth nach Heinersdorf. Erst im 19. Jahrhundert kam es nach Errichtung der Schule (1845) am nördlichen Rand zu einer lockeren Bebauung entlang der Verbindungsstraße nach Föritz und Eichitz. Das ehemalige Schulgebäude ist die nördliche Begrenzung des Dorfes. In Richtung Westen wuchs das Dorf nach dem Bau der Landstraße von Köppelsdorf nach Neuhaus-Schierschnitz (1838) entlang der 1846 angelegten Verbindungsstraße zu dieser Chaussee (heute Wiesenstraße).
Neue Baugrundstücke entstanden nach dem gerichtlichen Verkauf des 15 Hektar umfassenden Bauerngutes von Johann Gottlieb Heublein (1831–1908) im Jahr 1886 sowie nach dem Verkauf des Bauerngutes von Johann Nicol Zehner (1850–1914) im Jahr 1906 an die Bayreuther Kaufleute Levor. Letztere parzellierten die Flächen und verkauften Bauland.
Ein einzelnes Haus wurde um 1900 an der nördlichen Gemarkungsgrenze von Schwärzdorf (Molkenäcker) nahe der Ortslage Eichitz an der Straße von Eichitz nach Föritz gebaut.
Nach dem Verkauf von ehemaligen Ackerflächen zwischen der 1900 in Betrieb genommenen Bahnlinie und der heutigen B 89 entstand ab 1908 der einen Kilometer vom alten Ortskern gelegene Ortsteil Unterschwärzdorf. Auch hier waren die Kaufleute Levor aktiv.
Mindestens 6 Häuser wurden zwischen 1913 und 1933 nach Bränden (meist aus nicht geklärter Ursache) abgerissen und an gleicher oder anderer Stelle neu aufgebaut.
In der DDR-Zeit wurden, bedingt durch die Lage des Dorfes im 5-Kilometer-Sperrgebiet an der Staatsgrenze zur Bundesrepublik Deutschland, nur wenige Neubauten von Wohnhäusern von den Behörden genehmigt. Nach der Wiedervereinigung 1990 entstanden in Schwärzdorf neun neue Häuser, meist als Lückenbebauung.
Ein Grund- und Hypothekenbuch für Schwärzdorf wurde 1869 erstellt.
Historische Ereignisse 17. Jahrhundert Im 30-jährigen Krieg (1618–1648) wurde auch Schwärzdorf von plündernden und mordenden Truppen heimgesucht. Zu Michaelis 1632, 29. September, wird im Kirchenbuch Neuhaus von feindseliger „Blünderung und Mordung“ durch Kaiserliche berichtet. Es kann als Rache gedeutet werden, denn die Neuhäuser hatten zuvor die Schweden bei der (erfolglosen) Belagerung Kronachs unterstützt. Diesem Ereignis fielen in Schwärzdorf zwei Männer (Jörg Rebhan, Johann Össer d.J.) zum Opfer. Insgesamt beklagte der Pfarrer zu diesem Datum 13 Todesopfer in seinem Kirchspiel. Der Pfarrer Georg Eisenwimmer (Eisenbinnerus) verlor 1632 in Neuhaus „all das Seine“ und wurde 1633 in Stressenhausen drei Stunden „henkerisch gemartert“. 1633–1635 fanden wegen der kriegerischen Ereignisse keine Kindstaufen und Trauungen im Kirchspiel statt. Am 2. Mai 1634 wurden die benachbarte Burg und das Dorf Neuhaus angezündet, die Kirche geplündert. Ein ähnliches Schicksal ereilte das benachbarte Heinersdorf. Einige Tote aus Schwärzdorf wurden bis Kriegsende in der etwa acht Kilometer entfernten Stadt Sonneberg sowie in Schwärzdorf in Gärten oder auf Äckern begraben, da es nicht möglich war, zum Schierschnitzer Friedhof zu gelangen. Nachdem das Schierschnitzer Pfarrhaus 1633 durch kaiserliche Truppen niedergebrannt worden war, gaben die Schwärzdorfer Holz für ein Holzhaus als Wohnung für den Pfarrer.
18. Jahrhundert Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) war auch Schwärzdorf von Truppendurchmärschen und Heereslagern betroffen, wofür die Bewohner zusätzliche Abgaben zu leisten hatten. Meist mussten die in den Häusern einquartierten Soldaten kostenlos verpflegt werden. Im Winter 1760/61 lagerte die „Seybolthische Compagnie“ (der Sonneberger Chronist Johann Martin Steiner spricht von der Kurtrierischen Armee) im Dorf. Ein Soldat (Johann Martin Benolt) starb im Februar 1761 dort am „hitzigen Fieber“ (Bezeichnung für Typhus oder Infektion mit Streptokokkenbakterien). Der Chronist Steiner schreibt von zahlreichen Todesfällen unter diesen Truppen.
Von einer Hungersnot 1770–1772 infolge dreier verheerender Missernten und Teuerung waren auch die Schwärzdorfer und ihre Nachbarorte betroffen, so starben Michael Schindhelm (46 Jahre) und seine Frau Elisabetha (40) im Mai 1772 im Abstand von drei Wochen, im benachbarten Eichitz Johann Nicolaus Liebermann (53) und seine Frau Barbara (54) im März 1772 am gleichen Tag.
19. Jahrhundert An den Feldzügen der Napoleonischen Kriege nahmen aus Schwärzdorf Peter Heublein und Peter Schindhelm teil. Von zahlreichen Heereslagern und Truppendurchzügen in der Region war auch Schwärzdorf betroffen, die Einwohner mussten Abgaben leisten.
Durch eine Hungersnot in den Jahren 1816 bis 1818, verursacht durch Missernten und Teuerung, kamen die Schwärzdorfer recht unbeschadet. Während das Kirchenbuch Neuhaus besonders im Ort Neuhaus zahlreiche Todesfälle durch „Mangel an hinlänglichen Lebensmitteln“, „Abzehrung“ und „Auszehrung“ unter Kindern und Erwachsenen beschreibt, finden sich dazu keine Einträge aus Schwärzdorf. Einen Todesfall mutmaßlich durch Verhungern nennt das Kirchenbuch 1838 mit Nicolaus Schindhelm (22 Jahre), der „fast ganz blödsinnig geworden von der Abzehrung“.
1819 betraf eine Typhusepidemie auch Schwärzdorf. Zwei Einwohner (Andreas Brückner, 56 Jahre, und Johann Georg Adam Heublein, 50 Jahre) starben daran. Im Kirchspiel Neuhaus gab es zahlreiche Opfer.
Am deutsch-französischen Krieg 1870/71 nahm der Schwärzdorfer August Stegner (1849–1927) teil.
Im 19. Jahrhundert erfasste die Welle der Auswanderung nach Amerika auch Schwärzdorf. Laut Liste aus dem Staatsarchiv Meiningen wanderten zwischen 1845 und 1860 drei einzelne Männer und eine Familie mit vier Kindern nach den Vereinigten Staaten aus. Die Familie von Friedrich Oberender (1800–1886) siedelte in Pennsylvania, Friedrich Bernhard Stegner (1858–1918) in Wisconsin.
20. Jahrhundert Am 15. Dezember 1900 wurde die Bahnlinie Köppelsdorf-Stockheim Bahnstrecke Sonneberg–Stockheim eröffnet, die für Schwärzdorf einen wirtschaftlichen Aufschwung brachte und eine Dorferweiterung entlang der Trasse. Es entstand ein Viadukt als Wahrzeichen Schwärzdorfs.
Am 5. November 1911 wurde die neue Schule von Schwärzdorf nach achtmonatiger Bauzeit eingeweiht.