Carlos – Der Schakal ist eine französisch-deutsche Filmbiografie aus dem Jahr 2010, die in fiktionalisierter Form das Leben des venezolanischen Terroristen Ilich Ramírez Sánchez alias Carlos erzählt. Die Hauptrolle übernahm der venezolanische Schauspieler Édgar Ramírez.
Der Film lief auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2010 und kam am 5. November 2010 in einer fünfstündigen sowie einer auf drei Stunden gekürzten Fassung ins Kino. Aufgrund seiner extremen Überlänge wurde der Film in einigen Ländern auch als dreiteilige Miniserie ausgestrahlt.
Handlung Der venezolanische Marxist Ilich Ramírez Sánchez begeht ab den frühen 1970er Jahren unter dem Kampfnamen „Carlos“ zunächst im Auftrag der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zahlreiche terroristische Anschläge. So koordiniert er 1974 unter anderem eine Geiselnahme durch die Japanische Rote Armee in der französischen Botschaft in Den Haag. Als sein PFLP-Kontaktmann Michel Moukharbal verhaftet wird und nach einem längeren Verhör die Polizei zu seinem Versteck führt, erschießt er zwei Polizisten sowie Moukharbal und flieht dann nach Beirut.
Der PFLP-Führer Wadi Haddad betraut ihn trotz der umstrittenen Tötung Moukharbals mit der OPEC-Geiselnahme, die Sánchez mit einem sechsköpfigen Terrorkommando, dem unter anderem Hans-Joachim Klein und Gabriele Kröcher-Tiedemann angehören, Ende Dezember 1975 in Wien durchführt. Nach langwierigen Verhandlungen werden die Terroristen und Geiseln in einer Douglas DC-9 der Austrian Airlines nach Algier ausgeflogen. Später kann Carlos mit seinen Komplizen ungehindert nach Libyen ausreisen. Dort weigert sich die libysche Regierung jedoch, mit ihm Kontakt aufzunehmen, so dass Carlos wieder nach Algier zurückfliegen muss. Die ursprünglich geplante Tötung des saudi-arabischen Ölministers Ahmed Zaki Yamani sowie dessen iranischen Kollegen Jamshid Amuzegar wird nicht durchgeführt, nachdem Carlos mit den Unterhändlern gegen eine hohe Summe die Freilassung der restlichen Geiseln vereinbart hatte. Die algerische Regierung erlaubt ihm, wieder nach Südjemen zurückzukehren. Die Befehlsverweigerung gegenüber Haddad führt zum Bruch mit diesem, er betrachtet die Aktion als Fehlschlag und stößt Carlos aus der Organisation aus. Die eigentlich Carlos zugedachte Entführung einer Maschine der Air France wird stattdessen von Carlos Weggefährten Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann organisiert, die während der Operation Entebbe am 4. Juli 1976 von einer israelischen Sondereinheit erschossen werden.
Carlos plant seitdem eigene Aktionen und führt im Auftrag der irakischen und später der syrischen Regierung Anschläge durch. Danach lässt er sich in Budapest nieder. In Ost-Berlin verhandelt er mit Vertretern der Stasi. Carlos hält weiterhin engen Kontakt zu den deutschen Revolutionären Zellen. Insbesondere arbeitet er weiter mit Johannes Weinrich und seiner späteren Frau Magdalena Kopp zusammen. Kopp und ein Schweizer Terrorist versuchen in Paris, einen Sprengstoffanschlag gegen eine syrische Exilzeitung durchzuführen, werden aber vor Vollendung der Aktion verhaftet. Carlos versucht, sie freizupressen, und überzieht Frankreich mit einer Serie von Anschlägen. Nachdem Kopp eine reduzierte Haftstrafe abgesessen hat, geht sie zu Carlos nach Beirut, wo sie eine Tochter zur Welt bringt.
Nach den politischen Umwälzungen in den europäischen Ostblockstaaten und der Öffnung des Eisernen Vorhangs verliert Carlos mit dem Ende des Kalten Krieges zeitgleich zahlreiche Fürsprecher und Reisemöglichkeiten. Syrien und Libyen weisen ihn aus und er zieht sich in den Sudan zurück, wo er nach jahrelanger Suche durch verschiedene Geheimdienste am 14. August 1994 verhaftet wird. Er wird vom französischen Geheimdienst DST nach Frankreich gebracht, wo er sich vor einem Pariser Gericht für einige seiner Straftaten verantworten muss. Der Film endet mit der Einblendung, was aus den wichtigsten Weggefährten und auch Carlos geworden ist. Dieser sitzt eine lebenslange Haftstrafe in Frankreich ab.
Produktion Die Originalversion des Filmes wurde mehrsprachig gedreht. Hauptsächlich werden Französisch, Englisch und Deutsch gesprochen, in geringerem Maße auch Arabisch und Spanisch. Zudem sprechen auftretende Personen aus Japan, Ungarn oder der Sowjetunion ebenfalls in ihrer jeweiligen Landessprache; die Bedeutung wird stets durch Untertitel wiedergegeben. Hauptdarsteller Édgar Ramírez ist wie auch sein historisches Vorbild Ilich Ramírez Sánchez mehrsprachig. Für den deutschsprachigen Raum wurde der Film komplett synchronisiert.
Veröffentlichungen Carlos – Der Schakal wurde im Mai 2010 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes außer Konkurrenz erstmals in einer fünfeinhalbstündigen Version gezeigt; Ende Mai wurde er als dreiteilige Miniserie auf dem französischen Fernsehsender Canal+ ausgestrahlt. Die Kinoversion wurde auf 187 Minuten gekürzt; sie lief am 4. November 2010 in deutschen Kinos an.
Die DVD-Versionen erschienen in Deutschland am 27. Mai 2011. Neben der DVD der Kinoversion wurde eine Extended Version mit dem Director’s Cut auf vier DVDs angeboten; die Blu-ray-Version umfasst den Director’s Cut auf zwei Discs sowie die Kinoversion auf einer weiteren Disc. Fernsehzuschauer in Deutschland konnten erstmals den Film in einer dreiteiligen Fassung am 20. (die ersten beiden Teile) und 21. Oktober 2011 jeweils ab 20.15 Uhr auf ARTE sehen.
Rezeption Der Film erhielt überwiegend positive bis sehr positive Kritiken.
Das Filmbewertungsportal Rotten Tomatoes führt den Film mit einer Wertung von 93 % bei Kritikern und 85 % bei den Zuschauern:
Roger Ebert nannte Carlos ein „erschreckendes Porträt eines Egomanen“ und einen „kraftvollen Film“.
2016 belegte Carlos bei einer Umfrage der BBC zu den 100 bedeutendsten Filmen des 21. Jahrhunderts einen geteilten 100. Platz.
Thomas Kram, ehemaliges Mitglied der Revolutionären Zellen (RZ), sagte in einem Interview, Teile der RZ seien im Film falsch dargestellt worden.
Auszeichnungen (Auswahl) mini|Édgar Ramírez mit seinem César als Bester Nachwuchsdarsteller Europäischer Filmpreis 2010: Preisträger in der Kategorie Bester Schnitt – Luc Barnier und Marion Monnier Europäischer Filmpreis 2010: Nominierung in der Kategorie Beste Regie – Olivier Assayas Los Angeles Film Critics Association Awards 2010: Preisträger in der Kategorie Beste Regie – Olivier Assayas Los Angeles Film Critics Association Awards 2010: Preisträger in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film – Olivier Assayas Los Angeles Film Critics Association Awards 2010: 2. Platz in der Kategorie Bester Film – Olivier Assayas Los Angeles Film Critics Association Awards 2010: 2. Platz in der Kategorie Bester Hauptdarsteller – Édgar Ramírez César 2011: Preisträger in der Kategorie Bester Nachwuchsdarsteller – Édgar Ramírez César 2011: Nominierung in der Kategorie Beste Regie – Olivier Assayas César 2011: Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt – Luc Barnier Primetime-Emmy-Verleihung 2011: Nominierung in der Kategorie Regie bei einer Miniserie, Fernsehfilm oder Dramatic Special – Olivier Assayas Emmy-Verleihung 2011: Nominierung in der Kategorie Hauptdarsteller in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm – Édgar Ramírez Golden Globe Awards 2011: Preisträger in der Kategorie Beste Mini-Serie oder Fernsehfilm Golden Globe Awards 2011: Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller – Mini-Serie oder Fernsehfilm – Édgar Ramírez London Critics’ Circle Film Award 2011: Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller – Édgar Ramírez Festival de Télévision de Monte-Carlo 2011: Preisträger der Goldenen Nymphe in der Kategorie Mini-Serie – Bester Darsteller – Édgar Ramírez New York Film Critics Circle Award 2010: Preisträger in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film – Olivier Assayas
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2010 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Filmbiografie Kategorie:Politthriller Kategorie:Miniserie Kategorie:Terrorismus im Film