Ein magnetischer Monopol ist ein gedachter Magnet, der nur einen Pol hat, also nur den Nord- oder nur den Süd-Pol. Nach seinen Wirkungen kann man sich einen einzelnen magnetischen Pol wie ein Ende eines langen Stabmagneten (siehe Polstärke) vorstellen, wenn dessen anderes Ende so weit entfernt ist, dass die von dort ausgehenden Kräfte vernachlässigbar klein sind.
In bestimmten Festkörpern sind elektronische Strukturen (Quasiteilchen) nachgewiesen worden, die einer Mischung von genau gleich vielen einzelnen und frei beweglichen Nord- und Südpolen ähneln. Diese werden zwar als magnetische Monopole bezeichnet, können aber nur paarweise, nicht einzeln auftreten und nicht als freie Teilchen existieren.
Ein wirklicher magnetischer Monopol, zu dem kein Gegenpol existiert, ist bisher nicht beobachtet worden. Wenn es ihn als Teilchen gäbe, wäre er Träger einer magnetischen Ladung entsprechend der elektrischen Ladung; magnetische Ladungen wären Quellen und Senken des magnetischen Feldes (siehe auch Monopol (Physik)). Überlegungen über solche magnetischen Monopole gab und gibt es in verschiedenen Bereichen der theoretischen Physik. In der beobachteten Natur kennt man jedoch bisher nur magnetische Felder mit geschlossenen Feldlinien, die keine Quellen und Senken besitzen.
Quasiteilchen in Festkörpern als scheinbare magnetische Monopole In Festkörpern vom Typ Spin-Eis werden seit 2009 sogenannte Monopole beobachtet und erforscht. Es handelt sich um monopolähnliche Quasiteilchen in Gestalt der beiden Enden von langen Ketten „zusammenhängend“ ausgerichteter Elektronenspins. Sie können sich, vergleichbar Gasmolekülen, frei durch den Festkörper bewegen und verhalten sich in vielerlei Hinsicht wie echte einzelne magnetische Monopole. Sie können aber nur paarweise als Nord- und Südpol auftreten. Daher kann man sie zwar lokal als Quellen der Magnetisierung ansehen, global bleibt das Magnetfeld jedoch quellenfrei.
Nach konzeptionellen Vorarbeiten von Castelnovo, Moessner und Sondhi konnte 2009 ein Team vom Helmholtz-Zentrum Berlin zusammen mit anderen Forschern durch Neutronenbeugung in einem Dysprosium-Titanat-Kristall (Dy2Ti2O7) erstmals solche sogenannten Monopole in fester Materie beobachten.. In: News und Pressemitteilungen 2009. Helmholtz-Zentrum Berlin, 3. September 2009, abgerufen am 10. März 2010.
2010 gelang es am Paul-Scherrer-Institut mittels Synchrotronstrahlung ebenfalls, diese Quasi-Monopole abzubilden.physorg.com - Scientists capture first direct images of theoretically predicted magnetic monopoles, zuletzt aufgerufen am 23. Oktober 2010.
2013 entdeckten Forscher der Technischen Universitäten Dresden und München, dass die Quasimonopole beim Abbau von Skyrmion-„Kristallen“ eine Rolle spielen können.P. Milde u. a.: Unwinding of a Skyrmion Lattice by Magnetic Monopoles. In: Science. Bd. 340, 2013, S. 1076–1080. Dieser Effekt könnte bei einer zukünftigen Nutzung von Skyrmionen in der Datenspeichertechnik wichtig sein..
2014 gelang es Forschern um David Hall (University of Amherst) und Mikko Möttönen (Universität Aalto), Quasimonopole in einem ferromagnetischen Bose-Einstein-Kondensat nachzubilden.Rainer Scharf: Dirac Monopol im Bose-Einstein-Kondensat. In: Physik Journal. Januar 2014.M. W. Ray, E. Ruokokoski, S. Kandel, M. Möttönen, D. S. Hall: Dirac Monopoles in a synthetic magnetic field. In: Nature. Band 505, 2014, S. 657.
2017 wurde ein System effektiver magnetischer Monopole in einem schon länger aus anderen Gründen untersuchten flüssigen molekularen System entdeckt: rotierende Moleküle (ein Angulon genanntes Quasiteilchen) in einem Tropfen flüssigen Heliums im Nanometerbereich. Das Angulon kann als Punktteilchen auf einer 2-Sphäre beschrieben werden, das mit dem Eichfeld eines nichtabelschen magnetischen Monopols, zum Beispiel in der nichtabelschen Eichgruppe U(3), wechselwirkt.E. Yakoboylu, A. Deuchert, M. Lemeshko: Emergence of Non-Abelian Magnetic Monopoles in a Quantum Impurity Problem. In: Phys. Rev. Lett. Band 119, 2017, S. 235301, ArxivElisabeth Guggenheimer: Neue Erscheinungsform magnetischer Monopole entdeckt. In: IST Austria. 12. Juli 2017, idw.
Der Dirac-String Ein Dirac-String (engl. string = Faden) ist eine gedachte Linie, die von einem magnetischen Monopol ausgeht.Yakov M. Shnir: Magnetic Monopoles. Springer, 2006, ISBN 3-540-25277-0. Für ein elektrisch geladenes Teilchen, das sich im Magnetfeld des Monopols bewegt, ist auf dieser Linie die Phase der quantenmechanischen Wellenfunktion singulär und die Aufenthaltswahrscheinlichkeit gleich Null. Wenn es einen magnetischen Monopol gibt, muss auch die Existenz einer solchen Linie angenommen werden, da Teilchen außerhalb der Linie sonst keine eindeutige Phase hätten.pro-physik.de Ein solcher string müsste wegen der auf ihm verschwindenden Aufenthaltswahrscheinlichkeit beobachtbar sein und ist an den Quasimonopolen tatsächlich beobachtet worden. In den Veröffentlichungen über die Quasimonopole werden diese daher auch „Dirac-Monopole“ genannt; es handelt sich aber nicht um Monopole im Sinne von Elementarteilchen, eine Vorstellung, die ebenfalls auf Paul Dirac zurückgeht.
Magnetische Monopole als Elementarteilchen Diracs Elementarteilchen-Monopol Von Paul Dirac stammt die Spekulation, es könne den magnetischen Monopol als Elementarteilchen geben, welches das magnetische Gegenstück zum Elektron wäre.Richard P. Feynman, Steven Weinberg: Elementary Particles and the Laws of Physics: The 1986 Dirac Memorial Lectures. Cambridge University Press, 1987, ISBN 0-521-65862-4, S. 48–54. Für diese Idee sprechen zwei Argumente: Die merkwürdige Asymmetrie zwischen den sonst so ähnlichen Erscheinungen Magnetismus und Elektrizität – sichtbar z. B. in den Maxwell-Gleichungen – wäre behoben. Es wäre zwanglos erklärbar, warum die elektrische Ladung stets nur „gequantelt“, d. h. in ganzzahligen Vielfachen der Elementarladung auftritt. Beide Argumente werden in den folgenden Abschnitten erläutert. Trotz intensiver Bemühungen konnte bisher allerdings die Existenz eines solchen Teilchens nicht nachgewiesen werden.
Maxwell-Gleichungen und Symmetrie Symmetrien spielen in der Physik eine fundamentale Rolle. Die im 19. Jahrhundert formulierten Maxwell-Gleichungen, die die elektrischen und magnetischen Phänomene beschreiben, zeigen eine unnatürlich erscheinende Asymmetrie zwischen den Vektoren der elektrischen Feldstärke und der magnetischen Flussdichte . Während die elektrischen Ladungen als Ladungsdichte und zugehörige Stromdichte auftreten, sind wegen der Nichtexistenz magnetischer Ladungen die entsprechenden magnetischen Größen gleich Null.
Im Jahr 2013 waren Sergio Severini und Alessandro Settimi daran interessiert, der zweiten Maxwell-Gleichung eine neue Perspektive zu geben, mit Null-Divergenz und in Bezug auf das magnetische Induktionsfeld. Zu diesem Zweck betrachteten die beiden Autoren einige physikalische Aspekte eines Systems aus massiven, geladenen und nicht-relativistischen Teilchen als Quellen eines elektromagnetischen Felds (EM), das sich im freien Raum ausbreitet. Insbesondere wurde der Zusammenhang zwischen der Erhaltung des Gesamtimpulses und der Bedingung der Nulldivergenz für das magnetische Induktionsfeld eingehend untersucht. Dieser wissenschaftliche Artikel stellte einen neuen Kontext vor, in dem die notwendige Bedingung für die Null-Divergenz-Eigenschaft des magnetischen Induktionsfeldes im gesamten Raum, bekannt als Solenoiditätsbedingung, direkt aus der Erhaltung des Gesamtimpulses für das System, d. h. Quellen und Feld, abgeleitet wird. Im Allgemeinen führte die Studie zu Ergebnissen, die einige Fragen zur Existenz oder zumindest zur Beobachtbarkeit magnetischer Monopole offen lassen, die nur theoretisch unter geeigneten Symmetriehypothesen plausibel sind.
+Die klassischen Maxwell-Gleichungen im Vakuum in cgs-Einheiten
Nimmt man jedoch die Existenz von magnetischen Ladungen (Monopolen) an, so gäbe es auch eine von Null verschiedene magnetische Ladungsdichte und magnetische Stromdichte , die Gleichungen würden dann lauten:
+Die modifizierten Maxwell-Gleichungen im Vakuum in cgs-Einheiten
Man erhielte also eine Theorie, die unter folgenden Transformationen unverändert bliebe (sog. symplektische Symmetrie):
Die Existenz magnetischer Monopole würde also die Unterschiede zwischen elektrischem und magnetischem Feld weiter verringern, elektrische und magnetische Phänomene wären streng „dual“ zueinander.
Potentiale und kovariante Formulierung Wie im Fall der Maxwell-Gleichungen ohne magnetische Monopole lassen sich Potentiale einführen, die hilfreich zur Konstruktion von Lösungen der jeweiligen Differentialgleichungen sind und gewissen neuen Differentialgleichungen genügen. Zusätzlich zum elektromagnetischen Viererpotential führt man ein zweites, „magnetoelektrisches“ Viererpotential ein. Die Potentiale werden dabei so gewählt (wobei eine gewisse Willkür besteht, insofern es möglich ist), dass sich der Feldstärketensor als Differentialform
ergibt, bzw. in Indexnotation als .
Die Maxwell-Gleichungen nehmen die folgende Form an (wobei als Vierervektoren aufgefasst werden):
Es ergeben sich hieraus die Kontinuitätsgleichungen:
Für die Potentiale heißt das:
Dies heißt, dass sich genau wie im Fall ohne magnetische Monopole unabhängig von verhält, und die Komponenten von völlig analog in jeder Komponente die Wellengleichung mit magnetischer Ladung bzw. Strom als Inhomogenität erfüllen. Die Theorie weist auch eine zusätzliche Eichinvarianz auf: Für Skalarfelder ist sie nicht nur invariant unter der Transformation , sondern auch unter .
Die oben erwähnte Symmetrietransformation lässt sich in dieser Notation als Transformation über den Hodge-Stern-Operator vom Feldstärketensor zum dualen Feldstärketensor, sowie durch die Übergänge und verstehen.
Die Quantisierung der elektrischen Ladung Außer dem Drehimpuls ist auch die elektrische Ladung quantisiert, d. h. sie tritt nur als ganzzahliges Vielfaches der Elementarladung auf. Nach Dirac würde das Vorhandensein magnetischer Monopole diesen Umstand leicht erklären: Ein sich im Feld eines Monopols bewegendes Elektron wird auf eine gekrümmte Bahn abgelenkt. Die mit der Ablenkung einhergehende Änderung des Drehimpulses kann nur quantisiert in bestimmten diskreten Schritten erfolgen, muss aber proportional der elektrischen Ladung sein. Daher folgt aus der Drehimpulsquantisierung zusammen mit der Existenz des magnetischen Monopols direkt die Quantisierung der elektrischen Ladung. Die Überlegung würde in gleicher Weise auch für die magnetische Ladung gelten. Der Monopol wäre also Träger der magnetischen Elementarladung.
Magnetische Monopole als Solitonen