Die Lutherkirche im heutigen Berliner Ortsteil Wilhelmsruh des Bezirks Pankow, eine Saalkirche mit niedrigem Turm, die zusammen mit dem daran im Winkel anschließenden zweigeschossigen Pfarrhaus einen asymmetrischen Gebäudekomplex bildet, wurde in märkischer Backsteingotik von Fritz Gottlob, einem der wichtigsten Verfechter dieser Stilrichtung, entworfen. Sie wurde 1918 eingeweiht und steht unter Denkmalschutz.
Geschichte
Seit 1893 entwickelte sich Wilhelmsruh zu einem Berliner Villenvorort, wie sie im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert um Berlin herum an vielen Stellen entstanden. Nachdem die Bergmann-Elektrizitätswerke ihren Betrieb nach Wilhelmsruh verlagert hatten, wuchs die Siedlung schnell an. Heute hat Wilhelmsruh den Charakter einer Kleinstadt.
Bereits 1901 wurde eine feste Pfarrstelle für Wilhelmsruh vom Gemeindekirchenrat von Rosenthal geschaffen. 1904 wurde ein Kirchenbaufonds für Wilhelmsruh angelegt. Am 1. April 1915 entstand eine eigene Parochie, seit dem 1. April 1918 gibt es die selbstständige „Luther-Gemeinde“ in Wilhelmsruh.
Im Jahr 1929 erfolgte die erste Renovierung der Kirche, bei der die ursprüngliche Ausmalung des Inneren in Jugendstilformen geändert wurde. 1976, bei der letzten Restaurierung des Innenraumes, wurde die Ausmalung weitgehend beseitigt.
Architektur Kirchenschiff Der Mauerwerksbau ist mit roten Klinkern verblendet. Die Seitenfronten sind durch Strebepfeiler gegliedert, zwischen ihnen befinden sich große Spitzbogenfenster, die 1966 durch Lothar Mannewitz neu gestaltet worden sind. Die Fensterrose im Altarraum stammt ebenfalls von ihm.
Das Portal führt in einem Vorbau mit einem krabbenbesetzten Wimperg, der dem mit Fialen, Blenden und Maßwerk versehenen Staffelgiebel eines querschiffartigen Baukörpers vorgelagert ist. Beide Seiten des „Querschiffs“ enden mit einem ähnlichen Staffelgiebel.
Turm Das Sockelgeschoss des dem Langhaus vorgesetzten querrechteckigen Turmes besteht aus Natursteinen. Der Turm hat drei Schallöffnungen an den Breitseiten und zwei an den Längsseiten. Abgeschlossen wird er von einem spitzen Walmdach.
Innenraum Die Decke besteht aus einer hölzernen Spitztonne. Der Chor befindet sich im Erdgeschoss des Turmes und wird durch einen Triumphbogen vom Langhaus abgesetzt. Die Altarwand nimmt eine Fensterrose in einer Blende über einer Reihe von vier spitzbogigen Blendnischen auf. Die Laibungen der Fenster sind in Backsteinen ausgeführt, ebenso die abgetreppte Öffnung des Triumphbogens.
Ausstattung Altar, Lesepult und Taufbecken Die liturgische Ausstattung ist modern. Kreuz, Altartisch, Taufschale, Leuchter und Predigtpult wurden 1976 in der Kunstschmiedewerkstatt Dahms hergestellt. Über dem Bogen des Portals befindet sich eine Fensterrosette als Blende.
Bemalung Als Giebelschmuck sind über den Seitentüren Medaillons angebracht, die einzigen Reste der Ausmalung im Jugendstil. Über der vorderen wird das Auge der Vorsehung, über der mittleren Agnus Dei und über der hinteren die Heiliggeisttaube dargestellt.
Lutherstatue Die Statue von Martin Luther, die sich zwischen 1929 und 1945 in einer Nische vor dem Triumphbogen befand, steht nunmehr im Vorraum der Kirche.
Kruzifix Das Kruzifix, das ursprünglich vor der Altarwand stand, hängt jetzt im Vorraum der Kirche.
Orgel mini|Orgel Die ursprüngliche Orgel aus dem Jahr 1906 der Berliner Gebrüder Dinse wurde 1964 von der Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH auf den heutigen Stand umgebaut.
I. Manual Principal 8′ Rohrflöte 8′ Oktave 4′ Sesquialtera 2f Waldflöte 2′ Mixtur 4f II. Manual Gedackt 8′ Spillpfeife 4′ Principal 2′ Cymbel 2f Pedal Subbaß 16′ Oktave 8′
Geläut Das Geläut im Glockenstuhl besteht aus drei Glocken. Nur die kleine Bronzeglocke von 75 cm Durchmesser hat beide Weltkriege überstanden. Nr. Bild Gussjahr Gießer, Gussort Material Masse (kg) Durchmesser (m) Schlagton Inschrift 1 1906 Franz Schilling Bronze 0,75 „FRANZ SCHILLING GOSS MICH 1906“ 2 1956 Schilling & Lattermann Eisenhartguss 0,81 „LASSET UNS FESTHALTEN AN DEM BEKENNTNIS DER HOFFNUNG“ 3 1956 Schilling & Lattermann Eisenhartguss 1,54 „ICH LEBE UND IHR SOLLT AUCH LEBEN“
Literatur
Weblinks
Lutherkirchengemeinde Berlin-Wilhelmsruh Informationen zur Orgel
Einzelnachweise
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