mini|hochkant=1.2|Wappen der Freiherren Putz von Rolsberg Die Freiherren Putz (Butz) von Rolsberg, in alten Büchern auch Butz von Rohlsberg, Rollsperg genannt, sind ein aus dem Rheinland stammendes österreichisches Adelsgeschlecht, das bereits im frühen 15. Jahrhundert erwähnt wird.Pierer’s Universal-Lexikon, Bd. 14, 1857, S. 241. Die Familie ist zu Unterscheiden von den Freiherren Putz von Breitenbach bzw. den Putz von Adlersthurn.
Geschichte mini|hochkant|Peter Butz von Rohlsbergh mit Wappen 15. Jh., Darstellung aus dem 17. Jh. Der älteste bekannte Ahnherr der Freiherren Putz von Rolsberg war Peter Butz von Rohlsbergh, kaiserlicher Hauptmann, welcher am 12. Dezember 1419 zu Drolshagen starb und in der dortigen Kirche begraben wurde. Er führte bereits das Stammwappen. Das Epitaph war 1950 noch erhalten.
Am 20. März 1472 wurde ein Peter Butz von Rollsberg erwähnt, der seinen Adelsstand bestätigt bekam. In der unterhalb der Ruine Staufenberg (Kreis Gießen) entstandenen Siedlung erbauten sich die Herren von Rolsberg einen stattlichen Burgmannensitz, die sogenannte Unterburg.Deutsche Burgenvereinigung: „Burgen und Schlösser“, Band 43, Braubach a. Rhein 2002, S. 196
Die Familie war über lange Zeit im militärischen Dienst tätig. So starb Johann Butz von Rolsberg (* um 1585; † 1621) in kaiserlichen vornehmen Kriegsdiensten. Er war vermählt mit Barbara von Schinder. Dessen Sohn Johann Heinrich Butz von Rolsberg (* um 1610; † 1645), im Kurfürstlich Kölnischen Obristen Lohnischen Regiment zu Pferd Obrister Wachtmeister erlag seinen Kriegsverletzungen. Er heiratete Margaretha von Henkang.Dokument der Stadt Drolshagen vom 18. Oktober 1683 über die Herkunft der Familie Butz von Rohlsberg Im Verlauf ihrer Geschichte stellte sie auch mehrere bekannte geistliche Würdenträger und Politiker.
In einer kaiserlichen Urkunde vom 23. August 1694 wurde das Adelsgeschlecht als ein 200-jähriges anerkannt und zugleich in den Reichsritterstand aufgenommen, das sodann am 30. Dezember 1734 das ungarische Baronat und Indigenat erhieltJohann Christian von Bellbach: „Udel Lexicon oder Handbuch über die historischen, genealogischen, diplomatischen zum Theil auch heraldischen Nachrichten“, 2. Band, L–Z, Verlag Bernhard Friedrich Voigt, Ilmenau 1826, S. 335 und schließlich am 3. Juli 1781 in den erbländisch-österreichischen und böhmischen Freiherrenstand mit „Hochgeboren“ erhoben wurde.Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Verlag Justus Perthes, Band 17, Gotha 1853, S. 60, S. 359
Wegen der Zuteilung der Postmeisterei in Zlabings (Slavonice) zog die Familie nach Mähren. Vor Ort kauften und verkauften sie verschiedene Güter, bis sie 1792 Herren auf Leitersdorf und Ölhütten wurden. Dort blieben die Rolsbergs bis zu ihrer Enteignung und Vertreibung 1945 durch den tschechoslowakischen Staat. Maximilian Mayerhoffer: Maximilian Mayerhoffer: Stammtafel und Adelsnachweise der Familie Putz von Rolsberg, Tannheim 1951, Tannheim 1951.
Kurzbiographien mini|Dokument der Stadt Drolshagen vom 18. Oktober 1683
Gerhard Heinrich Butz von Rolsberg Des Johann Heinrich Sohn Gerhard Heinrich Ritter Butz von Rolsberg (1637–1710) war anfänglich Kürassier unter der Leibgarde Papst Alexander VII., trat 1662 in österreichische Kriegsdienste im gräflich Bräunerschen Regiment und schlug sich vorzüglich in der Schlacht gegen die Türken bei St. Gotthard in Ungarn (1664). Zum Lohn für seine Dienste erhielt er die wichtige Stelle als k. k. Postmeister in Zlabings (Slavonice).
Der Magistrat der Stadt Drolshagen bestätigte ihm seine adlige Herkunft am 18. Oktober 1683.
Gerhard Heinrich kaufte am 14. September 1694 das nahe gelegene Gut Kirchwiedern (Kostelní Vydří) mit Brandlin im Iglauer Kreis (bis 1825) von Gottfried Ernst von WalddorfFranz Joseph Schwoy: „Topographie vom Markgrafthum Mähren: Prerauer- Znaymer- und Iglauer Kreis“, Band 3, Druck Joseph Hraschanzky, Wien 1794, S. 562 um 35.500, 1709 das Gut Borowna um 21.000 rheinische Gulden (fl.) und baute mit seiner Gemahlin Maria Helena geb. Hiltprand von Reinegg die St.-Antons-Kapelle in der Pfarrkirche zu Zlabings (1708), welche er zur Begräbnisstätte seiner Familie bestimmte.Notizblatt der Mährisch-Schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde, Heft 2, Brünn 1877Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mährens. Topographisch, statistisch und historisch geschildert. VI. Band, Verlag Karl Winiker, Brünn 1846, S. 521.
Auf Vorschlag des zu Besuch weilenden Karmeliten-Generals Karl Graf Slawata (1641–1712) zu Neuhaus, ließ er auf einer Anhöhe bei Kirchwiedern eine Kapelle errichten (1709), darin ein Bild der Hl. Jungfrau vom Berge Carmel zur Verehrung aufgestellt wurde. Dies stellte den Beginn der bis heute bekannten Wallfahrtskirche „Unserer Lieben Frau vom Berge Carmel“ und des dazugehörigen Karmelitenklosters in Kirchwiedern dar.Wolny: Kirchliche Topographie Mährens, Abteilung 2, S, 268, 288; Abteilung 3, S. 8.
Wegen seiner einstigen militärischen Verdienste und weil „das Geschlecht derer von Rolsberg im Kölner Erzbistum schon 200 Jahre früher für gut gehalten wurde“, erhob ihn Kaiser Leopold I. am 23. August 1694 in den Ritterstand und verlieh ihm gleichzeitig das Incolat in den böhmischen Ländern.
Matthias Heinrich Butz von Rolsberg Seine Neffen Hermann Anton, der früh verstarb, und Matthias Heinrich von PoestAdalbert Král von Dobrá Voda: „Der Adel von Böhmen, Mähren und Schlesien: Genealogisch-heraldisches Repertorium sämtlicher Standeserhebungen, Prädicate, Beförderungen, Incolats-Erteilungen, Wappen und Wappenverbesserungen des gesamten Adels der böhmischen Krone, mit Quellen und Wappen-Nachweisen“, Verlag I. Taussig, Prag 1904, S. 205 setzte Heinrich Gerhard zu seinen Universalerben ein und Kaiser Joseph I. bestätigte den Ritterstand und das Incolat für die böhmischen Länder am 4. Dezember 1706 mit Wappenbesserung.Megerle: Adels- und Incolats-Verleihungen in Mähren. In: österr. Adelslexikon. II., S. 128. mini|Schloss Maires, erbaut 1713 von Matthias Heinrich Butz von Rolsberg Matthias Heinrich Baron Butz von Rolsberg (* 20. Januar 1673 in Zlabings; † 20. August 1748 auf Schloss Maires), gleichfalls kaiserlicher Postmeister zu Zlabings, verheiratet am 15. Februar 1700 in Zlabings mit Elisabeth Margaretha von und zu Goldegg und Lindenburg (1674–1753) auf Schloss Maires; erbte das Gut Kirchwiedern, kaufte 1713 auch das benachbarte Maires (Maříž) um 18.000 rheinische fl. und baute dort ein vom Grunde auf neues Schloss. Deswegen verkaufte er Borowna 1721 gewinnbringend. Schloss Maires wurde wie der Ort im Zuge der Errichtung von Grenzbefestigungen (Eiserner Vorhang) in den 1950er Jahren zerstört.
Im Jahre 1737 ließ er eine größere, von ihm mit 200 Rheinischen Floren (Gulden) bestiftete Marienkapelle bauen und vom Suffraganbischof von Freienfels einweihen.Schwoy: Topographie Mährens. Bd. 3, S. 464, 494, 563.
Kaiser Karl VI. verlieh ihm am 30. Dezember 1734 das ungarische Baronat und Indigenat.
Der Baron hinterließ den gesamten Besitz seinen sechs Söhnen. Da drei früh verstarben und zwei weitere geistliche Würdenträger wurden, fiel das Gesamterbe seinem Sohn Hermann Anton zu. Hermann Anton Ritter Putz von Rolsberg, kinderloser Bruder des Matthias Heinrich, baute eine weitere Kapelle nebst einem der schmerzhaften Mutter gewidmeten Altar in der Zlabingser Kirche (1711).
Hermann Anton Baron Butz von Rolsberg (* 23. Juli 1702 in Zlabings; † 6. Februar 1780 in Batelau), Sohn des Obigen, verheiratet am 6. Februar 1736 zu Zlabings mit Maria Anna von und zu Goldegg und Lindenburg (* 1715, † 1780), war Herr auf Kirchwiedern und Maires sowie Inhaber der k. k. Post zu Zlabings. Er setzte als Einziger das Geschlecht fort.
Joseph Ignaz Baron Butz von Rolsberg (* 1708 in Zlabings; † 1793 in Olmütz, beerdigt in Kirchwiedern), zweiter Sohn des Matthias Heinrich, ab 1750 Herr auf Kirchwiedern-Brandlin, überließ die Güter 1769 seinem Bruder Johann Matthias. mini|hochkant|Joh. Mathias von Rolsberg Er war zuerst Fähnrich im Damnizischen Regiment,Carl Friedrich Benjamin Leupold: „Allgemeines Adels-Archiv der österreichischen Monarchie“, Verlag Franz Anton Hoffmeister, Wien 1789, S. 574 beschritt jedoch danach die geistliche Laufbahn, war Archidiakon zu Troppau, erzbischöflicher Rat und Konsistorial-Assessor, Dom- und Kapitularherr in Olmütz, infulierter Propst bei St. Mauritz.Helmut Loos: Musikgeschichte zwischen Ost- und Westeuropa: Symphonik – Musiksammlungen. Band 10, Verlag Academia, 1997, S. 26.
Joseph Ignaz ließ von 1746 bis 1752 die Marienkapelle zur Kirche erweitern und ein großes Klostergebäude für den Karmeliterorden sowie 1769 das Pfarrhaus in Kirchwidern bauen.Josef Hrdlička, Markéta Hrdličková, Antonín Bína: Telč: Sehenswürdigkeiten in Stadt und Umgebung. S. 51.
Johann Mathias (Matthias) Baron Butz von Rolsberg (1712–1803), ein weiterer Sohn des Matthias, war infulierter Olmützer Dompropst und Generalvikar, Rektor der theologischen Fakultät Olmütz.Gregor Wolny: Kirchliche Topographie von Mähren. 1. Abteilung, Olmützer Erzdiöcese. Bd. IV, Selbstverlag, Brünn 1862, S. 13 ff.
Maximilian Josef Franz Putz von Rolsberg Maximilian (* 5. Oktober 1739 in Zlabings; † 15. März 1797 auf Schloss Leiterdorf), Sohn des Hermann Anton, war zuerst ab 1758 als Leutnant während des Siebenjährigen Krieges im militärischen, später im politischen Dienst, 1772 Kreiskommisär des Hradischen Kreises, ab 1774 kaiserlicher Rat und von 1777 bis 1784 Olmützer Kreishauptmann.Christian Ritter d’Elvert: „Zur Oesterreichischen Verwaltungs-Geschichte mit besonderer Rücksicht auf die böhmischen Länder“, Verlag der histor. Statist. Section, Brünn 1880, S. 677 mini|Schloss Leitersdorf bei Troppau, Neues Schloss, im 19. Jahrhundert Er veräußerte Schloss Maires (30. Dezember 1790) und kaufte 1792 vom Erzbistum Olmütz das bischöfliche Lehensgut Leitersdorf bei Troppau mit einem Katastralausmaß von 443 Hektar für 48.000 rheinische fl. mini|hochkant|links|Schloss Leiterdorf (Altes Schloss) 1909 Weiters erbte er von seiner Schwiegermutter Maria Katharina Franziska de Paula Barbara Gräfin von Osteschau Weiss-Ölhütten (Bílá Lhota). Diese Allodialgüter standen der Familie noch bis zur Enteignung und Vertreibung 1945 zu.Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mährens. Topographisch, statistisch und historisch geschildert. VI. Band, Verlag Karl Winiker, Brünn 1846, S. 660. mini|Kirche und Kloster der Karmeliter in Kirchwiedern (Kostelní Vydří), 2009 Die spätbarocke Kirche im Herzen des Karmeliterklosters in Kirchwiedern, erbaut 1787–1789, wurde von ihm in Auftrag gegeben und finanziert.Butzové z Rolsbergu/Butz von Rolsberg (Church of Our Lady of Mt. Carmel in Kostelní Vydrí - South Bohemia) - Coats of Arms on Waymarking.comGregor Wolny: Die Markgrafschaft Mährens. Topographisch, statistisch und historisch geschildert. VI. Band, Verlag Karl Winiker, Brünn 1846, S. 130–131.
Kaiser Josef II. bestätigte dem kaiserlichen Rat und Kreishauptmann in Olmütz Maximilian Baron Butz von Rolsperg den ungarischen Freiherrenstand vom 30. Dezember 1734 und verlieh ihm auch den erbländisch-österreichischen und böhmischen Freiherrenstand mit „Hochgeboren“ zu Wien, am 3. Juli 1781, wegen seines altadeligen und ritterlichen Geschlechts, dann wegen seiner Militär- und Zivildienstleistung.Adelsbrief Putz von RolsbergJohann Georg Megerle von Mühlfeld: „Österreichisches Adelslexikon des achtzehnten u. neunzehnten Jahrhunderts enthaltend alle von 1701 bis 1820“, Verlag Mörschner und Kasper, Wien 1822, S. 42
Der Baron heiratete am 25. Oktober 1770 in der Schlosskapelle zu Ratschitz Maria Anna Franziska de Paula Antonia Brigitta Contessa Braida di Ronsecco e Cornigliano (* 7. Oktober 1751 auf Schloss Ratschitz; † 20. Juni 1793 in Drnowitz).
Die beiden jüngeren Brüder Maximilians wurden ebenfalls geistliche Würdenträger: