Ajuga orientalis, auch Orientalischer Günsel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Günsel (Ajuga) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
Beschreibung mini|Habitus mini|Habitus
Vegetative Merkmale Ajuga orientalis wächst als ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 60 Zentimetern erreicht. Sie bildet kurze Rhizome als Überdauerungsorgane. Die oberirdischen Pflanzenteile sind mehr oder weniger dicht wollig-zottig behaart.
Die unteren Laubblätter sind bei einer Länge von 3 bis 9, selten bis zu 12 Zentimetern sowie einer Breite von 1,5 bis 4, selten bis zu 5 Zentimetern eiförmig bis länglich und buchtig gekerbt oder gekerbt-gezähnt oder manchmal leicht gelappt.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von März bis Juli. Die Tragblätter sind eiförmig, meist seicht gelappt und blau überlaufen, die oberen sind kürzer als die Blüten. Die Scheinquirle des Blütenstandes sind voneinander entfernt; sie enthalten vier bis sechs, selten bis zu zwölf Blüten.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die 5 bis 8 Millimeter langen Kelchblätter sind auf etwa der Hälfte ihrer Länge röhrig verwachsen. Die blauviolette Blütenkrone ist 10 bis 13, selten bis zu 18 Millimeter lang. Die Kronröhre überragt den Kelch, sie ist innen ohne Haarring. Die Oberlippe der Krone ist deutlich zweilappig. Eine Besonderheit ist die gedrehte Kronröhre; die blauviolette, mit ausgedehntem weißlichem Mal versehene dreilappige Unterlippe ist nach oben gerichtet, die zweilappige Oberlippe nach unten. Die Staubblätter sind in die Kronröhre eingeschlossen.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32, oder auch 64.
Vorkommen Das Verbreitungsgebiet von Ajuga orientalis umfasst Sardinien, Sizilien und Kalabrien, Albanien, alle Regionen Griechenlands, Bessarabien und die Krim sowie den gesamten Kaukasusraum, die gesamte Türkei mit Ausnahme Mesopotamiens und des Südostens, den nordwestlichen Iran, das Troodos-Gebirge auf Zypern, das westliche Syrien und den Libanon, den Norden Israels und des Westjordanlandes und das nordwestliche Jordanien.
Ajuga orientalis gedeiht in Macchien, auf Schotterfluren und an schattigen Ruderalstellen. In der Türkei besiedelt sie Höhenlagen zwischen Meereshöhe und 3100 Metern.
Systematik Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Ajuga orientalis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 561. Synonyme für Ajuga orientalis sind: Bugula orientalis , Bulga orientalis , Bugula obliqua , Ajuga orientalis var. condensata , Ajuga orientalis subsp. aenesia , Ajuga orientalis var. aenesia
Botanische Geschichte Je nach Autor gibt es etwa zwei oder keine Unterarten: Ajuga orientalis subsp. orientalis Ajuga orientalis subsp. aenesia (Syn.: Ajuga orientalis var. aenesia ): Sie unterscheidet sich von der Nominatform durch die auffallend violettpurpurn gefärbten Tragblätter mit wenigen, tiefen Zähnen und den kompakteren Blütenstand; sie ist ein Endemit der griechischen Insel Kefalonia. Sie gilt im 21. Jahrhundert als Synonym.
Literatur Peter William Ball: Ajuga L. In:
Einzelnachweise Antonio Scrugli, Luigi Mossa, Maria Pia Grasso: Ajuga orientalis L. (Labiatae) nuova per la flora di Sardegna. Considerazioni fitogeografiche. In: Candollea. Band 38, Nr. 1, 1983, , S. 125–129. Fabio Conti, Giovanna Abbate, Alessandro Alessandrini, Carlo Blasi (Hrsg.): An annotated checklist of the Italian vascular flora. Palombi, Roma 2005, ISBN 88-7621-458-5, S. 48 . Panayiotis Dimopoulos, Thomas Raus, Erwin Bergmeier, Theophanis Constantinidis, Gregoris Iatrou, Stella Kokkini, Arne Strid, Dimitrios Tzanoudakis: Vascular Plants of Greece: An Annotated Checklist. (= Englera. 31). Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem/Hellenic Botanical Society, Berlin/Athen 2013, ISBN 978-3-921800-88-1, S. 106. Peter H. Davis: Ajuga. In:
Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 561, B. K. Shishkin, S. V. Yuzepchuk (Hrsg.): Flora of the USSR. Begründet von Vladimir Leontyevich Komarov. Volume XX: Labiatae (Ajuga – Neustruevia), Keter/Smithsonian Institution and the National Science Foundation, Jerusalem/Washington, D.C. 1976, ISBN 0-7065-1573-0, S. 26–27 (engl., übersetzt von N. Landau; russisches Original: Botanicheskii institut, Izdatel'stvo Akademii Nauk SSSR, Moskau/Leningrad 1954, S. 38–39), . Karl Heinz Rechinger: Ajuga. In: Karl Heinz Rechinger (Hrsg.): Flora Iranica. Flora des Iranischen Hochlandes und der umrahmenden Gebirge. Band 150, Labiatae. Akademische Drucks- und Verlagsanstalt, Graz 1982, ISBN 3-201-00728-5, S. 20–21. Paul Mouterde: Nouvelle Flore du Liban et de la Syrie. Texte. Posthum herausgegeben von André Charpin, Werner Greuter. Band 3, Nr. 1–4 (Ericaceae – Compositae), Dar el-Machreq, Beirut 1978–1983, ISBN 2-7214-5807-8, S. 97.
Dimitrios Phitos, Jürgen Damboldt: Die Flora der Insel Kefallinia (Griechenland). In: Botanika Chronika (Patras). Band 5, Nr. 1–2, 1985, , S. 111 (in Griechisch mit deutscher Einführung).
Weblinks
Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt mit Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.
Kategorie:Lamiaceae Kategorie:Lippenblütler